Haarausfall ist eine häufige Beschwerde, die viele Frauen betrifft und eine erhebliche Belastung darstellen kann. Wenn das Haar sichtbar dünner wird, leidet vor allem das Selbstbewusstsein von Frauen, da dieser offensichtliche "optische Makel" eher mit älteren Männern in Verbindung gebracht wird. Die Ursachen für diese Störung können vielfältig sein.
Man unterscheidet zwischen kreisrundem, diffusem und androgenetischem Haarausfall.
Hormonell bedingter Haarausfall betrifft im deutschsprachigen Raum vermutlich mehrere Millionen Frauen und ist vermutlich auch deshalb so häufig zu beobachten, weil so manche Anti-Baby-Pille für ein hormonelles Ungleichgewicht sorgt.
Eine große Rolle bei Haarverlust spielen die Hormone, insbesondere Androgene. Die männlichen Hormone sorgen sowohl bei Männern als auch bei Frauen für lichtes Haar oder einen gänzlichen Verlust der Kopfbehaarung. Viele Betroffene leiden darunter und versuchen mit kosmetischen oder pharmazeutischen Mitteln, den Haarverlust zu stoppen.
Laut einem Bericht des Onlinemagazins Focus ist der hormonell bedingte Haarausfall mit etwa 95 Prozent bei den Männern und 80 Prozent bei den Frauen die meist verbreitete Ursache.
Eine erbliche Überempfindlichkeit gegenüber dem männlichen Hormon ist für den androgenetischen Haarausfall verantwortlich. In der Kopfhaut wird aus Testosteron das sogenannte Dihydrotestosteron gebildet.
Bei einer Überempfindlichkeit hat diese biochemische Reaktion zur Folge, dass es zu einer Verkürzung der Wachstumsphase des Haares kommt. Die nachwachsenden Haare werden zunehmend dünner und kraftloser, bis der Haarfollikel irgendwann abstirbt. Ist die Haarwurzel endgültig abgestorben, kann kein Mittel das natürliche Wachstum anregen.
Doch nicht nur das körpereigene Testosteron gefährdet die Haare. Bei hormonell bedingtem Haarausfall bestimmen drei Faktoren den Verlauf der Erkrankung:
Vor allem bei früh einsetzendem Haarausfall (um das 20. Lebensjahr) entwickelt sich oft ein schneller, ausgedehnter Verlust an Haaren. Beginnt der Ausfall jedoch erst zwischen 35 und 45 Jahren, ist die Prognose günstiger. Der Haarausfall hält sich dann meist in Grenzen.
Hormonell bedingter Haarausfall ist keine reine Männersache. Ursache hierfür sind die mit Hormonveränderungen einhergehenden Wechseljahre. Die natürliche Konzentration des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen nimmt während dieser Lebensphase ab, der Anteil des männlichen Sexualhormons Testosteron steigt zeitgleich an. Bei ungleichmäßigem Absinken und Ansteigen kann dies zur oben beschriebenen Reaktion führen.
Anlagebedingter Haarausfall, der durch männliche Sexualhormone verursacht wird, wird in der Medizin als „androgenetische Alopezie“ bezeichnet. Er kommt bei Frauen und Männern vor, bei Männern aber deutlich häufiger.
Bei dieser Form des Haarausfalls handelt es sich um einen anlagebedingten (also vererbten) und grundsätzlich nicht krankhaften Haarausfall, der durch männliche Sexualhormone (Androgene) verursacht wird. Die androgenetische Alopezie ist insgesamt die häufigste Form des Haarausfalls. Sie betrifft Männer und Frauen, jedoch Männer deutlich häufiger. Betroffen sind bis zu 70 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen.
Das Erscheinungsbild des androgenetischen Haarausfalls unterscheidet sich bei Frauen und Männern: Während sich bei Frauen hinter der erhaltenen Stirnhaargrenze in der Kopfmitte das Haar zunehmend nach allen Seiten lichtet, entwickeln Männer typischerweise Geheimratsecken und eine lichte Stelle am oberen Hinterkopf (Tonsur). Im weiteren Verlauf kann sich bei Männern eine Halbglatze mit Haarkranz bilden.
