Haarausfall durch Kokain: Ursachen, Folgen und Behandlung

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik der Alopecia (Haarausfall) dar. Im Rahmen der Anamnese werden verschiedene Fragen gestellt, um mögliche Ursachen für den Haarausfall zu identifizieren. Dazu gehören Fragen nach familiärer Vorbelastung, Autoimmunerkrankungen, Stress, Kontakt mit chemischen Substanzen, Umweltbelastungen, Veränderungen an den Nägeln oder der Haarpflegeprodukte.

Auch die vegetative Anamnese ist von Bedeutung, einschließlich Fragen zu Rauchen, Alkoholkonsum und Drogenkonsum. Insbesondere der Konsum von Drogen wie Kokain kann eine Rolle bei der Entstehung von Haarausfall spielen.

Die Wirkung von Kokain auf den Körper

Kokain erzeugt einen kurzfristigen Kick, bei dem sich Konsumierende großartig fühlen. Die aufputschende Wirkung des Kokains beruht auf der vermehrten Ausschüttung körpereigener Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin. Dadurch kommt es zu einer massiven Stimulation des zentralen Nervensystems. Die als positiv wahrgenommenen Wirkungen sind gesteigerte Wachheit und euphorische Stimmung.

Allerdings führt Kokain dem Körper keine Energie zu - sondern bringt ihn dazu, seine vorhandenen Energiereserven zu mobilisieren. Nach etwa einer Stunde lässt der Rausch nach und die Wirkung kann ins Gegenteil umschlagen. Durch das "Nachlegen" wird der ohnehin gestresste Organismus weiter dazu genötigt, seine Energiereserven auszubeuten. Die Folgen können sein:

  • Übererregung, aus der sich Krampfanfälle entwickeln können
  • Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen, die zum Koma führen können
  • gesteigerte Aggressivität, paranoide Wahnvorstellungen und Halluzinationen
  • erhöhte Körpertemperatur, Herzklopfen und Bluthochdruck, bis hin zum Kokainschock
  • Atemkreislaufversagen

Dauerhafter und regelmäßiger Kokaingebrauch hat mittel- und langfristig schwerwiegende körperliche und psychische Schäden sowie soziale Probleme zur Folge.

Körperliche Folgeschäden durch Kokain

Zu den körperlichen Folgeschäden von Kokainkonsum gehören:

  • Schwächung des Immunsystems
  • Starker Gewichtsverlust
  • Schädigung der Blutgefäße
  • Schädigung von Leber, Herz und Nieren
  • Rauchen vom Kokain schädigt die Lunge (Cracklunge)
  • Sniefen schädigt die Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen. Die Folge ist: chronisches Nasenbluten, Verminderung des Geruchs- und Geschmackssinns
  • Spritzen kann lokale Infektionen zur Folge haben. Bei der Verwendung gemeinsamer Spritzbestecke droht die Infektion mit Hepatitis und HIV.
  • Während der Schwangerschaft führt Kokain zu Früh- und Totgeburten wie auch zu massiven Reifungsstörungen, die unter anderem die Fehlentwicklung des Gehirns und anderer Organe zur Folge haben.

Psychische Folgeschäden durch Kokain

Auch die psychischen Auswirkungen von Kokainkonsum sind erheblich:

  • Eine sich schnell entwickelnde psychische Abhängigkeit
  • Dysphorische (miese, aggressiv-reizbare) Stimmung, innere Unruhe
  • Sexuelle Funktionsstörungen (Impotenz)
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Antriebs- und Konzentrationsstörungen
  • Angst, Verwirrtheit
  • Persönlichkeitsveränderungen: antisoziales und narzisstisches Verhalten
  • Kokainpsychose, mit paranoiden Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Charakteristisch ist der Dermatozoenwahn, bei dem der Konsument überzeugt ist, Insekten krabbeln über oder unter seiner Haut.

Kokain und Hautveränderungen

Bei Personen, die illegale Drogen konsumieren, kann es zu zahlreichen typischen Hautveränderungen sowie zu Haut- und Schleimhautinfektionen kommen. Bei Personen, die sich regelmäßig Drogen injizieren, sind typische Vernarbungen und Hautpigmentierungen meist an der Ellenbeuge des nicht dominanten Armes zu finden, zum Teil aber auch an weniger auffälligen Stellen, wie der Kniekehle, am Fuß oder in der Leiste.

