Seit über sechs Jahrzehnten begeistert Frank Schöbel (81) sein Publikum mit seiner Musik. Mit Liedern wie „Wie ein Stern“, „Ich geh’ vom Nordpol zum Südpol zu Fuß“ und „Gold in deinen Augen“ schrieb Frank Schöbel in der DDR Musikgeschichte. Kein anderer Künstler verkaufte im Osten mehr Platten als der Schlagersänger - damit galt Schöbel als erfolgreichster Musiker der DDR.
Doch auch heute begeistert Frank Schöbel nach wie vor unzählige Menschen mit seiner Musik und ist ein gerngesehener Gast in Fernsehshows. Am 11. Dezember wird der Entertainer - dunkelblondes dichtes Haar und ein fast faltenfreies Gesicht - 80 Jahre alt.
Frank Schöbel, Sohn einer Opernsängerin aus Leipzig, hatte schon als Jugendlicher gern gesungen und Gitarre gespielt. Sein erstes eigenes Lied hieß „Zwei Ähren im Wind“. Als 19-Jähriger wurde er Sänger und Gitarrist beim Leipziger „Tanzorchester der Sonderklasse Heinz Müller“.
Doch zwei Jahre später schon stand er allein im Rampenlicht. Und die Karriere startete gleich mit mehreren Hits: Der erste Song „Looky, Looky“ sprang auf den 1. Platz der „tip-Parade“, die Nachfolger „Blonder Stern“ und „Party-Twist“ ebenso. Die „tip-Parade“ war eine Musikwertungssendung auf Radio DDR.
Mehr als 600 Titel hat Schöbel bis heute gesungen. In der DDR war er der erfolgreichste Schlagersänger - einige Jahre lang im Traum-Duo mit seiner damaligen Frau Chris Doerk.
Später dann gehörte er mit seiner Lebensgefährtin Aurora Lacasa und den Töchtern Odette und Dominique an Heiligabend zum festen Programmpunkt im DDR-TV. In „Weihnachten in Familie“ sangen die Vier in ihrem Wohnzimmer. Das gleichnamige Album gilt als meistverkauftes der DDR-Plattenfirma Amiga. Schöbel und Lacasa trennten sich Mitte der 90er Jahre.
Schöbels Karriere begann vor 60 Jahren in der DDR. Er galt als "singender Sonnyboy des Sozialismus".
Seine erste Ehefrau war ebenfalls Schlagersängerin. Mit Chris Doerk bildete "Frankie-Boy", wie seine Fans ihn nennen, das Traumpaar des DDR-Schlagers. Doch trotz Millionen verkaufter Schallplatten zerbrachen Ehe- und Bühnenpartnerschaft 1974.
Im Jahr 1968 spielten Doerk und Schöbel als "Stupsi" und "Kai" im wohl legendärsten Musikfilm der DDR die Hauptrollen. Den Film "Heißer Sommer", der die Unbeschwertheit der Nachkriegsgeneration feierte, sahen 3,4 Millionen Menschen.
Auch in Westdeutschland feierte Frank Schöbel Erfolge. Er trat als erster DDR-Künstler im "Westfernsehen" auf, sein Hit "Wie ein Stern" fand auch in der BRD reißenden Absatz. Zur Eröffnung der Fußball-WM 1974 sang er schließlich im Frankfurter Waldstadion als künstlerischer Botschafter der DDR.
Frank Schöbel in einer Fernsehsendung des MDR. (Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa)
Der nimmermüde Künstler moderierte aber auch die DDR-Rocksendung „Franks Beatkiste“. Er sei wohl „kein reiner Schlagerheinz“, stellt Schöbel daher fest. Er komponierte zudem 365 Lieder, unter anderem für Gisela May, Harald Juhnke, Karel Gott - und Union Berlin. Dennoch sagt er, die Bezeichnung „Star“ möge er nicht. „Das klingt so weit weg von den Menschen, für die ich singe.“ Er ist für seine Fans einfach nur Fränkie, meist in Jeans und Lederjacke.
Frank Schöbel singt nicht nur Fußball-Schlager wie "Die Fans sind eine Macht" oder "Der Fußball ist rund wie die Welt". Bis heute kickt der Sänger aktiv in der Ü70-Mannschaft von Eintracht Mahlsdorf.
