Die Friseursalons in Deutschland kämpfen mit billiger Konkurrenz, steigenden Lohnkosten und sinkender Kundenfrequenz.
Ein Friseursalon hat hohe laufende Kosten: Miete, Strom, Wasser, hochwertige Pflegeprodukte und nicht zuletzt die Gehälter der Mitarbeiter. Weil sich die Kosten oft nicht mehr decken lassen, fordert eine Friseurmeisterin nun eine Preiserhöhung für den Herrenhaarschnitt.
FOCUS online erklärt, was hinter der Forderung steckt. Ist das gerechtfertigt?
Friseurmeisterin Hüliya Hudson hat es vorgerechnet: 18 Euro kostet ein Herrenhaarschnitt mit Waschen in ihrem Salon. Ein Preis, der aus wirtschaftlicher Sicht längst nicht mehr tragbar ist. „Eigentlich müsste ich 100 Euro nehmen“, sagt sie und trifft damit wohl den Nerv der Branche.
Denn mit ihrer Aussage spricht sie vielen ihrer Kollegen aus dem Herzen.
„Das Wort eigentlich könnte die Kollegin direkt streichen“, sagt Lars Bendel, Friseurmeister aus München. Bei ihm seien nicht nur die Löhne und Materialkosten gestiegen, der gesamte wirtschaftliche Rahmen habe sich verändert, sagt der 51-Jährige.
In seinem Salon kostet ein Haarschnitt 45 Euro - ohne Waschen und auch ohne Stylen. Doch selbst dieser Preis reicht bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken, wie er im Gespräch mit FOCUS Online erklärt.
Während Luxusgüter und Dienstleistungen in anderen Branchen preislich angepasst wurden, blieb der Herrenhaarschnitt vielfach auf Dumping-Niveau. Das müsse sich ändern. „Ein Haarschnitt für Männer hat 1999 rund 12 Euro gekostet. Heute sind es im Schnitt 20 Euro“, rechnet Bendel vor.
„Bei Frauen stieg der Preis von 20 Euro auf über 60 Euro an.“ Da könne man den Unterschied direkt sehen.
Für einen Friseursalon, der 18 Euro für einen Männerschnitt verlangt, rechnet sich das Geschäft angesichts gestiegener Kosten für Pflegeprodukte, Equipment und Löhne mittlerweile kaum noch. Wie Barbershops und Billiganbieter überhaupt überleben können, sei ihm ein Rätsel, sagt Bendel.
Preise steigen, doch Friseure machen weniger Gewinn. Trotz der höheren Einnahmen bleibt den Betrieben weniger Gewinn übrig, wie der Zentralverband des Friseurhandwerks berichtet.
Das liegt besonders an den gestiegenen Kosten für Energie, Lohn, Produkte und Miete. Und das ist nicht das einzige Problem.
Die Friseurbranche kämpft seit Jahrzehnten mit einem massiven Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Zudem beobachten die Betriebe in den letzten Jahren eine wachsende Kaufzurückhaltung der Kunden.
Gleichzeitig nimmt die Schwarzarbeit zu - eine Entwicklung, die den rund 80.000 Friseursalons in Deutschland erheblich zusetzt. Besonders betroffen sind die Kleinstbetriebe, die mit weniger als fünf Beschäftigten rund 70 Prozent der Branche ausmachen.
Schwarzarbeit ist in Friseursalons und Barbershops insgesamt ein großes Problem. Betriebe, die unter Mindestlohn zahlen, illegal ausländische Arbeitskräfte beschäftigen, Sozialleistungen missbrauchen oder auf Scheinselbstständigkeit setzen, verzerren den Wettbewerb und machen es ehrlichen Salons schwer, sich am Markt zu behaupten.
„Qualität hat ihren Preis“, betont Julia Eckert. „Wir müssen den Kunden klar machen, was sie dafür bekommen.“ Die Friseurin aus Ulm verlangt für einen Herrenhaarschnitt derzeit 54 Euro, mit Bartpflege sind es 79 Euro.
Die Nachfrage ist hoch, und ihre Terminbücher sind gut gefüllt. „Besonders Anfang des Monats muss ich auch mal bis 21 Uhr im Laden bleiben, um die Termine abzuarbeiten.“ Es funktioniert, weil sie sich Zeit für ihre Kunden nimmt und keine bloße Massenabfertigung betreibt.
Gerade bei Neukunden, die zuvor einen Barbershop besucht haben, falle der Unterschied deutlich auf. „Das sieht dann oft aus, als hätten sie selbst Hand angelegt“, sagt Eckert.
Unklar. Aber nicht ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Haarschnitt bald 100 Euro kostet, hängt deshalb von mehreren Faktoren ab, wie Branchenkenner sagen.
