Grafschaft Glatz: Geschichte und Sehenswürdigkeiten einer faszinierenden Region

Der südliche Teil Niederschlesiens bildet auf der Landkarte einen Zapfen, der in die Tschechische Republik hineinreicht: das Glatzer Land. Es nimmt eine Fläche von rund 1.635 Quadratkilometern ein und ist zu 37 Prozent von Wäldern bedeckt. Die Glatzer Hochebene, die sich von Südosten nach Nordwesten erstreckt, wird flankiert vom Schneegebirge und vom Bielengebirge im Südosten, vom Eulengebirge im Norden sowie vom Reichensteiner Gebirge im Osten.

Diese Reise führt Sie in drei unterschiedliche Regionen Polens und der Tschechischen Republik, die sich durch ein reiches architektonisches Erbe auszeichnen. Zunächst erkunden Sie die Grafschaft Glatz/Hrabstwo kłodzkie, die bis zur Eroberung Schlesiens durch den Preußenkönig Friedrich den Großen ein Bestandteil des Königreichs Böhmen war.

Im frühen 20. Jahrhundert wegen der zahlreichen Kurbäder als „Gesundbrunnen Deutschlands“ bekannt, blieb der große Bestand an mittelalterlichen Burganlagen, Schlössern und Herrenhäusern mit zum Teil weitläufigen Parkanlagen von teilweise überregionaler Bedeutung - insgesamt mehr als 80 an der Zahl - bis heute weitgehend unbekannt.

Alle drei Gebiete verbindet eine hohe Dichte kulturhistorisch bedeutender Sehenswürdigkeiten wie mittelalterliche Ortskerne, Kirchen und Klöster sowie zahllose Adelssitze mit ihren Gärten. Mehrere davon stehen - mitsamt ihrer Parkanlagen - unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes, wie die Schlösser von Kremsier/Kroměříž und Eisgrub/Lednice.

Panorama von Glatz (Kłodzko)

Das Zentrum der Region: Glatz (Kłodzko)

Das Zentrum der Region ist Glatz (Kłodzko), Kreisstadt und Hauptstadt der ehemaligen Grafschaft Glatz. Mit ihren zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten gehört die Stadt, die 1114 erstmals in einer Urkunde als Stadt bezeichnet wurde, mit ihrer zu den schönsten Städten in der Region.

In diesem Artikel widme ich mich Glatz im polnischen Glatzer Land. Die Stadt gilt als kleines Prag und ist touristisch sehr attraktiv. Wenn man vom Glatzer Land spricht, gebietet es sich mit der namensgebenden Stadt Glatz zu beginnen. Diese hat zweifelsohne einiges zu bieten. Ihr Beiname „Kleines Prag“ deutet bereits an, was Touristen, Reisende und Urlauber hier erwartet.

Die ca. 30.000 Einwohner zählende Hauptstadt der Region liegt im Süden Niederschlesiens. Namensgebend ist die Stadt nicht nur für das umliegende Land. Glatz, auf Polnisch Kłodzko, ist ein wichtiger Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt. Eine Anreise aus Deutschland gestaltet sich dementsprechend sehr bequem und unproblematisch. Von Görlitz aus ist gerade einmal mit einer dreistündigen Busreise zu rechnen.

Historische Sehenswürdigkeiten in Glatz

Besonders sehenswert sind:* Die Pfarr- und Dekanatskirche "Maria Himmelfahrt"* Die Festung* Die Brücktorbrücke, die oft mit der Karlsbrücke in Prag verglichen wird

#Glatz Polen September 2016

Die wechselvolle Geschichte der Stadt sowie ihre grenznahe, strategisch wichtige Lage prägte maßgeblich ihre Entwicklung hin zu einem imposanten militärischen Bollwerk. Davon zeugt in erster Linie die im 18.

Jahrhundert errichtete Festung. Einst war sie eine der modernsten Festungsanlagen Europas, die den Belagerungstruppen Napoleons trotzte. Heute ist sie ein großartiges Denkmal der Militärarchitektur und ein wahrer Touristenmagnet.

Eine davon erzählt von der berühmt-berüchtigten Giftmörderin Sophie Charlotte Elizabeth Ursinus. Sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in der Festung gefangen gehalten. Sie soll neben ihren Familienmitgliedern auch zahlreiche Verteidiger der Stadt mit Arsen vergiftet haben. Ihr Ziel war es, auf diese Weise den napoleonischen Belagerungstruppen zu Hilfe zu kommen.

Im August werden die Festung und die nahegelegene Ortschaft Jaszkowa Dolna zum Schauplatz der Rekonstruktion einer historischen Schlacht zwischen den Armeen Preußens und Frankreichs.

