Viele Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, leiden unter Haarausfall, der oft zu einer Glatzenbildung mit einem verbleibenden Haarkranz führt. Dieser Zustand, auch bekannt als Tonsur, kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Behandlungsansätze erfordern.
Einfach gesagt: Eine Tonsur ist ein Haarkranz um eine Scheitelglatze. Heutzutage rasieren die Wenigsten sich freiwillig eine Tonsur. Ursprünglich rasierten sich Mönche im 4. Jahrhundert den Kopf vollständig, ab dem 6. Jahrhundert war dies sogar Pflicht.
Der übliche Verlauf bei erblich bedingtem Haarausfall sieht so aus: Zuerst bilden sich Geheimratsecken über der Stirn, danach wird das Haar am Hinterkopf immer lichter. Im Bereich des hinteren Wirbels bildet sich eine Tonsur.
Es gibt verschiedene Ursachen für Haarausfall, die zu einer Glatzenbildung mit Haarkranz führen können:
Geheimratsecken, Glatze, kahler Hinterkopf: typisch erblicher Haarausfall bei Männern. Auch Frauen sind betroffen. Bei der androgenetischen Alopezie (Abkürzung AGA) reagieren Haarfollikel empfindlich auf das Hormon Dihydrotestosteron (Abkürzung DHT), das natürlicherweise durch ein Enzym aus Testosteron gebildet wird, und zwar sowohl bei Männern als auch bei Frauen.
Die Folge der DHT-Empfindlichkeit: Haarfollikel verschwinden nach und nach, sodass ausfallende Haare nicht mehr nachwachsen. Männer bekommen dann die typischen Halb- und Vollglatzen. Bei Frauen ist der Haarausfall nicht ganz so extrem.
Diese Überempfindlichkeit der Haarfollikel ist bei AGA genetisch bedingt - und wird daher vererbt. Das ist zumindest bei Männern nachgewiesen, jeder zweite Mann hat eine AGA.
Inzwischen weiß man: Mehrere Gene sind an AGA beteiligt, vor allem aber ein Gen auf dem weiblichen X-Chromosom. Dieses Gen sorgt dafür, dass ein Rezeptor für DHT gebildet wird. Der Rezeptor fungiert als eine Art Schlüsselloch, das Hormon als passender Schlüssel.
Dieser Vorgang ist an sich natürlich und auch wichtig für normale Körperfunktionen. Bei der AGA ist es aber vermutlich so, dass entweder zu viele Rezeptoren an den Haarfollikeln gebildet werden, oder aber dass es zu viel Testosteron-umwandelndes Enzym und damit zu viel DHT lokal an den Haarfollikeln gibt.
Etwa jede dritte Frau hat eine AGA. Frauen sind deshalb offenbar ebenfalls betroffen, weil auch ihre Körper natürlicherweise geringe Konzentrationen des eigentlich männlichen Sexualhormons Testosteron und seines Abkömmlings DHT bilden. Außerdem haben Frauen zwei X-Chromosomen, eins vom Vater und eins von der Mutter und damit zumindest theoretisch ein doppeltes Risiko, die Neigung zu AGA entweder über den Vater oder der Mutter zu erben, oder von beiden.
Erblich bedingter Haarausfall verursacht typische Haarausfall-Muster: Bei Männern sind vor allem die Bereiche Stirn sowie Ober- und Hinterkopf betroffen.
Wann beginnt der Haarausfall bei AGA? Oft fallen bei AGA erst in den mittleren bis späteren Lebensjahren die Haare aus. Bei den Frauen sind das etwa 12 % der 30-Jährigen. Bei Frauen ab 70 haben dann 30 bis 40 % mehr oder weniger starken Haarausfall. Altersentsprechend haben Frauen in und nach den Wechseljahren weniger weibliche Sexualhormone (unter anderen Östrogene), die die Wirkung von Testosteron und Co. reduzieren.
Egal, welche Ursache - ein Haarverlust ist für Betroffene immer eine extreme Belastung. Die vernarbende Alopezie betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Bei vernarbender Alopezie werden die Haarfollikel zerstört; Haare können nicht mehr nachwachsen, der Haarverlust ist nicht umkehrbar.
Bei einer vernarbenden Alopezie richtet sich das Immunsystem aus verschiedenen Gründen gegen die körpereigenen Haarfollikel. Es entsteht eine Entzündung, welche in letzter Konsequenz zur Zerstörung des Follikels führt. Die Haarfollikel vernarben durch die Entzündung so, dass kein Haar mehr aus ihnen wachsen kann.
Mögliche Ursachen sind:
Je nach Auslöser können unterschiedliche Symptome auftreten. Der Krankheitsverlauf unterscheidet sich oft sehr, was die Diagnose zusätzlich erschwert.
