Fast jede dritte Frau hat im Laufe ihres Lebens mit Haarausfall zu kämpfen. Der Leidensdruck ist groß, denn fehlende Haare werden oft mit fehlender Dynamik und Energie gleichgesetzt. Es ist wichtig zu verstehen, dass Haare sich beim Menschen ständig erneuern. Sie hören nach einer bestimmten Zeit auf zu wachsen und fallen aus, während neue Haare nachwachsen. Lichteres Haar ist mit zunehmendem Alter keine Seltenheit.
Dauert der Haarausfall jedoch mehrere Wochen an und gehen täglich mehr als hundert Haare aus oder entstehen haarfreie Stellen, liegt ein behandlungsbedürftiger Haarausfall vor. Es gibt unterschiedliche Arten von Haarausfall, die verschiedene Ursachen haben können. Bis zu 100 Haare am Tag zu verlieren, ist noch normal. Erst wenn es mehr werden, spricht man in der Medizin von krankhaftem Haarausfall (Effluvium). Er sollte behandelt werden, bevor noch mehr Haare verloren gehen.
Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Ursachen von Haarausfall bei Frauen zu verstehen und die richtigen Schritte zur Diagnose und Behandlung einzuleiten.
Haarausfall tritt in unterschiedlichen Formen auf, die jeweils spezifische Ursachen haben:
Der erblich bedingte Haarausfall ist die häufigste Ursache von Haarausfall bei Männern und Frauen. Bei Frauen setzt er meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und besonders häufig in den Wechseljahren ein. Ursache ist eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen das körpereigene Hormon Dihydrotestosteron (DHT). Besteht ein Ungleichgewicht zwischen weiblichem Östrogen und männlichem Testosteron, lassen die männlichen Hormone die Haarfollikel schrumpfen. Die Haarwurzel wird schwach. Die feinen Blutgefäße, die für das Haar notwendig sind, bilden sich zurück.
Bei Frauen äußert sich der anlagebedingte Haarausfall eher durch das Dünnerwerden der Haare am Oberkopf, besonders im Scheitelbereich, wo die Kopfhaut durchschimmert. Weil sich der androgenetische Haarausfall bei Frauen anders als bei Männern entwickelt, verwenden Mediziner die Ludwig-Skala zur Beurteilung.
In der ersten Stufe nach der Ludwig-Skala verringert sich das Volumen der Haare vom Scheitel aus. In der zweiten Stufe ist bereits eine Verbreiterung des Scheitels erkennbar, die sich zunehmend schwerer durch eine Frisur kaschieren lässt. Im letzten Stadium schimmert immer mehr Kopfhaut zwischen den weniger gewordenen Haaren hindurch.
Die Ludwig-Skala zur Beurteilung des Haarausfalls bei Frauen.
Kreisrunder Haarausfall kann in nahezu jedem Lebensalter auftreten. Dabei gehen die Haare schmerzlos und büschelweise aus. Die Krankheit kann neben dem Kopfhaar auch die übrige Körperbehaarung betreffen. Fallen die Haare komplett aus, sprechen Experten von einer Alopecia areata universalis. Alopecia areata ist eine Autoimmunkrankheit. Durch einen Angriff des Immunsystems werden die Haare in ihrem Wachstum so stark gestört, dass sie ausfallen. Die Haut zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Elfenbeinfarbe aus. Im Randbereich dieser kahlen Stellen findet man häufig sogenannte Kolbenhaare, die wegen ihres Aussehens auch „Ausrufezeichen-Haare“ genannt werden.
Formen des kreisrunden Haarausfalls:
Der kreisrunde Haarausfall tritt selten allein, sondern meistens zusammen mit anderen Grunderkrankungen auf. Die Haarfollikel bleiben prinzipiell erhalten, weshalb für viele Betroffene eine gute Prognose besteht. In ca. 80 % der Fälle kommt das Haar nach ca. einem Jahr von selbst wieder.
