Im beruflichen Alltag kommt es immer wieder zu Situationen, in denen Verträge geschlossen oder sonstige rechtliche Schreiben erstellt werden müssen. Beispielsweise Kündigungen, Abmahnungen oder auch Pacht- und Mietverträge sind Unterlagen bei denen auf eine rechtssichere Form zu achten ist.
Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über den Arbeitsvertrag für Friseure in Teilzeit, inklusive Muster, relevanter Gesetze und aktueller Änderungen. Er richtet sich sowohl an Arbeitgeber als auch an Arbeitnehmer im Friseurhandwerk.
Verträge kann man in Deutschland grundsätzlich sowohl schriftlich als auch mündlich abschließen. Das gilt prinzipiell auch für Arbeitsverträge.
Der Arbeitsvertrag Friseur unterliegt seit 01.08.2022 dem Nachweisgesetz (NachwG). Mit nur sechs Paragrafen ist es eines der kürzesten Gesetze überhaupt. Und doch müssen alle Arbeitgeber Deutschlands seither seinen Vorgaben Folge leisten. Auch wir Friseure können uns ihm nicht verweigern.
Sinn und Zweck des Gesetzes ist es nämlich, die Arbeitsbedingungen durch erhöhte Nachweisbarkeit transparenter zu machen, um sie weiter zu verbessern. Demzufolge bringt das Nachweisgesetz neue Anforderungen und Pflichten für uns Arbeitgeber mit sich.
Das Nachweisgesetz verpflichtet uns Saloninhaber, die wesentlichen Bedingungen eines jeden Arbeitsvertrages schriftlich niederzulegen, zu unterzeichnen und dem Arbeitnehmer fristgerecht auszuhändigen.
Allerdings warf uns der Gesetzgeber auf dem Weg zum papierlosen Büro erneut Knüppel zwischen die Beine: Bis Ende 2024 unterlag diese Verpflichtung der Schriftform - auf altbackenem Papier. Die elektronische Textform wurde bislang nämlich per Gesetz ausgeschlossen! Die Niederschrift war zwingend auf Papier auszustellen.
Der Paragraph 2 des Nachweisgesetzes (§2 NachwG) wurde mit Gültigkeit ab 01.01.2025 geändert. Seither können die Niederschriften der wesentlichen Vertragsbedingungen - und sogar ganze Arbeitsverträge - in Textform elektronisch niedergelegt werden. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass man sich den Empfang vom Arbeitnehmer nachweislich bestätigen lassen muss, da es ja ansonsten keinen Beleg über den Erhalt bzw.
Das Nachweisgesetz bezieht sich generell auf alle Arbeitnehmer Ihres Unternehmens - von der Putzkraft bis zum Top-Stylisten. Sogar das sogenannte „Probearbeiten“ durch Bewerber mit bereits abgeschlossener Berufsausbildung erfordert dem Gesetz zufolge den schriftlichen Nachweis der Vertragsbedingungen.
Ausnahmen: Lediglich Praktikanten, die im Rahmen der schulischen Berufsorientierung, einer Einstiegsqualifizierung oder einer Berufsausbildungsvorbereitung in ihren Salon kommen, sind von den Regelungen des Gesetzes ausgenommen. Bezüglich der Azubis im Friseurhandwerk bleibt alles beim Alten. Für Ausbildungsverträge gilt schon seit langem das Schriftformerfordernis.
Eine weitere Ausnahme in der Nachweispflicht besteht bei Mitarbeitern, mit denen Sie bereits vor dem 01.08.2022 einen schriftlichen Arbeitsvertrag geschlossen hatten. Bei solchen Arbeitnehmern müssen Sie erst auf deren Verlangen hin tätig werden.
Ihre Arbeitnehmer haben also ein generelles Recht auf die Niederschrift der Vertragsbedingungen. Auf dieses Recht können Ihre Mitarbeiter bei Bedarf bestehen. Bei Arbeitsverträgen, die ab dem 01.08.2022 neu abgeschlossen wurden und werden, müssen Sie als Arbeitgeber selbsttätig handeln.
