Haarausfall bei Männern: Die Rolle von Eisenmangel

Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das Männer und Frauen gleichermaßen betrifft. Eine oft unterschätzte, aber bedeutende Ursache für diffusen Haarausfall ist Eisenmangel. Eisen ist ein lebensnotwendiger Mineralstoff, der in zahlreichen biologischen Prozessen eine wichtige Rolle spielt. In diesem Artikel werden die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Haarausfall im Zusammenhang mit Eisenmangel bei Männern beleuchtet.

Eisenmangel und seine Auswirkungen auf das Haarwachstum

Eisen ist ein unverzichtbares Spurenelement. Der Körper benötigt es, um Hämoglobin zu bilden - ein Protein, das Sauerstoff durch den Blutkreislauf transportiert. Eine gute Sauerstoffversorgung der Haarfollikel über die feinen Blutgefäße der Kopfhaut ist entscheidend für gesundes Haarwachstum.

Die genauen Mechanismen, die dazu führen, dass ein Eisenmangel Haarausfall verursacht, sind noch nicht geklärt. Es werden aber verschiedene Theorien diskutiert. Haarfollikelzellen, die Zellen, die die Haare an der Wurzel bilden, gehören zu den Zellen des Körpers, die sich am schnellsten vermehren, wodurch die Haare wachsen. Entsprechend wichtig sind Prozesse wie z.B. die DNA-Synthese in diesen Zellen. Für die DNA-Synthese werden verschiedene Enzyme benötigt. Eines von diesen Enzymen ist die Ribonucleotid-Reduktase, die für ihre Funktion Eisen benötigt.

Der Haarzyklus und Eisenmangel

Um zu verstehen, wie Eisenmangel Haarausfall beeinflusst, ist es wichtig, den Haarzyklus zu kennen:

  • Anagenphase (Wachstumsphase): In dieser Phase wächst das Haar aktiv und wird länger und dicker.
  • Telogenphase (Ruhephase): Am Ende der Wachstumsphase fällt das Haar aus und das Follikel bereitet sich auf das Wachstum eines neuen Haares vor.

Wenn dem Körper Eisen fehlt, haben die Haarzellen nicht genug Energie, um sich zu teilen und neues Haar zu bilden. Dies führt dazu, dass mehr Haare in die Telogenphase übergehen, was als Telogenes Effluvium bekannt ist. Man kann sich das wie bei einer Pflanze vorstellen: Ohne genügend Nährstoffe im Boden wächst sie nicht richtig nach, wenn sie einmal verblüht ist.

Ursachen von Eisenmangel

Eisenmangel kann sehr vielfältige Ursachen haben. Grundsätzlich kann das Problem an drei Stellen liegen:

  • Entweder es wird zu wenig Eisen zugeführt.
  • Das zugeführte Eisen wird vom Körper nicht adäquat aufgenommen.
  • Oder der Körper verliert zu viel Eisen.

Eisen wird vom Körper am besten als zweiwertiges Eisen aufgenommen. Dieses ist vor allem in tierischen Produkten, insbesondere Fleisch, enthalten. Eine mangelnde Eisenzufuhr ist deshalb am häufigsten bei vegetarischer oder veganer Ernährung zu erwarten.

Manche Erkrankungen führen dazu, dass der Körper das Eisen nicht mehr oder zumindest nicht ausreichend resorbieren kann. Eisen wird im oberen Dünndarm, vor allem im Zwölffingerdarm (Duodenum) aufgenommen. Ist dieser Darmabschnitt in seiner Funktion beeinträchtigt, z.B. durch eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, kann er dieser Aufgabe nicht mehr nachkommen.

Blutverluste bei schwerer Verletzung, nach Operationen oder während der Entbindung führen ebenfalls zu einem Eisenmangel. Eine weitere Form ist der Eisenmangel bei chronischem Blutverlust. Hierbei ist eine genaue Diagnostik wichtig, um die Ursache zu finden. Eine Anämie kann Hinweis auf ein Magengeschwür oder eine Tumorerkrankung wie z.B. Darmkrebs sein.

