Die Botanik von Roggen und Gerste: Eine detaillierte Betrachtung

Bayerns Kornkammern sind reich gefüllt, und Getreide spielt eine zentrale Rolle in unserer Ernährung. Etwa 20 Prozent der vielfältigen Getreidesorten werden bundesweit für die Herstellung von Nahrungsmitteln genutzt, darunter auch für unser geliebtes Brot - von knusprigem Sauerteig bis hin zu saftigem Vollkorn.

Die Süßgräser (Poaceae) sind eine Familie, die für den Menschen seit Alters her eine enorme Bedeutung besitzt. Mit den verschiedenen Getreidesorten stellen sie einen außerordentlichen Teil der direkten Ernährung für den Menschen dar. Auch indirekt besitzen sie als Viehfutter für die Versorgung von Nutztieren eine führende Rolle. Sogar ganze Landstriche in allen Teilen der Welt, so die Savannen Afrikas, die Steppen Zentralasiens oder unsere heimischen Wiesen, sind von den Poaceen geprägt.

In diesem Artikel werden wir uns insbesondere auf Roggen und Gerste konzentrieren, zwei der ältesten und wichtigsten Getreidearten Europas.

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Roggen (Secale cereale)

Roggen ist ein Getreide mit einem Kohlenhydratanteil von 54 Prozent und besitzt eine gut sättigende Wirkung. Er reguliert den Blutzuckerhaushalt und fördert die Verdauung. Lediglich bei übermäßigem Verzehr kann er blähend wirken.

Unter bayerischen Landwirten ist vor allem die Winterform des Getreides beliebt, da sie nur wenig Wärme benötigt, eine hohe Standfestigkeit besitzt und wenig Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit stellt. Ein ordnungsgemäßer Anbau ist bei Roggen besonders wichtig, denn anstatt eines echten Korns kann ein sogenanntes Mutterkorn in der Ähre wachsen, das giftige Stoffe enthält.

Verwendung von Roggen:

  • Roggen wird unter anderem zu würzigem Brot verarbeitet.
  • Durch den geringen Glutengehalt ist Roggenbrot zwar nicht so luftig wie Brot aus Weizen oder Dinkel, es kann jedoch mehr Wasser aufnehmen.
  • Roggen kann man sogar trinken. Es gibt ihn in Form von Getreidekaffee, Limonade oder Bier.
  • Außerdem kommt er in der Branntweinherstellung zum Einsatz und wird zu Wodka, Whisky oder Korn verarbeitet.
  • Darüber hinaus verwendet man den Grünroggen als erstes Grünfutter in Rindermastbetrieben im Frühling.
  • Und selbst in der Energieerzeugung oder als Dämmstoff für Häuser und Fassaden spielt Roggen eine wichtige Rolle.
  • Aus der Roggenstärke werden, ähnlich wie aus Maisstärke, biologisch abbaubare Kunststoffe hergestellt.

Alte Roggensorten wie der „Waldstaudenroggen“ oder „Schwarzer Winterroggen“ zeichnen sich durch besonders lange Halme, tief reichende Wurzeln und hohe Kältetoleranz aus. Sie gedeihen selbst auf kargen Böden und tragen so zur Bodenverbesserung und Erosionsschutz bei.

Roggen wird traditionell für kräftige, herzhafte Brote verwendet, da sein Mehl einen hohen Schleimstoffgehalt besitzt, der eine saftige, dichte Krume ermöglicht - ideal für Sauerteig. Waldstaudenroggen liefert dunkle, würzige Backwaren mit langer Frischhaltung.

Roggen enthält zudem reichlich Magnesium, Eisen und B-Vitamine sowie sekundäre Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken können. Alte Sorten punkten mit höherem Mineralstoffgehalt, langkettigen Kohlenhydraten und einem niedrigen glykämischen Index. Sie unterstützen eine gesunde Verdauung, wirken sättigend und liefern langanhaltende Energie.

Gerste (Hordeum vulgare)

Gerste ist die älteste bekannte Getreideart. Mit 8,7 Prozent stellt Bayern den größten Anteil an der deutschlandweit angebauten Gerste. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden die Ähren mit den langen Grannen als wertvolles Viehfutter geschätzt.