Sie können NICHT auf eine Aufforderung durch den Arbeitnehmer warten! Aber dennoch müssen die geforderten Angaben nicht unbedingt alle in einen Arbeitsvertrag hineingequetscht werden. Mitunter könnte dies sogar die Rechtssicherheit eines Arbeitsvertrages gefährden.
Das Nachweisgesetz fordert lediglich, dass alle der geforderten Angaben textlich niedergelegt werden. Auch die Kombination eines schriftlichen Arbeitsvertrages mit einer schriftlichen Betriebsvereinbarung oder einer anderen Niederschrift der Arbeitsbedingungen erfüllt vollständig die Forderungen des Nachweisgesetzes.
Häufig ist es von Vorteil, wenn einzelne Vereinbarungen aus dem Arbeitsvertrag ausgegliedert und in einer separaten Niederschrift vereinbart werden.
Das Nachweisgesetz verlangt, die wesentlichen Grundbedingungen des Arbeitsverhältnisses textlich niederzulegen. Diese sind ausführlich in §2 NachwG zu finden.
Sollten bezüglich der Vertragsbedingungen ihrer eigenen Mitarbeiter noch einzelne der obigen Punkte fehlen, so können Sie diese in der Vorlage einfach ergänzen. Falls die Information über einzelne Vertragsbedingungen nicht so schnell zu beschaffen sein sollte, können Sie auch Niederschriften zu unterschiedlichen Zeitpunkten übergeben.
Wir empfehlen jedoch nach Möglichkeit, immer alle geforderten Punkte auf einen Schlag zu erfüllen und dafür die jeweils kürzeste Fristvorgabe zu nutzen. Das vereinfacht die Handhabung für uns Arbeitgeber und mindert die Gefahr von Fristversäumnissen. Bei neu vereinbarten Arbeitsverhältnissen erhält ein Friseurgeselle den Arbeitsvertrag (bzw. die Niederschrift) spätestens am ersten Arbeitstag ausgehändigt.
In einem bereits laufenden Arbeitsverhältnis sind Änderungen von einzelnen Vertragsbestimmungen spätestens an dem Tag, an dem sie wirksam geworden sind, schriftlich auszuhändigen oder in elektronischer Textform zu übermitteln.
Wenn wir Arbeitgeber das Nachweisgesetz nicht befolgen, so kann es uns teuer zu stehen kommen. Das in §4 NachwG gesetzlich festgelegte Bußgeld von bis zu 2.000,- Euro stellt dabei noch längst nicht die Obergrenze dar.
Im Falle eines verlorenen Arbeitsgerichtsprozesses können die Gesamtkosten wesentlich höher liegen! Der Grund dafür ist die durch das neue Gesetz veränderte Beweislast.
Im Falle zweier widersprechender Darstellungen kann das Gericht nicht entscheiden, welche der Wahrheit entspricht. So könnte ein Arbeitnehmer beispielsweise behaupten, ihm sei ein höherer Lohn, mehr Urlaub oder eine kürzere Probezeit zugesagt worden, als ihm tatsächlich gewährt wurde.
Falls es aber einen schriftlichen Arbeitsvertrag (oder zumindest eine entsprechende Niederschrift) gibt, worin alle wesentlichen Arbeitsbedingungen korrekt festgehalten sind, so müsste der Arbeitnehmer einen Beweis für seine Falschbehauptung erbringen, dass etwas anderes vereinbart worden sei.
Ein aktueller Arbeitsvertrag, der dem Nachweisgesetz in allen Punkten entspricht, schütz nicht nur die Interessen unserer Mitarbeiter. Auch wir als Arbeitgeber erlangen dadurch ein höheres Maß an Rechtssicherheit gegenüber unseren Arbeitnehmern.
Im Folgenden wird ein Muster für einen Arbeitsvertrag in Teilzeit vorgestellt. Bitte beachten Sie, dass dieses Muster an die individuellen Bedürfnisse und Gegebenheiten angepasst werden muss. Es dient lediglich als Orientierungshilfe.
Zwischen:
...................................................................................................................................................
(Name des Arbeitgebers)
und
Herrn/Frau .....................................................................................................
wohnhaft………………………………………………………………………………..………………..
(Name des Arbeitnehmers)
wird folgender Arbeitsvertrag geschlossen:
Ort, Datum
...................................................................................................................................................
