Iserlohn, eine Stadt reich an Geschichte und Tradition, hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erlebt. Von den Anfängen der Metallverarbeitung bis zur heutigen Zeit als Museums- und Künstlerdorf, bietet Iserlohn eine faszinierende Reise durch die Zeit. Dieser Artikel beleuchtet einige prägende Aspekte der Geschichte Iserlohns, insbesondere die Rolle der Industrie, Kunst und bemerkenswerte Persönlichkeiten.
Die Geschichte Iserlohns ist eng mit der Metallverarbeitung verbunden. Bereits im 18. Jahrhundert wurden hier weltberühmte Tabaksdosen aus Messing gefertigt. Im 19. Jahrhundert erweiterte sich die Produktion auf Möbel- und Türbeschläge, Schlitten- und Tischglocken, Türklinken und Kerzenleuchter.
Ein Beispiel hierfür ist die Geschichte von Ludwig, der mit 14 Jahren im Galmei-Abbau in Letmathe begann. Das Zinkerz wurde in Iserlohn für die Messingproduktion benötigt. Eines Tages begleitete er einen Transport des Erzes nach Barendorf und arbeitete später in der Gelbgießerei, wo glühendes Messing in Formen gegossen wurde.
Barendorf, heute ein Museums- und Künstlerdorf, spielte eine wichtige Rolle in der Industriegeschichte Iserlohns. Ludwig arbeitete im Oberen Walzwerk und lernte viel über Messing und seine Verarbeitung. Später wechselte er in die Gelbgießerei, wo er dem Meister zur Hand ging und Gussformen vorbereitete. Diese Formen waren vielfältig, von schlichten Formen für Türklinken bis hin zu kunstvollen Verzierungen für Häuser reicher Kaufleute.
Die Verbindung von Industrie und Kultur zeigt sich auch im heutigen Veranstaltungsprogramm Barendorfs. Jedes Jahr findet im Spätsommer die Konzertreihe DrahtSaitenAkt statt, und im Advent lockt das Weihnachtliche Barendorf mit jahreszeitlicher Stimmung. Die Räumlichkeiten des ehemaligen Fabrikantenhauses werden regelmäßig für Kunstausstellungen genutzt.
Die Grünflächen und Gärten sind mit Kunstwerken gestaltet, die sich zum Beispiel der Eisen-, Draht- und Nadelproduktion widmen und eine nähere Betrachtung lohnen.
Ein weiteres Beispiel für die industrielle Tradition Iserlohns ist die Herm. Sprenger Metallwarenfabrik GmbH Co. KG. 1872 gründete Hermann Sprenger in Iserlohn eine Fabrik für Pferde- und Fahrgeschirrbeschläge. Im Laufe der Jahre wurde das Fertigungsprogramm mit Bootsbeschlägen und Hundesportartikeln ergänzt. Heute ist das Unternehmen ein weltweit agierendes Familienunternehmen mit 170 Mitarbeitern, das bereits in der vierten Generation erfolgreich geführt wird.
Die Firma Sprenger zog im Jahr 1887 zur Hagener Straße und später zur Alexanderstraße 18-19 um. Dort entstand im Erdgeschoss ein Kesselhaus für die Dampfmaschine und eine Schmiede für Sporen und Pferdegebisse. Im 1. Obergeschoss befanden sich die Faktorei (Betriebsleitung), Feilerei und das ,,Cornptoir".
Die Nachkriegsjahre verlangten Umstellung. Die Motorisierung verdrängte die Kavallerie. Das Produktionsprogramm musste sich der neuen Zeit anpassen. Kakteenständer und Autowaschkoffer sollten die Situation überbrücken. Sogar ein Frisiergerät entstand bei Sprenger. Schussgabeln und Schussrechen für Webereien wurden in die Produktion mit aufgenommen. Auch Koffer- und Mappenschlösser gehörten zu den neuen Artikeln.
Von allen neuen Artikeln erwies sich nur ein Bereich entwicklungsfähig und aussichtsreich: Die Herstellung von Bootsbeschlägen.
Die Firma Sprenger durfte nun offiziell fabrizieren und Handel treiben. Als Grundlage des Verkaufs diente der letzte Katalog 1938/15, der u.a. auch einige Hundesportartikel enthielt. Die geringen Lagerbestände waren bald verkauft.