Häufige Symptome vernarbender Alopezie können sein:
Besonders auffällig ist, dass an den kahlen Stellen die Haut ungewöhnlich glatt wird - es sind keine Haarausgänge mehr zu sehen, die Haut glänzt. Je nach auslösender Ursache kann die Haut verblassen oder nach Entzündungen immer noch gerötet sein.
Bei Lichen-Erkrankungen können zusätzlich auch andere Haut- und Nagelveränderungen auftreten. In jedem Fall sollte bei entzündlichen Veränderungen und Verdacht auf vernarbenden Haarausfall ein Facharzt aufgesucht werden, um durch eine umfassende Diagnostik die zugrundeliegende Krankheit identifizieren zu können.
Sind die Haare jedoch einmal ausgefallen, wachsen sie bei vernarbender Alopezie nicht mehr nach. Das Fortschreiten der Krankheit wird im besten Fall gestoppt und Symptome werden gelindert.
Der vernarbende Haarausfall verläuft meist langsam und asymmetrisch. Die betroffenen Stellen werden nicht nur kahl, es können sich auch sichtbare Narben bilden. Gerade in frühen Phasen ist die Krankheit daher oft nicht richtig zu erkennen.
Mögliche Ursachen können u. a. sein:
Neben den genannten Hauptursachen gibt es weitere Faktoren, die Haarausfall begünstigen können:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Haarausfall zu behandeln und das Fortschreiten der Glatzenbildung zu verlangsamen oder sogar umzukehren. Die Wahl der Behandlung hängt von der Ursache des Haarausfalls und den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen ab.
Bei AGA gibt es Wirkstoffe, die in Studien ihre Wirksamkeit bewiesen haben. Das sind Minoxidil für Männer und Frauen sowie Finasterid für Männer.
Sowohl für Frauen als auch für Männer ist Minoxidil zur lokalen Behandlung der Kopfhaut bei AGA zugelassen. Wie genau der Wirkstoff das Wiederwachsen der Haare fördert, ist noch nicht wirklich bekannt. Wissenschaftler meinen, dass die Durchblutung rund um die Haarfollikel zunimmt, was das Haarwachstum fördert. Je früher die Therapie begonnen wird, desto besser.
Andere Nebenwirkungen können Überempfindlichkeit mit Juckreiz, Rötung, Schuppung sein und bei 2 von 100 Anwendern auch eine Kontaktdermatitis. Ob Minoxidil bei den Anwendern nutzt, kann erst nach etwa einen halben Jahr wirklich beurteilt werden. Es handelt sich um eine Dauertherapie. Die Kosten für das Medikament müssen die Betroffenen selbst bezahlen.
Finasterid senkt den DHT-Spiegel im Blut. Das Medikament wird eingenommen und hauptsächlich bei gutartiger Prostatavergrößerung verordnet. Der Wirkstoff reduziert aber auch die DHT-Konzentration in der Kopfhaut. Das stoppt das Fortschreiten der AGA und fördert das Neuwachstum der Haare.
Nach Studienlage berichten ca. Während der Therapie kann der Wirkstoff die Spermienzahl verminderten. Dann können eventuell keine Kinder gezeugt werden. Finasterid ist ein Medikament für Männer. Manche Ärzte verordnen es aber hin und wieder auch Frauen, etwa bei nachgewiesener Hormonstörung. Eine solche Verordnung ist aber ein sogenannter „Off-label-use“, das heißt, das Medikament ist für Frauen nicht zugelassen.
Zu weiteren Behandlungen für Menschen mit AGA wird viel geforscht, vor allem in Richtung Schutz der Haarfollikel vor DHT.
Östrogene: Theoretisch wäre die Einnahme von Östrogenen eine wirksame Therapie gegen AGA, da sie die Wirkung von männlichen Sexualhormonen und ihren Abkömmlingen wie DHT mindern. In der Praxis bzw. in Studien hat sich aber gezeigt, dass Frauen mit normalen Hormonfunktionen nicht profitieren, das heißt, die AGA wurde nicht beeinflusst. Das trifft auch auf Frauen in und nach den Wechseljahren zu, obwohl bei ihnen die Östrogenspiegel ja natürlicherweise sinken.
Weil generell eine Hormonersatz-Therapie in den Wechseljahren weiter umstritten ist, wurde dieser Weg wieder verlassen.
Mesotherapie: Bei dieser Therapieform spritzen Ärzte bei Haarausfall winzige Mengen von Lösungen mit verschiedenen Wirkstoffe direkt in die betroffenen Areale der Kopfhaut. Solche Lösungen enthalten zum Beispiel Antioxidantien und Vitamine wie Biotin, Dexpanthenol, Hyaluron, Vitamin C und andere und natürliche Hormonhemmer wie Eisengluconat und Sägepalmenextrakt.
