Welches Tensid ist für festes Shampoo geeignet?

Tenside sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken - sie reinigen die Haut in Duschgelen, Shampoos oder Seifenstücken. Im Laufe eines Tages sammeln sich Schmutzpartikel auf unserer Haut, meist ein Gemisch aus wasserlöslichen Teilen wie Staub oder Schweiß und fetthaltigen Bestandteilen wie dem hauteigenen Talg oder Make-up-Resten. Letztere lassen sich allein mit klarem Wasser schlecht von der Haut lösen, es braucht dazu waschaktive Substanzen.

Der Trick der Tenside liegt in ihren unterschiedlich reagierenden Hälften: Die eine bindet sich gerne an Fett, die andere an Wasser. Weil Tenside aber nicht zwischen "guten" hauteigenen Fetten und "schlechten" Schmutzfetten unterscheiden können, kann eine allzu gründliche Reinigung auch allzu viel dieses "Mörtels" herauswaschen und die Hautschutzbarriere stören.

In Naturkosmetik sind die Verbindungen ein Kompromiss, da sie künstlich hergestellt werden müssen. Genau deshalb lehnen manche Naturkosmetikfirmen sie ab. Allerdings gibt es Ausnahmen. So erlaubt das Cosmos-Siegel unter anderem "Cocoamidopropyl Betaine", ein Tensid mit einem petrochemischen Anteil von zehn bis 20 Prozent.

Da Shampoos und Duschgele kalt zusammengerührt werden, sind sie einfach in der Herstellung und auch für "Rühranfänger" geeignet. Häufig wird zusätzlich ein Rückfetter, z.B. Lecithin oder Haarsoft eingesetzt, damit die Haut nicht zu stark entfettet wird. Unsere Tenside sind waschaktive Substanzen, die für die Herstellung benötigt werden. Sie lösen Fett- und Schmutzpartikel von der Haut ab.

Wie funktionieren Tenside beim Haarewaschen?

Deine Kopfhaut produziert Talg, der dein Haar geschmeidig hält und vor dem Austrocknen schützt. Da Fett wasserabweisend ist, reicht Wasser allein nicht aus, um diese Ablagerungen zu entfernen. Sie setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab und umschließen Schmutzpartikel in kleinen Bläschen, den sogenannten Mizellen. Ohne sie würde Shampoo weder schäumen noch richtig reinigen.

Mizellenbildung durch Tenside

Welche Arten von Tensiden gibt es?

Nicht alle Tenside sind gleich. Es gibt verschiedene Arten, die sich in ihrer Herkunft und Wirkung unterscheiden:

  • Erdölbasierte Tenside: Sie werden in vielen herkömmlichen flüssigen Shampoos verwendet. Einige davon sind sehr aggressiv und trocknen die Kopfhaut aus.
  • Pflanzenbasierte Tenside: Sie werden aus Kokosöl oder Zucker gewonnen und sind meist sanfter zur Haut.

In herkömmlichen flüssigen Shampoos werden häufig Tenside aus Erdöl verwendet. Manche dieser Tenside finden sogar auch in Reinigungsmitteln für Küchen und Böden Einsatz - kein besonders angenehmer Gedanke, sich die Haare mit etwas zu waschen, das auch für den Boden gedacht ist. Da diese Tenside oft recht aggressiv sind, können sie die Kopfhaut stark austrocknen.

Die wichtigsten Tenside im Überblick: Nicht alle Tenside sind problematisch, aber einige sollte man lieber meiden.

Es gibt vier Haupttypen von Tensiden, die sich in der Ladung des hydrophilen Teils der Moleküle unterscheiden:

  • Anionische Tenside: Bei denen der hydrophile Teil negativ geladen ist. Zu dieser Gruppe der Tenside gehören die meisten heute eingesetzten Tenside. Es handelt sich um ein breite Palette von Produkten.
  • Kationische Tenside: Bei denen der hydrophile Teil positiv geladen ist. Diese Tenside lagern sich an Haut- und Haaroberfläche ab und verhindern so das statische Aufladen, das deine Haare zum "Fliegen" bringt.
  • Nichtionische Tenside: Bei denen der hydrophile Teil keine Ladung hat. Diese Tenside werden auf Basis von Kokosöl oder Zucker hergestellt. Sie sind mild und hautverträglich und biologisch gut abbaubar.

Die Waschwirkung der Tenside besteht nun darin, dass sie die Teilchen, die vom Wasser alleine nicht entfernt werden können, auflösen und wegtransportieren werden können.

Feste Shampoos und Tenside

Feste Shampoos gehören zu den Syndets und haben mit der uns bekannten Seife nichts am Hut! Beide Formen unterscheiden sich nicht nur in der Herstellung, sondern auch in den Eigenschaften. Während Seife stark basisch ist und sich vpm pH-Wert auch nicht hautfreundlich einstellen lässt, stellt das bei Syndets kein Problem dar.

