Braune Haare und blaue Augen: Eine Seltenheit?

So oder so ähnlich hat bestimmt schon jeder von uns einmal diverse (Halb)Wahrheiten über unsere Augenfarben gehört. Der Großteil der Menschen tut es gleich: Beim ersten Treffen einer unbekannten Person gucken wir unserem Gegenüber - meist jedoch unbewusst - zuerst in die Augen. Die Iris (Regenbogenhaut) fasziniert schon seit Jahrhunderten die Menschheit. Unzählige Märchen und Mythen ranken sich um die verschiedenen Augenfarben. Jede Form der Pigmentierung soll einiges über unsere Persönlichkeit preisgeben.

Verantwortlich für den Farbton ist die Menge des Pigments Melanin in der Iris, das in unterschiedlichen Nuancen und Mengen existiert. Das Melanin ist ein rötliches, braunes oder schwarzes Pigment, welches für die Tönung unserer Augen, aber auch unserer Haut und unserer Haare verantwortlich ist. Je nachdem wie viel Melanin in den Körperzellen eingelagert wird, bestimmt es unsere Augenfarbe. Viel Melanin im Körper führt zu einer dunkleren Augenfarbe, bei wenig Melanin sind die Augen heller. Braune Augen haben den höchsten Melaninanteil, blaue Augen den geringsten. Grau und Grün liegen dazwischen.

Jeder Augenfarbe werden gewisse Charaktereigenschaften zugeschrieben. Dies wurde von Wissenschaftlern der Universität von Örebro in Schweden eingehend analysiert. Sie haben 428 Menschen in Bezug auf ihre Persönlichkeit unter Beachtung ihrer Augenfarbe beobachtet. Neben der bereits bekannten Tatsache, dass die Gene die Farbe unserer Regenbogenhaut bestimmen, fanden sie heraus, dass genau die gleichen Gene ebenso zur Bildung der Frontallappen beitragen.

Verschiedene Augenfarben und ihre Häufigkeit.

Die Häufigkeit verschiedener Augen- und Haarfarben

Die häufigste Augenfarbe ist braun, denn circa 90 Prozent aller Menschen haben braune Augen. Blaue Augen kommen überwiegend bei hellhäutigen Menschen vor. Das Land mit den meisten blauäugigen Menschen ist Estland. Nur circa zwei bis vier Prozent der Weltbevölkerung hat sie: die seltenste Augenfarbe Grün. Es gibt eine Palette an Augenfarben mit zahlreichen möglichen Farbnuancen, so dass jedes Auge eine einzigartige Farbe hat. Braun, Grün, Blau und Grau sind die bekannten Augenfarben, davon gibt es unzählige Mischvarianten und Farbnuancen. Unbestritten ist Braun die häufigste Augenfarbe, ein Großteil der Erdbevölkerung hat braune bis nahezu schwarze Augen. Da nahezu 90 Prozent der Weltbevölkerung braune Augen haben, bleiben für die restlichen Farben nur noch 10 Prozent. Dabei ist Grün die seltenste mit nur 2 bis 4 Prozent.

Haarfarben lassen sich in sechs Farbgruppen mit je verschiedenen Helligkeitsgraden einteilen: Schwarz, Braun, Rot, Blond, Grau, Weiß, wobei Grau und Weiß Folgen des Alterungsprozesses oder einer Krankheit sind und mit einer DNA-Phänotypisierung nicht erfasst werden können. In Europa liegen die häufigsten Haarfarben im Bereich der Brauntöne, die von Tiefbraun im Mittelmeerraum nach Norden hin immer heller werden und dort fließend in blonde Farbtöne übergehen.

Am seltensten sind rote Haare sowie blonde Haare und braune Augen. Auch blond / blauäugig ist eher selten in der Welt. Die ungewöhnlichste Kombination ist rotes Haar und blaue Augen. Nur ca. 1 Prozent der Weltbevölkerung hat diese unverwechselbare Kombination. Bei Menschen keltischer oder nordeuropäischer Abstammung kommt die Kombination häufiger vor, besonders in Schottland, Irland und Skandinavien.

