Der Haarausfall (Alopezie) ist eine sehr bekannte und offensichtliche Nebenwirkung einer Chemotherapie. Vor allem für Frauen gehört sie zu denjenigen Nebenwirkungen, die am meisten belasten. Viele Frauen belastet der Haarverlust emotional, weil die Krebserkrankung dann oft auch für andere optisch zu Tage tritt.
Die Chemotherapie kann einige Nebenwirkungen haben - der Haarausfall ist wohl am bekanntesten. Er macht eine Krebserkrankung oft erst sichtbar. Der Haarverlust ist besonders für Frauen die am stärksten belastende Nebenwirkung einer Chemotherapie.
In diesem Artikel werden wir detailliert auf die Ursachen, die verschiedenen Arten von Zytostatika, die Haarausfall verursachen können, sowie auf mögliche Präventions- und Bewältigungsstrategien eingehen.
Ursache der Alopezie ist eine Hemmung der mitotischen Aktivität in den Haarfollikeln, die zu einem Stopp des Haarwachstums in der anagenen Phase führt. Zytostatika greifen in die Wachstumsphase ein. Die Haare fallen bei einer Chemo aus, weil die eingesetzten Medikamente - Zytostatika oder Chemotherapeutika - alle Zellen angreifen, die sich rasch teilen und vermehren.
Wie Alicja Tabian von der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau berichtete, zeigen sich in der Trichoskopie schwarze Punkte (black dots), gebrochene Haare, flammenförmig gebogene Haare (flame hair) und sogenannte Pohl-Pinkus-Einschnürungen.
Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase: Jedes Haar durchläuft drei Phasen in seinem Wachstumszyklus.
Viele Arten der Chemotherapie verursachen Haarausfall als Nebenwirkung. Allerdings hängt das Ausmaß des Haarverlustes von verschiedenen Faktoren ab. Nicht jedes eingesetzte Zytostatikum lässt die Haare im gleichen Ausmaß ausfallen. Bei manchen Menschen lichten sich die Haare nur, während andere einen vollkommenen Haarverlust auf dem Kopf erleben. Die Art des Chemotherapeutikums ist also ein wichtiger Mitspieler.
Eine Literaturübersicht von Tabian zeigt, dass die Alopezie am häufigsten nach einer Behandlung mit klassischen Zytostatika auftritt.
Bei den Mikrotubuli-Inhibitoren, zu denen die beim Mammakarzinom eingesetzten Taxane gehören, werde sie bei 80 % der Patientinnen und Patienten beobachtet.
Bei den Topoisomerase-I-Inhibitoren wie Topotecan - zugelassen zur Behandlung des Zervix-, Ovarial- und Lungenkarzinoms -, Irinotecan - zugelassen für das metastasierte Kolonkarzinom und in Studien für zahlreiche Tumorentitäten in Erprobung - und Exatecan - in Erprobung für Lungen-, Brust-, Leber- und Pankreaskarzinom - kommt es laut Tabian fast immer zu einer Alopezie.
Alkylanzien wie Busulfan, Carmustin, Chlorambucil, Cyclophosphamit und viele andere, die bei zahlreichen Malignomen wie Lungen-, Mamma- und Prostatakarzinom, Melanom und Sarkom und bei Leukämien und Hodgkin-Lymphomen eingesetzt werden, verursachen der Übersicht zufolge bei mehr als 60 % der Patientinnen und Patienten eine substanzbedingte Alopezie.
Auch unter Aromatase-Inhibitoren, die postmenopausale Frauen nach einer Behandlung einer Hormonrezeptor-positiven Brustkrebserkrankung über mehrere Jahre einnehmen müssen, kommt es häufig zu einem androgenetischen Haarausfall.
Gelegentlich tritt Haarausfall auf bei Bleomycin, Cytarabin, Gemcitabin, 5-FU, Vinblastin oder Vincristin.
Hier ist eine Tabelle, die die Wahrscheinlichkeit von Haarausfall bei verschiedenen Zytostatika zusammenfasst:
| Häufigkeit | Zytostatika |
|---|---|
| Sehr häufig (betrifft mehr als 1 von 10 Behandelten) | Cyclophosphamid, Daunorubicin, Doxorubicin, Epirubicin, Etoposid, Docetaxel, Ifosfamid, Irinotecan, Paclitaxel, Topotecan, Vindesin, Vinorelbin |
| Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen) | Amsacrin, Bleomycin, Busulfan, Cytarabin, 5-Fluorouracil, Gemcitabin, Lomustin, Melphalan, Thiotepa, Vinblastin, Vincristin |
| Selten (kann bis zu 1 von 1000 Behandelten betreffen) | Capecitabin, Carboplatin, Carmustin, Cisplatin, Fludarabin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat, Mitoxantron, Procarbazin, Raltritrexed, Streptozotocin |
Wenn mehrere Zytostatika miteinander kombiniert werden, um die Wirksamkeit der Chemotherapie zu erhöhen: Bei vielen Krebsarten wie Brustkrebs ist dies der Fall. Wenn Zytostatika in höheren Dosierungen oder binnen kurzer Zeitabstände verbreicht werden: Es gibt verschiedene Chemotherapie-Schemata, bei denen jeweils unterschiedliche Medikamente in verschiedenen Zeitintervallen und mehreren Zyklen zum Einsatz kommen.
Den Haarverlust durch die Chemotherapie verhindern zu können - das wünschen sich wohl die meisten Betroffenen. Seit Jahrzehnten wird daran geforscht, wie sich die chemotherapiebedingte Alopezie vermeiden lässt. Die Forschung konzentriert sich seit einiger Zeit auf sogenannte Kühlhauben oder Kältekappen, die man während der Chemotherapie auf dem Kopf trägt.