Interessanterweise hinterlassen Kokaininjektionen keine derartigen Spuren, da dem Stoff keine sklerosierenden Substanzen beigemischt werden. Wird die Droge unter die Haut gespritzt, entstehen durch irreversible Gewebeverletzungen unregelmäßige weißliche, atrophische Narben. Auf diesem Weg entstehen auch Papillomavirusinfektionen in Form von Warzen in der Nase (Snorter warts). Sie werden durch infizierte Dollarnoten verbreitet, die zum Kokainschnupfen von mehreren Personen genutzt werden.

Durch das Schnupfen des Kokains kann es zur Schädigung der Nasenschleimhaut bis zu Nasenseptumdefekten kommen. Wird Kokain intravenös gespritzt, können sich aufgrund der starken vasokonstriktorischen Wirkung Nekrosen entwickeln. Kokain kann eine ausgeprägte generalisierte Vaskulitis auslösen, welche durch das häufig eingesetzt Streckmittel Levamisol noch potenziert wird. Zudem kann Levamisol bei Kokainabhängigen eine schwere Agranulozytose auslösen. Die Entwicklung einer Wegener-Granulomatose durch Kokain ist mehrfach beschrieben. Diese kann sich nach Beendigung des Kokain-Konsums deutlich bessern.

Haarausfall als Folge von Kokainkonsum

Eine über die Jahre zunehmende Auswirkung der Drogen ist die fortschreitende Auszehrung des Körpers. Es kommt hierbei durch direkte Wirkung der Drogen, aber auch durch eine zunehmende Fehl- und Mangelernährung, zu einer Abnahme des Körpergewichts, Reduktion des subkutanen Fettgewebes und somit zu den manchmal eindrucksvollen eingefallenen Wangen und halonierten Augen.

Stress ist nicht nur psychische Belastung. Falsche Ernährung, zu wenig Sport und frische Luft, sowie Rauchen, Alkohol und jede Form von Drogen sind letztlich auch Stress - und zwar Stress für den Körper. Eine ausgeglichene Nahrungsaufnahme sowie genügend Bewegung sind notwendig, damit der Stoffwechsel-Kreislauf funktioniert und das Immunsystem aktiv bleibt. Dann ist die Nährstoffzufuhr gesichert und Schadstoffe können abtransportiert werden und setzen sich nicht in den Gefäßen fest.

Es ist anzunehmen, dass der durch Kokainkonsum verursachte Stress, die Mangelernährung und die Schädigung des Immunsystems indirekt zu Haarausfall beitragen können. Eine direkte toxische Wirkung von Kokain auf die Haarfollikel ist zwar nicht belegt, jedoch können die genannten Faktoren die Haarwurzeln schwächen und zu Haarausfall führen.

Weitere Auswirkungen von Drogenkonsum auf die Haut

Neben Kokain können auch andere Drogen verschiedene Hautprobleme verursachen:

  • Heroin: 4 Prozent der Abhängigen entwickeln eine Urtikaria. Insbesondere an den Genitalien und im Gesicht kann intensiver Juckreiz entstehen.
  • Methamphetamin: Typisch sind Veränderungen in der Mundhöhle: Es kommt bei allgemeiner Xerostomie zu am Zahnfleischrand beginnenden Zahnschmelzerosionen, die rasch von massiver Karies befallen werden und schnell zur Zerstörung der Zähne und begleitender Parodontitis führen (meth mouth). Amphetamin wie Methamphetamin können Parästhesien mit Dermatozoenwahn-ähnlichen Symptomen wie dem Skin-picking-Syndrom auslösen.
  • Cannabis: Chronischer Cannabismissbrauch kann eine Cannabis-Arteriitis auslösen, die sich meist als peripere Nekrose an den unteren Extremitäten zeigt. Es kann zu einem Raynaud-Phänomen oder einer digitalen Nekrose kommen.
  • Ecstasy: Akneiforme Hautveränderungen wie Papeln und Pusteln im Gesicht ohne Komedonen werden als "Ecstasy-Pickel" bezeichnet.

Haut- und Schleimhautinfektionen sind der häufigste Grund für einen Klinikaufenthalt und sie treten besonders oft bei Abhängigen auf, die ihre Drogen i.v. Verantwortlich für diese Komplikationen sind vor allem das Spritzen der Drogen unter die Haut, die Verwendung unsteriler Injektionsbestecke und von Mischungen aus Heroin und Kokain. Häufig sind aber auch Anaerobier verantwortlich. Häufig kommt es zu einer nekrotisierenden Fasziitis, die mit starken Schmerzen, Hyperthermie oder auch Hypothermie einhergehen kann. Auch Pilzinfektionen, insbesondere mit Candida, sind häufig.