Die uneingeschränkte Produktionsgenehmigung traf endlich am 3.1.1947 ein. Daraufhin erfolgte auch im Februar die erste Kohlenzuteilung. Die war von großer Bedeutung, denn der Winter war außerordentlich kalt und lang.
Carl Heinz Kipper, auch bekannt als „Charly”, gilt als Iserlohner Original und als lebendes Kapitel Stadtgeschichte. Er engagiert sich seit vielen Jahren als jüdischer Zeitzeuge der NS-Zeit in der Erinnerungsarbeit mit Schülerinnen und Schülern in Schwerte und Iserlohn.
Kipper erzählt von seinen Erlebnissen während der Reichspogromnacht und den Folgen in Iserlohn. Er berichtet von der Zerstörung der Synagoge und der Plünderung jüdischer Geschäfte. Trotz seines schweren Schicksals hat er sich nie entmutigen lassen und setzt sich unermüdlich gegen das Vergessen des Naziterrors ein.
Zusammen mit Schülern unternahm er viele Stadtrundgänge, bei denen er an die 14 früheren jüdischen Geschäfte und deren Inhaberfamilien erinnerte und den jüdischen Friedhof am Dördel besuchte.
Kippers Mutter konnte das KZ wie durch ein Wunder nach drei Jahren lebend verlassen. Man habe sie im dortigen Gefängnis schlichtweg vergessen, erzählt Carl Heinz Kipper.
Trotz bestandener Aufnahmeprüfung musste er 1936 das Gymnasium verlassen - weil er Jude war. Er durfte nur auf die gehobene Abteilung der Volksschule zurück, wo er immer Klassenprimus war.
Nach dem Krieg arbeitete Carl Heinz Kipper zunächst beim Straßenverkehrsamt der Stadt, wo er für die Verteilung der Benzingutscheine und der Holzkohle zuständig war.
„Die Vorträge in den Schulen helfen mir, die schlimme Zeit zu verarbeiten. Es hilft sehr, wenn ich sehe, dass die Schüler aufmerksam zuhören”, erzählt Carl Heinz Kipper.
Auch die Bäckerei Dümig hat eine lange Tradition in Iserlohn. Um 1950 nannte man Alfred Dümig den Ersten in Haar nur noch den „süßen Fred“. In den 60ern liefen die Platzerl wie am Fließband.
Tochter Geraldine half von klein auf mit - morgens beim Brezenstreichen oder an Sonn- und Feiertagen im Verkauf. Nach ihrer Ausbildung zur Konditorin in Iserlohn legte sie als Jahrgangsbeste in NRW ihre Prüfung ab und schloss 2012 die Meisterschule in Stuttgart erfolgreich ab.
Seit 2015 besteht das gesamte Gebäcksortiment aus Dinkel. In diesem Jahr entstand auch das Pharaonen Brot - inspiriert durch ein ungewöhnliches Geschenk.
Am 02.01.2017 eröffnete Dümig sein 3. Der Andrang war so überwältigend, dass noch 3 zusätzliche Dinkel-Fachverkäuferinnen eingestellt werden mussten.
Ende April startete Stefan Dümig zum 4. Mal beim Mallorca 312, zum 6. Mathias finishte in Roth und der König war wieder Wolfgang Schmatz der nach der Pause 2016 voll ausholte und unter extremen Bedingungen wieder den 1.
2019 startete süß - mit dem Mango-Cheesecake-Krapfen als Krapfen des Jahres. Im Herbst gab es Grund zur Freude: Geraldine brachte ihre Tochter Fleur zur Welt - und auch das Konditorenteam bekam Zuwachs.
Ob auf Messen, Brot-Festen oder im Instagram-Feed - Dinkelking war plötzlich da, wo vorher noch Ruhe war.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Geschichte von Auf der Haar in Iserlohn von vielen Faktoren geprägt ist: Industrie, Kunst, bemerkenswerte Persönlichkeiten und der unermüdliche Einsatz der Menschen vor Ort. Diese Elemente haben Iserlohn zu dem gemacht, was es heute ist: eine Stadt mit einer reichen Vergangenheit und einer vielversprechenden Zukunft.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 18. Jahrhundert | Herstellung weltberühmter Tabaksdosen aus Messing |
| 1872 | Gründung der Herm. Sprenger Metallwarenfabrik |
| 1930er Jahre | Carl Heinz Kipper erlebt die Reichspogromnacht |
| 2015 | Dümig stellt das gesamte Gebäcksortiment auf Dinkel um |
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