Es gibt einen Grund, warum der Herbst im Englischen "Fall" heißt: Die Bäume lassen ihre Blätter fallen. Etwas Ähnliches passiert tatsächlich auch mit unseren Haaren. "Jedes Jahr im Herbst klagen Patient:innen in der Praxis vermehrt über Haarausfall", berichtet Dr. Christian Merkel vom Haut- und Laserzentrum an der Oper in München.
Doch vorab eine gute Nachricht: Damit bist du nicht allein. “Gerade zum Herbst hin verzeichnen wir vermehrt Frauen, die mit dem Thema Haarausfall zu uns in die Sprechstunde kommen”, berichtet auch Dr. Christian Merkel vom Haut- und Laserzentrum an der Oper in München. “Fallen die Haare das erste Mal aus, ist das für die Frauen meist sehr beunruhigend, und sie suchen nach Antworten.”
In diesem Artikel beantworten wir die häufigsten Fragen und geben praktische Tipps zur Vorbeugung.
Meist liege die Anzahl der ausgefallenen Haare allerdings in einem unbedenklichen Rahmen und sei Teil der natürlichen Erneuerung: "Haare wachsen in einem festgelegten Zyklus: Das Wachstum über mehrere Jahre nennt man Anagenphase. Dann gehen die Haare in die Katagenphase über. Innerhalb einiger Wochen lösen sie sich aus der Kopfhaut und fallen schließlich aus. In der Telogenphase erholen sich die Wurzeln, ehe der Zyklus wieder beginnt." Etwa 100 bis 200 Haare verlieren wir durch diesen Kreislauf am Tag. Und im Herbst tendenziell sogar etwas mehr.
“Der sogenannte saisonale Haarausfall tritt besonders bei Frauen häufig auf”, weiß Dr. Christian Merkel. “Und das passiert eigentlich immer zur gleichen Jahreszeit im Spätsommer oder Herbst.” Der Grund: “Da das Ausfallen der Haare bei vielen Frauen jedes Jahr wiederkehrt, liegt die Vermutung nahe, dass dies in ihrer Genetik verankert ist.”
Da das Ausfallen der Haare jedes Jahr im Herbst wiederkehrt, liegt die Vermutung nahe, dass dies in der Genetik verankert ist. Die genauen Ursachen seien laut Dr. Merkel zwar ungeklärt, aber "manche Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass im Sommer mehr Haare in der Wachstumsphase sind, weil wir dann mehr Sonnenschutz brauchen." Und weil der im Herbst nicht mehr nötig ist, kann der Organismus jetzt vermehrt Haare in die Ausfallphase überführen. Die Haare, die durch den Saisonwechsel ausfallen, bilden sich aber wieder nach. Eigentlich logisch. Immerhin können wir sie im nächsten Sommer wieder gut gebrauchen.
"Unsere Haare sind evolutionär betrachtet Teil unseres Fells. Dementsprechend gibt es auch einen Fellwechsel", sagt Dr. Merkel.
Die verschiedenen Haarwachstumsphasen
“Das Ausfallen der Haare im Herbst hängt auch mit den Wachstumsphasen der Haare zusammen”, so der Dermatologe. “Jedes Haar durchläuft zwei Wachstumsphasen, die Lebendphase und die Ruhephase.”
Zur genaueren Erklärung: In der Lebendphase (anagene Phase) wachsen die Haare über Jahre hinweg. 90 Prozent der Haare befinden sich in der anagenen Phase. Die anderen zehn Prozent sind in der telogenen Phase, der Ruhephase, die etwa zwei bis vier Monate andauert. In dieser Phase regeneriert sich die Haarwurzel.
“Normalerweise fällt der Wechsel aus Ruhe- und Lebendphase mit dem einhergehenden Haarausfall nicht auf, da immer die gleiche Anzahl an Haaren auf dem Kopf bleibt”, erklärt Dr. Merkel. “In den Spätsommer- und Herbstmonaten befinden sich dann bei vielen Frauen allerdings mehr Haare in der Ruhephase.” Auch dazu gibt es neben Genetik und Evolution nur Vermutungen. Für Dr. Merkel die plausibelste Erklärung: “Im Sommer brauchen wir mehr Haare für den Sonnenschutz, sie verbleiben länger in der Lebendphase. Zum Jahresende hin - mit niedrigeren Temperaturen und weniger UV-Strahlung - fallen die Haare dann aus.”
Zusätzlich kann auch die mangelnde Durchblutung der Kopfhaut Schuld an vermehrtem Haarverlust sein, denn durch die Winterkälte wird nicht nur der restliche Körper weniger durchblutet, auch die Haarwurzeln können darunter leiden und somit schlechter mit Nährstoffen versorgt werden.
