Das Cushing-Syndrom beim Pferd, medizinisch bekannt als PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction), ist eine hormonelle Stoffwechselerkrankung, die vor allem ältere Pferde betrifft. Die Hypophyse ist eine Drüse im Gehirn, die Hormone reguliert.
In der Tierärzteschaft sowie in den Statistiken der großen Labore nimmt dei Diagnose „Cushing“ massiv und in teilweise nicht mehr nachvollziehbarer Weise zu. Bereits äußerliche, sehr unspezifische Krankheitssymptome wie struppiges, gelocktes Fell mit schlechtem Fellwechsel oder ein überdurchschnittlicher Hängebauch sind Grund genug, eine weitere Diagnostik einzuleiten. Im Blutbild wird dann häufig genug ein erhöhter ACTH-Wert („Adrenocorticotropes Hormon“) ermittelt, welcher in Verbindung mit den klinischen Symptomen als „beweisend“ angenommen wird.
Das Equine Cushing Syndrom (ECS) ist eine mittlerweile sehr häufig diagnostizierte Erkrankung. In der Tierärzteschaft sowie in den Statistiken der großen Labore nimmt dei Diagnose „Cushing“ massiv und in teilweise nicht mehr nachvollziehbarer Weise zu.
Die ersten Cushing-Symptome sind meistens eine Veränderung des Fellwachstums („Fellschieben“), beginnende Schwäche, eine Veränderung von Muskelaufbau und Fettdepots. Während die Muskulatur abgebaut wird bildet sich ein Hängebauch aus. Betroffene Pferde trinken und urinieren mehr (Polydipsie, Polyurie). Sehr häufig tritt eine Hufrehe auf - umgekehrt muss beim Vorliegen einer Hufrehe auch immer an ECS gedacht werden.
Hauptursache dieser Symptome ist der erhöhte Blutpegel an Cortison: dieses Hormon wird durch ein mehr an ACTH vermehrt ausgeschüttet. Insbesondere Stress, Schmerzen und bestimmte Substanzen (z.B. Histamin - Allergien!) sorgen für ein vermehrtes Freiwerden von ACTH. Tatsächlich ist ACTH zentral an der Steuerung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, der sogenannten „Stressachse“ beteiligt.
Ein charakteristisches Anzeichen von PPID ist ein ungewöhnlich langes, lockiges Fell, das nicht vollständig ausfällt. Doch nicht jedes betroffene Pferd zeigt dieses Symptom.
Der durch Morbus Cushing entstehende Hormonüberschuss kann schwerwiegende Folgen haben: Der normale Tagesrhythmus der Cortisolproduktion ist gestört, was das Immunsystem schwächt.
Ebenso können Schmerzen (Arthrose, Hufrehe, Huflederhautentzündung, Fühligkeit zum Beispiel durch fehlenden Beschlag) Stress erzeugen.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch Blutuntersuchungen, bei der der ACTH-Wert gemessen wird. Doch Achtung: Eine mögliche Diagnose sollte nicht ausgeschlossen werden, wenn der ACTH-Wert im Blut in einer bestimmten Jahreszeit niedrig ist. Stattdessen sollten weitere Tests durchgeführt werden.
Für die Diagnose von ECS gibt es verschiedene Verfahren. Die gängigste Methode ist die Bestimmung des ACTH-Wertes im Blut. Eine weitere Möglichkeit ist der Dexamethason-Hemmtest, bei dem die Cortisolwerte vor und nach der Verabreichung von Dexamethason gemessen werden.
Allerdings muss der Probenbehandlung besondere Sorgfalt beigemessen werden, indem das Blut nach der Entname umgehend zentrifugiert wird um das Plasma zu erhalten.
Es gibt eine kleine Zahl von Pferden und Ponies, die trotz eindeutiger Anzeichen von ECS bei diesen beiden Tests negativ sind. Bei diesen Pferden sollte man entweder in 2-3 Monaten die Tests wiederholen, oder wenn eine schnelle Diagnose zur Behandlung nötig ist, mit seinem Tierarzt überlegen, ob man einen dritten Test macht (TSH-Stimulation), oder vorsichtig anbehandelt und dann später erneut diagnostiziert.
Wichtig! Da ein hoher Cortisolspiegel natürlicherweise zu einer Drosselung der Ausschüttung von ACTH führt kann Cushing erst wirklich diagnostiziert werden, wenn sich die ACTH-Ausschüttung durch einen erhöhten Cortisolwert nicht mehr bremsen lässt.
Haarausfall beim Pferd tritt auf, wenn weniger Haare gebildet werden oder das Pferd mehr Haare verliert. In der Tiermedizin wird Haarausfall als Alopezie oder Effluvium bezeichnet. Die Ursachen für Haarausfall sind vielfältig, zum Beispiel Infektionskrankheiten, Vergiftungen und Hormonstörungen.
