Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist eine Autoimmunerkrankung, die durch plötzlichen Haarausfall gekennzeichnet ist und sowohl Männer als auch Frauen betrifft. Schätzungsweise eine von 50 Personen erlebt diese Erkrankung im Laufe ihres Lebens. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, manifestiert sich aber oft im Kindes- und jungen Erwachsenenalter.
Alopecia Areata
Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) bilden sich meist einzelne, runde, haarlose Flecken im Kopfhaar. Seltener betroffen sind Gesichtsbehaarungen wie Bart, Augenbrauen, Wimpern oder das Körperhaar. Die Alopecia areata (AA) tritt zu 80 Prozent der Fälle im Kopfbereich auf. Bei Männern kann zusätzlich der Bartwuchs betroffen sein. Der entzündliche Haarausfall beginnt häufig im Kindes- und jungen Erwachsenalter, kann aber prinzipiell in jedem Alter auftreten.
Zu Beginn der Erkrankung bilden sich einzelne runde oder ovale haarlose Stellen. Sie sind scharf abgegrenzt. Die haarlosen Stellen sind nicht gerötet oder schuppig und jucken auch nicht. An den Rändern der kahlen Stellen können ein paar kurze, abgebrochene Haare stehen bleiben, die man Komma- oder Ausrufezeichenhaare nennt. Manchmal fallen auch nur pigmentierte Haare aus und graue und weiße Haare bleiben stehen. Die kahlen Stellen bilden sich oft relativ schnell oder treten in Schüben auf.
Im weiteren Verlauf können die kahlen Stellen größer werden und konfluieren. Der Haarausfall kann sowohl das Kopfhaar betreffen als auch Augenbrauen, Bart und Körperhaare. Bei einigen Betroffenen fallen sogar Wimpern und Augenbrauen komplett aus. Bei etwa jedem vierten Patienten treten zusätzlich zum Haarausfall auch Nagelveränderungen der Finger- und Fußnägel auf. Diese äußern sich in kleinen Grübchen und Längsrillen, weißen Flecken auf den Nägeln, einer rauen Nageloberfläche oder brüchigen Nägeln. Sehr selten können auch die Nägel ausfallen.
Zudem befinden sich am Rand der Flecken meist kurze, abgebrochene Haare, die zur Kopfhaut hin dünner werden. Man nennt diese umgangssprachlich Kolben-, Ausrufezeichen- oder Komma-Haare. Menschen mit kreisrundem Haarausfall können außerdem Probleme mit den Finger- und Zehennägeln haben. Typischerweise bilden sich Grübchen oder Tüpfel im Nagel. Manchmal entstehen graue Flecken. Bei manchen Menschen fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus; schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei die Person innerhalb kürzester Zeit ergraut.
Die Alopecia areata zeigt ein sehr breites klinisches Bild. Der Haarverlust kann alle behaarten Bereiche des Kopfes und Körpers betreffen. Sie kann sich aber auch durch teilweisen oder kompletten Verlust der Augenbrauen, Wimpern oder Barthaare, oder auch an anderen behaarten Arealen zeigen. Die Hautoberfläche ist unauffällig.
Weitere Formen der Alopecia areata:
Als Ursache der Erkrankung wird eine Autoimmunreaktion vermutet. Es handelt sich um eine Fehlreaktion des Immunsystems, welches eigentlich zur Bekämpfung von Krankheitserregern sowie fremden oder entarteten Zellen zuständig ist. Beim kreisrunden Haarausfall greift das Immunsystem des Betroffenen fälschlicherweise die körpereigenen Haarwurzeln an. Das hat eine Entzündungsreaktion der Haarfollikel zur Folge. Was diese These unterstützt, ist die Tatsache, dass Patienten mit Alopecia areata häufig unter weiteren Autoimmunerkrankungen leiden.
Es wird vermutet, dass auch genetische Faktoren einen Einfluss haben. Da teilweise eine familiäre Häufung der Erkrankung beobachtet wird, ist auch eine genetische Teilursache anzunehmen. In einigen Fällen scheint auch eine psychogene Komponente eine Rolle zu spielen, da ein Auftreten oder eine Verschlechterung der Krankheit bei ausgeprägtem Stress oder schweren emotionalen Belastungen registriert werden konnte.
Haarausfall als Folge einer fehlgeleiteten Immunreaktion: Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es sich um eine Autoimmunreaktion handelt. Darunter versteht man eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems. Genauer gesagt, erkennt das Immunsystem die körpereigenen Haare fälschlicherweise als fremd und bildet Abwehrstoffe dagegen. In der Folge entzünden sich die Haarwurzeln: Die Haare wachsen nicht mehr richtig und fallen aus.
Manche Menschen mit kreisrundem Haarausfall berichten, zum Zeitpunkt des Haarausfalls starkem emotionalem Stress ausgesetzt gewesen zu sein. Bei einem Großteil der Betroffenen ist das hingegen nicht der Fall. Stress könnte daher in einem gewissen Maß ein Mitauslöser sein. Einzelne Studien weisen zudem darauf hin, dass geringe Mengen von Vitamin D im Blut kreisrunden Haarausfall begünstigen könnten. Ob Stress und Vitamin D tatsächlich eine Rolle spielen, ist aber bisher wissenschaftlich nicht sicher belegt.