Die Idee dahinter: Durch die Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen und die Durchblutung der Kopfhaut wird vermindert. Außerdem sollen die kühlen Temperaturen den Stoffwechsel in den Zellen der Haarwurzelzellen verlangsamen. Dadurch sollen geringere Mengen an Zytostatika in den Haarwurzeln ankommen, weniger stark auf sie einwirken und sie weniger schädigen - dann bleiben mehr Haare erhalten.
Die Kühlhaube sitzt während der Chemotherapie ähnlich wie ein Fahrradhelm auf dem Kopf. In der Regel ist die Kühlhaube an ein spezielles Gerät angeschlossen, das Kühlflüssigkeit durch die Kühlkappe pumpt. Die Kopfhaut wird auf diese Weise auf ungefähr 20 °C heruntergekühlt. Andere Modelle bestehen aus Kühlelementen, die mit Gel gefüllt sind. Vor der Behandlung werden sie in einem Tiefkühlschrank gekühlt.
Das Herabkühlen der Kopfhaut auf 22 °C vor, während und nach der Chemotherapie vermindert die Durchblutung im Haarbalg und reduziert so die lokalen Gewebespiegel von Zytostatika. Der Haarausfall als typische Folge dieser Therapien kann dadurch erheblich reduziert werden.
In Studien wurde untersucht, ob Druck (Kompression) auf die Kopfhaut den Haarausfall verhindern kann. Ziel ist es, die Durchblutung der Kopfhaut herabzusetzen, damit weniger Zytostatika zur Haarwurzel gelangen. Die Kombination aus Kühlung und Kompression der Kopfhaut zeigte in Studien vorbeugende Effekte, was den Haarausfall angeht. Kühlhauben wurden mit Kompressionsverbänden oder Stauschläuchen kombiniert. Der schwere Haarausfall wurde reduziert. Auch mussten Betroffene seltener Perücken tragen.
Hirse enthält Aminosäuren, Vitamine und sogenannte Phytoöstrogene. In einer kleinen Studie wurde echte Hirse als vorbeugende Maßnahme gegen Haarausfall im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt. Die Hirse zeigte einen deutlichen Effekt auf den schweren Haarausfall. Allerdings ist dieses Ergebnis mit großer Vorsicht zu interpretieren, weil die Studie nur wenige Patienten umfasste und auch die Randomisierung (zufällige Zuteilung zu einer Gruppe) fehlte.
Untersucht wurde in Studien zum Beispiel das Haarwuchsmittel mit dem Wirkstoff Minoxidil (zugelassen für erblich bedingten Haarausfall). In Studien ließ sich keine deutliche Verminderung des Haarausfalls durch Minoxidil erkennen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die Haare nach dem Haarverlust schneller wieder nachwachsen.
Umfragen zeigen, dass eine Chemotherapie induzierte Alopezie für 47 % der Patientinnen und Patienten die schlimmste Folge einer Chemotherapie ist. 55,3 % der Betroffenen beschreiben erhebliche emotionale Belastungen, Depressionen und Störungen im Sozialleben. Insgesamt 8 % der Patientinnen und Patienten verweigern die potenziell lebensrettende Therapie ihrer malignen Erkrankung sogar aus Angst vor einer Alopezie.
Wenn Sie sich durch den drohenden Haarausfall psychisch sehr belastet fühlen, kann es helfen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen über den Umgang damit zu sprechen. Außerdem gibt es in vielen onkologischen Abteilungen eine psychologische Mitbetreuung, die die Patienten in Anspruch nehmen können.
Viele Betroffene möchten ihre Glatze nicht öffentlich zeigen und verdecken sie mit Tüchern, Mützen oder Perücken. Wer sich für eine Perücke entscheidet, sollte sich schon zu Therapiebeginn darum kümmern und sich über die Details informieren.
Schon während der Chemotherapie ist es wichtig, auf eine gute Kopfhautpflege zu achten, um hinterher ein gutes Haarwachstum zu ermöglichen. Man kann den Kopf mit Wasser und einem milden Shampoo oder Seife waschen und mit einer Creme pflegen. Achten Sie darauf, besonders bei Kälte die Haut mit einer Mütze oder einem Tuch zu schützen.
Auch eine gesunde Ernährung ist wichtig, wenn auch während einer Krebsbehandlung manchmal schwer umzusetzen. Vielleicht sind vorübergehend Nahrungsergänzungsmittel hilfreich oder es reicht aus, wenn Sie nach der Behandlung wieder normal essen können.
Bei den meisten Betroffenen setzt etwa 1-3 Monate nach dem Ende der Chemotherapie das Haarwachstum wieder ein. Wenn der Körper die Chemotherapeutika abgebaut hat, beginnen die Haare in der Regel wieder zu wachsen.
Allerdings berichten etwa 75 % der Patientinnen und Patienten über eine Haarausdünnung, bei 53,9 % ist das Volumen vermindert und auch die Farbe verändert sich häufig. Nach einer Chemotherapie kann das Kopfhaar manchmal etwas anders nachwachsen und anders aussehen als vorher. Es kann zum Beispiel gelockt statt glatt sein oder eine andere Farbe besitzen. Ein möglicher Grund ist, dass die Chemotherapie die Haarfollikel verändert.
Ungefähr drei Monate nach der letzten Chemotherapie sind bei den meisten die Haare wieder so dicht, dass sie den Haarverlust nicht mehr mit Mütze, Tüchern oder Perücke kaschieren müssen. Manche entscheiden sich auch, ganz ohne Haare nach draußen zu gehen.
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