Historische Spurensuche: Von slawischen Siedlungen zu Handwerksbetrieben in der Region Suderbrarup

Beginnen wir unsere Reise in einer weit entfernten Zeit, im 4. Jahrhundert, als slawische Völkerschaften ein beachtliches Stück Holsteins innehatten. Das Land östlich der Elbe bis weit hinter der Oder bestand aus Mischwäldern mit Eichen, Buchen und Birken. In den Senken, weder See noch Land, machten Moore das Vorankommen schwer. Flüsse mit ausufernden Sumpfgebieten bildeten natürliche Grenzen.

Karte der slawischen Siedlungsgebiete im 8. und 9. Jahrhundert

Es ist der Beginn der Völkerwanderung. In den nächsten zwei Jahrhunderten ziehen Angeln, Sachsen, Teutonen und viele andere germanische Stämme nach Westen und hinterlassen nahezu menschenleere Gebiete. Das bleibt nicht unbemerkt. Von seinen Inseln kommt der Wikinger herüber, um das Land der Angeln und Jüten zu besetzen. Ein Teilstamm der slawischen Abodriten bewohnt den gesamten Raum zwischen der Kieler Förde und der Lübecker Bucht.

Im nordöstlichen Winkel, wo das flache Land durch die Brökau, den Dannauer und den Gruber See als Insel vom Festland abgeschnitten ist, legen die Slawen den Grund zu ihrer Hauptstadt „Starigard“, das heutige Oldenburg. Machen wir uns auf die Suche nach den Spuren, die uns die Wagrier hinterlassen haben. Wir fahren auf der Landstraße 259 vom „Seekrug“ in Richtung Giekau und entdecken rechts die hohe Koppel - „Burgkamp“ - wo man viele Steintrümmer und Mauerreste zutage förderte. Die steile Böschung ist auch gleichzeitig die Südseite von den Überresten einer slawischen Wallanlage, „Wallberg“ genannt. Die Anlage hat einen Durchmesser von ca. 100 Meter und liegt auf dem Flurstück „Radebrook“.

Ausgrabungen von 1952 bis 1953 brachten überwiegend mittelslawische Keramikscherben ans Licht. Die Westseite der Anlage wurde durch den Bau der Landstraße zerstört, die nun durch den Ringwall hindurch führt. Die Besiedlungsdauer der slawischen Burg beginnt wahrscheinlich im 8./9. und endet im 11. Jahrhundert. In der Nähe der Burganlage entdecken wir neben einigen Grabhügeln aus der Bronzezeit (die „Hossen“ in Ölböhm und den Grabhügel in Fresendorf) auch sechs slawische Grabhügel im Wald „Heinböts“ und zwei befestigte Turmhügel aus dem Mittelalter („Waterburg“ und „Auf der Bleiche“). Zu der Siedlungsinsel um den Ringwall gehörte wahrscheinlich auch der Ort Daventz.

Daventz wurde erstmalig 1361 in einer Urkunde erwähnt und gehörte zu der Zeit dem Knappen Vollrath von Timmendorf. Daventz ist damit die älteste bekannte schriftliche Erwähnung eines Dorfes in unserer Gemeinde. Die Siedlung wurde später niedergelegt (aufgegeben) und ist an den Hof Klamp gekommen. Es stecken also zwei Bedeutungen in dem Wort: Klammer und Klumpen.

Die Gutsherrschaft in Ostholstein

In Ostholstein gab es bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine feudale Herrschaftsform, die sich seit dem Mittelalter mit der Ostkolonisation in den östlichen Gebieten des Heiligen Römischen Reichs entwickelte. Der adelige Gutsherr verfügte nicht nur über weiträumiges Grundeigentum von 100 oder mehr ha (Gutsbezirk), auf dem überwiegend Getreide angebaut und häufig auch handwerkliche Produktion mit örtlichem Monopol ausgeübt wurde (Braugerechtsame, Mühlenzwang, Ziegel- und Kalkbrennmonopole). Er hatte auch mittels Erbuntertänigkeit sowie übertragener Straf- und Polizeigewalt in der Agrargesellschaft eine beherrschende Stellung als Mittler der landesherrlichen Gewalt inne. Die Abhängigkeit des Bauern vom Grundherrn fand ein rechtlich fundiertes Ende im Jahre 1796. Aufgeklärte Gutsherren schafften auf ihren Besitzungen die Leibeigenschaft bereits früher ab.

