Haarausfall bei Kindern: Ursachen und Besonderheiten, insbesondere im Zusammenhang mit Down-Syndrom

Haare sind ein wichtiger Bestandteil unseres Aussehens und tragen wesentlich zum Wohlbefinden bei. Dichte und gepflegte Haare werden oft als Zeichen von Gesundheit und Schönheit angesehen. Ein Haarverlust kann für Kinder extrem schlimm sein, da sie sich nicht mehr hübsch fühlen und an Selbstbewusstsein verlieren können.

Während Haarausfall bei älteren Menschen als normal gilt, kann er bei Kindern und Jugendlichen oft große Besorgnis auslösen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass auch bei jungen Menschen Haarausfall keine Seltenheit ist. Erst wenn über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare ausfallen, spricht man von krankhaftem Haarverlust.

Es gibt viele Ursachen für Haarausfall bei Kindern und Jugendlichen, von denen viele harmlos und leicht zu behandeln sind. In den allermeisten Fällen wachsen die Haare bei Kindern wieder nach, wenn die Ursache des Haarausfalls behandelt wird. Wenn es zu einer Narbenbildung oder dauerhafte Schädigung der Haarfollikel kommt, können dort keine Haare mehr ausgebildet werden. Daher ist es wichtig, frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und die Ursache des Haarausfalls so schnell wie möglich abzuklären.

Häufige Ursachen für Haarausfall bei Kindern

Die meisten Ursachen für Haarausfall sind behandelbar oder heilen von selbst aus. Hier sind einige der häufigsten Ursachen für Haarausfall bei Kindern:

  • Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall): Eine der häufigsten Formen kindlichen Haarverlusts. In Deutschland sind schätzungsweise 400.000 Kinder betroffen. Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen. Bei etwa 30 bis 40 Prozent der Kinder heilt die Krankheit innerhalb eines halben Jahres spontan aus.
  • Unausgewogene Ernährung: Insbesondere ein Mangel an Eisen oder Zink im Körper kann das Haarwachstum beeinträchtigen.
  • Falsche Haarpflege: Eine falsche Haarpflege kann ebenfalls zu Haarausfall führen.
  • Psychische Probleme: Auch psychische Probleme können zu Haarausfall führen.
  • Infektiöse Erkrankungen der Kopfhaut: Insbesondere Pilzerkrankungen wie die Tinea capitis oder Ringelflechte sind verbreitet.
  • Traktionsalopezie: Ein Haarverlust durch regelmäßige feste Frisuren, die an den Haaren ziehen.
  • Genetischer Haarausfall: Wird von den Eltern auf die Kinder vererbt.

Neben isolierten Haarbildungsstörungen gibt es dabei auch Anomalien, die mit verschiedenen Syndromen vergesellschaftet sind. Kinder mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Vitiligo sowie Patienten mit einem Down-Syndrom sind besonders häufig betroffen.

Alopecia Areata (Kreisrunder Haarausfall)

Von der Alopecia areata oder kreisrundem Haarausfall sind in Deutschland über 1,5 Millionen Menschen betroffen, darunter fast ein Drittel Kinder. Kreisrunder Haarausfall bei Kindern kommt bei etwa 1 von 1000 jungen Menschen vor. Es entstehen kreisförmige oder ovale komplett kahle Stellen am Kopf. Diese Areale können von der Mitte aus immer größer werden. Die Kopfhaut kann dabei kurz vor dem Haarausfall oder während dem Haarausfall jucken oder brennen.

Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der sich der Körper fälschlicherweise gegen die körpereigenen Haarwurzeln zur Wehr setzt. Es kommt zu einer Entzündungsreaktion an der Haarwurzel, die zu einem Haarverlust führt. Meistens entstehen mehrere kreisrunde kahle Areale, die von gesundem Haar umgeben sind. Man spricht in diesem Fall von einer Alopecia areata circumscripta.

Häufige Auslöser für Alopecia areata ist Stress, in physischer oder psychischer Form. Diese kann ein traumatisches Erlebnis, eine gestörte Darmflora, falsche Ernährung oder bestimmte Medikamente sein. Im Extremfall kommt es zum Verlust der gesamten Kopfbehaarung. Man spricht dann von einer Alopecia totalis.

Artifizielle Alopezien

Unter artifiziellen Alopezien versteht man einen selbst herbeigeführten Haarverlust. Es handelt sich dabei weniger um ein Problem der Haare selbst als um ein psychologisches Krankheitsbild. Das Bekannteste davon ist die Trichotillomanie. Dabei reißen sich die Kinder zwanghaft ihre eigenen Haare aus. Es entstehen unscharf begrenzte lichte Stellen. Bei der Trichotemnomanie schneiden die Kinder oder Jugendlichen selbst mit einer Schere einzelne Haarsträhnen ab.

Die artifiziellen Alopezien sind keine organische Störung, sondern ein psychologisches Krankheitsbild. Häufig behaupten die Betroffenen jedoch, sich den Haarverlust selbst nicht erklären zu können. Beim Abschneiden der Haare oder nach einem einmaligen Ausreißen, wachsen die Haare in aller Regel wieder nach. Sollten die Haare allerdings wiederholt ausgerissen werden, kann die Haarwurzeln dauerhaft beschädigt werden und sich somit nicht mehr regenerieren.

Infektiöse Erkrankungen der Kopfhaut

Zusätzlich kommen bei Kindern infektiöse Erkrankungen der Kopfhaut besonders häufig vor. Insbesondere Pilzerkrankungen wie die Tinea capitis oder Ringelflechte sind verbreitet. Dabei entstehen trockene, gerötete, schuppige Hautveränderungen, die wie eine Entzündung aussehen können. Übertragen werden die Pilze vor allem durch engen Kontakt mit Tieren oder in der Landwirtschaft.