Der Haarausfall selbst ist ein Symptom, das mit bloßem Auge erkennbar ist.
Einem Haarausfall beim Pferd lässt sich nur bedingt vorbeugen. Es ist ratsam, ein Pferd mit Haarausfall einer Tierärztin oder einem Tierarzt vorzustellen, da der Haarausfall ein Zeichen für eine ernste Erkrankung, beispielsweise eine Vergiftung oder eine Hormonstörung, sein kann.
PPID ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Die wichtigste Maßnahme ist eine lebenslange medikamentöse Therapie mit Pergolid, einem Dopamin-Agonisten. Dieses Medikament gleicht das Dopamin-Defizit aus und hilft, die Symptome zu kontrollieren. Ein früher Behandlungsbeginn kann das Fortschreiten der Krankheit erheblich verlangsamen.
Seit Jahren hat sich die Behandlung mit Pergolid bewährt. Ursprünglich zur Behandlung vom Morbus Parkinson beim Mensch eingesetzt, kann Pergolid die überschüssige Hormonproduktion durch die Hirnanhangsdrüse reduzieren.
Pergolid ist ein extrem sicheres Medikament! Die einzigen Nebenwirkungen bei zu hoher Dosis ist ein vorübergehender Appetitmangel und bei manchen Pferden Schläfrigkeit. Diese können aber durch Anpassung der Dosis sehr schnell wieder beseitigt werden.
Es dauert außerdem eine Weile, bis die Symptome verschwinden. Der Halter kann hier sehr viel tun, um dem Pferd zu helfen. Bis das Fell wieder normal wächst, bracht es mindestens einen, eventuell mehrere, Fellwechsel. Bis dahin erleichtert es dem Pferd vor allem in der warmen Jahreszeit sehr, wenn es geschoren und so von seinem viel zu dicken Pelz befreit wird.
Seit September 2010 ist nun auch ein eigens für Pferde mit Cushing- Syndrom entwickeltes Medikament mit diesem Wirkstoff in Deutschland zugelassen und erhältlich. Das speziell auf Pferde abgestimmte Präparat ermöglicht eine optimale Behandlung.
Man muss aber natürlich, wie bei jedem Pferd, weiterhin auf regelmäßige Entwurmung, Zahnkontrollen und Impfungen achten, sowie bei Pferden mit Rehe, diese entsprechend behandeln und weiter durch limitierten Weidengang und stärkereduziertes Futter Vorbeugungsmaßnahmen treffen.
Letztes Jahr erschien eine Studie, die eine deutliche Verbesserung der Symptome und der Blutwerte bei Pferden mit ECS durch einen Futterzusatzstoff mit Mönchspfeffer und anderen pflanzlichen Stoffen zeigte (Corticosal®).
Mit Hilfe moderner Medikamente kann der Tierarzt die gestörte Signalkette im Körper des Pferdes so einstellen, dass es ein normales Pferdeleben hat. Die Medikamente bedienen die Dopaminrezeptoren, so wird die Signalkette normalisiert und die Nebennierenrinde arbeitet nicht mehr als nötig.
Pferde, die Cushing Symptome zeigen, sollten also bedarfsgerecht ernährt werden. Dazu gehört auch die Berücksichtung von Spurenelementen und Sekundären Pflanzenstoffen in der Ernährung.
Insbesondere ein bedarfsgerechte Fütterung ist entscheidend: Mangelsituationen müssen korrigiert, die Stärkezufuhr begrenzt werden. Vor allem der Manganwert muss mit überprüft werden.
🥕 Empfohlene Fütterung:✔ Raufutter als Hauptbestandteil - Heu von guter Qualität, keine Silage.✔ Zucker- und stärkearme Ernährung - verhindert Insulinresistenz.✔ Proteinreiche Futtermittel - unterstützen den Muskelerhalt (z. B.
🚫 Vermeiden:❌ Getreidehaltige Futtermittel (z. B.
Empirisch hat sich gezeigt, dass sich die Unterstützung des Herzens mit hochwertigem Magnesium, natürlichem Vitamin E sowie herzrelevanten Kräutern wie Weißdorn, Galgant, Rosmarin und Melisse außerordentlich gut auch begleitend zur Pergolid- oder Mönchspfeffer-Therapie bewährt hat.
Vor allem der Manganwert muss mit überprüft werden. Eine Entgiftung der Leber mit pflanzlichen Extrakten (v.a. Mariendistel, Artischocke) kann zusammen mit einer Unterstützung des Blutflusses (Ginkgo) genutzt werden. Zur Unterstützung der Regulation der Dopaminwerte hat sich in den letzten Jahren auch bei Pferden die Fütterung hochwertiger Mönchspfeffer-Extrakte bewährt.