“Normalerweise bemerken die Patient:innen zwischen ein und drei Monate lang vermehrt Haare in der Haarbürste”, weiß Dr. Christian Merkel. “Nach der Wechselzeit bildet sich aus den Haarfollikeln wieder neues Haar.”
Der saisonale Haarausfall im Herbst dauert in der Regel etwa sechs bis acht Wochen. Der Haarausfall setzt im Herbst/ Winter ein.
Wie lange die Phase dauert, in der sich vermehrt Haare in Waschbecken und Bürste finden, ist von Mensch zu Mensch verschieden. In der Regel sollte dieser Zustand jedoch nur einige Wochen bis wenige Monate andauern.
Streng genommen handelt es sich bei Haarausfall im Herbst auch nicht um einen echten Haarausfall (Alopezie), da das Kopfhaar, nachdem es ausgefallen ist, direkt wieder nachwächst. Man könnte ihn daher auch als Haarwechsel bezeichnen. Experten sprechen in diesem Fall von telogenem Effluvium: dem vorzeitigen Ende einer Wachstumsphase.
Wenn der Haarverlust andauert - sprich, wenn auch im Winter oder über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 60 bis 100 Haare ausfallen - kann es ratsam sein, einen Arzt aufzusuchen. Denn dann können auch ernstere Ursachen dafür in Frage kommen. Dazu gehören Stress, ein Nährstoffmangel oder hormonelle Veränderungen, wodurch beispielsweise Haarausfall in den Wechseljahren bedingt sein kann.
“Fallen zum Jahresende vermehrt Haare aus, ist das keine Krankheit”, so der Dermatologe. “Es gibt aber Pflegemittel, wie z.B. Kopfhaut-Shampoo aus der Apotheke, die gerade in dieser Phase den neuen Haaren beim Wachsen helfen können.” Allerdings ist Vorsorge besser als Nachsorge. Man sollte schon vor dem Beginn des Haarausfalls im Sommer mit der entsprechenden Pflege starten. “Damit kann man die neuen Haare, die dann entstehen, stärken und ihnen beim Wachstum helfen.”
Entscheidend für volles Haar sei deshalb vor allem auch, was bei Ihnen auf den Tisch kommt. Dr. Emi Arpa empfiehlt für ein gesundes Haarwachstum Lebensmittel, die reich an Eisen, Omega- 3-Fettsäuren, Zink, Biotin, Selen und Vitamin B5 sind. "Auch Proteine und Antioxidantien haben Benefits für die Haare", weiß die Dermatologin.
Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist auch für das Haarwachstum von großer Bedeutung. Frische und unverarbeitete Lebensmittel liefern die notwendigen Nährstoffe für die Gesundheit der Haarfollikel und die Kopfhaut. Die darin enthaltenen Vitamine, Mineralien und Proteine fördern die Zellregeneration, stärken die Haarstruktur und verbessern die Durchblutung der Kopfhaut.
Hier eine Auswahl an “Hair Foods”, die du gerade im Herbst vermehrt essen kannst.
Ihr liebstes Hair-Food:
Davon, Nahrungsergänzungsmittel ohne ärztliche Untersuchung einzunehmen, rät sie ab: "Wer keine Krankheit hat und sich ausgewogen ernährt, bekommt alle Nährstoffe, Vitamine und Mineralien, die der Körper braucht. Ein Überschuss ist unnötig und lässt nicht plötzlich mehr Haare wachsen."
Die Expertin empfiehlt bei einem ungeklärten Haarausfall deshalb als allerersten Schritt eine Blutuntersuchung, bei der die Schilddrüse, der Vitaminhaushalt, Eisenstatus, Mineralstoffe, Spurenelemente, Elektrolyte und Hormone im Körper untersucht werden: "Wird ein Mangel festgestellt, sollte man diesen mit den entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln supplementieren." Die prophylaktische Einnahme ist laut Dr. Emi Arpa meist nicht zielführend.
Tabelle: Empfohlene Nährstoffe und Lebensmittel für gesundes Haarwachstum
| Nährstoff | Lebensmittel |
|---|---|
| Eisen | Spinat, Haferflocken, Linsen |
| Omega-3-Fettsäuren | Nüsse, Lachs |
| Zink | Haferflocken, Linsen, Nüsse |
| Biotin | Haferflocken, Eier |
| Selen | Nüsse |
| Vitamin B5 | Aprikosen, Griechischer Joghurt |
| Proteine | Linsen, Quark, Eierspeisen |
| Antioxidantien | Tomaten, Blaubeeren, Papaya, Hülsenfrüchte |
Die trockene Wärme drinnen und die eisige Kälte draußen können das Haar strapazieren und zu Problemen wie trockener Kopfhaut und fliegenden Haaren führen.