(Unterschrift Arbeitgeber)
Ort, Datum
...................................................................................................................................................
(Unterschrift Arbeitnehmer)
Wir weisen darauf hin, dass die auf der Homepage des WHKT abrufbaren Muster nur als Orientierungs- und Formulierungshilfe zu verstehen sind, die auf Ihr konkretes Vertragsverhältnis oder Ihren Sachverhalt angepasst werden müssen.
HANDWERK BW hält eine Sammlung von Musterverträgen für handwerkstypische Arbeitsverhältnisse vor, die regelmäßig vom Landesarbeitskreis Arbeitsrecht überprüft wird. Da die abrufbaren Musterverträge Fragen der Tarifvertragsgestaltung, betriebliche Gegebenheiten oder sonstige besondere Umstände des Einzelfalls nicht berücksichtigen können, sind sie nur als Orientierungs- und Formulierungshilfen zu verstehen.
Vor ihrer Verwendung empfiehlt HANDWERK BW eine individuelle Beratung - beispielsweise durch die zuständigen Rechtsberatungen der Innungen, Fachverbände oder Kammern. Die arbeits- und tarifrechtliche Beratung erfordert ein Fachwissen, das von Gewerk zu Gewerk variieren kann.
Disclaimer: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Bei rechtlichen Fragen sollten Sie sich an einen Anwalt wenden.
Bleiben auch Sie auf der sicheren Seite!
Empfehlung: Nach wie vor machen schriftliche Vereinbarungen auf Papier einen besseren Eindruck. Die Schriftform gibt schließlich allen Beteiligten mehr Vertrauen und Sicherheit. So soll es sein.
Hinweis: Bei Gewährung einer Sonderzuwendung unter Freiwilligkeitsvorbehalt empfiehlt es sich, diese konkret zu bezeichnen, da Freiwilligkeitsvorbehalte, die sich auf alle Leistungen in Zukunft unabhängig von Art und Entstehungsgrund beziehen, unzulässig sind.
Dieses Vertragsformular wurde mit größter Sorgfalt erstellt, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Es ist als Checkliste mit Formulierungshilfen zu verstehen und soll nur eine Anregung bieten, wie die typische Interessenlage zwischen den Parteien sachgerecht ausgeglichen werden kann.
Dies entbindet den Verwender jedoch nicht von der sorgfältigen eigenverantwortlichen Prüfung. Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung wird auf die Nennung der drei Geschlechter verzichtet, wo eine geschlechtsneutrale Formulierung nicht möglich war. In diesen Fällen beziehen die verwendeten männlichen Begriffe die weiblichen und diversen Formen ebenso mit ein.
Der Mustervertrag ist nur ein Vorschlag für eine mögliche Regelung. Viele Festlegungen sind frei vereinbar. Der Verwender kann auch andere Formulierungen wählen. Vor einer Übernahme des unveränderten Inhaltes muss daher im eigenen Interesse genau überlegt werden, ob und in welchen Teilen gegebenenfalls eine Anpassung an die konkret zu regelnde Situation und die Rechtsentwicklung erforderlich ist.
Im Folgenden finden Sie eine Tabelle mit den wichtigsten Punkten, die in einem Arbeitsvertrag für Friseure in Teilzeit enthalten sein sollten:
| Punkt | Beschreibung |
|---|---|
| Vertragsparteien | Name und Anschrift von Arbeitgeber und Arbeitnehmer |
| Beginn und Dauer | Startdatum des Arbeitsverhältnisses, Befristung (falls zutreffend) |
| Tätigkeit | Beschreibung der auszuübenden Tätigkeit |
| Arbeitszeit | Regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit, Pausenzeiten |
| Vergütung | Monatliches Bruttogehalt oder Stundenlohn |
| Urlaub | Gesetzlicher und vertraglicher Urlaubsanspruch |
| Krankheit | Regelungen zur Krankmeldung und Entgeltfortzahlung |
| Geheimhaltung | Verpflichtung zur Wahrung von Geschäftsgeheimnissen |
| Nebentätigkeit | Anzeigepflicht für Nebentätigkeiten |
| Kündigung | Kündigungsfristen und Formerfordernisse |
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