Wenn der Friseur zu viel abgeschnitten hat: Was tun?

Fast jede*r kennt diese Situation: Man geht zum Friseur und schwups ist viel mehr ab, als man eigentlich wollte. Besonders ärgerlich, wenn man die Haare mühsam wachsen gelassen hat. Aber warum ist es in vielen Friseursalons eigentlich oft zu viel des Guten?

Kommunikation ist auch beim Friseur das A und O. Man muss ganz klar die eigenen Wünsche kommunizieren. Tut man das nicht, kann es sein, dass man nicht mit dem Ergebnis nach Hause geht, was man wollte.

Einmal Spitzen schneiden, bitte! Das sagen viele Kund*innen, wenn sie mit langen Haaren zum Friseur gehen. Doch was bedeutet das eigentlich? Ein Zentimeter oder mehr? Oder schneidet der Friseur alles weg, was kaputt ist? Es ist so: unter Spitzen schneiden kann jede*r etwas anderes verstehen. Manche schneiden wirklich nur die Spitzen ab, andere entfernen den gesamten Spliss und alles an beschädigtem Haar.

Wer kennt das nicht: beim Friseur sieht die Frisur mit Styling und Co. ganz anders aus als plötzlich zuhause. Auch sehen nasse Haare länger als trockene Haare.

Viele Kundinnen und Kunden haben ähnliche Erfahrungen gemacht und fühlen sich nach einem missglückten Friseurbesuch unglücklich und verzweifelt. Einige trauen sich jahrelang nicht mehr zum Friseur. Es ist wichtig zu wissen, dass man in solchen Fällen nicht machtlos ist und bestimmte Rechte hat.

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Was tun, wenn zu viel abgeschnitten wurde?

Hier sind einige Schritte, die du unternehmen kannst, wenn dein Friseur deine Haare zu kurz geschnitten hat:

  1. Hände weg von der Schere! Im ersten Moment kommt man sogar auf die Idee, sich einfach selbst die Haare zu schneiden. Zum Glück sollte man die Schere dann doch liegen lassen, denn das hätte wahrscheinlich alles nur verschlimmert.
  2. Suche dir Hilfe bei einem anderen Friseur! Frag Freunde und Bekannte, welchen Haarsalon sie empfehlen können, und lass dir dort die Haare nochmal nachschneiden.
  3. Eine neue Farbe kann Wunder bewirken! Denn gerade dunkle Farben lassen Stufen und kleine Patzer etwas verschwinden.
  4. Sei offen für Neues! Probiere neues Styling aus!

Außerdem möchte ich mich noch mal ganz herzlichen für eure lieben Kommentare bedanken. Einige von euch haben mir sogar ein paar Frisuren zugeschickt und Tipps gegeben, was ich mit meinen Haaren noch ausprobieren kann.

Eine neue Frisur kann helfen, das Beste aus der Situation zu machen.

Deine Rechte als Kunde

Der Friseur übt ein Handwerk aus. Er und sein Kunde schließen einen Werkvertrag ab, beispielsweise über einen besonderen Haarschnitt oder eine bestimmte Färbung. Der Friseur verpflichtet sich, die vereinbarte Frisur herzustellen.

Ist der Kunde mit der neuen Frisur nicht zufrieden, heißt das jedoch nicht, dass er automatisch Schadensersatz von seinem Friseur verlangen kann. Es genügt z. B. nicht, dass dem Kunden die Frisur einfach nicht gefällt, weil sie ungewohnt aussieht oder weil sie - anders als erwartet - doch nicht dem Geschmack des Kunden entspricht.

Nur wenn die Frisur wirklich mangelhaft ist, kann er aufgrund dessen auch Ansprüche geltend machen.

Bevor der Kunde in einem solchen Fall Schadensersatz vom Friseur verlangen muss, muss er dem Friseur die Möglichkeit der Nachbesserung innerhalb einer angemessenen Frist geben. Ist dem Friseur ein Fehler unterlaufen, kann der Kunde also nicht sofort Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangen. Beide Ansprüche setzen voraus, dass ihm tatsächlich ein Schaden entstanden ist.

Wann kann man Schadensersatz verlangen?

  • dem Friseur die Nachbesserung misslingt und der Kunde deshalb einen anderen Salon aufsucht. In diesem Fall kann der Kunde Schadensersatz vom ersten Friseur verlangen.
  • ein Model aufgrund einer völlig missratenen Haarfärbung nicht in seinem bzw. ihrem Beruf arbeiten kann.