Zu jedem Gutshof gehörten eine Anzahl von sogenannten Hufen. Das waren ansehnliche bäuerliche Stellen mit etwa 30 bis 40 ha und mittlerem, zum Teil gutem Boden. Ferner gehörten zu jedem Gutshof eine Reihe von Instenstellen, auf denen die Gutsarbeiter wohnten. „Ein ländlich derber aber charaktervoller, breit wie ein Bauernhaus gelagerter Bau ist das Herrenhaus Klamp. Also muss das Gutshaus 1736/1737 erbaut sein und wurde somit unter der Herrschaft Hans Graf zu Rantzau errichtet. Der damalige Pächter war offenbar Bendix Henning Niemann. Am 27. April 1807 wurden die reetgedeckten Hofgebäude ein Raub der Flammen, wurden aber rasch wieder aufgebaut. Es hat sicher in Klamp vor dem jetzigen Herrenhaus bereits ein Wohnhaus gegeben.

Die „Topographie der Herzogthümer Holstein von Johannes von Schröder“ beschreibt 1855 „Das Gut Clamp steht in der Landesmatrikel für 3 Pflüge. Gesamtes Areal 1863 Tonnen a 240 Quadratruthen. Der Boden ist grandig und die Wiesen sind zum Theil moorig. Auf der Feldmark war ein Grabhügel, der abgetragen ist. Gutsmeierei, Kuhhaus, Pferdestall, 2 Scheunen, 24 Pferde, 136 Rinder, 1 Arbeiterwohnung dicht beim Hofe. Der Pflug war ein Flächemaß.

Am Ende des 16. Jahrhunderts verkaufen Bartram und Christina Reventlow geb. Rantzau (1618-1688) dem Generalmajor Hans Rantzau zu Erbkauf ihre Höfe und Güter Panker und Klamp mit allen dazu belegenen Dörfern, als Gadendorf, Darry, Wentorf und Vogelsdorf, so nach Panker gehören, und das niedergelegte Dorf Daventze, so dem Hoffelde zu Klamp einverleibt. 1741 wurde das Gut an die Gräfin Hedwig Ulrike v. eine Scheune in Wentorf und die Schulscheune brannten nieder - die Täter sind nicht ermittelt worden.

Mühlen: Lebensader der Region

Die Geschichte der Wassermühlen

Auch die Art der Mühle geht aus einem Eintrag von 1634 hervor. Zum Betrieb der wasserbetriebenen Walkmühle wurde die kleine „Bäk“ (auch „Lütt Elv“ genannt) zu einem Mühlenteich aufgestaut. Bei Walkmühlen wandelt eine besondere Mechanik die drehende Bewegung des Wasserrads in eine stampfende Auf- und Abbewegung um. Sie reinigen Materialien wie Tuch oder Leder. Ab 1759 war die Familie Bömcker Pächter der Mühle. Der letzte Bömcker starb 1763 ohne Erben. Er ist „… in der Stille beigesetzet.“ Ist aus der Bestattungsart der wirtschaftliche Verfall abzulesen?

Das Korn unserer Ortschaften wurde ursprünglich in der Helmstorfer Mühle gemahlen. Der erste Kornmüller 1769 war Hans Jochim Pott. 1777 übernahm der erste Angehörige der Familie Kortum die Pacht der Mühle. Die Familie Kortum hat in Folge 200 Jahre der Vogelsdorfer Mühle die Treue gehalten. 1787 erhielt Hans Detleff Kortum vom Fürsten Friedr. Wilh. Der Bau der Windmühle war notwendig, weil es wohl oft vorkam, daß die kleine „Bäk“ nicht genug Wasser zum Betrieb der Wassermühle führte. Eine solche Mühle hatte einen hohen Wert. Die Pachtung ist abgeschlossen auf 20 Jahre. Die Häuer beträgt 94 Reichsthaler. Mahllohn ist „… die gewöhnliche Matten, nämlich der 16.

Im Juli 1900 brannte auch die Windmühle ab und wurde nicht wieder aufgebaut. „In vergangener Nacht von halb 11 an überzogen an einem überaus heißen und schwülen Tage unser Stadt mehrere Gewitter. Die Mühle war außen ganz mit Reet gedeckt und muss ungeheure Hitze ausgestrahlt haben. Die Feuerwehr konnte sich mit ihren Handpumpen nur auf den Schutz der Nebengebäude beschränken.

