Die natürliche Haarfarbe ist ein faszinierendes Merkmal, das uns alle auf unterschiedliche Weise prägt. Von tiefem Schwarz bis zu strahlendem Blond, von feurigem Rot bis zu sanftem Braun - die Vielfalt der Haarfarben ist beeindruckend. Doch wie entsteht diese Vielfalt auf wissenschaftlicher Ebene? Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Prozesse und Faktoren, die unsere natürliche Haarfarbe bestimmen.
Die Haarfarbe eines Menschen hängt von der Menge der Pigmente Eumelanin und Phäomelanin ab, die in der Faserschicht der Haare enthalten sind.
Je nach Mischungsverhältnis dieser beiden Pigmenttypen entstehen die beim Menschen bekannten Farbvariationen. Alle dazwischenliegenden Haarschattierungen, wie beispielsweise brünett, rotbraun oder rotblond, entstehen aus unterschiedlichen Mischungsverhältnissen der beiden Melanintypen.
Fehlen die Pigmente komplett, sind die Haare bleich.
Die Melanine werden von Melanozyten produziert. Es handelt sich dabei um Zellen, die in den Haarfollikeln sitzen. Sie wandeln körpereigene Aminosäuren in verschiedene Arten des Farbpigmentes Melanin um, die für die Farbpalette bei menschlichem Haar sorgen.
Ob die Haarfarbe kräftig leuchtet oder matt erscheint, hängt nicht von den Farbpigmenten ab, sondern von den farblosen Schuppenzellen der Haaroberfläche. Stehen die Schuppen dieser Schicht ab, wirkt die Farbe des Haares matt und stumpf. Liegen die Schuppen an, leuchtet die Farbe kräftig.
Welche natürliche Haarfarbe eine Person hat, hängt von ihrem jeweiligen Melaningehalt in den verhornten Zellen ab. Bestimmt wird der jeweilige Melaningehalt durch unsere Gene.
Laut einer gemeinsamen Studie der Universität Rotterdam und dem King’s College London aus dem Jahr 2018 beeinflussen insgesamt 124 Genregionen unsere Haarfarbe.
Bereits durch kleinste Mutationen in einer dieser Regionen kann die Haarfarbe verändert werden. Allgemein geht man davon aus, dass etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung braunes oder schwarzes Haar haben.
Haare ergrauen nicht plötzlich, sondern langsam Schritt für Schritt. Der Grund für das Ergrauen ist, dass der Körper im Alter oder aufgrund bestimmter Erkrankungen keine ausreichenden Mengen der Aminosäure Tyrosin produziert, welches für die Melaninproduktion essenziell ist. Das fehlende Melanin wird durch Einlagerung von Luftbläschen in den Haarschaft ersetzt.
Eine aktuelle Untersuchung ergab, dass sterbende Stammzellen die Ursache für die Ergrauung sind. US-Forscher wiesen im Tierversuch nach, dass Haare grau werden, wenn die Zahl bestimmter Stammzellen in der Haut abnimmt.
Im Schnitt leben Haare drei bis sieben Jahre, dann fallen sie aus und ein neues Haar wächst an dieser Stelle. Nach und nach werden die schwarzen, blonden, braunen oder roten Haare immer weniger, die grauen Haare dafür immer mehr. Haare an den Schläfen haben eine kürzere Lebensdauer, genau wie Barthaare.
In ihrer Studie, die in der Zeitschrift Nature erschien, schreibt das Forschungsteam, dass die Ursache für das Ergrauen in den Melanozyten-Stammzellen liegt. Diese reifen normalerweise zu Melanozyten heran, welche dann wiederum die Haarfarbe bestimmen. Mit jedem neuen Haar, das nachwächst, altern die Stammzellen im Follikel jedoch - und werden schlechter in ihrem Job. Sie werden immer träger und schließlich im Follikel fixiert.
Durch dieses ‚Feststecken‘ können die Stammzellen nicht mehr zu vollwertigen Melanozyten heranwachsen. Aber auch (psychischer) Stress kann zu einem kurzfristigen Ergrauen von Haaren führen - auch bei jungen Menschen. Hierbei vermuten Forschende allerdings, dass die grauen Haare reversibel sind. Sobald Entspannung eintritt, würden die nachwachsenden Haare wieder die ursprüngliche Haarfarbe annehmen. Das haben Forschende der US-amerikanischen Columbia University in einer 2021 erschienenen Studie herausgefunden.
Diese Art des Ergrauens hängt laut der Studie allerdings nicht mit den Stammzellen im Follikel zusammen, sondern mit den Mitochondrien in der Zelle.
| Haarfarbe | Durchschnittliche Anzahl |
|---|---|
| Blond | 150.000 |
| Brünett | 110.000 |
| Schwarzhaarig | 100.000 |
Unser Haupthaar spiegelt nicht nur unseren Style oder unsere Identität nach außen wider, sondern ist auch ein wichtiger Marker für körperinterne Prozesse. So lassen sich an einem einzigen Haar der Gesundheitszustand, die Schadstoffbelastung, Mangelzustände, Substanzmissbräuche oder auch das Stresslevel einer Person ablesen.
Wo ein Bluttest nur eine Momentaufnahme zulässt, kann eine Haaranalyse einen umfassenderen Einblick in den Körper gewähren: So kann man den Konsum von Alkohol noch drei Monate später, den Konsum von Drogen sogar noch bis zu sechs Monate später in den Haaren nachweisen.
Wie viel Stress eine Person hatte, lässt sich mit dem Verfahren der Haaranalyse ebenfalls bestimmen - auch noch Jahrtausende später. Wie Substanzen und Hormone ins Haar gelangen, erklärt Kulturhistoriker Wolfgang Ruppert am Beispiel von Cortisol in einem Artikel vom Friedrich Verlag: „Am Ende jeder Haarwurzel befindet sich die Haarpapille, die von Blutkapillaren durchzogen ist. Taucht das Hormon Cortisol vermehrt in den Haaren auf, kann es laut einer Studie aus dem Jahr 2023 ebenfalls als Biomarker für künftige Herz-Kreislauf-Erkrankungen fungieren. Denn: Menschen mit erhöhten Langzeit-Cortisolwerten seien doppelt so anfällig für Herzinfarkte und Co.
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