Seine großen Erfolge waren nie nur einfache Schlagerkost. Besonders in den 70er-Jahren wagte sich Frank Schöbel auch an komplexere Kompositionen. Sein Hit "Schreib es mir in den Sand" stammt im Original ("Gyöngyhajú lány") von der ungarischen Prog-Rock-Legende Omega. Als "White Dove" feierten zwei Jahrzehnte später auch die Scorpions mit dem Song weltweit Erfolge.
Frank Schöbel ist mit Abstand der erfolgreichste Solokünstler der DDR. Mit der "Beat-Kiste" hatte er schon früh seine eigene Radiosendung, später wurde er zehn Mal zum Fernsehliebling der DDR gewählt.
Der Erfolg ihrer Weihnachtsplatte verschaffte Schöbel und Lacasa auch einen Stammplatz im weihnachtlichen Fernsehprogramm. "Weihnachten in Familie" wurde direkt aus dem Wohnzimmer des Paares übertragen, mit dabei auch die beiden gemeinsamen Töchter des Paares.
Nach dem Mauerfall lehnte er mal einen Auftritt in einem Grandhotel ab. Der Grund: Die Schickimicki-Atmosphäre sei nicht seins. „Ehrlich, eine Festzelt-Mugge ist mir lieber. Zu Stadtfesten gehe ich gern, zu den einfachen Menschen. Da fühl' ich mich wohl.“
Unter anderem aus Treue zu seinem Publikum sei er einst auch in der DDR geblieben. Obwohl er sich dort über so manches ärgerte. „Es tat sehr weh, immer der „Ostdödel“ zu sein und nur hin und wieder zu TV-Sendungen in den Westen fahren zu dürfen“, schreibt er.
Besonders ärgerte ihn, dass er Einladungen zur ZDF-Hitparade, der wichtigsten Sendung für deutschsprachige Unterhaltungsmusik, ausschlagen musste. Die Polit-Ideologen im Zentralkomitee (ZK) der SED hätten entschieden: „Da fahren wir nicht hin!“, schildert er.
Sicher frage sich mancher heute, wie er das ertragen habe. Schöbel: „Tja, man ist so aufgewachsen und wusste, dass man reglementiert wird, fand sich zurecht und richtete sein Leben ein.“ Sein Bruder war 1965 in den Westen gegangen, seine Mutter als Rentnerin 1973. „Für mich war klar: Ich bleibe.“ Ihm sei auch ein West-Auto nicht so wichtig gewesen. „Ich bin Wartburg gefahren und fand das in Ordnung.“
Auch nach dem Mauerfall verfiel der Sänger nicht dem Konsumrausch. „Eine Jeans, 'n Shirt, ein Paar Turnschuhe im Jahr, und die Welt ist in Ordnung“, schreibt der vierfache Vater, der im Osten Berlins in einem eigenen Holzhaus mit Garten lebt. „Geld rauszuschmeißen ist leicht, sparen braucht Disziplin und Köpfchen.“
Mehr Zeit im Garten, weniger auf der Bühne. Mehr Zeit für tiefe Gespräche mit Freunden, weniger für unwichtiges Business-Gequatsche: Schlagersänger Frank Schöbel sehnt sich wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag nach einem Leben mit weniger Berufsstress - und denkt über ein Karriere-Ende nach. In seinem Leben sei er durch die Arbeit kaum zum Nachdenken gekommen, schreibt er im Nachwort seiner Autobiografie „Danke, liebe Freunde!“, die an diesem Donnerstag erscheint.
„Singen und mit freundlichen Menschen zusammenzukommen, hat mich mein ganzes Leben lang begleitet“, so Schöbel. Irgendwann wird er aber das Handtuch werfen. „Ich werde mich dann ganz leise und herzlich verabschieden, weil ich nicht auf der Bühne sterben will, auch wenn ich das mal gesagt habe.“ Er wolle einfach nur zu Hause sein und das Leben genießen.
Am 18. September 1989 trafen sich im Berliner Maxim-Gorki-Klub Musiker und Unterhaltungskünstler, um eine Resolution gegen den Umgang der DDR-Regierung mit den offensichtlichen Missständen zu verfassen.
