Eigenurin gegen Haarausfall: Studien und Anwendung

Die Idee, Urin als Mittel gegen Haarausfall einzusetzen, mag zunächst ungewöhnlich erscheinen. Befürworter der sogenannten Urin-Therapie behaupten, dass das Waschen der Haare mit Eigenurin eine echte Traummähne schenken kann. Doch was steckt wirklich dahinter? Gibt es wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von Eigenurin bei Haarausfall? Dieser Artikel beleuchtet die Thematik und geht auf Studien, Anwendungsmethoden sowie potenzielle Risiken ein.

Die Urin-Therapie: Was steckt dahinter?

Die Urin-Therapie basiert auf der Annahme, dass Urin wertvolle Inhaltsstoffe enthält, die sich positiv auf die Haare und die Kopfhaut auswirken können. Anhänger der Methode berichten von gesünderem, glänzenderem Haar mit mehr Volumen. Angeblich soll Haarausfall gestoppt und das Haarwachstum sogar angeregt werden. Auch Probleme mit der Kopfhaut, wie beispielsweise Schuppen, könnten dank der Urin-Therapie der Vergangenheit angehören.

Die Inhaltsstoffe von Urin

Urin ist reich an Mineralstoffen, Salzen, Enzymen und Hormonen, die die Haarfollikel nähren und stärken sollen, was Haarausfall entgegenwirken könnte. Zudem wird Urin als natürliches Antiseptikum angesehen, das in der Medizin eingesetzt wird, um Wundinfektionen zu vermeiden. Dieser Stoff könnte auch auf der Kopfhaut wirken.

Ist Eigenurin das Wunderheilmittel? I Dr. Johannes Wimmer

Anwendung der Urin-Therapie bei Haarausfall

Um die Urin-Therapie auszuprobieren, benötigst du deinen eigenen Urin. Dieser wird am besten in einem verschließbaren Behälter gesammelt. Vor dem Auftragen wird der frische (oder alte Urin) vorsichtig erhitzt. Lass ihn danach vollständig abkühlen und entferne die krustige Schicht, die sich dadurch auf der Oberfläche bildet.

Anschließend wird ein Wattepad in die Flüssigkeit getunkt und auf die Kopfhaut getupft. Der Urin wird sanft in die Kopfhaut einmassiert und sollte 30 Minuten lang einwirken, bevor er mit lauwarmem Wasser ausgespült wird. Um den Geruch zu überdecken, können ätherische Öle oder Rosenwasser verwendet werden. Die besten Ergebnisse sollen erzielt werden, wenn dieses „Treatment“ täglich angewendet wird.

Worauf du bei der Urin-Therapie achten solltest

Die Qualität deines Urins wird maßgeblich von deiner Ernährung beeinflusst. Daher ist es wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und ausreichend Wasser zu achten.

Studienlage und wissenschaftliche Erkenntnisse

Ernstzunehmende Belege für eine therapeutische Wirkung des Urins gibt es, trotz aller propagandistischen Umtriebe der Urin-Propheten Carmen Thomas und Hans Höting, nicht. Auch die stete Bezugnahme auf irgendwelche "Volksweisheiten" oder auf die "traditionellen Heilersysteme" Indiens, Tibets oder Chinas, in denen Urin in der Tat eine zentrale Rolle spielt, kann diesen Mangel nicht ausgleichen. Noch nicht einmal der unvermeidliche Hinweis auf den früheren indischen Ministerpräsidenten Morarji Desai, der täglich eine Tasse Eigenurin getrunken habe und 99 Jahre alt geworden sei, sagt per se etwas aus.

Tatsache ist vielmehr, dass der Urin-Konsum im besten Fall harmlos sein kann, jedoch grundsätzlich das Risiko von Infektionen oder Vergiftungserscheinungen besteht. Schließlich führt man über das Urin-Trinken bereits ausgeschiedene Abfallprodukte des Stoffwechsels in den Körper zurück, was bei größeren Mengen letztlich wie eine Unterfunktion der Niere wirken kann.

Entgegen aller Behauptungen ist auch die externe Behandlung von Allergien oder Neurodermitis mit Urin sehr skeptisch zu sehen, Nachweise für eine entsprechende Wirksamkeit existieren nicht.

Risiken und Nebenwirkungen der Urin-Therapie

Über den Harnleiter abgelassener Urin ist bakteriell besetzt. Keimfrei wäre er nur dann, wenn er, organische Gesundheit des Spenders vorausgesetzt, durch eine Punktion direkt aus der Blase gewonnen würde. Und je länger der Urin herumsteht, desto höher und damit pathogener wird die Bakteriendichte.

Die szenetypische Behauptung, Urin sei "medizinisch steril", seine Verwendung könne insofern als "Basistherapie bei fast allen Leiden" gelten, ist gefährlicher Unsinn. Befinden sich im Urin Eiterbeimischungen, verbietet sich die innere Anwendung. Dann lässt sich der Urin höchstens zu homöopathischen Substanzen aufbereiten.

Bei Patienten, die zum Beispiel mit Chlamydien infiziert sind, kann eine solche Behandlung allerdings eine gefährliche Augenentzündung hervorrufen.

Alternativen zur Urin-Therapie bei Haarausfall

Es gibt verschiedene wissenschaftlich fundierte Therapieansätze bei Haarausfall. Dazu zählen:

  • Minoxidil: Der einzige Wirkstoff, der in Deutschland und den USA zur Therapie des Haarausfalls bei Frauen zugelassen ist.
  • Finasterid: Ein 5α-Reduktase Hemmer, der häufig zur Behandlung des männlichen Haarausfalls eingesetzt wird.
  • Spironolacton: Ein Medikament, das zu einer vermehrten Urinausscheidung über die Niere führt und z.B. zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird.
  • Haartransplantation: Eine weitere Möglichkeit, um Haarausfall entgegenzuwirken.

Es ist ratsam, sich von einem Arzt oder Dermatologen beraten zu lassen, um die geeignete Therapie für den individuellen Fall zu finden.

Fazit

Die Urin-Therapie bei Haarausfall ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Während einige Anwender von positiven Erfahrungen berichten, gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Eigenurin bei Haarausfall. Zudem birgt die Anwendung von Urin potenzielle Risiken, wie Infektionen. Es ist daher ratsam, sich vor einer Anwendung der Urin-Therapie gründlich zu informieren und sich von einem Arzt oder Dermatologen beraten zu lassen.

Zusammenfassende Tabelle

Behandlung Wirkungsweise Studienlage Risiken
Eigenurin-Therapie Nährung der Haarfollikel durch Mineralstoffe, Salze, Enzyme und Hormone im Urin; antiseptische Wirkung Keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege Infektionen, allergische Reaktionen
Minoxidil Steigerung des Haarwachstums und Vergrößerung des Durchmessers der Haarfollikel Wirksamkeit durch Studien gesichert Übermäßiges Haarwachstum
Finasterid Senkung des Spiegels des männlichen Geschlechtshormons Dihydrotestosteron Wirksamkeit durch Studien gesichert Fehlbildungen bei männlichen Feten (nicht für schwangere Frauen geeignet)

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