Diffuser Haarausfall ist eine häufige Form von Haarverlust. Gleichmäßig, über den ganzen Kopf verteilt, fallen die Haare aus. Die Ursachen sind vielfältig:
Einige dieser Auslöser kann man selbst kontrollieren und feststellen, ob das Haarwachstum wieder einsetzt, wenn man die Ursache, etwa Stress, reduziert oder eine Mangelernährung behoben hat. Für andere ist der Gang zum Arzt empfehlenswert.
Die vernarbende Alopezie ist selten und für Laien relativ schwer eindeutig zu erkennen. Es handelt sich hierbei um einen meistens langsam voranschreitenden Haarausfall, der zu asymmetrischen kahlen Stellen am Kopf führt. Neben dem Haarausfall kommt es zu Entzündungen und einer verstärkten Narbenbildung an den betroffenen Hautstellen. An den bereits vernarbten Stellen können keine Haare mehr wachsen. Es gibt verschiedene Ursachen, die den vernarbenden Haarausfall zur Folge haben können. Je früher die Erkrankung und ihre Ursache festgestellt werden, umso höher sind die Chancen, sie durch eine passende Behandlung in den Griff zu bekommen.
Einige Kopfhauterkrankungen können vorübergehend oder dauerhaft zu Haarverlust führen. Dazu zählen schwere Ekzeme der Kopfhaut oder Pilzerkrankungen. Auch Druck und Zug auf die Haare kann zum Ausfall führen.
Auch hormonelle Schwankungen, wie in den Wechseljahren, können den Stoffwechsel von Vitamin D beeinflussen, was einen Mangel begünstigt. Während der Schwangerschaft stellt sich der weibliche Körper zur Versorgung und zum Schutz des Fötus um. Dazu wird auch vermehrt das Hormon Östrogen produziert. Neben vielen anderen positiven Effekten wird auch das Haarwachstum gestärkt. Die meisten Frauen haben während der Schwangerschaft dickere, gesündere und kräftigere Haare. Vor allem in der Zeit nach der Schwangerschaft ist Haarausfall keine Seltenheit.
Die Antibabypille verhindert eine ungewollte Schwangerschaft, indem sie dem weiblichen Körper die Hormone Östrogen und Gestagen zur Schwangerschaftsverhütung zuführt. Diese synthetischen Gestagene (Progestine) haben eine ähnliche Wirkung wie das männliche Sexualhormon Dihydrotestosteron (DHT), das auch bei Männern für Haarverlust verantwortlich ist. Aber auch beim Absetzen der Pille kann es vorübergehend zu einem verstärkten Haarverlust kommen.
Ein normaler, gesunder Haarwuchs setzt voraus, dass die Haarwurzeln mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden. Ist diese Zufuhr gestört, können sie ausfallen. Deshalb kann auch eine ganze Reihe anderer Erkrankungen oder Störungen im Körper der Auslöser für den Verlust von Haaren sein.
Auch bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Haare ausfallen lassen: Allgemein bekannt ist dies von der Chemotherapie, aber auch andere Immunsupressoren (Tamoxifen, Methotrexat) können einen deutlichen Haarverlust bedingen. Weniger bekannte, aber mögliche Verursacher sind auch einige Antibiotika wie Nitrofurantoin und Erythromycin, Allopurinol, Fibrate und Statine, ACE-Hemmer, Betablocker, Phenprocoumon, Heparine und Methylphenidat.
Ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen kann ebenfalls zu Haarausfall führen. Besonders anfällig sind:
Folgende Vitamine und Mineralstoffe sind besonders wichtig für gesundes Haarwachstum:
Eine ausreichende Versorgung mit diesen Nährstoffen kann Haarausfall entgegenwirken und die Haarfollikel stärken.
Es gibt zahlreiche Supplements, die speziell für die Förderung gesunder Haare entwickelt wurden. Kombipräparate für Haar, Haut und Nägel enthalten oft eine ausgewogene Formel, die die Zellregeneration fördert und die Haarstruktur stärkt.
