So gut wie in jeder Familie gibt es sie: die Männer, die mit fortschreitendem Alter über dünner und weniger werdendes Haar klagen. Oder nicht? Neulich hatten wir im Freundeskreis mal wieder das Thema. Ein Freund, er steuert auf die 50 zu, dem Anschein nach mit voller Haarpracht gesegnet, klagte sein Leid: Seine Haare, einst fest und dick, seien so dünn geworden! Er setze nun auf Koffein-Shampoo - und könne sogar eine Verbesserung der Haarstruktur feststellen. Ist das möglich?
Die Werbung für Haarshampoo verspricht oft wahre Wunder - aber was ist dran an den Behauptungen? Eine Expertin und ein Experte ordnen die Werbeaussagen zu Shampoos ein und erklären, was von der Haarwäsche wirklich zu erwarten ist. Schönes Haar scheint heute weniger eine Gabe der Natur als eine Frage der richtigen Kaufentscheidung zu sein. Tatsächlich sind Shampoos mittlerweile hoch entwickelte Hightech-Produkte mit patentierten Wirkstoffen.
Der Shampoo-Markt wächst stetig, die Hersteller werben mit vollmundigen Produktversprechen: Manche Shampoos sollen für ein stärkeres Wachstum sorgen, andere die brüchige Haarstruktur reparieren oder sogar erblich bedingten Haarausfall stoppen.
Koffein-Shampoo wirkt, indem es die Durchblutung der Kopfhaut verbessert. Grund dafür ist, dass Koffein Gefäße, die sich abseits des Körperzentrums befinden „weiterstellt“. In der Folge wird die Kopfhaut besser durchblutet - und, das ist entscheidend - auch die Haarwurzel (Radix pili) wird besser durchblutet und damit gestärkt. „Das ist der Grund, weshalb Koffein gut ist für die Haare. Und daher hilft es auch gegen Haarausfall“, erklärt Dr. med. Timm Golüke, Dermatologe und Haarmediziner aus München.
Laut Hautarzt Timm Golüke sollte man die Haare regelmäßig mit Koffein-Shampoo waschen, um den Haarwurzeln seine durchblutungsfördernde Wirkung sukzessive zuzuführen. Lassen Sie das Shampoo dafür mindestens zwei Minuten einwirken.
Anwendungsempfehlung: Die hochwertigen Pflegestoffe erlauben die tägliche Haarwäsche mit Coffein-Shampoo. Je länger die Einwirkzeit, desto besser die Coffein-Aufnahme. Empfehlung: 2 Minuten auf der Kopfhaut lassen - vom Auftragen bis zum Ausspülen.
Laut Experte hat Koffein-Shampoo keinerlei Nebenwirkungen. Allerdings kann es sein - wie bei allen Shampoos - dass man individuell auf Inhaltsstoffe allergisch reagieren kann.
Auch Basilikum-Extrakt sowie Lösungen, die Ginko enthalten, können bei Haarausfall eine gewisse Wirkung zeigen, wie der Hautarzt im Gespräch mit FITBOOK bestätigte. Ferner gibt es chemische Mittel bzw. Arzneimittel, die im Off-Label-Use (also nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch) gegen Haarausfall eingesetzt werden. Etwa blutdrucksenkende Medikamente oder solche, die bei einer gutartigen Prostatavergrößerung eingesetzt werden. Drei dieser Mittel (Monoxidil, Dutasterid und Finasterid) waren Gegenstand einer kanadischen Studie. Am besten gegen Haarausfall half das Steroid Dutasterid, dessen Anwendung jedoch mit Nebenwirkungen wie bspw. Erektionsstörungen einhergehen kann.
Studien aus dem Labor haben zwar gezeigt, dass Koffein tatsächlich durch die Kopfhaut in die Haarwurzeln wandert. Allerdings konnte man in der Praxis bislang nicht nachweisen, dass es das Haarwachstum wirklich anregt. Hinzu kommt: Viele Shampoos, die mit Koffein werben, enthalten kaum Koffein. Das ist vor allem bei günstigeren Produkten der Fall.
