Ein kleines Gerstenkorn am Auge kann ziemlich lästig sein. Es juckt, schmerzt und sieht nicht besonders schön aus. Kein Wunder, dass viele den Drang verspüren, das Gerstenkorn einfach auszudrücken. Aber Vorsicht! Das Ausdrücken eines Gerstenkorns kann mehr Schaden anrichten als Nutzen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Entzündung verschlimmert oder Bakterien weiter verbreiten.
In diesem Artikel erklären wir, warum Sie besser die Finger davon lassen und welche sicheren Alternativen es gibt.
Ein Gerstenkorn ist eine akute, meist schmerzhafte Entzündung am Rand des Augenlids. Verursacht wird es durch eine bakterielle Infektion, in den meisten Fällen durch Staphylokokken. Diese Bakterien sind normalerweise auf unserer Haut vorhanden, können aber unter bestimmten Umständen eine Entzündung hervorrufen.
Laut medizinischen Statistiken erlebt etwa jeder zehnte Mensch mindestens einmal im Leben ein Gerstenkorn. Es betrifft alle Altersgruppen gleichermaßen, tritt jedoch häufiger bei Erwachsenen auf.
Ein äußeres Gerstenkorn am Augenlid.
Die Ursachen für ein Gerstenkorn sind vielfältig. Häufig spielt mangelnde Augenhygiene eine Rolle, aber auch ein geschwächtes Immunsystem kann die Entstehung begünstigen. Menschen, die unter chronischen Hauterkrankungen wie Rosacea oder Seborrhoischem Ekzem leiden, haben ein erhöhtes Risiko. Zudem können Stress und unausgewogene Ernährung indirekt Einfluss nehmen, indem sie das Immunsystem schwächen.
Es gibt zwei Arten von Gerstenkörnern: das äußere und das innere Gerstenkorn.
Typische Symptome eines Gerstenkorns sind Rötung, Schwellung und Schmerzen am betroffenen Augenlid. Oft bildet sich ein kleiner, eitriger Knoten, der Druckempfindlichkeit zeigt. In einigen Fällen kann es zu Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit oder einem Fremdkörpergefühl im Auge kommen. Diese Symptome treten meist plötzlich auf und können sich innerhalb weniger Tage entwickeln.
Der Gedanke liegt nahe: Ein kleines Gerstenkorn am Augenlid, das schmerzt und unschön aussieht, könnte man doch einfach ausdrücken wie einen Pickel. Doch genau hier lauern ernsthafte Gefahren für Ihre Augengesundheit.
Augenärzte warnen eindringlich vor dem Selbstausdrücken von Gerstenkörnern. Dr. Maria Schulz, Fachärztin für Augenheilkunde, betont: „Das Ausdrücken eines Gerstenkorns kann mehr schaden als nützen. Es ist wichtig, professionelle medizinische Ratschläge zu befolgen, um Komplikationen zu vermeiden.“
Eine Studie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft aus dem Jahr 2018 zeigt, dass bei Patienten, die an ihrem Gerstenkorn manipulierten, in über 30 % der Fälle Komplikationen auftraten. Im Vergleich dazu lag die Komplikationsrate bei Patienten, die auf das Ausdrücken verzichteten, unter 5 %.
Laut dem Robert Koch-Institut können durch unsachgemäße Handhabung von Augeninfektionen Antibiotika-resistente Keime gefördert werden.
Wenn Sie ein Gerstenkorn haben, gibt es mehrere sichere und effektive Methoden, um die Heilung zu fördern und die Symptome zu lindern. Wichtig ist dabei, das betroffene Auge nicht unnötig zu reizen und auf hygienische Maßnahmen zu achten.
Anwendung einer warmen Kompresse zur Behandlung eines Gerstenkorns.
Eine der bewährtesten Methoden ist die Anwendung von warmen Kompressen. Die Wärme fördert die Durchblutung und kann helfen, den Eiter im Gerstenkorn zu verflüssigen, sodass es auf natürliche Weise abheilen kann. Dazu ein sauberes Tuch in warmem Wasser tränken, auswringen und für etwa 10 bis 15 Minuten auf das geschlossene Auge legen. Diese Prozedur kann mehrmals täglich wiederholt werden.