Eine Störung des Hormonhaushalts liegt beim anlagebedingten Haarausfall des Mannes in aller Regel nicht vor. Denn der Grund für den fortschreitenden Haarverlust ist nicht etwa ein Zuviel an Testosteron, dem bekanntesten männlichen Sexualhormon. Die Ursache ist vielmehr eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber einer aktiven Form des Testosterons, dem 5 alpha-Dihydrotestosteron (5α-DHT). Diese aktive Form entsteht durch die Wirkung eines Enzyms, der 5 alpha-Reduktase.
Als Folge dieser Überempfindlichkeit verkürzt sich die Wachstumsphase der Haare und die Haarfollikel bilden sich zurück.
Wichtige Hinweise auf eine androgenetische Alopezie erhalten Ärzte bereits in einem Gespräch mit dem Betroffenen zur Familiengeschichte (Familienanamnese): Wenn der Vater oder einer der Großväter von Haarausfall betroffen ist oder war, dann ist es wahrscheinlich, dass es sich um erblich bedingten Haarausfall handelt.
Einen weiteren wesentlichen Hinweis liefert das Muster des Haarausfalls. Denn bei Männern mit erblich bedingtem Haarausfall äußert sich der fortschreitende Haarverlust sehr oft in typischen Stadien: von einem ersten Zurückweichen des Haaransatzes an der Stirn über die Bildung von Geheimratsecken bis hin zur möglichen Halbglatze, bei der die verbleibenden Haare einen Kranz bilden.
Erste Anzeichen einer androgenetischen Alopezie beim Mann sind meist Geheimratsecken, später lichtet sich das Haar am oberen Hinterkopf. Die Darstellung zeigt einen typisch fortschreitenden Haarverlust nach dem sogenannten Hamilton-Norwood-Schema (vereinfachte Darstellung). Im individuellen Fall kann der Haarausfall auch abweichend von diesem Muster voranschreiten. Möglich ist auch, dass Männer ein Haarausfallsmuster aufweisen, wie es bei Frauen typisch ist.
Wichtig zu wissen: Haarausfall kann generell auch andere Ursachen haben. Das Erscheinungsbild unterscheidet sich dann jedoch meist deutlich von der androgenetischen Alopezie beim Mann, die in der Regel relativ symmetrisch nach dem oben beschriebenen Muster fortschreitet.
Für viele betroffene Männer ist der erblich bedingte Haarausfall kein großes Problem, einige Betroffene leiden aber sehr darunter. Während früher hier nur ein Haarersatz (Toupet) helfen konnte, gibt es heute auch wirksame medizinische Behandlungsmöglichkeiten.
Wichtig zu wissen: Weil die androgenetische Alopezie des Mannes nicht als Krankheit eingestuft ist, zahlt die Krankenversicherung in aller Regel nicht für eine Behandlung. Die Kosten für die unten aufgeführten Therapien müssen Betroffene daher meist komplett selbst übernehmen.
Grundsätzlich lässt sich sagen: Je früher ein erblich bedingter Haarausfall behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten, möglichst viele Haare zu „retten“.
Abhängig vom Stadium und den individuellen Wünschen des Betroffenen kann die Behandlung eines erblich bedingten Haarausfalls zwei kombinierbare Ziele verfolgen:
Im Rahmen einer Leitlinie des European Dermatology Forum (EDF) zur Behandlung der androgenetischen Alopezie wurden verfügbare Therapiemöglichkeiten bewertet. Demnach eignen sich insbesondere die folgenden drei Optionen, die gegebenenfalls auch miteinander kombiniert werden können.
Ursprünglich als Medikament gegen Bluthochdruck entwickelt, kann Minoxidil dazu beitragen, die Nährstoffversorgung der Haare zu verbessern. Das kann sich positiv auf die Haardichte auswirken, den Haarverlust idealerweise stoppen und das Nachwachsen von Haaren begünstigen. Die Leitlinie empfiehlt Minoxidil bei leichtem bis moderatem Schweregrad.
Der Wirkstoff wird in Form einer Lösung oder als Schaum auf die betroffenen Stellen (Haar und Kopfhaut) aufgetragen. Etwas Geduld ist gefragt: Bis sich ein sichtbarer Effekt einstellt, können Monate vergehen. Dabei kann es zunächst auch zu einem vorübergehend vermehrten Haarausfall kommen, wenn inaktive Haare von nachwachsenden neuen Haaren verdrängt werden.
