Vorübergehender Haarausfall gehört zu den möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie.
„Seit jeher sind Haare ein wichtiger Bestandteil des äußeren Erscheinungsbildes. Quasi unser Aushängeschild. Sie lassen erahnen, was für ein Typ Mensch unter ihnen steckt. Helfen uns aufzufallen, oder schaffen Sichtschutz. Springen wie wild umher, sind manchmal kaum zu bändigen. Können glatt und in sich ruhend sein.
Krebs ist nicht greifbar, aber dennoch allgegenwärtig. Ist Meister im Nicht-Auffallen, schlummert vor sich hin. Spielt verstecken. Und sobald er gefunden wird, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel. Man setzt alles daran, ihn komplett ausfindig zu machen und zu vertreiben.
Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Berlin etwa 66.800 Frauen und 770 Männer neu daran.
„Krebs bringt Veränderung, ob man will oder nicht. Und spätestens, wenn man eine Chemotherapie verordnet bekommt, fasst man sich unweigerlich auf den Kopf. Wuschelt durch die Haare, immer langsamer und strauchelt. Fragt sich, was da so kommen wird. Man sagt, mit der Frisur steht und fällt ein Outfit.
Bei einer Chemotherapie greifen die verabreichten Medikamente (Zytostatika) in ganz spezieller Weise in den Teilungsvorgang der Krebszellen ein: Entweder stoppen sie das Wachstum der Zellen oder sie verhindern, dass sich die Zellen vermehren. Dabei wirken Zytostatika vor allem auf sich teilende Zellen. Da Tumorzellen sich ständig vermehren, werden vor allem diese geschädigt. Allerdings greifen Zytostatika auch gesunde Zellen an, die sich oft teilen, etwa die Schleimhaut- und Haarwurzelzellen.
„Meine Haare verlor ich nach der zweiten Chemogabe. Bei mir war es einer dieser Abende, an dem ich übermüdet viel zu spät ins Bett ging. Als ich dann über dem Waschbecken mein Gesicht wusch und es mit dem Handtuch abtrocknete, bemerkte ich die Haare darin. Feine Strähnen, die sich an den Schläfen gelöst und verabschiedet hatten. Sang und klanglos. Ohne mal richtig tschüss zu sagen. Ich war ziemlich ungläubig. Das sollte nun der Moment sein, an dem ich meine langen Haare abgeben muss? Klar ist es ein Verlust, den ich akzeptieren musste, aber er sollte nicht die Macht bekommen, über mich zu bestimmen. Also griff ich selbst zur Schere. Nachts. Schlagartig wieder hellwach und probierte drauf los.
„Der Rest kam dann am nächsten Morgen feinsäuberlich in einem Zweithaarstudio ab. Sehr beschützt, in einem separaten Raum, von den Blicken der anderen behutsam abgeschirmt. Meine Perücke hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon. Wie bei vielen anderen Hilfsmitteln auch schnellen die Preise hierbei zügig in die Höhe. Kunsthaarperücken sind weitaus günstiger als Misch- oder letztendlich Echthaarvarianten. Und gerade weil man unter Umständen tief in die Tasche greift, lasst euch gut beraten, ob ihr eine Perücke möchtet und welche am besten zu euch passt. Auch wenn es anfangs etwas unbehaglich ist, habt den Mut auszuprobieren!
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich der Haarausfall auf dem Kopf in einigen Fällen deutlich verringern lässt, wenn die Kopfhaut vor der Chemotherapie gekühlt wird.
„Da ich gerne frisiere, habe ich mich für eine Echthaarperücke in meiner ursprünglichen Haarlänge entschieden. Jetzt die Frage aller Fragen: Hat sich die Anschaffung gelohnt? Für mich persönlich ja. Die Perücke hat mir, als alles erstmal im Umbruch war, nach außen hin ein Stück Normalität zurückgegeben. Im Zuge meiner Behandlung habe ich aber auch immer häufiger zur Mütze gegriffen. Die hat mich vor allem nachts über die Wintermonate warm gehalten.