Tipp: Achten Sie darauf, dass das Tuch sauber ist, um keine weiteren Bakterien ans Auge zu bringen.
In der Apotheke sind spezielle Augensalben oder antibakterielle Augentropfen erhältlich, die das Gerstenkorn behandeln können. Diese Produkte enthalten meist Wirkstoffe wie Antibiotika, die gegen die verursachenden Bakterien wirken.
Hinweis: Bevor Sie Medikamente anwenden, sollten Sie Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker halten.
Sollte das Gerstenkorn nach einigen Tagen nicht besser werden oder sich die Symptome verschlimmern, ist es ratsam, einen Augenarzt aufzusuchen.
Die beste Methode, um ein Gerstenkorn zu vermeiden, ist präventiv zu handeln. Mit einfachen Maßnahmen können Sie das Risiko erheblich reduzieren und Ihre Augengesundheit fördern.
Auch wenn das meist harmlose Gerstenkorn an seinen Symptome recht leicht erkennbar ist und gewöhnlich nach wenigen Tagen von allein abheilt, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen. Dieser kann andere Ursachen der Entzündung ausschließen und eventuelle Komplikationen frühzeitig erkennen. Vor allem, wenn das Gerstenkorn am Augenlid eine Bindehautentzündung nach sich zieht, sind weitere Untersuchungen notwendig.
Ein äußeres Gerstenkorn am Auge kann der Arzt bereits per Blickdiagnose erkennen: Es präsentiert sich als deutlich sichtbare Schwellung und rötlicher, mit Eiter gefüllter Knoten (ähnlich einem Pickel) im Bereich der Wimpern.
Ein inneres Gerstenkorn ist dagegen oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, weil hierbei Drüsen am Innenrand des Auges entzündet sind. Der Arzt wird in diesem Fall das Augenlid vorsichtig umklappen, um die Innenseite des Lids zu untersuchen.
Bei einem Gerstenkorn im Auge führt der Arzt eine sogenannte Spaltlampenuntersuchung durch: Mithilfe eines Mikroskops und einer speziellen Lampe (Spaltlampe) kann der Mediziner das Auge vergrößert betrachten. Er begutachtet dabei besonders folgende Strukturen:
Bei seinen Untersuchungen muss der Arzt andere Ursachen ausschließen, die für die Entzündung am Auge verantwortlich sein könnten. Ein Gerstenkorn ist zum Beispiel einem Hagelkorn (Chalazion) sehr ähnlich und leicht mit diesem zu verwechseln. Es handelt sich dabei aber um eine chronische Entzündung der Meibom-Drüse, die nicht eitrig ist und nicht schmerzt. Ursache hierfür ist meist ein verstopfter Drüsen-Ausführungsgang.
Da ein Gerstenkorn ansteckend ist, sollten Sie auf eine angemessene Hand- und Augenhygiene achten. Die Erreger leben auf Haut und Schleimhäuten und gelangen leicht über die Hände ins Auge. Waschen Sie sich deshalb regelmäßig die Hände und fassen Sie sich nicht mit schmutzigen Händen ins Auge.
Als Kontaktlinsen-Träger müssen Sie sich besonders gründlich die Hände waschen, bevor Sie sich beim Einsetzen und Herausnehmen der Sehhilfe ins Auge fassen. Achten Sie auch darauf, dass Sie Ihre Kontaktlinsen immer sachgemäß aufbewahren und gründlich reinigen. Das beugt Infektionen am Auge wie einem Gerstenkorn vor.
Besteht bereits eine Infektion, sollten Sie das Gerstenkorn nicht berühren. Wenn Sie sich nämlich mit der betreffenden Hand anschließend unbewusst ans gesunde Auge greifen, kann sich dieses ebenfalls infizieren.
Bei einem Gerstenkorn (Hordeolum) handelt es sich um eine eitrige Entzündung des Augenlides. "Verantwortlich ist meist eine Infektion durch Bakterien wie Staphylokokken. In seltenen Fällen sind auch Streptokokken und andere Keime die Ursache", erklärt Professor Dr. med. Carl-Ludwig Schönfeld, Facharzt für Augenheilkunde in München.