Ein Anspruch auf Schmerzensgeld gegen den Friseur besteht nur in den seltensten Fällen, wenn diesem gravierende Fehler unterlaufen und dem Betroffenen dadurch ein konkreter Gesundheitsschaden entsteht, bspw. Bei Verätzungen der Kopfhaut, Haarausfall und ähnlichen Gesundheitsschädigungen können Kunden den Friseur anzeigen wegen Körperverletzung.

Wichtig: Normalerweise macht sich ein Friseur nicht wegen Körperverletzung strafbar. Zwar kann z. B. das Abschneiden von Haaren eine „körperliche Misshandlung“ im Sinne von § 223 Abs. 1 Strafgesetzbuch (StGB) sein. Allerdings ist in der Regel von einer rechtfertigenden Einwilligung des Kunden auszugehen.

Was sollte ich tun, wenn der Friseur nicht wie abgesprochen vorgegangen ist?

Ähnlich wie bei einer Schönheits-OP ist es sehr wichtig, dass Sie ihm im Vorfeld genau erklären, was Sie wünschen. Wenn sich der Friseur dann nicht an die Vereinbarungen hält und mangelhaft frisiert, können Sie zunächst eine Nachbesserung verlangen. Allerdings sollten Sie Ihre Unzufriedenheit so schnell wie möglich äußern, am besten sofort und nicht erst Tage später.

Einige Beispielsfälle können Sie der obigen Schmerzensgeldtabelle entnehmen.

Schmerzensgeldtabelle: Wann kann man Schadensersatz verlangen?

Die folgende Schmerzensgeldtabelle gibt einen kleinen Überblick darüber, wann jemand Schadensersatz vom Friseur verlangen kann und wann nicht.

Fall Schadensersatz/Schmerzensgeld
Haare ein paar Zentimeter zu kurz geschnitten Nein (da Kunde im Spiegel mitverfolgen kann)
Dauerhafte Gesundheitsschäden oder Entstellungen Ja
Misslungene Nachbesserung, Kunde muss anderen Salon aufsuchen Schadensersatz vom ersten Friseur
Model kann aufgrund missratener Färbung nicht arbeiten Schadensersatz
Verätzungen der Kopfhaut, Haarausfall Anzeige wegen Körperverletzung möglich

Kommunikation ist entscheidend, um Fehler zu vermeiden.

Die Geschichte eines missglückten Friseurbesuchs

Einige Leute haben die Sprüche: “Du müsstest dein Geld zurück bekommen,” oder “Das grenzt ja an Körperverletzung, du solltest Schmerzensgeld verlangen,” die letzten Monate sehr häufig gehört. Berechtigt muss ich an dieser Stelle sagen, denn ein Friseur hat mir meine Haare total versaut. Mit diesem Beitrag möchte ich dir zeigen, dass man so etwas nicht einfach hinnehmen muss, man kann eine Menge tun. Welche Schritte ich gegangen bin, verrate ich dir heute.

Ich habe einen Friseur aufgesucht, weil ich mir meine Haare kupfer färben lassen wollte. Ich habe die Friseurin gefragt, ob dies möglich sei, gern könnten wir auch mit mehreren Schritten zur Wunschfarbe gelangen. Diese meinte aber, dass es kein Problem sei und sie dies mit einem Besuch hinbekommen würde. Sie hat mir eine Blondierwäsche hierfür empfohlen.

Ich war zuerst dagegen, aber sie hat mir versprochen, dass diese gar nicht mehr so aggressiv wie früher ist und meine Haare dadurch nicht wesentlich kaputt gehen. Noch dazu war mir wichtig, dass die Farbe sich nicht so schnell rauswäscht und ich immer nur den Ansatz nachfärben muss. Bei Kupfer und Rot ist man es ja gewohnt, dass die Farbe sich schnell rauswäscht. Auch hier hat sie mir versichert, dass die Farbe 4 Wochen halten wird und ich immer nur den Ansatz nachfärben muss. Schon hier kamen mir Zweifel.

Sie hat mir dann gesagt, dass das Ansatzfärben 22 € kosten wird, ich aber heute wegen der Blondierwäsche usw. etwas teurer kommen werde. Soweit so gut. Sie hat dann meine Haare blondiert und anschließend gefärbt. Der Farbton hat mir sehr gut gefallen, wäre da nicht ein schwarzer Streifen gewesen, der rund um meinen Kopf verlief.

Ich habe dann die Friseurin darauf angesprochen und sie meinte, dass dies ein natürlicher Farbverlauf ist, der beim nächsten Färben total verschwindet. In dem Licht vom Friseursalon sah auch alles noch nicht so dramatisch aus. Gezahlt habe ich hierfür 140 €.