Symptome von Eisenmangel

Typische Symptome eines Eisenmangels sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit und verminderte Belastbarkeit. Die Anämie, die der Eisenmangel verursacht, kann in schwereren Fällen zu Blässe der Haut und der Bindehäute am Auge, Herzrasen (Tachykardie) und zu niedrigem Blutdruck führen. Weitere dermatologische Symptome sind neben dem Haarausfall dünne Fingernägel und eingerissene Mundwinkel.

Diagnose von Eisenmangel

Wenn du Haarausfall durch Eisenmangel vermutest, ist ein Bluttest zur Bestimmung des Ferritinwertes sinnvoll. Insbesondere den Ferritinwert, da dieser die Eisenspeicher im Körper widerspiegelt.

Um einen Eisenmangel festzustellen, reicht eine Blutabnahme aus. Darin werden verschiedene Parameter bestimmt, die ein Abbild des Eisenhaushalts geben. Man bestimmt die Anzahl und Größe der roten Blutkörperchen und deren Gehalt am Blutfarbstoff Hämoglobin. Zusätzlich kann man schauen, ob die Bildung der Blutkörperchen funktioniert und die Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen, die Retikulozyten, ausreichend gebildet werden. Ein Abbild über das Speichereisen gibt das Ferritin - es kann jedoch zum Beispiel bei chronischen Krankheiten oder akuten Infekten trotz Eisenmangel erhöht sein. Über das Transferrin und die Transferrinsättigung lässt sich ablesen, ob der Körper seine Rezeptoren zur Eisenaufnahme hochgefahren hat.

Wichtige Blutwerte zur Diagnose von Eisenmangel:

  • Hämoglobin: Ein erniedrigter Hämoglobinspiegel bedeutet, dass weniger Sauerstoff transportiert wird, was zu einer schlechteren Versorgung der Haarwurzeln führen kann.
  • Ferritin: Zeigt die Eisenspeicher im Körper an. Ein niedriger Wert deutet auf einen Eisenmangel hin.
  • Transferrinsättigung: Zeigt die Verfügbarkeit von Eisen für den Stoffwechsel an. Liegt eine niedrige Sättigung vor, ist nicht genügend Eisen für die Zellteilung und Energieproduktion verfügbar.

Behandlung von Eisenmangel und Haarausfall

Die Therapie eines Eisenmangels hängt entscheidend von seiner Ursache ab. Entsprechend liegt der Schlüssel zur Therapie auch meist in der Ursachenbeseitigung. Wenn es sich um einen ernährungsbedingten Mangel handelt, kann die Einnahme von Eisenpräparaten helfen. Auch nach kleineren Blutverlusten, zum Beispiel durch die Monatsblutung bei Frauen, können Eisenpräparate helfen. Liegt dem Mangel jedoch eine Resorptionsstörung zu Grunde oder sind die Eisenverluste zu groß (nach schwerem Blutverlust nach einer Operation, einer Geburt oder bei besonders starken Regelblutungen), hilft die Einnahme solcher Präparate nichts bzw. ist sie nicht ausreichend.

Bei einem starken, nachgewiesenen Mangel können Eisenpräparate notwendig sein. Typische Dosierungen liegen hier bei 30-60 mg elementarem Eisen, also tatsächlich im Präparat verfügbares Eisen pro Tag. Im Alltag, bei leichtem Mangel, reichen meist schon niedrigere Dosierungen aus, um einen guten Eisenspiegel zu erreichen oder zu halten. Achte also immer auch präventiv auf deine Eisenzufuhr.

Wichtig: Die Einnahme von Eisenpräparaten sollte nur nach Nachweis eines Eisenmangels erfolgen. Der menschliche Körper hat kaum Möglichkeiten, überschüssiges Eisen wieder abzugeben. Regelmäßige Blutuntersuchungen können helfen, Defizite frühzeitig zu erkennen und Überdosierungen zu vermeiden.

Ernährungsumstellung

Ein ausgewogener Speiseplan mit einem hohen Eisengehalt ist entscheidend für gesunde, kräftige Haare. Eisen spielt eine wichtige Rolle für die Sauerstoffversorgung der Haarfollikel. Fehlt es, werden die Haare dünn, spröde und fallen vermehrt aus.