Die heutigen Gebäude sind im Kern also fast 150 Jahre alt. notwendig geworden geworden, weil das gesamte Anwesen am 20.3.1832 niedergebrannt war. Die Mühlengebäude sind heute nicht mehr Pachtung, sondern wie die Bauernstellen Eigentum geworden. Das Wasserrad wurde entfernt und der Mühlenteich wurde abgelassen. Heute ist der Mühlenbetrieb ganz eingestellt.

Windmühle in Tensfeld

Die Schmiede: Ein unverzichtbares Handwerk

Am 1. Oktober 1744 verlobte sich "Andreas Schneider, Schmid in Wendorff", so ist es im Trauregister der Stadt Lütjenburg aufgeführt. Diese Eintragung ist die erste gesicherte Nachricht einer Schmiede in Wentorf. Aus der Appunktation (schriftliche Fixierung der Einzelheiten eines Kaufvertrages) von 1739 zum Verkauf der Güter Panker und Klamp - die denselben Herrn hatten - geht hervor, daß es in diesen Gütern auch vorher schon einen Schmiede gab. Leider läßt sich aus den Kirchenregistern nicht feststellen, in welchem Gut Hamann gewohnt hat.

Der Schmied Hinrich Andreas Schneider hat 1734 schon in Wentorf gelebt; er war 1734, 1739 und 1741 Pate bei Taufen. Er wird in dieser Zeit in einer bestehenden Schmiede - bei Claus Jochim Hamann? - als Geselle gearbeitet haben. Schneider war wie alle folgenden Schmiede nicht leibeigen. Als er 1763 starb, muß er recht wohlhabend gewesen sein. Für seine Beerdigung war an Glockengeld (Gebühr für das Läuten, besonders bei Beerdigung) 12 Schilling (normal war 8 Schilling) gezahlt worden, außerdem für "Geridons" (Kerzenhalter mit Kerzen, deren Aufstellung damals extra bezahlt werden mußte) 6 Schilling, im allgemeinen wurde darauf verzichtet.

Mit dem Tode des H. A. 1767 finden wir einen Schmied Claus Lamp in Wentorf. Die Eintragungen in den Kirchenregistern erzählen von traurigen Ereignissen im Hause Lamp: 1767, 1768, 1771 und 1775 trug der Vater jeweils ein totgeborenes Kind auf den Friedhof. Mit diesem Claus Lamp ist kurz vor seinem Tode ein Pachtvertrag abgeschlossen worden; es ist der erste erhaltene Pachtvertrag der Schmiede Wentorf. Die Jahreshäuer betrug 20 Reichsthaler. Dafür sollte ihm die Schmiede "samt Zubehör, denen dabey befindlichen Koppeln und Kohlhöfe auf seine, seiner Frau und jetzigen Kinder Lebenszeit" überlassen werden, "im fall er sich und seine Kinder ordentlich betragen und sowohl die Hof als Unterthanen Arbeit gut und tüchtig machen, auch niemand übersetzen".

Vom Hoftag (Arbeit auf dem Gutshof) war Lamp befreit, unterlag aber der Gerichtsbarkeit des Gutes; er mußte sich "mit dem im hiesigen Gerichte gethanen Ausspruch ohne Appellation begnügen, auch die etwanigen Gerichtskosten ohne Widerrede bezahlen". Interessant ist die Übereinstimmung der Pachtdauer mit dem schon erwähnten Zusatz aus der Appunktation von 1739. Auch dort war festgelegt,daß die Pachtzeit sich nicht nur nach der Lebenszeit des Schmiedes, sondern auch der seiner Frau richtet. Claus Lamp starb 1780 im Alter von 52 Jahren; er hinterließ drei Töchter und einen Sohn Claus Jürgen Hinrich. Die Witwe heiratete 1781 wieder, einen Schmied Clas Friedrich Holtmann, Sohn eines Trabanten in fürstl. eutinischem Dienst. Bei der Verheiratung wurde festgelegt, "die Mutter nebst dem Stiefvater giebt den Kindern die nöthige Kleidung und Unterhalt, bis sie zum hl.