Das gewohnte Aussehen verändert sich im Zuge der Therapie immer mehr. Die gesamte Körperbehaarung kann ausfallen, das macht auf der einen Seite unglaublich glatte Beine, auf der anderen aber auch sehr kahl, wenn Augenbrauen und Wimpern fehlen. Das ist aber nichts, was man nicht modifizieren kann.
„Natürlich zeugt es von unglaublicher Stärke, unverhüllt sein neues Ich zu zeigen, manchmal tut es aber auch gut, das Kranksein optisch verbergen zu können. Denn mit Glatze oder auch Mütze - vor allem im Sommer - erregt man Aufmerksamkeit. Man zieht die Blicke auf sich. Die Leute gucken eben. Ich habe gelernt, diese Blicke zuzulassen, außenstehenden zuzugestehen. Das war alles andere als einfach!
Jetzt sitze ich auf der Terrasse, Sonnenstrahlen wärmen mein Gesicht. Ich nehme einen Schluck Kaffee und schreibe meine Gedanken nieder. Der Wind streift seicht meine kurzen, aber dichten Haare. Chemolocken vom Feinsten. Neuer Lebensmut in Hülle und Fülle!
Und ich verrate euch was. Der Haarausfall bei einer Chemotherapie ist vorübergehend. Nach Abschluss der Behandlung wachsen die verlorenen Haare im Regelfall wieder nach. Etwa drei Monate nach dem letzten Zyklus sind die Kopfhaare oft schon wieder so lang, dass die meisten Menschen ohne Perücke auskommen.
Es gibt keine Behandlung, die den Haarausfall durch Chemotherapie verhindern kann.
Es wurden mehrere Pflegeprodukte zur Vorbeugung von Haarausfall untersucht, aber keine hat sich als 100 %-ig wirksam erwiesen.
Sie können jedoch die Schwere des Haarausfalls verringern, wie z.B. der Kühlhelm: Ein Kühlhelm wird während der Chemotherapie-Infusionen auf den Kopf gesetzt, um den Blutfluss zur Kopfhaut zu verlangsamen und so die Wirkung der Chemotherapie-Moleküle auf die Haarfollikel zu verringern. Diese eher unbequeme Technik hat sich bei einigen Patient:innen als erfolgreich erwiesen.
Während der gesamten Dauer der Chemotherapie-Behandlung ist es wichtig, Ihre Kopfhaut und Ihr Haar zu pflegen:
Ein eventueller Haarverlust durch die Chemotherapie ist gefühlt einer der schwerwiegendsten Nebenwirkungen.
In unserem heutigen Tipp der Woche möchten wir gerne erklären, wann und wie die Haare wieder wachsen und ob man den Haarwuchs fördern kann.
Normalerweise erscheinen ca. drei bis sechs Wochen nach Beendigung der Chemotherapie die ersten weichen, flaumigen Haare auf der Kopfhaut.
In den nächsten 2-3 Monaten folgen dickere, festere Haare, die oftmals gräulich erscheinen und eine andere Haarfarbe als die ursprüngliche besitzen. Ebenso können vormals glatte Haare plötzlich lockig sein.
Auch die Wimpern, Augenbrauen, Schamhaare und restliche Körperbehaarung beginnen in diesem Zeitraum wieder zu wachsen.
Hier eine Übersicht über den typischen zeitlichen Ablauf des Haarwachstums nach einer Chemotherapie:
| Zeitraum nach Chemotherapie | Beschreibung |
|---|---|
| 3-6 Wochen | Erste flaumige Haare erscheinen |
| 2-3 Monate | Dickere, festere Haare wachsen nach, evtl. andere Farbe oder Struktur |
| Innerhalb eines Jahres | Haarwachstum normalisiert sich meist wieder |
tags: #Haarwachstum #nach #Chemotherapie
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