Wichtig zu wissen ist, dass einige Pilzerkrankungen ansteckend sind. Bei engem Kontakt mit der betroffenen Region oder gemeinsam benutzten Handtüchern und Kämmen kann der Pilz übertragen werden. Auch Kleidung und Bettwäsche sollten gut gewaschen werden, damit sich das Kind nicht immer wieder infiziert.

Traktionsalopezie

Bei der Traktionsalopezie entsteht ein Haarverlust durch regelmäßige feste Frisuren, die an den Haaren ziehen. Auch Dreadlocks, das Tragen von Haarextensions, Wimpernextensions oder zu fest sitzende Haargummis können die Ursache für den Haarverlust sein. Auch das Tragen von Haarteilen, die beklebt bzw. Die lichten Stellen entstehen dabei vor allem an den Haarrändern, insbesondere an der Stirn und an den Schläfen.

Vermieden werden kann das Problem durch lockere Frisuren oder wenn das Haar öfter mal offen getragen wird.

Genetischer Haarausfall

Sog. genetischer Haarausfall wird von den Eltern auf die Kinder vererbt, von der Mutter auf die Tochter und vom Vater auf den Sohn. Nicht selten tritt der genetische Haarausfall bereits in der Pubertät auf. Bei Mädchen kommt es zu einer Ausdünnung im Mittelscheitel-Bereich und bei Jungen zu einer leichten Ausdünnung am Oberkopf, mit Bildung von Geheimratsecken.

In diesen Fällen sollte ein Haarspezialist konsultiert werden, um den erblich bedingten Haarausfall zu diagnostizieren. Dabei sollte unbedingt eine Blutdiagnostik und eine genaue Familienanamnese erfolgen.

Die besten Tipps gegen Haarausfall | Dr. Johannes Wimmer

Haarausfall im Zusammenhang mit dem Down-Syndrom

Kinder mit bestimmten genetischen Bedingungen, wie dem Down-Syndrom, haben ein erhöhtes Risiko für bestimmte Arten von Haarausfall, einschließlich Alopecia areata. Studien haben gezeigt, dass bei Patienten mit Down-Syndrom eine signifikant erhöhte Rate an kreisrundem Haarausfall festgestellt wurde.

Die genauen Gründe für diesen Zusammenhang sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass Autoimmunfaktoren eine Rolle spielen könnten. Das Down-Syndrom ist oft mit einer gestörten Funktion des Immunsystems verbunden, was das Risiko für Autoimmunerkrankungen wie Alopecia areata erhöhen kann.

Diagnose und Behandlung

Sind Kinder oder Jugendliche von Haarausfall betroffen, ist es ratsam, zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Von Selbstversuchen sollte Abstand genommen werden, da vor der richtigen Behandlung die zugrunde liegende Ursache gefunden werden muss. Außerdem sind in der Regel die Heilungschancen besser, umso früher mit der korrekten Behandlung begonnen wird.

Der Arzt kann eine körperliche Untersuchung durchführen und Fragen zu den Symptomen, der Krankengeschichte, der Ernährung, dem Lebensstil und der Familiengeschichte stellen. Folgende Untersuchungen können durchgeführt werden:

  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen bzw.
  • Allergietest: Ein Allergietest kann durchgeführt werden, um allergische Reaktionen auf Haarpflegeprodukte oder andere Substanzen auszuschließen.

Die Behandlung von Haarausfall bei Kindern hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Hier sind einige gängige Behandlungsansätze:

  • Medikamente: Bei speziellen Formen von Haarverlust, wie dem kreisrunden Haarausfall bei Kindern, ist die Spontanheilungsrate hoch. Ansonsten kommen meistens lokale Therapien infrage wie das Auftragen von cortisonhaltigen Cremes oder noch besser eine Injektion von Cortison. Auch topische Immunmodulatoren sind als Shampoo verfügbar.
  • Ernährungsumstellung: Um die Haargesundheit zu stärken, sollte auf eine gesunde Ernährung geachtet werden. Insbesondere bei Nährstoffmangel kann eine Anpassung der Ernährung helfen.
  • Haarpflege: Die richtige Haarpflege ist essentiell, um Haarverlust zu vermeiden. Seien Sie vorsichtig beim Kämmen und Frisieren der Haare Ihres Kindes.
  • Antimykotika: Liegt eine Pilzinfektion als Ursache des Haarausfalls vor, kommen Antimykotika zum Einsatz.
  • Haartransplantation: In sehr wenigen Fällen kann auch bei Kindern oder Jugendlichen eine Haartransplantation sinnvoll sein. Bevor dies infrage kommt, ist jedoch zunächst eine umfassende Untersuchung nötig, um reversible Ursachen auszuschließen.

Psychische Unterstützung

Für die betroffenen Kinder und ihre Eltern ist der Haarausfall meistens ein Schock, der durch die Reaktionen des Umfelds noch verschlimmert wird. Wichtig ist daher insbesondere, die Kinder auf dem Weg der Therapie seelisch zu begleiten und zu unterstützen. Sie sollten verstehen, dass ein Haarverlust kein Weltuntergang ist und dass sie sich trotzdem schön und wertvoll fühlen können.

Es ist zudem wichtig, dass Eltern ihr Kind in dieser schwierigen Phase unterstützen, indem sie ihm helfen, gesunde Gewohnheiten beizubehalten, ihm Mut zusprechen und das Selbstbewusstsein stärken.

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