Diagnose und Behandlung von Haarausfall bei Drogenkonsum

Bei Verdacht auf Haarausfall durch Drogenkonsum ist eine umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung erforderlich. Dabei sollte gezielt nach Drogenkonsum, Mangelernährung und anderen Risikofaktoren gefragt werden. Eine Haaranalyse kann helfen, den Drogenkonsum nachzuweisen.

Die Behandlung von Haarausfall bei Drogenkonsum umfasst in erster Linie die Beendigung des Drogenkonsums. Eine Suchttherapie ist in den meisten Fällen unerlässlich. Daneben sollten Mangelzustände ausgeglichen und eine gesunde Lebensweise angestrebt werden. In manchen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung des Haarausfalls oder eine Haartransplantation in Erwägung gezogen werden.

Die Rolle der Haaranalyse beim Nachweis von Drogenkonsum

Für Gerichtsmediziner sind Haare ein biologischer Marker, der anders als Blutproben oder die Urinanalyse die Sensitivität nicht nach wenigen Tagen verliert. Sie verdanken dies der Tatsache, dass Haare nicht nur aus Keratin, Melanin, einigen Lipiden und Wasser bestehen. Bei der Bildung der Haare in den Haarfollikeln werden auch andere Substanzen in das epidermale Gewebe eingebaut. Voraussetzung ist, dass sie zum Zeitpunkt der Haarbildung im Blut vorhanden sind.

Eine Langhaarfrisur ist dementsprechend von Nachteil, denn mit der Länge der Haare vergrößert sich auch das „window of detection“, also der Zeitraum, in dem ein Drogenkonsum seine Spuren im Haar hinterlässt. Skinheads sind nur scheinbar im Vorteil: Um den Drogenkonsum zu verheimlichen, wäre eine Rasur der gesamten Körperbehaarung notwendig.

Der Nachweis von Kokain wurde erstmals im Jahr 1981 beschrieben. Hierfür wurde ein Radioimmunassay (RIA) benutzt. Noch sicherer ist die Gaschromatographie plus Massenspektrometrie (GC-MS), die heute als Standard gilt. Die Methoden erlauben zwar eine quantitative Bestimmung des Kokains im Haar, ein Rückschluss auf die Dosis ist allerdings nicht möglich. Auch der genaue Zeitpunkt der Drogeneinnahme kann nicht exakt berechnet werden. Hier stößt die Haaranalyse derzeit noch an ihre Grenzen.

Vor dem Nachweis wird das abgeschnittene Haarbüschel gewaschen. Dies soll falsch-positive Ergebnisse verhindern. Denn Kokain gelangt nicht nur über das Blut ins Haar. Auch eine Inkorporation über eine Luftexposition ist möglich. Drogenkonsumenten haben jedoch keine Chance, durch intensives Waschen die Haare drogenfrei zu bekommen.

In den letzten Jahren hat sich die Analyse in der Gerichtsmedizin jedoch fest etabliert, ist sie doch die einzige Möglichkeit, längsschnittartig eine Aussage auch über zurückliegenden Drogenkonsum zu machen.

Die häufigsten forensischen Anfragen betreffen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und eine mögliche strafmildernde Wirkung eines chronischen Drogenkonsums. In Italien erhalten die Delinquenten den Führerschein erst zurück, wenn sie per Haaranalyse nachweisen können, dass sie seit längerer Zeit clean sind.

In der folgenden Tabelle sind die wichtigsten illegalen Drogen und deren Auswirkungen auf die Haut zusammengefasst:

Droge Häufige Konsumform Mögliche Auswirkungen auf die Haut
Heroin Spritzen, Rauchen Urtikaria, Juckreiz, Stigmata der i.v.-Drogenabhängigen, Wundbotulismus, nekrotisierende Weichteilinfektion
Amphetamin (Speed) Schnupfen Trockene und gereizte Nasenschleimhäute
Methamphetamin (Crystal Meth) Oral, Rauchen "Meth mouth" (Zahnschmelzerosionen, Karies, Parodontitis), Dermatozoenwahn-ähnliche Symptome
Kokain Schnupfen, Spritzen, Rauchen (Crack) Schädigung der Nasenschleimhaut, Nasenseptumdefekte, Nekrosen, Vaskulitis, Agranulozytose
Cannabis Rauchen Cannabis-Arteriitis, Raynaud-Symptome, digitale Nekrose

Kokain - Wirkung und Nebenwirkungen - Doc Mo

Befolgen Sie diese Ratschläge, können Sie die Gefahr der Alopezie vermindern. Falls Sie unter Haarausfall leiden und mit der Verteilung Ihrer Haare unzufrieden sind, kommen Sie zu mir in das Zentrum für Moderne Haartransplantation Berlin. Wir beraten Sie zu den Möglichkeiten einer Haartransplantation.

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