Zu Hause kam dann der böse Überraschungseffekt, denn meine Haare sahen aus wie selbst gefärbt. Natürlich bin ich nicht direkt wieder hin, dazu bin ich irgendwie zu schüchtern. Ich habe 4 Wochen gewartet und darauf gehofft, dass sie mir im Salon den Streifen beim nächsten Besuch entfernen.

Die Farbe hat sich wie nicht anders erwartet sehr schnell rausgewaschen, bereits nach einer Woche sahen die Haare leblos aus. Ich bin dann nach 4 Wochen wieder hin und kam zu einer anderen Friseurin. Diese fragte mich, was ich denn gemacht hätte, ich solle bei so was doch lieber zu einem Friseur gehen. Das heißt, sie dachte, ich habe mir meine Haare selbst so gefärbt.

Nachdem ich sie aufgeklärt hatte, dass mir dies genau in diesem Salon angetan wurde, war sie sprachlos. Auch hat sie mir erklärt, dass sie den dunklen Balken ohne erneute Blondierwäsche nicht wegbekommt, man aber eine Blondierwäsche bei meiner Haarlänge niemals machen sollte. Ich habe nicht erneut zugestimmt und musste somit weiterhin mit dem Streifen leben.

Auch hat sie mir gesagt, dass sie meinen Ansatz nicht nachfärben kann, ohne eine Farbauffrischung zu machen und dies jedes Mal nötig sei. War auch logisch, denn die Farbe war ja ausgewaschen. Ich habe ihr dann gesagt, dass ihre Kollegin meinte, dass ich alle 4 Wochen nur 22 € zahlen müsse und es damit getan sei. Die Farbe war bereits auf dem Kopf und sie äußerte sich nicht über den Preis. Ich befürchtete wieder Schlimmes und war mehr als sauer.

Natürlich habe ich an der Kasse nicht 22 €, sondern 46 € zahlen müssen. Auf meine Nachfrage, warum sie dies nicht kostenlos ausbessern und meine Haare versuchen zu retten, kassierte ich nur die Antwort, dass so was die Chefin entscheiden muss und diese nicht vor Ort ist. Ich habe dann wütend gezahlt, was sicherlich ein Fehler war und zu Hause direkt die Chefin kontaktiert.

Natürlich erhielt ich keine Antwort. 3 Wochen später habe ich ihr erneut geschrieben, wieder nichts. In der Zwischenzeit war ich bei einem anderen Friseur, denn so konnte man nicht auf die Straße gehen. Dieser hat mir empfohlen, mich an die Handwerkskammer zu wenden.

Die Handwerkskammer hat mir sofort geholfen, den Friseur kontaktiert und um Schlichtung gebeten. Es dauerte nicht lange und die Handwerkskammer hat eine Antwort erhalten. Natürlich haben sie nicht ganz die Wahrheit erzählt aber abgestritten haben sie den Vorfall wenigstens nicht. Der Salon wollte es der Haftpflichtversicherung melden und mir anschließend das Geld überweisen. 6 Wochen später ist noch immer nichts passiert und ich habe mich wieder an die HWK gewandt.

Der freundliche Mitarbeiter hat dann ein Telefontermin zwischen der Chefin und mir vereinbart. Wir haben dann miteinander telefoniert und uns geeinigt, dass sie mir 130 € überweist. Natürlich viel zu wenig aber ich war es einfach leid mich mit ihr und dem Salon auseinanderzusetzen. Ich war einfach froh, überhaupt etwas wieder zu bekommen.

Bis heute (9 Monate später) habe ich noch damit zu kämpfen. Zwar habe ich jetzt einen guten Friseur gefunden, doch dieser kann auch keine Wunder vollbringen. Zuerst hat der aktuelle Friseur mir dunkle Strähnen gesetzt, damit man den dunklen Balken nicht mehr so extrem sieht. Danach haben wir immer im 5-Wochen-Takt den Ansatz gefärbt und hellere Strähnen gesetzt.

Was kann man aus dieser Geschichte lernen?

Wenn dir ein Friseur die Haare versaut, nimm es nicht einfach hin. Ich habe einiges falsch gemacht. Zum einen hätte ich gar nicht zahlen sollen und zum anderen hätte ich mich nicht mit 130 € zufrieden geben müssen. Gelernt habe ich hierbei definitiv viel und der Preis war hoch. Nicht nur viel Geld musste ich zahlen, nein, meine Haare sind auch kaputt und dieser Aspekt ist noch viel Schlimmer.

Mach es also besser wie ich. 🙂

tags: #friseur #zu #viel #abgeschnitten #was #tun

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