Im Winter kann die Kopfhaut jedoch stärker austrocknen, da bei Kälte weniger Talg produziert wird. Die Haut wird spröde und es können vermehrt Schuppen auftreten. Oftmals juckt die Kopfhaut ebenfalls. Falls die Schuppen hartnäckig sind und von Kopfhautjucken begleitet werden, könnte es sich um ein Ekzem handeln, das eine ärztliche Behandlung erfordert. Gönnen Sie Ihrer trockenen Kopfhaut regelmäßig eine Massage mit einem hochwertigen Öl.
Hier sind einige Tipps zur Haarpflege:
Das Ganze ärztlich abklären zu lassen, kann aber trotzdem nicht schaden. Vor allem, wenn der Haarausfall sich noch über den Herbst hinauszieht.
“Wenn über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen über 100 Haare pro Tag ausfallen”, rät Dr. Merkel. “Denn es könnte sich auch um eine andere Art von Haarausfall handeln, die mit einer professionellen, computergestützten Haaranalyse sowie durch ein großes Blutbild erkennbar wird.” Damit können zum Beispiel organische Ursachen ausgeschlossen werden.
Hält der Haarausfall über einen längeren Zeitraum (mehr als 8 bis 12 Wochen) bis zum Frühjahr/Sommer an, kann dies auf eine ernste Ursache hinweisen, insbesondere wenn täglich mehr als 100 Haare ausfallen. Auch Begleiterscheinungen wie Juckreiz, Rötungen, Schuppen oder sichtbare kahle Stellen sind ein Hinweis darauf, dass der Haarausfall behandlungsbedürftig sein könnte.
Ein ungleichmäßiges Ausfallmuster, beispielsweise an der Stirn, am Oberkopf oder in Form von kreisrunden kahlen Stellen, sollte ebenfalls fachärztlich untersucht werden.
Die oben genannten Symptome können ein Hinweis auf eine andere Form des Haarausfalls wie z.B. androgenetische Alopezie, Krankheiten oder Hauterkrankungen sein.
“Wenn der Haarausfall immer wiederkehrt, kann man schon im Sommer ab Juni Vorkehrungen treffen und in die Sprechstunde gehen”, so Dr. Merkel. Die Optionen? “Zusätzlich zum Behandlungsplan mit Pflegemitteln und Nahrungsergänzung planen wir gerne eine Mesotherapie, bei der man in die Kopfhaut kleine Injektionen aus Vitaminen und Proteinen verabreicht”, so Dr. Merkel. “Damit können die Haarwurzeln über mehrere Monate optimal gestärkt werden.”
Apropos Blut. Es spielt nicht nur bei der Diagnostik eine Schlüsselrolle, sondern auch bei der Behandlung. Als besonders effektiv gilt ein sogenanntes PRP-Treatment. "PRP ist die Kurzform für plättchenreiches Plasma, das aus dem entnommenen Blut der zu behandelnden Person gewonnen wird", erklärt die Ärztin. "Für die Behandlung wird Blut abgenommen und zentrifugiert. Es trennt sich dadurch in drei Teile: rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und das goldgelbe Plasma. Nur das Plasma wird mithilfe von feinen Nadeln in die Kopfhaut injiziert, und zwar genau dort, wo die Haare dünner werden", so Dr. Urselmann.
Dort regen die Wachstumsfaktoren die Neubildung von kleinsten Blutgefäßen um die Haarwurzel an, sodass diese wieder besser mit Nährstoffen versorgt werden. Außerdem wirkt das Plasma antientzündlich und antioxidativ. Perfekte Bedingungen für neues Haarwachstum. Wichtig: Damit sie anschlägt, muss die Behandlung als Kur durchgeführt werden.
Dr. Eveline Urselmann empfiehlt sechs Sitzungen im Abstand von vier Wochen, also einen Behandlungszeitraum von einem halben Jahr. Die Wirksamkeit gilt als wissenschaftlich gesichert. Allerdings nur gegen erblich bedingten und kreisrunden Haarausfall. "Dazu liegen eindeutige Studien vor", sagt sie und ergänzt: "In der Praxis beobachte ich jedoch oft, dass vor allem auch Patient:innen, bei denen andere Auslöser wie zum Beispiel Stress, Nährstoffmangel oder auch eine starke Virusinfektion, beispielsweise mit Covid, hinter dem Haarausfall stecken, besonders gut auf das Verfahren anschlagen."
Zeigt Ihr Blutbild, dass der Haarausfall erblich bedingt ist, empfehlen alle drei Ärzt:innen zusätzlich zu PRP eine medikamentöse Behandlung. "Bei androgenetischem Haarausfall verkümmern die Haarfollikel, und die Blutgefäße, welche die Haare mit Nährstoffen versorgen, schrumpfen. Das Medikament Minoxidil setzt genau an dieser Stelle an, erweitert die Blutgefäße und behebt so die Mangelversorgung der Haarwurzel durch die Erhöhung der Gefäßdurchblutung", erklärt Dr. Emi Arpa.
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