Oft begegnen uns in den Kirchenregistern die Namen anderer Schmiede in Wentorf. Anscheinend hat der Pächter der Schmiede immer soviel Arbeit gehabt, daß die Anstellung eines oder mehrerer Gesellen erforderlich war. 1803 wurde der Sohn des 1780 verstorbenen Claus Lamp, Claus Jürgen Hinrich Lamp, 31 Jahre alt, entsprechend dem Vertrag von 1779 Pächter der Schmiede. Er hatte bei einem zünftigen Meister gelernt, also nicht bei seinem Stiefvater. Schmiedemeister in den Schutzzonen um die Städte durften nicht den städtischen Zünften angehören.

Von nun an blieb die Schmiede, bis auf eine kurze Zwischenzeit, in der Familie Lamp bis zu dem Unglücksfall im Jahre 1911. In der Nacht vom 15. zum 16. März 1911 erstickten der Schmied Gustav Friedrich Lamp, 24 Jahre alt, und das Dienstmädchen Luise Herbst, noch Schulkind 13 Jahre alt, an Kohlenmonoxydgasen, die vom Wohnzimmer durch die Türritzen ins Schlafzimmer gesickert waren. Obwohl sofort mit Pferd und Wagen eine Sauerstoffflasche von Plön geholt wurde, konnten der Schmied und das Mädchen nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden. Frau Lamp erwachte wieder aus der Bewußtlosigkeit; sie hatte in der Nähe des Fensters geschlafen. Nach diesem Unglück übernahm Friedrich Schumacher aus Panker die Schmiede, die er bis zu seinem Tode 1964 führte. Im Jahre 1924 wurde die Schmiede im Rahmen der Aufsiedlung von Wentorf, Vogels- dorf und Rönfeldholz Eigentum des bisherigen Pächters.

Von der wohl ersten Schmiede in Wentorf gibt es eine Beschreibung im Inventarium des Gutes Klamp aus dem Jahre 1769:"das Schmits Haus Ist 4 Fach lang, von Leimwänden, an Dach und Fach in brauchbarem Stande. In diesem Haus ist ein Zwirbogen (= Schwibbogen) ohne Darre. In der Stube ist ein Ofen von Mauersteinen, auch 7 Fenster, wovon ein mit einem Rahmen, Beschlag und Hengen und 6 Fenster genagelt. Die Schmiede, so 3 kleine Fach lang, wovor eine Thüre mit eisernen Hengen, haken und Überfall, ist mit Dachpfannen behängt, überhaupt in baufälligem Zustande, soll etwas reparirt werden, damit selbige noch einige Jahre stehen könne.

Die heutigen Gebäude stammen aus dem vorigen Jahrhundert. Das Wohn- haus wurde 1846 erbaut, die Schmiedewerkstätte war ein Jahr vor- her errichtet worden. Für kurze Zeit hat es auch in Vogelsdorf eine Schmiede gegeben. 1778 errichtete die Gutsverwaltung Panker diesen Betrieb. Sofort erhoben Magistrat und Schmiedeamt Lütjenburg Protest. Panker versuchte, von Kopenhagen zur Stellungnahme aufgefordert, in einer Gegendarstellung die Schmiede zu halten. König Friedrich VII. entschied, daß die Schmiede entsprechend der Verordnung von 1711 wieder aufzuheben.

Schulwesen: Die Anfänge der Bildung

Wann genau zum ersten Mal Schulunterricht in Wentdorf abgehalten wurde läßt sich nicht ermitteln; es mag aber vor 1700 gewesen sein. Häufig hatte der Adel am Ende des 17. Jahrhunderts Volksschulen errichtet, da die „Kirchspielschulen sich als unfähig erwiesen haben, der weiten Schulwege des platten Landes Herr zu werden.“ Die älteste Nachricht über eine Schule in Wentorf findet sich im Sterberegister der Kirche Lütjenburg. „23.3.1724 Kordt Bullerkist v. Wentorf Schulmeister ein alter Mann zur Erden bestattet.“ Wie lange Bullerkist gewirkt hat und ob es vor ihm schon andere Schulmeister gab ist nicht bekannt, sein Nachfolger allerdings schon.

Aus dem Inventarium zur Pachtübergabe des Hofes Klamp im Jahre 1769 erfahren wir, wie das Schulhaus des Reimers - vermutlich das erste Schulhaus in Wentorf überhaupt - ausgesehen hat: „Das Schul-Haus ist 3 Fach lang (also etwa 9 m), von Leimwänden, an Dach und Fach in schlechtem Stande, die auswendige Tür mit Hengen und ein überfall, die inwendigen Türen sind auch mit eisernen Hengen und überfällen. In der Stube...

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