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart. Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten. Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen.
Zusätzlich sucht die Ärztin oder der Arzt mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) die lichten Stellen nach den typischen abgebrochenen Haaren ab - den „Ausrufezeichen-Haaren“. Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt einen Zupftest machen. Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin. Insbesondere schaut sie oder er nach den Haarbälgen und Poren. Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein.
Sehr hilfreicher Test zur Einschätzung der Aktivität der Alopecia areata, aber auch zum Ausschluss anderer Haarerkrankungen, so wie der Trichotillomanie. Der Test wird am Randbereich der haarlosen Areale sowie an klinisch unauffälligen Haaren durchgeführt. Hierbei wird ein dickes Haarbüschel (ca. 20-50 Haare) zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger am Haaransatz nahe der Kopfhaut fest gefasst, und dann fest, aber nicht gewaltsam von der Kopfhaut weggezogen. Wenn mehr als 10 % der erfassten Haare zwischen den Fingern am Ende verbleiben, gilt dies als positiver Zupftest und deutet auf aktiven Haarausfall hin. Für einen gültigen Test sollten die Haare mindestens einen Tag lang nicht gewaschen werden.
Diagnose von Alopecia Areata
Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.
Der typische Verlauf einer Alopecia areata beginnt meist mit einzelnen kahlen Stellen auf dem Kopf oder am Körper, die sich mit der Zeit vergrößern und miteinander verschmelzen. Es kann jedoch passieren, dass die ersten nachwachsenden Haare weiß sind und erst später pigmentierte Haare kommen. Eine langfristige Heilung verspricht das jedoch nicht - auch hier treten häufig Rezidive auf.
Häufig wachsen die ausgefallenen Haare nach mehreren Monaten von selbst wieder nach. Es ist jedoch möglich, dass die Haare erneut ausfallen. Wie genau die Erkrankung im Einzelnen verläuft, lässt sich nur schwer vorhersagen. Bei ungefähr der Hälfte der Menschen mit mildem kreisrundem Haarausfall wachsen die Haare nach der ersten Episode innerhalb von einem Jahr nach. Ein Großteil aller betroffenen Personen erlebt mehr als ein Haarausfall-Ereignis im Lauf des Lebens.
Die Alopecia areata ist eine Erkrankung mit einem stark variablen Verlauf. Einmaliges Auftreten, lange freie Intervalle und immer wieder neues Auftreten einzelner oder mehrerer Herde können sich abwechseln. Jahrelange keine neuen Herde und Remissionen über mehrere Jahre können ebenso auftreten.
Wer bei sich selbst einen kreisrunden Haarausfall bemerkt, sollte möglichst zeitnah einen Experten für Haarausfallbehandlungen aufsuchen, um sich über die möglichen Therapieoptionen beraten zu lassen. Es gibt eine Vielzahl an medikamentösen Möglichkeiten. Allerdings ist auch die Rezidivrate sehr hoch - wer einmal kreisrunden Haarausfall hatte, wird ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal bekommen.
Bei vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) wachsen die Haare innerhalb eines Jahres von allein nach. In solch einem Fall ist keine Behandlung notwendig. Das Problem: Es lässt sich nicht sicher vorhersagen, bei wem die Haare nachwachsen und bei wem nicht. Für die Behandlung von Alopecia areata stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von Medikamenten zur äußerlichen (topischen) Anwendung auf der Kopfhaut, über eine topische Immuntherapie bis hin zum Einsatz sogenannter JAK-Inhibitoren in Tablettenform.
Therapieoptionen:
Tabelle: Überblick über die Behandlungsmethoden
| Behandlungsmethode | Anwendung | Wirkung |
|---|---|---|
| Kortison-Therapie | Lokal (Cremes, Lösungen, Injektionen) oder systemisch (Tabletten) | Entzündungshemmend |
| Diphenylcyclopropenon (DCP) | Topische Immuntherapie | Verdrängung der Immunzellen, die Haarwurzeln angreifen |
| Hautreizende Stoffe (Anthralin, Dithranol) | Auftragen auf betroffene Stellen | Reizung der Haut |
| PUVA-Therapie | - | - |
| Minoxidil | Lokaltherapie | Verbesserung der Durchblutung der Kopfhaut |
| Zinktabletten | Oral | Unterstützung des Immunsystems |
| PRP-Therapie | Injektion von plättchenreichem Plasma in die Kopfhaut | Reaktivierung der Haarwurzeln |
| Stammzellentherapie | Extraktion von Stammzellen aus Unterhautfettgewebe und Injektion | - |
Eine Therapie, die die Alopecia areata auf Dauer heilt, gibt es bis heute leider nicht. Allerdings ist auch die Rezidivrate sehr hoch - wer einmal kreisrunden Haarausfall hatte, wird ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit noch einmal bekommen. Andererseits haben viele Therapieoptionen der Alopecia areata eine ähnliche Ansprechrate wie die Quote der Spontanheilungen. Im besten Fall tritt eine Spontanheilung ein. In schweren Verlaufsformen kann jedoch auch das gesamte Haar ausfallen. Der individuelle Verlauf lässt sich nicht vorhersehen.
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