Die Haarfarbe eines Menschen ist ein faszinierendes Merkmal, das durch komplexe genetische Mechanismen bestimmt wird. Ob blond, braun oder rothaarig - die Genetik bestimmt, welche Haarfarbe ein Kind einmal bekommen wird. Eine exakte Vorhersage, welche Haarfarbe der Nachwuchs haben wird, ist kaum möglich. Das liegt daran, dass die Vererbung dieses Merkmals sehr komplex und noch immer nicht völlig verstanden ist.
Auch wenn Mutter und Vater dunkelhaarig sind, kann ihr blonder Nachwuchs kein Kuckuckskind sein: Die Regeln der Vererbung sind kompliziert. Auch wenn beide Elternteile schwarzhaarig sind, können sie ein blondes Kind bekommen.
Verantwortlich für die Haarfärbung ist das Pigment Melanin. Ebenso wie die Hautfarbe des Menschen, so wird auch die Haarfarbe von Farbpigmenten, dem so genannten Melanin, in der Haarwurzel bestimmt. Es wird von speziellen Hautzellen, den Melanozyten, produziert und in die Haare eingelagert. Von dem Farbstoff gibt es zwei Varianten: das dunkle Eumelanin und das helle Phäomelanin.
Je nachdem, in welchem Mengenverhältnis die beiden Pigmente gebildet werden, nehmen die Haare unterschiedliche Farbtöne zwischen hellblond und schwarz an. „Das Komplizierte an der Pigmentierung ist, dass die Herstellung von Eu- und Phäomelanin von so vielen Genen reguliert wird. Wie viele Gene insgesamt daran beteiligt sind, kann heute noch niemand genau sagen“, erklärt die Biologin Melanie Harder aus dem Labor von Nicole von Wurmb-Schwark, Professorin für Rechtsmedizin des Uniklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.
Das wichtigste bekannte Gen, das mit der Haarfarbe zusammenhängt, heißt MC1R (die meisten Menschen habe zwei funktionierende MC1R, eins von jedem Elternteil). Dieses Gen enthält die Informationen, um das Protein Melanocortin-1-Rezeptor zu produzieren, das dazu beiträgt, Melanin herzustellen. Der Melanocortin-1-Rezeptor bestimmt, welche Art von Melanin produziert wird: Ist der Rezeptor aktiviert, sorgt eine Reihe chemischer Reaktionen dafür, dass Eumelanin produziert wird, je mehr, je dunkler die Haarfarbe. Bei manchen Menschen wird weniger Eumelanin produziert, aber dafür mehr Phäomelanin - diese Menschen haben dann rote Haare. In wenigen Fällen wird nur das Pigment Phäomelanin produziert.
Beim Thema Gene und Haarfarben wird immer noch fleißig geforscht. In einer in Nature Genetics veröffentlichten Studie aus dem Jahr 2018 beschreiben die Wissenschaftler:innen ihre Erkenntnisse aus den Analysen von rund 300.000 Teilnehmer:innen europäischer Abstammung. Das Ergebnis: Sie identifizierten 111 bisher unbekannte Genorte, die mit der Bestimmung der Haarfarbe zu tun haben! Bis zu dieser Studie waren nur 13 erfasst und es wird davon ausgegangen, dass es noch viele weitere unentdeckte Genorte gibt.
Jetzt wird es etwas kompliziert. Denn bis heute ist die Vererbung in Bezug auf Haarfarben nicht gänzlich geklärt. Was wir jedoch wissen, ist, dass Gene für dunklere Haare dominant und solche für helle Haarfarben rezessiv sind. Das heißt, wenn ein Elternteil dunkle und ein Elternteil blonde Haare hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr Nachwuchs dunkelhaarig sein wird. Ähnlich wie bei der Augenfarbe von Babys spielt auch bei der Haarfarbe das Protein Melanin, das von den Melanozyten produziert wird, eine wichtige Rolle.
Bei der Vererbung von Haarfarben gibt es einmal die dominante und die rezessive Vererbung. Dominant bedeutet, dass die Farbe andere Farben überdeckt, dass sie also stärker in Erscheinung tritt. Wenn dein Vater blonde Haare hat, deine Mutter aber schwarze, dann sind die blonden Haare rezessiv und die schwarzen Haare dominant. Du hast also ziemlich sicher auch dunkle Haare.