Unterirdische Routen von Glatz

Doch nicht nur die Festung bietet unterirdische Gänge, die Ihre Reisegruppen begeistern können. Die Ursprünge der unterirdischen Routen gehen auf die mittelalterliche Entwicklung der Stadt zurück. In dieser Zeit ließen sich in Glatz im Glatzer Land zahlreiche Händler und Handwerker nieder. Ihr geschäftiges Treiben führte zur Entstehung zahlreicher ausgedehnter Keller. Dort konnten die kostbaren Handelswaren und Habseligkeiten der Besitzer gelagert werden. So waren diese vorm Feuer geschützt, welches die mittelalterlichen Städte Europas häufig heimsuchte. Manchem gelagerten Gut verliehen Sie darüber hinaus eine ganz besondere Geschmacksnote.

Im Laufe der Zeit gerieten jedoch viele Kellergewölbe in Vergessenheit und Verfall. Sie wurden erst darauf aufmerksam, als einige der Altstadthäuser Risse bekamen und sich abzusenken begannen. Ende der 1950er Jahre wurden umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, welche die Keller mitsamt den darüber stehenden Häusern nicht nur retteten, sondern auch touristentauglich machten. Heute können unterirdisch 600 Meter erkundet werden. Das klingt nicht nach viel, wirkt aber dank des Einsatzes vieler Medien sehr stimmungsvoll.

Die Besucher können sich unter anderem auf eine interessante und an die Geschichte der Stadt angelehnte Geräuschkulisse freuen sowie auf lebensgroße Figuren aus längst vergangenen Zeiten.

Die St. Johannes-Brücke in Glatz (Kłodzko)

Die St. Johannes-Brücke

Die Festung, welche die Stadt überragt, ist ein natürlicher Blickfänger. Schon sie erinnert an Prag. An zweiter Stelle des Vergleichs zu Prag nach der Burg drängt sich die 52 Meter lange und viee Meter breite St. Johannes-Brücke auf. Über dem Mühlgraben gespannt, glänzt sie mit lebensgroßen Figuren von diversen Heiligen sowie mit den in Stein gemeißelten Darstellungen sonstiger biblischer Motive. In der Tat ist sie sogar etwas älter als ihre berühmte tschechische Schwester. Allerdings wird sie erst seit dem 16.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Die Ähnlichkeiten beider Städte enden jedoch nicht mit Brücke und Burg. Beide Städte ähneln sich auch in Punkto Miets- und Bürgerhäuser. Viele der Häuser haben eine bewegte Geschichte, die oftmals in den prächtigen Außenfassaden zum Ausdruck gebracht wird. Das gilt zum Beispiel für die seit 400 Jahren existierende Apotheke, die in ihrer Entstehungszeit „Zum Mohren“ getauft wurde. Der damals gängige Name hatte nichts mit Rassismus zu tun, sondern diente vordergründig der Abgrenzung zu der bereits bestehenden Konkurrenz „Zum Goldenen Hirsch“.

Auch andere Häuser tragen sichtbare Zeichen ihrer Vergangenheit. In Glatz im Glatzer Land finden sich einige weitere Reliefs und Wahrzeichen, die Tiere und andere charakteristische Motive abbilden. Sie alle wurden unlängst renoviert und erfreuen das Auge mehr denn je. Im Sommer dienen einige von ihnen zudem als einmalige Kulisse für kulturelle Veranstaltungen und Konzerte.

Wie jede europäische Stadt, die auf eine lange Geschichte zurückblickt, erfreut sich Glatz einiger jahrhundertealter Sakralbauten. Hier stechen vor allem die imposanten Hinterlassenschaften der Franziskaner ins Auge. Sie beeinflussten die geistige Entwicklung der Stadt seit jeher maßgeblich.

In unmittelbarer Nähe des Marktplatzes befindet sich das nächste sakrale Highlight, nämlich die im 14. Jahrhundert aus Backstein errichtete gotische Stiftskirche Mariä Himmelfahrt.

Wo wir schon am Marktplatz sind, lohnt es sich ebenfalls am Glatzer Rathaus vorbeizuschauen. Wobei das Wort „vorbeischauen“ hier eher überflüssig wirkt. Der neogotische Bau ist nämlich so wuchtig, dass man ihn kaum übersehen kann. In der Tat scheint er den gesamten Marktplatz in den Schatten zu stellen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe des Rathauses, welche eines längeren Blickes würdig ist, ist die aus dem Jahre 1680 stammende Mariensäule. Nebst Maria bildet sie Heilige und Engel ab.