Die 8 Augenfarben und der verborgene evolutionäre Vorteil

Regionale Unterschiede

Doch auch hier gibt es Unterschiede in der regionalen Häufigkeit in Estland z. B. haben 99 % der Bevölkerung blaue Augen. Europa hat die größte Vielfalt an Haar- und Augenfarben. Diese Vielfalt erreicht ein Maximum in einem Gebiet, das um das Ostbaltikum zentriert ist und Nord- und Osteuropa abdeckt. Wenn wir uns nach außen, nach Süden und Osten bewegen, sehen wir eine schnelle Rückkehr zu schwarzen Haaren und braunen Augen.

Besonderheiten und Phänomene

Zwar sind bei uns allen die Farben beider Augen nur selten hundertprozentig identisch und eine kleine Farbabweichung beider Augen ist eher die Regel. Doch es gibt Menschen mit zwei absolut verschiedenen Augenfarben. Bei diesem Phänomen spricht man von einer Iris-Heterochromie. Eine Pigmentstörung, die jedoch viel häufiger bei Tieren als beim Menschen auftritt.

Iris-Heterochromie: Unterschiedliche Augenfarben.

Zuschreibung von Charaktereigenschaften

Laut einer schwedischen Studie der Universität von Örebro lässt sich ein Zusammenhang zwischen der Augenfarbe und der Persönlichkeit herstellen. Auch andere Forschungsinstitute haben sich mit dem Thema beschäftigt und zahlreiche Umfragen zu der Fragestellung durchgeführt. Einige Persönlichkeitsmerkmale lassen sich als charakteristisch für die jeweilige Augenfarbe ausmachen.

  • Menschen mit braunen Augen gelten als vertrauenswürdig, treu und fürsorglich. Da sie selbstbewusst sind und eher dominant auftreten, werden ihnen Führungsqualitäten zugeschrieben.
  • Blaue Augen stehen für eine ausgeprägte Emotionalität und emotionale Intelligenz. In der Kontaktaufnahme zu anderen Menschen sind sie eher zurückhaltend und schüchtern.
  • Eine graue Augenfärbung wird mit eher zurückhaltenden Menschen verbunden, die auf andere distanziert und schwer durchschaubar wirken.
  • Menschen mit einer grünlichen Färbung der Iris gelten als abenteuerlustig und kreativ. Teilweise auch impulsiv und unberechenbar. Es hat sich gezeigt, dass sie mit Schmerzen oder schmerzvollen Erfahrungen besser umgehen können.

Die Rolle von Melanin und UV-Schutz

Tatsächlich schützt ein hoher Melaningehalt, der bei einer dunkleren Augenfarbe vorliegt, stärker vor Sonneneinstrahlung und UV-Licht. Da Melanin vor UV-Strahlung schützt, haben Menschen in Ländern mit mehr Sonneneinstrahlung in der Regel eine dunklere Augen-, Haut- und Haarfärbung. Bei hellen Augen können die UV-Strahlen einfacher als bei dunklen Augen in den hinteren Augenabschnitt gelangen. In nördlichen Region mit geringer Sonneneinstrahlung hat sich ein geringer Melaningehalt im Körper als Vorteil erwiesen, da Sonnenlicht leichter eindringt und die Produktion von Vitamin D anregt.

Forensische DNA-Phänotypisierung

Mit der Forensischen DNA-Phänotypisierung versucht die Kriminalpolizei aus einer DNA-Spur am Tatort die Haar-, Haut- und Augenfarbe sowie die biogeografische Herkunft des Spurenlegers vorherzusagen. Ist der Spurenleger der Tatverdächtige soll die DNA-Phänotypisierung, wie die Aussage eines Zeugen, helfen, den Kreis möglicher Tatverdächtiger einzugrenzen, um gezielter ermitteln zu können.