Zwar gibt es in der Apotheke auch rezeptfrei erhältliche Präparate mit Minoxidil, jedoch sollte aufgrund möglicher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen vor einer Anwendung immer ein Arztgespräch stattfinden. Das gilt insbesondere für Männer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Auch der Wirkstoff Finasterid wurde nicht für die Behandlung von Haarausfall entwickelt, sondern ursprünglich nur zur Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie). Als Hemmstoff unterbindet Finasterid die Umwandlung des Sexualhormons Testosteron in das aktive 5 alpha-Dihydrotestosteron (5α-DHT).
Zur Erinnerung: Eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber 5α-DHT wird als Ursache der Degeneration der Haarfollikel und des Haarausfalls angenommen.
Als Tablette mit einem Milligramm Finasterid täglich einmal eingenommen, bremst der Wirkstoff die Umwandlung von Testosteron in 5α-DHT, in dem er das dafür notwendige Enzym, die 5 alpha-Reduktase, hemmt. In Langzeitstudien konnte gezeigt werden, dass Finasterid so neues Haarwachstum stimulieren kann. Sichtbare Effekte sind jedoch oft erst nach 6 bis 12 Monaten zu erwarten.
Noch bessere Ergebnisse kann eine Kombination aus der äußeren Anwendung von Minoxidil und der Einnahme von Finasterid erzielen.
Wichtig zu wissen: Finasterid ist verschreibungspflichtig. Ärzte müssen im Rahmen ihres Aufklärungsgesprächs mit dem Patienten auf die möglichen Nebenwirkungen von Finasterid hinweisen. Dazu gehören Potenzstörungen sowie Hodenschmerzen, eine Gynäkomastie (Wachstum der Brustdrüsen beim Mann) oder Depression.
Bei einer äußeren Tabletteneinnahme wird das Haarwachstum nur so lange gefördert, wie die Behandlung erfolgt. Nach einem Abbruch der Behandlung geht das Haar mit der Zeit wieder verloren.
Bei der Haartransplantation werden Eigenhaare aus dem Hinterkopfbereich auf den Oberkopf verpflanzt (transplantiert). Dabei machen sich Chirurgen eine besondere Eigenschaft der zu transplantierenden Haarwurzelinseln zunutze: Diese sind im Unterschied zu den Haarwurzeln am Oberkopf unempfindlich gegen 5 alpha-Dihydrotestosteron (5α-DHT), das den Haarausfall auslöst und unterhält.
Nach einer ausführlichen Befunderhebung und Beratung durch eine Haarchirurgin oder einen Haarchirurgen kommen grundsätzlich zwei Transplantationsverfahren infrage:
Bei beiden Verfahren wird das entnommene Spendergewebe so aufbereitet, dass für eine Transplantation viele, mitunter Tausende kleine Haarwurzelinseln zur Verfügung stehen. Auf dem Empfängergebiet - dem Oberkopf - werden hierfür mittels Mikroloch- oder Schlitztechnik kleinste Öffnungen geschaffen.
Während bei der Streifentechnik (FUT) in einer Sitzung große Mengen an Haarwurzelinseln transplantiert werden können, entsteht bei der zeitaufwendigeren FUE-Technik aufgrund der Einzelentnahme keine Nahtnarbe. Welche Methode letztlich die geeignetere ist, muss immer mit den behandelnden Ärzten anhand der persönlichen Situation entschieden werden.
Für jede Art von Haartransplantation gilt natürlich: Es handelt sich hier um einen operativen Eingriff, der mit Risiken verbunden ist. Zu den möglichen Komplikationen gehören eine auffällige Narbenbildung, Störungen der Wundheilung oder auch Entzündungen. Auch nach einer Haartransplantation sind die verbliebenen Haare in der Umgebung des Transplantats weiterhin gefährdet. Daher kann sich gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung anschließen.
Wichtig zu wissen: Erfahrene Operateure kennen die Risiken einer Haartransplantation und ergreifen gezielte Maßnahmen, um diese zu minimieren.