In Glatz im Glatzer Land kommen die Liebhaber der schönen Künste und Museen ebenfalls auf ihre Kosten. Besonders zu empfehlen ist in diesem Zusammenhang das Museum des Glatzer Landes. Wer hingegen das Gefühl bekommen möchte, dass ihm die ganze Welt zu Füßen liegt, der kann seinen Traum in dem Minieuroland verwirklichen. 40 minuziös angefertigte Baumodelle geben jedem ihrer Reisegäste das Gefühl ein Riese zu sein, der über die schönsten Sehenswürdigkeiten von Polen, Europa und der Welt schreitet.

In Glatz finden über die bereits erwähnten Veranstaltungen hinaus weitere empfehlenswerte Festivitäten statt. Im Juni während des Open Summer Festivals wird sie zur Bühne für diverse Konzerte und familiengerechte Aktivitäten. Im Herbst schließlich, genauer gesagt im November, lässt Glatz die Veranstaltungssaison mit einem Filmfestival ausklingen.

Die Kurorte des Glatzer Landes

Neben der reizvollen Landschaft, die zu ausgiebigen Wanderungen einlädt, gibt es im Glatzer Land zahlreiche Kurorte und alte Städte. Zu ihnen gehören Bad Kudowa (Kudowa Zdrój), Bad Landeck (Ladek Zdrój) und Bad Altheide (Polanica Zdrój), die bekannt sind für ihre kohlensäurehaltigen Quellen.
KurortPolnischer NameBesonderheiten
Bad KudowaKudowa ZdrójKohlensäurehaltige Quellen, Kurpark
Bad LandeckLadek ZdrójTrinkhalle, historische Altstadt
Bad AltheidePolanica ZdrójModerne Kureinrichtungen, Parkanlagen

Złoty Stok (Reichenstein)

Die Kleinstadt Złoty Stok, wörtlich „Goldener Abhang“, liegt knapp 18 Kilometer östlich von Glatz, direkt an der tschechischen Grenze. Doch ihre malerische Gebirgslage, die ihr Name bereits vermuten lässt, ist nicht das einzige, was sie auszeichnet und landesweit bekannt macht. Bereits im 16. Jahrhundert wurde hier Gold gefördert. In der Tat war Reichenstein, wie die Stadt damals hieß, eine Zeit lang für bis zu 10 Prozent des europäischen Goldertrages verantwortlich. Grundsätzlich wurden hier bereits vor 1000 Jahren Bodenschätze abgebaut.

Das einzigartige Museum befindet sich in der stillgelegten Mine und bietet viele seltene Einblicke in den Alltag und das Equipment der Goldgräber und Schmelzer von einst. Alles wird attraktiv und zugänglich in wahlweise 1 bis 3 Stunden dauernden Führungen vermittelt. Sie bzw. Ihre Gäste werden unter anderem zu einem gekonnt in Szene gesetzten unterirdischen Wasserfall geführt und können mit einer echten Grubenbahn fahren. Goldwaschen, Münzenprägen, und das Gießen von Goldbarren in Eigenregie stehen als eigene Erlebnisse ebenfalls auf dem Plan.

Weitere Orte im Glatzer Land

* **Międzygórze:** Ein Ort geprägt von eindrucksvollen Holzhäusern, deren Türme in den Himmel ragen und die sich dicht aneinander in die Schlucht schmiegen.* **Wambierzyce (Albendorf):** Bekannt für die Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung, auch „Schlesisches Jerusalem“ genannt, und den Kalvarienberg.* **Kudowa Zdrój:** Einer der ältesten Kurorte Niederschlesiens, bekannt für seine Heilwasserquellen.* **Kamieniec Ząbkowicki (Kamenz):** Hier befindet sich ein beeindruckendes Schloss, das von Marianne, der Tochter des niederländischen Königs, im 19. Jahrhundert erbaut wurde.* **Lądek-Zdrój:** Ein weiteres Kurbad mit einer historischen Altstadt und der Albrechts-Wandelhalle.

Das Glatzer Land macht es Ihnen als Reiseveranstalter organisatorisch einfach. In allen beschriebenen Orten bekommen Sie es mit einer ausgereiften und abwechslungsreichen touristischen Infrastruktur zu tun. Ob überbordendes Übernachtungsangebot, Freizeitmöglichkeiten oder Gastronomie. Sie werden die Qual der Wahl haben und können so Ihre Offerte mit Leichtigkeit an die verschiedenen Bedürfnisse ihrer Reisegäste optimal anpassen.

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