Neben der inneren Versorgung spielt auch die äußere Pflege eine wichtige Rolle beim Kampf gegen Haarausfall. Spezielle Haarpflegeprodukte unterstützen das Haarwachstum und stärken die Kopfhaut. Wählen Sie Pflegeprodukte, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind, und integrieren Sie diese in Ihre tägliche Haarpflege.
Bei der Untersuchung fragt die Ärztin oder der Arzt ausführlich nach der Vorgeschichte der Patientin, bisherigen Untersuchungen und Therapien sowie Symptomen. Dann werden die Haare unter der Lupe betrachtet und geprüft, ob sie brüchig sind. Ein Zupftest zeigt, ob sich die Haare schnell lösen. Anschließend wird die Haarwurzel untersucht. Ein sogenanntes Trichogramm zeigt, in welcher Wachstumsphase die Haare ausfallen. Weitere Erkenntnisse kann eine computergestützte Haaranalyse liefern.
Je früher die passende Behandlung eingeleitet wird, umso größer ist die Erfolgschance der Therapie. Zunächst muss aber die genaue Ursache des Haarausfalls gefunden sein, erst dann erstellt der Arzt einen individuellen Therapieplan. Ist ein bestimmtes Medikament für Haarausfall verantwortlich, kann möglicherweise ein alternatives Präparat ausprobiert werden.
Es gibt zwei Wirkstoffe, die dem Haarausfall wirksam entgegensteuern können:
Dafür werden Haare am Hinterkopf entnommen. An den kahlen Stellen setzt der Arzt Mikroschlitze und verpflanzt die Transplantate. Dabei bestimmt er auch die Dichte und Richtung, in der die Haare in Zukunft wachsen sollen. Das Ganze geschieht in Millimeterarbeit.
Dennoch gibt es einige Tipps und Tricks, wie Frauen dünne Haare pflegen und kaschieren können. Mittlerweile haben sich einige Friseurinnen und Friseure darauf spezialisiert. Beim Fönen - und auch bei starker Sonneneinstrahlung - ein Hitzeschutzspray auftragen. Für mehr Volumen Haarspray und Styling-Schaum für den Haaransatz verwenden.
Ob Öle, Seren oder Pulver zum Einnehmen: Im Einzelhandel werben viele Produkte damit, Haarverlust "aktiv" zu bekämpfen - mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Bambus oder Basilikum. Expertinnen und Experten zweifeln jedoch an der Aussagekraft von oft kleinen und über einen kurzen Zeitraum durchgeführten Herstellerstudien. Auch Nahrungsergänzungsmittel versprechen mitunter eine hohe Wirksamkeit bei Haarausfall, ihre Wirksamkeit ist oft jedoch nicht belegt.
Grundsätzlich gilt: Wer sich ausgewogen und ausreichend ernährt, muss in der Regel keine Nahrungsergänzungsmittel gegen Haarausfall einnehmen.
| Ursache | Symptome | Behandlung |
|---|---|---|
| Androgenetische Alopezie | Dünnerwerden der Haare am Oberkopf, besonders im Scheitelbereich | Minoxidil, Anti-Androgene, Haartransplantation |
| Alopecia areata | Schmerzloser, büschelweiser Haarausfall, runde kahle Stellen | Haarexperten Beratung, Produkte oder Therapien zur Förderung der Heilung |
| Alopecia diffusa | Gleichmäßiger Haarausfall über den ganzen Kopf | Behandlung der Grunderkrankung, Ernährungsumstellung, Stressreduktion |
| Alopecia cicatricalis | Asymmetrische kahle Stellen, Entzündungen, Narbenbildung | Entzündungshemmende Mittel, Kortikosteroide, Antibiotika, Haartransplantation |
| Vitaminmangel | Dünner werdendes oder brüchiges Haar | Ernährungsumstellung, Nahrungsergänzungsmittel |
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