Eisen bei Haarausfall ist essentiell, doch nicht jede Eisenquelle wirkt gleich stark. Tierische Produkte enthalten Hämeisen, das der Körper besser aufnimmt. Pflanzliches Eisen benötigt zur besseren Verwertung Vitamin C. Daher ist die Kombination z. B. mit einem Glas Orangensaft sinnvoll.

Eisenreiche Lebensmittel:

  • Tierische Produkte: Rotes Fleisch (z.B. Rinderleber), Geflügel, Fisch (enthalten Hämeisen, das gut bioverfügbar ist).
  • Pflanzliche Produkte: Spinat, Linsen, Quinoa, Kürbiskerne, Haferflocken, Tofu (enthalten Nicht-Hämeisen, das weniger effizient aufgenommen wird).

Vor allem bei pflanzlichem Eisen ist für eine optimale Aufnahme die Kombination mit Vitamin C reichen Lebensmitteln (z.B. Paprika, Zitrusfrüchte, Tomaten) wichtig. Zusätzlich sollten bestimmte Lebensmittel in Kombination mit eisenreichen Lebensmitteln vermieden werden, da bestimmte Stoffe die Eisenaufnahme hemmen. Dazu gehören z.B. Kaffee und calciumreiche Lebensmittel wie Milchprodukte. Achte hier auf einen ausreichenden Abstand (ca. 1-2 Stunden).

Tabelle: Eisengehalt in verschiedenen Lebensmitteln (ungefähre Werte pro 100g)

Lebensmittel Eisengehalt (mg)
Rinderleber 6.5
Spinat 3.4
Linsen 3.3
Tofu 2.7
Brokkoli 0.7
Dunkle Schokolade 12

Wichtig: Um die Eisenaufnahme zu verbessern, ist die gleichzeitige Einnahme von Vitamin C nötig. Hingegen hemmen koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder schwarzer Tee die Eisenaufnahme im Dünndarm. Große Mengen an Kalzium (z. B. in Milchprodukten) können die Eisenaufnahme ebenfalls beeinträchtigen.

Weitere wichtige Nährstoffe für das Haarwachstum

Nicht nur Eisenmangel kann zu Anämie führen. Auch ein Defizit an wichtigen Vitaminen kann problematisch sein. Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen wirkt Haarausfall entgegen und stärkt die Haarfollikel. Hier sind einige wichtige Nährstoffe:

  • Zink: Stärkt die Haarstruktur und hilft bei der Produktion von Keratin.
  • Vitamin B12: Fördert die Zellteilung in den Haarfollikeln und unterstützt das Nachwachsen gesunder Haare.
  • Vitamin C: Verbessert die Eisenaufnahme und schützt die Haare vor schädlichen freien Radikalen.
  • Vitamin D: Aktiviert die Haarfollikel und fördert den natürlichen Haarzyklus.

Sämtliche Vitamine und Mineralstoffe können Sie einzeln als Präparate einnehmen, um gezielt Mängel auszugleichen. Außerdem gibt es zahlreiche Supplements, die speziell für die Förderung gesunder Haare entwickelt wurden. Kombipräparate für Haar, Haut und Nägel enthalten oft eine ausgewogene Formel, die die Zellregeneration fördert und die Haarstruktur stärkt.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum verstärkten Haarausfall bemerken, sollten Sie die Ärztin oder den Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere, wenn der Haarverlust plötzlich einsetzt oder sich kahle Stellen bilden.

Fazit

Eisenmangel ist eine häufige, aber oft übersehene Ursache für Haarausfall, insbesondere bei Männern. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um den Haarverlust zu stoppen und das Haarwachstum wieder anzuregen. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Eisen und anderen wichtigen Nährstoffen ist, sowie die gezielte Einnahme von Eisenpräparaten bei nachgewiesenem Mangel können helfen, den Eisenspiegel zu optimieren und das Haarwachstum zu fördern. Hilft Eisen gegen Haarausfall? Ja - insbesondere dann, wenn Eisenmangel die Ursache ist. Haarausfall durch Eisenmangel ist in den meisten Fällen reversibel, sofern die Ursache rechtzeitig erkannt und gezielt behandelt wird.

Eisenmangel? Haarausfall!

Referenzen

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