Neben den bereits genannten Behandlungsmöglichkeiten ist seit 2022 ein Finasterid Spray zur äußerlichen Anwendung bei Männern mit anlagebedingtem Haarausfall als rezeptpflichtiges Medikament erhältlich. Nach einer klinischen Studie, die das Haarwachstum in Form einer Zunahme der Haaranzahl einem definierten Bereich untersuchte, war die äußerliche Therapie nahezu vergleichbar mit der Tabletteneinnahme, während keine bedeutsamen sexuellen Nebenwirkungen auftraten.
Die Low-Level-Lichttherapie wird manchmal auch als Softlaser-Therapie bezeichnet und soll mit niedrig dosiertem Laserlicht das Haarwachstum stimulieren. Für eine bessere Vergleichbarkeit gegenüber den bereits etablierten Behandlungsmöglichkeiten müssen aber laut der europäischen Behandlungsleitlinie noch weitere Studien erfolgen.
Bei der PRP-Therapie werden in einem speziellen Verfahren sogenannte Wachstumsfaktoren aus dem eigenen Blut gewonnen, aufbereitet und dann direkt in die Kopfhaut gespritzt. Die europäische Behandlungsleitlinie sieht derzeit noch von einer Empfehlung für oder gegen diese Behandlung ab, weil es hier noch kein standardisiertes Behandlungsverfahren als Grundlage für eine objektive Beurteilung der Wirksamkeit und Therapiesicherheit gibt.
Außerdem werden viele Nahrungsergänzungsmittel angeboten, die zum Beispiel Zink, Koffein oder Pflanzenextrakte enthalten.
Dihydrotestosteron (DHT) spielt eine wichtige Rolle als männliches Geschlechtshormon. Durch eine erblich bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln kann es aber auch zu Haarausfall führen - bei Männern wie Frauen. Eine Behandlung ist mit DHT-Blockern möglich.
Dihydrotestosteron (DHT) ist die biologisch aktivste Form des männlichen Geschlechtshormons Testosteron. Testosteron wird in den Hoden gebildet und über das Blut im Körper verteilt. Beim erblich bedingten Haarausfall sind Haarwurzeln überempfindlich gegenüber DHT.
Das Hormon Dihydrotestosteron befindet sich regulär auch in der Kopfhaut. Bei Patienten mit erblich bedingtem Haarausfall bindet sich zu viel DHT an die Androgenrezeptoren oder es ruft eine zu starke Wirkung hervor. Die Blutgefäße in der Kopfhaut werden reduziert, woraufhin die Haarwurzel nicht mehr richtig mit Nährstoffen versorgt wird.
Auch bei Frauen findet sich die Ursache für den Haarausfall in der Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber Dihydrotestosteron (DHT). Allerdings hängt der vermehrte Haarausfall bei Frauen vor allem nach den Wechseljahren weniger mit einem Anstieg des Testosteronspiegels zusammen, sondern ist vielmehr durch das Abnehmen der weiblichen Geschlechts-hormone begründet, die normalerweise als Gegenpol zum Testosteron dienen.
Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass Frauen, die unter Haarausfall leiden, einen erhöhten Testosteronspiegel im Blut haben. Tatsächlich befindet sich das für den Haarausfall verantwortliche Testosteron lokal in den Haarwurzeln und wirkt dort auf die Empfindlichkeit der Follikel.
Wirksame Maßnahmen zur Vorbeugung einer Androgenetischen Alopezie gibt es nicht. Wie Sie Ihre Haare pflegen und reinigen, beeinflusst in keiner Weise den anlagebedingten Haarausfall.
Alopezie kann bei der Frau mit Hormonpräparaten, wie z.B. hormonellen Verhütungsmitteln oder örtlich aufgetragenen, östrogenhaltigen Mitteln behandelt werden.
Relativ erfolgreich können in Haarwässern enthaltene Östrogene wirken. Sie neutralisieren die Wirkung von DHT im Haarboden. Setzt man die Mittel allerdings ab, gehen die Haare wieder aus.
Außerdem gibt es jetzt auch eine hormonfreie Lösung gegen anlagebedingten Haarausfall.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Haarausfall bei Frauen durch männliche Hormone ein komplexes Problem ist, das verschiedene Ursachen haben kann. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um den Haarverlust zu stoppen und das Haarwachstum zu fördern.
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