Heute betrachten wir sozusagen den Hauptbestandteil solch fester Shampoos, nämlich die Waschaktivsubstanzen beziehungsweise Tenside. Dieses Tensid gehört zur Gruppe der Alkylsulfate, ist recht günstig in der Herstellung und besitzt eine hohe Reinigungskraft. Leider gehört es auch zu den reizendsten Stoffen für unsere Haut, da es stark mit ihren Proteinen interagiert und sich somit schwer entfernen lässt.

Um SLS herzustellen, ist der Ausgangsstoff Laurylalkohol notwendig. Auch SCS ist ein Alkylsulfat und wird im gleichen Prozess gewonnen wie Natriumlaurylsulfat. Im Fall von Natriumcocoylsulfat werden jedoch alle im Kokos- bzw. Palmöl befindlichen Fettsäuren behandelt.

Als hautfreundlich und mild gelten Zuckertenside. In fester Kosmetik können sie allerdings nur in kleinerem Umfang eingesetzt werden, denn es gibt sie nur in flüssiger Form. Das ist auch der Grund dafür, dass viele Waschstücke und feste Shampoos mit Naturkosmetik-Siegel Sodium Coco Sulfate (SCS) als Basistensid enthalten.

Es gibt allerdings milde, für Naturkosmetik zugelassene Tenside, die sich für feste Kosmetik eignen, etwa Sodium Cocoyl Glutamate. Nachteil: Es ist rund zehn Mal teurer als SCS und schäumt schlechter. Als Basistensid verwenden es deshalb nur relativ wenige Naturkosmetikfirmen.

Natriumlaurylsulfoacetat bzw. SLSA basiert auf Fettsäuren aus Kokos- bzw. Palmöl und wird als weißes, feines Pulver angeboten. Dieses Tensid erzeugt einen hervorragenden Schaum und besitzt eine gute Reinigungswirkung. Leider ist es auch nur geringfügig milder als Natriumlaurylsulfat.

Das Natriumcocoylisethionat gehört zu den Fettsäureisethionaten und wird aus Kokosöl gewonnen. Sulfosuccinate gehören zu den anionischen Tensiden. Sie schäumen gut, sind hautfreundlich und gut biologisch abbaubar. Jedoch sind sie sehr hydrolyseempfindlich und neigen somit zur Zersetzung/Versumpfung.

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Die Wahl des richtigen Tensids

Bestimmt ist euch aufgefallen, dass hier und da Tenside miteinander vermischt werden. Auf diese Art und Weise kann in der Produktion Geld gespart und eine bessere Hautverträglichkeit erzielt werden. Da Alkylsulfate eher zu den günstigen Tensiden zählen, fällt die Wahl oftmals auf jene Tensidgruppe. Vielen Unternehmen ist jedoch bewusst, dass sie auch ein hohes Irritationspotenzial mit sich bringen.

Eine besonders umweltschonende Alternative sind feste Shampoos mit milden Tensiden wie Sodium Cocoyl Isethionate (SCI) oder Sodium Coco-Sulfate (SCS). Sie reinigen das Haar sanft, ohne es auszutrocknen, und kommen ohne Plastikverpackung aus. Gerade für empfindliche Kopfhaut sind diese Tenside eine gute Wahl, da sie weniger reizend sind als herkömmliche Sulfate.

Fettsäurespektrum von Kokosöl:

Fettsäure Anteil (ca.)
Laurinsäure 47 - 50 %
Myristinsäure 19 %
Caprylsäure 6 %
Caprinsäure 6 %
Palmitinsäure 10 %
Linolsäure 1 - 2 %
Ölsäure 6 %

Augen auf bei der Shampoo-Wahl

Seit ich mich intensiver mit Tensiden beschäftige, schaue ich bei Shampoos genauer hin. Ich möchte keine unnötig aggressiven Tenside, aber mein Shampoo soll trotzdem reinigen. Wenn du eine sanfte Pflege bevorzugst, lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe - dein Haar wird es dir danken!

Noch ein Tipp: Codecheck-App nutzen! Mit der kostenlosen App Codecheck kannst du den Barcode eines Produkts scannen und sofort sehen, ob es bedenkliche Inhaltsstoffe enthält.

Quellen:

  • Handbook of Detergents, Part F: Production herausgegeben von Uri Zoller, Paul Sosis
  • Chemistry and Technology of the Cosmetics and Toiletries Industry von S.D. Williams
  • Hautreinigung mit Syndets: Chemische, ökologische und klinische Aspekte von Otto Braun-Falco, Hans C. Korting
  • Körperpflegekunde und Kosmetik von S.

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