Vitamin E und Selen können zur Verbesserung des antioxidativen Status zugefüttert werden.
Insbesondere Stress, Schmerzen und bestimmte Substanzen (z.B. Histamin - Allergien!) sorgen für ein vermehrtes Freiwerden von ACTH. Tatsächlich ist ACTH zentral an der Steuerung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, der sogenannten „Stressachse“ beteiligt.
Hierzu zählen ein Mangel an Spurenelementen (Mangan, Selen oder Zink), Schmerzen (Arthrose, Kissing Spines, falscher Hufbeschlag, schlechte Sattel-Passung), chronische Erkrankungen (v.a. Leberprobleme, Hauterkrankungen mit Juckreiz) sowie Stress durch Stallwechsel, neue Besitzer oder Haltungsfehler.
Ebenso können Schmerzen (Arthrose, Hufrehe, Huflederhautentzündung, Fühligkeit zum Beispiel durch fehlenden Beschlag) Stress erzeugen.
Um dies zu vermeiden sollte alles daran gelegt werden den Stress betroffener Tiere zu reduzieren.
Bei der Haltung reicht das von zu großen Herdenverbänden auf zu kleiner Fläche bis hin zur Stallhaltung mit wochenendlichen Turniereinsätzen oder belastender Reitweise.
In nicht wenigen Fällen kommt bei betroffenen Pferden die sogenannte Insulinresistenz hinzu. Darunter versteht man die eingeschränkte Fähigkeit des Insulins, an die Zellen anzudocken, um Glukose aus dem Blut in die Zellen transferieren zu lassen.
Die Ursachen für eine Insulinresistenz können vielfältig sein. Stress kann als Auslöser für die Insulinresistenz nicht ausgeschlossen werden. Grundsätzlich sind aber die meisten Pferde schon lange vor dem Auftreten der Insulinresistenz übergewichtig.
Äußerlich erkennbar ist Insulinresistenz an der Einlagerung unphysiologischer Fettpolster, vor allem im Bereich von Mähnenkamm und an der Schweifwurzel.
PPID-Patienten können gleichzeitig eine Fehlregulation im Insulinstoffwechsel aufweisen. Dauerhaft zu hohe Konzentrationen von Insulin im Blut verursachen Veränderungen in der Huflederhaut, die schließlich zu einer Hufrehe führen können. Die Gewebeschäden bedingen eine Entzündung, die äußerst schmerzhaft ist.
Die Insulinresistenz zählt zu den möglichen Ursachen für die Entstehung von Hufrehe. Der Zucker im Blut und andere vom Fettgewebe gebildete Stoffe stören die Kapillarfunktion im Huf und begünstigen dadurch eine Rehe.
Die Häufung des Auftretens dieser Erkrankung mit den Lebensjahren und immer jüngerer Patienten haben im Zusammenhang mit den Ergebnissen von erstellten Futterhistorien gezeigt, dass Pferde mit Cushing-Symptomen oft extreme Nährstoffmängel haben.
Hinter dem vermeintlichen Equinen Cushing Syndrom steckt also mit großer Sicherheit nicht immer eine Entartung der Nebennierenrinde. Auch Parasitenbefall, Spurenelementmängel oder Zahnprobleme lösen ein ähnliches äußeres Bild aus (Dietz, Huskamp Handbuch Pferdepraxis, 1999).
Lockiges Fell kann zum Beispiel auf Kupfermängel schließen lassen.
Das Equine Cushing Syndrom ist eine komplexe Erkrankung, die eine ganzheitliche Betrachtung des Pferdes erfordert. Neben der medikamentösen Behandlung spielen die Fütterung und das Management eine entscheidende Rolle, um die Lebensqualität des Pferdes zu verbessern und Folgeerkrankungen wie Hufrehe vorzubeugen.
Es ist ratsam, bei Verdacht auf ECS frühzeitig einen Tierarzt zu konsultieren, um eine umfassende Diagnose zu erhalten und die bestmögliche Therapie einzuleiten.
Die Diagnose „Equines Cushing Syndrom“ sollte stets kritisch hinterfragt werden. Viel eher sind hier andere Ursachen maßgeblich für eine Entgleisung des Stoffwechsels wie Schmerzen, Stress oder Ernährungsdefizite.
In letzter Konsequenz sollte das Pferd im Ganzen betrachtet werden. Der Tierarzt sollte sich hier Zeit nehmen, das Problem des Pferdes eingehender zu untersuchen.
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