Was Frank Schöbel in einem Interview offenbart, könnte kaum tragischer sein: Schon fünfmal verbreitete sich eine irrtümliche Todesnachricht von ihm im Internet.
Was Frank Schöbel in einem Interview erzählt, könnte schrecklicher nicht sein: Bereits fünfmal kursierte eine falsche Todesmeldung von ihm im Netz.
„Im Internet bin ich bestimmt schon fünfmal tot gewesen“, offenbarte Frank Schöbel im Gespräch mit „Volle Kanne“-Moderatorin Nadine Krüger (47). In der Vergangenheit erhielt der Schlagersänger regelmäßig Anrufe von Leuten, die sich besorgt fragten, ob an den Schlagzeilen etwas dran ist. Ein guter Freund soll deswegen sogar in Tränen ausgebrochen sein - doch Schöbel konnte ihn schnell wieder beruhigen.
Der 81-Jährige versuchte die bisherigen Falschmeldungen zwar immer mit Humor zu nehmen, doch eine Sache ärgerte ihn: „Wenn man dann wirklich stirbt, dann glaubt es keiner mehr.“
Frank Schöbel achtet sehr auf seine Ernährung. "Man muss nicht nur im Alter auf die Ernährung aufpassen, sondern so früh wie möglich", sagte der immer noch oft auf der Bühne stehende Musiker kurz vor seinem 80. Geburtstag der Deutschen Presse-Agentur.
"Der Plan ist: kaum Alkohol, kein Bier, kaum Fleisch, keine Wurst, viel Gemüse. Das ist der Plan. Ein- bis zweimal im Jahr wird er ignoriert." Allerdings sei er kein guter Koch: "Ich kann gut Wasser oder Kartoffeln kochen und darf braten. Ansonsten esse ich lieber", gestand der Sänger.
Einmal sitzt der sozialistische Schlagerstar ganz allein mit dem Chef der DDR-Staatssicherheit an einem großen runden Tisch. Plötzlich sagt Erich Mielke zu Frank Schöbel: „Na?“ Und Schöbel zu ihm: „Na?“ Und Mielke nochmal: „Na?“ Und Schöbel auch nochmal: „Na?“
„Und damit war das Gespräch beendet. Keiner hat zu viel verraten“ - so beschreibt der Sänger das Aufeinandertreffen Jahrzehnte später in seiner Autobiografie.
Sie heißt „Danke, liebe Freunde!“ und ist am Donnerstag (29. September 2022) beim Verlag Bild und Heimat in Berlin erschienen - 60 Jahre nach dem Start von Schöbels Karriere.
Es ist bereits die zweite Autobiografie des inzwischen 79-Jährigen. Diesmal beantwortet der Sänger 366 Fragen.
„Hat's die Stasi bei dir versucht?“, lautet Frage Nummer 89 im Buch. Die Antwort: „Das Verhör fand in einem hohen, schmalen Raum statt, so wie man das aus schlechten Filmen kennt.“ Er sei von einem Herrn befragt worden, weil nach einer West-Tournee zwei seiner Musiker „drüben“ geblieben waren.
Am nächsten Tag sei er wieder vorgeladen worden. Nun nahmen ihn der Schilderung zufolge zwei Herren in die Mangel: „Sie sind sehr beliebt, Sie kennen viele Musiker und wir möchten Ihre Kenntnis ausnutzen, uns dann und wann treffen, und Sie erzählen ein bisschen.“
„„Nee“, sagte ich und war stolz, dass ich das so sagen konnte. Ein paar Jahre zuvor hätte ich vielleicht, vor lauter Angst, einfach nur den Kopf runter gemacht.“ Seine Antwort: „Das wäre für mich das Allerletzte, jemanden zu verpfeifen und zu verraten, das ist nicht mein Ding. Ich will Musik machen.“
In seinem Leben sei er durch die Arbeit kaum zum Nachdenken gekommen. „Singen und mit freundlichen Menschen zusammenzukommen, hat mich mein ganzes Leben lang begleitet.“
Irgendwann werfe er das Handtuch. „Ich werde mich dann ganz leise und herzlich verabschieden, weil ich nicht auf der Bühne sterben will, auch wenn ich das mal gesagt habe.“ Und: „Mensch, es war irre schön mit euch!
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