Ein Gerstenkorn entsteht, wenn Bakterien in die Lidranddrüse gelangen. Wer sich zum Beispiel die Augen mit ungewaschenen Händen reibt, riskiert leicht eine bakterielle Infektion. Bei einem Gerstenkorn entzünden sich sowohl Talg- als auch Schweißdrüsen des Augenlides. Es kommt zu einer Eiteransammlung. Diese hat die charakteristische Form eines gelben Knotens und wird deshalb bildlich Gerstenkorn genannt. Eine Entzündung kann an mehreren Stellen im Auge entstehen. Es werden zwei Arten unterschieden:
Bei einem Hagelkorn (Chalazion) dagegen handelt es sich um einen geröteten Knoten am Augenlid. Seine Ursache ist keine Infektion, sondern ein verstopfter Talgdrüsengang, in dem sich Sekret staut. Hagelkörner tun in der Regel nicht weh und verschwinden von allein wieder.
Wichtig ist vor allem eine gute Augenhygiene, sprich: Hände waschen, bevor du dir ins Auge fasst! Halte dein Augenlid immer sauber und versuche, Verunreinigungen z. B. durch Schminke zu vermeiden. Besonders wichtig deshalb: abends abschminken!
Um dein Auge zu reinigen, empfiehlt Schönfeld, Babyshampoo auf die Wimpern aufzutragen. "Das Shampoo sollte 1-2 Minuten auf den Wimpern bleiben, dann das Auge mit warmem Wasser wieder ausspülen."
Falls du Kontaktlinsen trägst, solltest du diese immer gut säubern und hygienisch aufbewahren. Bei einem akuten Gerstenkorn ist es jedoch ratsam, auf Kontaktlinsen zu verzichten.
Wenn du zusätzlich allgemeine Hygieneregeln beachtest, sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Übrigens ist es ein Mythos, dass Gerstenkörner ansteckend sind! Das gilt eher für die bakterielle oder virale Bindehautentzündung.
Keine Sorge: "Meist heilt ein Gerstenkorn von selbst wieder ab. Das gelbe Knötchen platzt und der Eiter tritt aus", beruhigt der Experte. Wenn du gesund bist, wird dein Immunsystem von allein mit einem Gerstenkorn fertig. Je weniger du an deinem Auge herumdokterst, desto besser.
Reiben macht es nicht besser, im Gegenteil: Durch verschmutze Finger verschlimmerst du es möglicherweise noch. Manche Menschen sind besonders anfällig für die Entzündung im Augenlid. Dazu gehören Diabetiker:innen, Menschen mit einem schwachen Immunsystem sowie Patient:innen, die chemotherapiert werden.
Falls das Gerstenkorn nach etwa 3-4 Wochen nicht von selbst platzt, heißt es: Ab zum/zur Augenärzt:in! Denn: Die Entzündung kann sich auf das gesamte Auge sowie die Bindehaut übertragen. "Der Augenarzt kann Antibiotika verschreiben und in besonders schlimmen Fällen das Gerstenkorn operieren. Hierbei wird der Ausführungsgang der Lidranddrüse geöffnet und Eiter aus der Drüse hinaus massiert", so Dr. Schönfeld.
Wichtig: Auf keinen Fall selbst Hand anlegen und das Gerstenkorn ausdrücken!
Wenn außer dem Gerstenkorn andere Krankheitserscheinungen wie Kopfschmerzen oder Fieber auftreten, solltest du auch eine:n Ärzt:in aufsuchen. Dasselbe gilt, wenn du unter einem schwachen Immunsystem leidest.
| Merkmal | Gerstenkorn (Hordeolum) | Hagelkorn (Chalazion) |
|---|---|---|
| Ursache | Bakterielle Infektion (meist Staphylokokken) | Verstopfter Talgdrüsengang |
| Schmerz | Schmerzhaft | In der Regel schmerzlos |
| Entzündung | Eitrige Entzündung | Chronische Entzündung |
| Dauer | Heilt relativ schnell (innerhalb weniger Tage) | Kann mehrere Wochen dauern |
| Ansteckend | Leicht ansteckend | Nicht ansteckend |
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