Sorten und Verwendung von Gerste:

  • Man unterscheidet zwei Sorten von Gerste: zum einen die im September ausgesäte Wintergerste, die einen hohen Eiweißanteil besitzt und besonders gut als Tierfutter geeignet ist.
  • Und die Sommergerste, die im Frühjahr angebaut und unter anderem für das Brauen von Bier verwendet wird.
  • Auch Malzkaffee und sogar Whiskey werden aus ihr hergestellt.
  • Ein bewährtes Hausmittel in Erkältungszeiten ist Gerstenwasser. Es dient der Fiebersenkung. Dazu einfach 100 g Naturgerste in zwei Liter Wasser zum Kochen bringen und anschließend bei niedriger Temperatur zwei Stunden köcheln lassen.
  • Bei Magen-Darm-Erkrankungen wird Gerstenschleim traditionell angewendet, um die Darmflora zu beruhigen.
  • Getrockneten Gerstenkeime fördern hingegen die Verdauung.
  • Gerste ist in Form von Grütze, Graupen, Mehl oder Müsliflocken erhältlich.
  • Wegen ihres geringen Gehalts an Klebereiweiß (Gluten) kann man kein reines Gerstenbrot backen.

Auch Gerste - insbesondere zweizeilige Formen - ist robust, frühreif und in verschiedenen Klimazonen einsetzbar. In ihrer ursprünglichen Form weisen beide Getreidearten ein komplexeres Aroma und höhere Vitalstoffe auf.

Alte Gerstensorten werden meist geschrotet oder als Ganzkorn verwendet - etwa für Suppen, Eintöpfe, Müslis oder Malzgetränke. In der Braukunst ist Gerste zudem bis heute unersetzlich - speziell in ihrer zweizeiligen Form für aromaintensive Biere.

Gerste gilt als besonders ballaststoffreich - allen voran Gerste mit ihrem hohen Gehalt an Beta-Glucanen, die den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen können.

Vergleich von Roggen und Gerste

Um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Roggen und Gerste besser zu verstehen, hier eine vergleichende Tabelle:

Merkmal Roggen (Secale cereale) Gerste (Hordeum vulgare)
Anbau Winterform bevorzugt, geringe Ansprüche an Boden Winter- und Sommergerste, hoher Eiweißgehalt (Wintergerste)
Glutengehalt Gering, daher dichteres Brot Gering, nicht für reines Brot geeignet
Verwendung Brot, Getreidekaffee, Branntwein, Tierfutter, Energieerzeugung Tierfutter, Bierbrauen, Malzkaffee, Gerstenwasser
Besondere Inhaltsstoffe Reguliert Blutzucker, fördert Verdauung Beta-Glucane (cholesterinsenkend)

Die Mähnen-Gerste (Hordeum jubatum L.)

Eines der dekorativsten Gräser überhaupt ist die Mähnen-Gerste (Hordeum jubatum L.). Dieser Neophyt stammt aus Ostasien (Nordost-Sibirien!) und Nordamerika (Kanada und Alaska!) und zeigt die ehemalige Verbindung beider Kontinente an! Das tetraploide Gras (doppelter Chromosomensatz) soll eine Kreuzung aus einer zentralasiatischen und der nordamerikanischen Art Hordeum brachyantheum sein (aus WIKIPEDIA).

Hordeum jubatum wird 20 bis 50 cm hoch und entwickelt ab Mai meist drei bis sieben, teils bis 15 (dann 2-3 Pflanzen?) ansehnliche, überhängende Ähren, die von Juni bis September blühen. Die 6 bis 8 cm langen, haarfeinen Grannen sind zunächst grünlich-gelblich, beige, an den Spitzen oft rötlich überlaufen.

Die Mähnen-Gerste besiedelt trockene bis grundfeuchte, nährstoff-, basen- und oft auch salzhaltige, besonnte Schotter-, Sand- und sandigen Tonböden von Bahnanlagen, Deponien, Spülfeldern, Stahlwerken, Industrie- und Hafengebieten (Umschlagplätzen). Als Wärme liebender Vertreter auch an Böschungen, öfter unbeständig und individuenarm verschleppt mit Schlackeböden (von Hochöfen, ähnlich Cardaminopsis halleri Haller-Schaumkresse). Besiedelt werden fast immer artenarme, lückig bewachsene, gräser- und raukenreiche Plätze.

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