Nina Hagen: Ikone, Punkrock-Diva und Union-Fan

Am 11. März 1955 erblickte Catharina "Nina" Hagen in Berlin-Friedrichshain das Licht der Welt. Ihre Mutter Eva-Maria war eine berühmte DDR-Schauspielerin, ihr Vater der Drehbuchautor Hans Hagen. Früh trennten sich ihre Eltern, was für das Mädchen nicht einfach war. Später wurde Liedermacher Wolf Biermann zu ihrem Ziehvater.

Sie findet andere Wege für die Kunst: Nina gelingt es, in einigen DEFA-Filmen mitzuspielen. Im Studio für Unterhaltungskunst erhält sie eine professionelle Gesangsausbildung und wird zunächst Schlagersängerin. 1974 wird Nina Hagen mit der Band Automobil über Nacht mit "Du hast den Farbfilm vergessen" berühmt.

Für Wolf Biermann und Eva-Maria Hagen wird es in der DDR enger. Schließlich nehmen die DDR-Behörden Wolf Biermanns genehmigtes Konzert in Köln zum Anlass, ihn am 16. November 1976 auszubürgern. Die gesamte Kulturszene der DDR ist erschüttert - über 100 Künstler:innen unterzeichnen einen offenen Brief. Auch Nina Hagen solidarisiert sich mit Biermann. Sie geht - wie ihre Mutter - noch im selben Jahr selbst nach West-Berlin.

Hier legt sie richtig los: In London entdeckt sie Punk, trifft Johnny Rotten von den legendären "Sex Pistols" und spielt in der Frauenpunkband "The Slits". Die Band hält aber nicht lange. Schon 1978 trennen sich die Musiker und die extravagante Sängerin. In Amsterdam macht sie sich auf die Suche nach einer neuen Band. Sie lernt Ferdinand Karmelk kennen, der ihr Gitarrist und Partner wird. 1979 nehmen sie aus vertraglichen Gründen dennoch - allerdings getrennt voneinander - das Album "Unbehagen" auf. Auch diese Platte verkauft sich hunderttausendfach.

Schon früh wollte Nina Hagen Mutter werden. Und sie wird es in diesen Jahren auch: Ihre und Ferdinand Karmelks Tochter Cosma Shiva wird 1981 in Los Angeles geboren. In den USA nimmt sie Anfang der 1980er Jahre Frank Zappa's Manager unter Vertrag, Nina arbeitet anderem mit den "Red Hot Chili Peppers", damals noch unbekannt, zusammen und ist beliebter Gast in Talkshows.

1987 zieht sie in einen Wohnwagen am Tempodrom, Treff der Punkszene in West-Berlin. Die späten 1980er Jahre sind aber keine einfache Zeit für Punks: Nina Hagen wird von Skinheads schwer verletzt. 1989 tourt sie durch Frankreich und lernt Frank Chevalier, den Vater ihres Sohnes Otis, geboren 1990 kennen. In den 1990er Jahren hält sie sich längere Zeit in Indien auf. Sie lernt Sanskrit und traditionelle indische Musik. Und kommt noch bunter zurück.

Stilberatung erhält Hagen später von keinem geringeren als Modeikone Jean Paul Gaultier. So mausert sich Nina über die Jahre zur Punkrock-Diva. Neben Punk liebt Nina Hagen selbstverständlich auch Brecht: Mit Meret Becker gibt sie unter dem Titel "Wir heißen beide Anna" seine Lieder im Berliner Ensemble zum Besten. Bei der Grimme-Preis-Verleihung 1998 spielen sie den "Alabama Song".

Nina Hagen wuchs ohne Religion auf, aber: "Ich hab denen nicht abgenommen, dass es keinen Gott gibt, ich wollte das selber testen" sagt sie 2011 in der Dokumentation "Nina Hagen, Godmother of Punk". Gott gibt ihr Halt. Mit ihrer vier Oktaven umfassenden und mit dem Alter tiefer werdenden Stimme performt sie jetzt "Personal Jesus". Mit 54 Jahren lässt sie sich taufen. Eigentlich will sie die Taufe geheim halten, aber dann bekommen die Dorfbewohner im niedersächsischen Schüttorf doch Wind von der Sache, rund 450 wollen sie sehen. Sie ist die einzige Erwachsene, mit ihr in der Reihe: fünf kleine Kinder.

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2021 wird der "Farbfilm", Nina Hagen's Lied aus dem Jahr 1976, beim Großen Zapfenstreich von einem Militärorchester auf Wunsch der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel gespielt. An ihrer Seite stehen über die Jahre - wie hier im Jahr 1998 - ihre Tochter Cosma Shiva (Mi), selbst Schauspielerin, und ihre Mutter Eva-Maria (re). Ihre Mutter stirbt 2022 im Alter von 87 Jahren in Hamburg. Und jetzt wird sie 70! Wo sie doch 60 schon so "waaaaaahnsinnig alt" fand. Sie hat sich ihre Frechheiten, ihr schauspielerisches Talent, ihre Stimme, Energie, Extravaganz und Berliner Schnauze erhalten.

Die deutsche "Godmother of Punk" ist selbstverständlich Union-Fan. Die Künstlerin mit Ost-Berliner Wurzeln sang "Eisern Union" erstmals im November 1998 vor 3.300 Fans - der Song ist seither die Hymne der Köpenicker.

Nina Hagen ist eine wahre Ikone, die sich im Laufe ihrer Karriere immer wieder neu erfunden hat. Von ihren Anfängen in der DDR über ihren Aufstieg zur Punkrock-Diva bis hin zu ihren spirituellen Erfahrungen hat sie stets ihren eigenen Weg verfolgt und dabei Millionen von Menschen inspiriert.

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