Voraussetzung für diese Eingrenzung ist, dass diese Merkmale bei den Menschen in der Region, in der ermittelt wird, möglichst unterschiedlich sind. Es spielt also eine Rolle, wo diese Methode eingesetzt wird. Findet z. B. die Kriminalpolizei in Kampala, Uganda mittels DNA-Phänotypisierung heraus, dass der Spurenleger dunkelbraune Haut, braune Augen und schwarze Haare hat und aus Afrika stammt, hilft ihr das bei der Ermittlung wenig, da zu viele Menschen in Kampala diese Merkmalskombination zeigen. Die meisten Menschen in der Welt, vor allem in Afrika, Australien (Aborigines), Südamerika, und weiten Teilen Asiens, haben dunkelbraune bis schwarze Haare und braune Augen.

Ganz anders ist die Situation, wenn das Ergebnis der DNA-Phänotypisierung ist, dass der Spurenleger hellrosa Haut, grüne Augen und rote Haare hat und aus Europa stammt. Das grenzt den Kreis der Tatverdächtigen erheblich ein, kann aber auch die Minderheit in dieser Region, die diese Merkmalskombination hat, durch die Art und Weise der Berichterstattung unter Generalverdacht stellen und gegen sie bestehende Vorurteile verstärken.

Warum sich besonders die Kriminalpolizei in Europa für diese Methode interessiert ist leicht zu beantworten. Europa hat die größte Vielfalt an Haar- und Augenfarben.

HIrisPlex-S DNA

HIrisPlex-S DNA, das neueste Testsystem für die DNA-Phänotypisierung benutzt für die Vorhersage der Haar-, Haut- und Augenfarbe 41 DNA-Marker. 6 DNA-Marker für die Augenfarbe, 22 DNA-Marker für die Haarfarbe und 36 DNA-Marker für die Hautfarbe. Für die Augenfarbe gibt es die drei Kategorien Blau, Mittel und Braun. Für die Haarfarbe gibt es vier Kategorien: Blond, Braun, Rot und Schwarz. Zusätzlich gibt es noch die Unterkategorien Hell und Dunkel. Für die Hautfarbe gibt es fünf Kategorien: Sehr blass, blass, mittel, dunkel und dunkel zu schwarz.

HIrisPlex-S DNA kann mit seinen Kategorien für die Haar-, Haut- und Augenfarbe die Vielfalt dieser menschlichen Merkmale nicht in der natürlichen Farbtiefe abbilden. Wie hilfreich die genannten Kategorien bei einer Fahndung sind, hängt zusätzlich davon ab, ob es z. B. Die Vorhersagen der DNA-Phänotypisierung haben bestimmte Eintrittswahrscheinlichkeiten.

Biogeografische Herkunft (BGA)

Die Analyse der biogeografischen Herkunft im Englischen Biogeographical Ancestry (BGA) oder Admixture Testing genannt, verwendet die DNA eines Menschen, um zu bestimmen, aus welcher Region der Welt seine Vorfahren stammen.

Die BGA schätzt wie viel Prozent DNA jede Population in der DNA-Datenbank zu der DNA der Person, die man untersucht, beigetragen haben könnte. In der BGA arbeitet man mit Einzelnukleotidpolymorphismen im Englischen Single Nucleotide Polymorphisms (SNPs) genannt. Ein Einzelnukleotidpolymorphismus ist eine Variation eines einzelnen Basenpaares in einem komplementären DNA-Doppelstrang, die in einer bestimmten Population die relative Häufigkeit von mindestens 1 % hat. Auch die DNA-Marker für die Haar-, Haut- und Augenfarbe sind SNPs. SNPs stellen circa 90 % aller genetischen Varianten im menschlichen Genom dar.

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