In der geplanten Studie soll das Eindringen von Koffein in die Haarfollikel untersucht und eine Abschätzung der Eindringmenge in die Haarfollikel vorgenommen werden. Dazu möchten wir die nicht-invasive in vivo-Methode des differentiellen Tape-Strippings verwenden, die von uns bereits häufig eingesetzt wurde. Bei dieser Methode wird das Reservoir des Stratum corneum durch Abziehen eines Klebebands entfernt und anschließend ein Cyanacrylat-Klebstoff aufgetragen, der in das Infundibulum des Haarfollikels läuft und polymerisiert, so dass der follikuläre Anteil einer topisch applizierten Substanz separat erfasst werden kann. Der Follikelanteil wird in Ethanol aufgelöst und der Koffeingehalt mittels Massenspektrometrie quantifiziert.
Ziel dieser Studie ist es, eine größere Menge Koffein in das Infundibulum des Haares einzubringen, um die haarwuchsfördernde Wirkung von Koffein zu verstärken. Es soll untersucht werden, wie sich das Koffein in der Haut und im Haarfollikel verteilt. Dazu werden die einzelnen oberen Hautschichten mit der so genannten Methode des differentiellen Tape-Strippings mit 50 Klebebandrissen abgetragen und anschließend analysiert. Abschließend wird ein Sekundenkleber auf die Haut aufgetragen und der Inhalt des Haarschaftes entfernt und ebenfalls untersucht.
Das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), das jeder Mensch mehr oder weniger auf seiner Kopfhaut hat, ist eine Form des Testosterons und für den Haarausfall verantwortlich. Die erblich bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber dem männlichen Hormon Testosteron gilt als die häufigste Ursache für Haarausfall bei Männern (etwa 95 Prozent) und bei Frauen (80 Prozent) (androgenetischer Haarausfall). Koffein kann dieses Hormon blockieren, um Haarausfall zu verhindern und das Haarwachstum zu fördern, indem es die Haarwachstumsphase verlängert.
Fördern Koffein-Shampoos das Haarwachstum? Glaubt man der Werbung, scheinen Koffein-Shampoos die reinsten Wundermittel zu sein. Dabei sei die Wirksamkeit von Koffein wissenschaftlich nicht ausreichend erwiesen, sagt Dr. Thomas Koppmann, Projektleiter Ernährung, Kosmetik und Gesundheit bei der Stiftung Warentest. Zumindest ist nicht belegt, dass der Wirkstoff genetischen Haarausfall stoppen könnte.
Experten wie die Hamburger Dermatologin Dr. Julia Maerker-Stroemer zweifeln derartige Werbesprechen stark an: "Ein Haar hat einen Wachstumszyklus, der bei jedem Menschen unterschiedlich, ungefähr zwischen drei und sechs Jahren liegt, und den wird ein Shampoo nicht verändern können." Das Haar könne außerdem durch ein Shampoo oder eine Spülung nicht zum Wachstum angeregt werden, da es aus seiner Wurzel herauswächst, die unter der Hautoberfläche liegt. "An diese Stelle kommt so ein Präparat gar nicht heran," erklärt die Dermatologin.
Eine Vielzahl von Faktoren kann Haarausfall auslösen: Wissenschaftlich anerkannt sind Vergiftungen, Pilzinfektionen der Kopfhaut, chronische Erkrankungen und die Einnahme bestimmter Medikamente. Dauerwellen, Colorationen, häufige Nutzung eines Glätteisens, starke UV-Strahlung sowie Chlor- und Salzwasser sind außerdem enorme Strapazen für Haare und Kopfhaut.
Hormonelle Veränderungen im Körper, beispielsweise nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren, können zu Haarausfall führen. Das Haar regeneriert sich in diesen Fällen aber meistens von selbst, wenn sich der Hormonspiegel wieder normalisiert. Auch die männliche Glatze zählt in der Regel nicht zu den Haarkrankheiten. Sie ist genetisch bedingt und eher ein kosmetisches Problem.
Die Hersteller werben gerne mit wissenschaftlich belegter Wirksamkeit ihres Produkts - meist mit dem Zusatz "In-vitro-Studie". "In vitro" bedeutet, dass unter Laborbedingungen getestet wurde. Das Gegenteil davon sei eine In-vivo-Studie an echten Probanden, erklärt Dermatologin Dr. Julia Maerker-Stroemer. "In einer In-vitro-Studie werden Zellkulturen in eine Nährlösung gelegt und dann mit einer Substanz wie zum Beispiel Koffein über eine längere Zeit zusammengebracht. Tatsächlich ist es so, dass diese Zellen durch Koffein in ihrem Wachstum angeregt werden." Aber das spiegele nicht die Realität wider. "Shampoos haben beim Waschen eine Kontaktzeit von etwa 30 Sekunden auf der Kopfhaut.
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