Solange Billiganbieter zu Dumping-Preisen Haare und Bärte schneiden, bleibt der Friseurberuf finanziell wenig attraktiv. Das wurde auch auf dem Zukunftskongress der Friseure in Berlin deutlich.
Ende Januar beklagten dort viele der rund 550 anwesenden Branchenvertreter, dass sich das Friseurhandwerk kaum noch lohne. Niedrige Löhne und fehlende Wertschätzung schreckten zunehmend junge Menschen davon ab, den Friseurberuf zu ergreifen, erklärt ein Teilnehmer.
Gleichzeitig sehen sich die Betriebe mit immer mehr bürokratischen Hürden konfrontiert. Je weniger Menschen Lust haben, den Job auszuüben, desto wahrscheinlicher ist es, dass Salons schließen müssen. Weniger Anbieter bedeutet dan aber gleichzeitig auch höhere Preise.
„Ein hochwertiger Haarschnitt erfordert nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch regelmäßige Weiterbildungen, um mit Trends und Techniken Schritt zu halten“, betonte eine Vertreterin des Zentralverbands des Friseurhandwerks.
Zwar wurden Themen wie steuerfreie Überstunden, Bürokratieabbau und steuerliche Entlastungen angesprochen - doch konkrete Lösungen blieben aus.
„Das Handwerk steckt in einer tiefen Krise“, fasste Friseurmeister Bendel zusammen. Die Branche hat bereits Lösungsvorschläge erarbeitet:
Solange Billiganbieter mit Dumping-Preisen den Markt bestimmen, bleibt das Preisniveau insgesamt niedrig. Doch wenn immer mehr traditionelle Friseurbetriebe schließen müssen, könnten die Preise für einen Haarschnitt in Zukunft deutlich ansteigen.
Während ein hochwertiger Haarschnitt in der Regel zwischen 30 und 45 Minuten dauert, arbeiten viele Billiganbieter deutlich schneller - oft in nur 15 Minuten.
Das gelingt nur, weil sie ihre Einnahmen nicht über einzelne, hochwertige Dienstleistungen, sondern über eine hohe Kundenfrequenz und geringere Lohnkosten kompensieren.
Um den Beruf attraktiver zu machen, sind höhere Löhne notwendig. Diese Kosten werden die Salon allerdings auf die Kunden umlegen müssen. Eine mögliche Maßnahme zur Förderung des Nachwuchses könnte eine Ausbildungsprämie sein.
Durch finanzielle Anreize für Auszubildende oder Betriebe, die junge Talente ausbilden, ließe sich das Interesse an dem Beruf steigern. Solche Prämien könnten helfen, die Ausbildung attraktiver zu machen und langfristig dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Auch der Mindestlohn müsse steigen.
Besonders kleinere Salons spüren die Auswirkungen der Inflation, da solche Fixkosten einen großen Anteil ihrer Gesamtausgaben ausmachen.
Um wirtschaftlich überleben zu können, bleibt vielen Friseuren keine andere Wahl, als ihre Preise anzupassen. Doch das birgt ein weiteres Problem: Kunden reagieren zunehmend preissensibel, was zu Kaufzurückhaltung führen kann.
Die Herausforderung für die Branche besteht darin, die richtige Balance zwischen fairen Preisen für Kunden und einer wirtschaftlich tragfähigen Kalkulation für die Betriebe zu finden.
Dies würde die finanzielle Belastung für Betriebe reduzieren und gleichzeitig verhindern, dass Preissteigerungen in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werden müssen.
Kunden könnten einen Teil ihrer Ausgaben für Friseurdienstleistungen steuerlich geltend machen, was den Anreiz erhöhen würde, professionelle Friseurleistungen in Anspruch zu nehmen.
Die folgende Tabelle zeigt eine Preisübersicht für verschiedene Dienstleistungen in einem Friseursalon:
| Dienstleistung | Preis | Inklusivzeit |
|---|---|---|
| Premiumpaket „Damen“ (Waschen, Schneiden, Föhnen, Intensivpflege & Kopfmassage) | 79,00 € | 75 Minuten |
| Haarschnitt inkl. Waschen | 44,00 € | 35 Minuten |
| Föhnen / Stylen | 25,00 € | 20 Minuten |
| Premiumpaket „Herren“ (Waschen, Schneiden, Trocknen, Haarwasser & Kopfmassage) | 47,00 € | 45 Minuten |
| Haarschnitt inkl. Waschen & Trocknen | 34,00 € | 30 Minuten |
| Maschinenschnitt inkl. Waschen | 17,00 € | 15 Minuten |
Zusätzliche Zeit wird mit 15,00 € pro 10 Minuten berechnet.
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