Üblich sind zunächst sechs Behandlungen im Wochenabstand, danach drei weitere alle zwei Wochen. Die Erhaltungstherapie kann dann einmal pro Monat erfolgen, wie Dr. Britta Knoll in ihrem Beitrag zu Mesotherapie berichtet.
Dutasterid: Dieser Wirkstoff ist wie Finasterid ein „Männer-Medikament“. Man hat sich aber überlegt, dass Einspritzungen geringer Mengen des Wirkstoffs in die von AGA betroffenen Kopfhaut-Stellen lokal zu einer DHT-Minderung führen könnten. So würden die Haarfollikel geschützt, ohne dass mit Nebenwirkungen auf den ganzen Körper zu rechnen sei (wie etwa bei einer Tabletteneinnahme).
Latanoprost zum Auftragen auf die Kopfhaut. Latanoprost-Tropfen wirken gegen erhöhten Augeninnendruck (Grüner Star).
Alle bisherigen Therapien bekämpfen das Symptom Haarausfall, nicht aber die genetische Veranlagung.
Bei einer Haartransplantation wird durch einen Facharzt Eigenhaar an kahlen Stellen implantiert, das die Problemstellen wieder füllen soll. Außerdem birgt eine Haartransplantation, so wie jeder medizinische Eingriff, das Risiko für Nebenwirkungen. Im schlimmsten Fall stößt Dein Körper das implantierte Haar wieder ab.
Es gibt auch verschiedene kosmetische Lösungen, um eine Glatze mit Haarkranz zu kaschieren:
Nicht jeder Betroffene möchte sofort zu Medikamenten oder einer Haartransplantation greifen. Oft lassen sich Geheimratsecken schon mit einfachen Styling-Tricks oder clever gewählten Frisuren deutlich abmildern:
Am Ende gilt: Wer seine Geheimratsecken kaschieren möchte, hat viele Möglichkeiten - vom modernen Schnitt bis hin zum stilvollen Accessoire.
Mal ehrlich: Geheimratsecken sind nicht nur eine Frage der Haare, sondern auch eine Frage des Selbstbewusstseins. Viele Männer - und auch Frauen - schauen plötzlich anders in den Spiegel, wenn die Stirn höher wird. Manche fühlen sich älter, manche weniger attraktiv.
Wichtig ist, sich klarzumachen: Geheimratsecken sind unglaublich häufig. Am Ende ist es nicht die Haarlinie, die zählt, sondern wie Sie sich fühlen.
Um das Haar nicht zusätzlich zu strapazieren und dadurch weiteren Haarausfall zu begünstigen, ist eine optimale Pflege wichtig. Zwar kann die Ursache des genetisch bedingten Haarausfalls nicht behoben werden, verschiedene Inhaltsstoffe können jedoch helfen, dünner werdendes Haar zu Pflegen und zu kräftigen.
Hier sind einige Tipps für die richtige Pflege:
Eine Glatze mit Haarkranz kann verschiedene Ursachen haben, wobei die androgenetische Alopezie und die vernarbende Alopezie die häufigsten sind. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, von medikamentösen Therapien über Haartransplantationen bis hin zu kosmetischen Lösungen und Styling-Tricks. Wichtig ist, die Ursache des Haarausfalls zu erkennen und die passende Behandlung zu wählen, um das Fortschreiten der Glatzenbildung zu verlangsamen oder sogar umzukehren.
Unabhängig von der gewählten Behandlung ist es wichtig, das Selbstbewusstsein zu stärken und sich mit dem Haarausfall auseinanderzusetzen. Denn am Ende ist es nicht die Haarlinie, die zählt, sondern wie man sich fühlt.
| Behandlungsmethode | Beschreibung | Geeignet für | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Minoxidil | Lokale Anwendung zur Förderung des Haarwachstums | AGA bei Männern und Frauen | Dauertherapie, Kosten müssen selbst getragen werden |
| Finasterid | Tablette zur Senkung des DHT-Spiegels | AGA bei Männern | Kann Nebenwirkungen haben, nicht für Frauen zugelassen |
| Haartransplantation | Verpflanzung von Eigenhaar an kahlen Stellen | Bei gestopptem Haarausfall | Risiko von Nebenwirkungen |
| Streuhaar | Kaschierung lichter Stellen | Bei noch vorhandenem Eigenhaar | Schnelle und einfache Lösung |
| Toupet | Haarteil zur Abdeckung der Glatze | Bei vollständiger Glatze | Benötigt regelmäßige Pflege und Erneuerung |
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