Die Haarfarbe unserer Kinder ist in der Tat genetisch vorbestimmt. Wir Menschen besitzen wir einen doppelten Chromosomensatz, der sich bei der Zeugung mit dem unseres Partners durchmischt. Jeder Geschlechtspartner trägt zwei unterschiedliche Vererbungsmerkmale in sich, von denen jeweils nur eines an unser Kind weitergegeben wird. Die Eigenschaft von Haut- und Haarfarbe wird heterozygot vererbt.
Da jeder Mensch von jedem Gen ein mütterliches und ein väterliches Exemplar besitzt, ergeben sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten und eine entsprechende Vielfalt an Farbtönen. Der Nachweis bestimmter Varianten des sogenannten MC1R-Gens lässt mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass der Träger dieses Gens rötliche Haare hat.
Ein einzelnes Gen, das für blonde Haare verantwortlich ist, gebe es nicht, sagt Harder. „In unseren Studien konnten wir feststellen, dass drei kleine Genveränderungen in einer bestimmten Kombination, sehr häufig bei blonden Menschen vorkommen.“ Diese Genvarianten können aber auch im Erbgut von Schwarzhaarigen vorhanden sein. Wenn sie von Vater und Mutter auf die Kinder übertragen werden, ist der Nachwuchs blond.
Wenn du Geschwister hast, habt ihr dieselben Eltern, aber nicht dieselben Gene. Deswegen kann es sein, dass du eine etwas andere Haarfarbe hast als deine Geschwister. Dass wir alle unterschiedliche Haarfarben haben, liegt am Farbstoff Melanin. Dabei gibt es zwei Typen von Melanin: Das eine ist für blonde und rote Haare verantwortlich und das andere für schwarze und braune Haare zuständig. Der jeweilige Melaninanteil ist schon bei der Geburt angelegt und kann auch nicht durch Essen verändert werden.
Die Haarfarbe eines Menschen verändert sich im Lauf des Lebens. So haben Kinder nord- und mitteleuropäischer Eltern zunächst oft sehr helle Haare, die erst später dunkler werden. Das kommt daher, dass in diesen Fällen die Produktion des dunklen Eumelanins erst ab dem zweiten Lebensjahr einsetzt.
Darüberhinaus beobachte ich in einigen Fällen eine Veränderung der kindlichen Haarfarbe, die sich vom Kleinkindalter ins Schulalter hinein bis hin zur Pubertät vollziehen kann. Wenn Sie in die Fotoalben von Erwachsenen schauen, werden Sie solche Veränderungen der Haarfarbe immer wieder finden können. Diese Fälle sind allerdings eher die Ausnahme. Ein einfaches Vorhersagesystem dazu kenne ich nicht.
Außerdem werden unsere Haare - früher oder später - weiß. Der Grund hierfür ist, dass im Alter die Melaninproduktion nachlässt. Das wiederum kann zwei Ursachen haben: Zum einen sinkt der Vorrat an Stammzellen in der Kopfhaut, so dass nicht mehr genügend Melanozyten entstehen. Zum anderen wird in höherem Alter ein Enzym geschädigt, das für die Melaninbildung nötig ist.
Dein Baby ist vielleicht mit feinen blonden Härchen auf die Welt gekommen und hat mit einem Jahr dann eine dunkelbraune Mähne. Gerade blonde Kinder entwickeln mit zunehmendem Alter oftmals dunklere Haartöne. Forscher:innen gehen davon aus, dass dies an Proteinen liegt, die aber erst im Laufe der Zeit aktiviert werden.
Neben den dominant-rezessiven Erbgängen gibt es auch intermediäre und kodominante Erbgänge.
Ein bekanntes Beispiel für einen kodominanten Erbgang ist die Vererbung von Blutgruppen. Hier sind die Allele, die für die Ausprägung der Blutgruppen A und B sorgen, kodominant.
| Erbgang | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Dominant-rezessiv | Ein Allel überdeckt das andere | Augenfarbe (Braun > Blau) |
| Intermediär | Mischform der Allele | Blütenfarbe bei Wunderblumen (Rot + Weiß = Rosa) |
| Kodominant | Beide Allele werden ausgeprägt | Blutgruppen (A und B) |
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