Lange, dichte Wimpern gelten seit der Antike als Schönheitsideal. Frauen haben seit jeher versucht, der Natur nachzuhelfen, von frühen Formen der Mascara bis hin zu künstlichen Wimpern und Extensions. Doch das neueste Wundermittel sind Wimpernseren.
Als 2008 das erste Wimpernserum auf den Markt kam, versprach es lange, dichte Wimpern nach nur wenigen Wochen. Anwenderinnen berichteten begeistert von Erfolgen, und inzwischen gibt es etwa 20 solcher Seren, die sich hauptsächlich im Preis unterscheiden. Der Hauptinhaltsstoff dieser Seren ist meist eine Variante des Gewebehormons Prostaglandin.
Die Kosmetikindustrie macht sich einen Zufall zunutze: Ursprünglich wurden Prostaglandin-Abkömmlinge zur Behandlung von Glaukom-Patienten eingesetzt. Dabei wurde als Nebenwirkung ein stärkeres Wimpernwachstum festgestellt. Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der Barmer, erklärt: „Um den Augeninnendruck zu senken, erhielten sie Augentropfen mit diesem Wirkstoff. Diesen Effekt hat sich die Kosmetikindustrie zu Nutze gemacht und daraus Wimpernseren entwickelt.“
Verbraucher sollten jedoch nicht allzu sorglos zu einem Wimpernserum greifen. Schließlich sind darin pharmakologisch wirksame Substanzen enthalten, weshalb auch hier die alte Weisheit gilt: keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, Reizungen der Augen, verminderte Sehschärfe und eine stärkere Pigmentierung der umliegenden Haut. In extremen Fällen kann es sogar zu einer verstärkten Pigmentierung der Iris kommen, wobei blaue Augen sich braun verfärben können - ein Effekt, der irreversibel ist.
Es ist bislang nicht vollständig geklärt, welche Nebenwirkungen und Langzeitfolgen die Anwendung eines solchen Wimpernserums hat. Petzold betont: „Das Problem ist die Einstufung als Kosmetikprodukt. Dadurch sind nur wenige Tests und Nachweise notwendig. Würden prostaglandinhaltige Wimpernseren als Arzneimittel eingestuft, müssten die Hersteller Studien über die Wirksamkeit, die Sicherheit und die pharmazeutische Qualität vorlegen. Das würde für Transparenz sorgen.“
Bereits 2011 hat das Bundesamt für Risikobewertung die Einstufung als Kosmetikprodukt kritisiert, und auch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte stufte prostaglandinhaltige Wimpernseren als sogenannte Funktionsarzneimittel ein. Bisher wurde jedoch keine Entscheidung getroffen, da ein Hersteller Widerspruch einlegte. Daher sind die Produkte bis heute als Kosmetika frei verkäuflich, was zu unterschiedlichen oder fehlenden Hinweisen zur Produktsicherheit führt.
Das Fraunhofer-Institut Potsdam hat 2016 ein Serum entwickelt, das ähnlich wirksam sein soll wie die prostaglandinhaltigen Produkte, jedoch ohne deren Nebenwirkungen. Es handelt sich um ein reines Naturprodukt, das sehr gut verträglich sein soll. Derzeit wird ein Verfahren zur optimalen Anwendung entwickelt, und es wird weiter getestet. Auf dem Markt erhältlich ist es aber bisher noch nicht.
Forscher am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam-Golm haben einen rein pflanzlichen Wirkstoff entdeckt, der ebenfalls die Wimpern wachsen lässt. Um welche natürliche Substanz es sich dabei handelt, wollen die Forscher derzeit noch nicht offenlegen. Joachim Storsberg, Leiter der Abteilung Biomaterialien und Healthcare am IAP, erklärt: „Unsere Arbeiten zeigen, dass die neue Formulierung Ergebnisse liefert, die vergleichbar mit denen von Prostaglandinprodukten sind.“ Die Wimpern wachsen zwar etwas langsamer, dafür traten keine Nebenwirkungen auf.
Das neue Serum wurde von der Studentin Mine Kaya im Rahmen ihrer Bachelorarbeit entwickelt und untersucht. Dafür wurde sie von der Vereinigung der Seifen-, Parfüm-, Kosmetik- und Waschmittelfachleute SEPAWA mit einem Förderpreis ausgezeichnet.
Die folgende Tabelle vergleicht die Inhaltsstoffe und Eigenschaften von herkömmlichen und natürlichen Wimpernseren:
| Eigenschaft | Herkömmliche Wimpernseren | Natürliches Wimpernserum (Fraunhofer-Institut) |
|---|---|---|
| Hauptwirkstoff | Prostaglandin-Derivate | Rein pflanzlicher Wirkstoff |
| Wirkung | Schnelles Wimpernwachstum | Langsames, aber stetiges Wimpernwachstum |
| Nebenwirkungen | Mögliche Reizungen, Pigmentveränderungen, Augendruckveränderungen | Keine bisher bekannten Nebenwirkungen |
| Verfügbarkeit | Frei verkäuflich als Kosmetikum | Noch nicht auf dem Markt erhältlich |
Wer kein Risiko eingehen möchte, greift statt zu einem Serum lieber zu Mascara. Die Entwicklung des Fraunhofer-Instituts bietet jedoch eine vielversprechende Alternative für die Zukunft.
Mine Kaya entwickelte das neuartige Wimpernserum im Rahmen ihrer Bachelorarbeit.
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