Haare haben nicht nur eine physiologische, sondern auch eine psychologische Bedeutung. Sie schützen vor UV-Licht und dienen als biologisches Signal. Volles, langes Haar symbolisiert Jugendlichkeit und Schönheit, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Daher ist es verständlich, dass Betroffene bei Haarausfall ärztlichen Rat suchen.
Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Ursachen von Haarausfall besser zu verstehen, die häufigsten Formen von Haarausfall und Alopezie zu erkennen und die notwendigen Laboruntersuchungen zu kennen, um in Zusammenarbeit mit Dermatologen die richtige Therapie einzuleiten.
Jeder Mensch besitzt etwa 80.000 bis 120.000 Terminalhaare am Kopf, die aus Keratinen bestehen und vom Haarfollikel gebildet werden. Jeder Haarfollikel durchläuft Phasen des Wachstums (Anagenphase) und der Ruhe (Telogenphase).
Normalerweise wachsen die Haare unabhängig voneinander. Innere oder äußere Faktoren können jedoch die Haarfollikel synchronisieren und nach 2-4 Monaten verstärkten Haarausfall auslösen. Zu diesen Faktoren gehören Hormone, Wachstumsfaktoren, Medikamente und Jahreszeiten.
Haarausfall kann verstärkter Haarausfall (Effluvium) oder sichtbare Haarlosigkeit (Alopezie) bedeuten. Ein Ausfall von bis zu 100 Haaren täglich ist normal. Wichtig ist die Frage nach Medikamenten, gynäkologischen Faktoren (z.B. An- oder Absetzen hormoneller Kontrazeptiva) und physiologischen Ursachen wie das postpartale Effluvium nach der Geburt.
Bei extremen toxischen Einflüssen, wie z.B. durch Chemotherapie, können die Haare innerhalb von ein bis drei Wochen abbrechen. Interessanterweise können die Haare danach oft dichter nachwachsen, manchmal sogar mit veränderter Struktur.
Durch Inspektion des Kapillitiums wird geklärt, ob eine Alopezie vorliegt und welches Muster diese aufweist. Entzündliche Rötungen und Schuppungen können auf Psoriasis oder Ekzeme hindeuten, die ebenfalls zu Effluvium führen können. Eine dermatoskopische Untersuchung der Kopfhaut kann hilfreich sein.
Der Haarzugtest und das Trichogramm geben Aufschluss über die verschiedenen Wachstumsphasen der Haare. Ein Anteil von mehr als 20 % Telogenhaaren deutet auf verstärkten Haarausfall hin. Das Phototrichogramm ist eine nichtinvasive Alternative, um die Anagen-Telogen-Ratio zu bestimmen.
Bei Effluvium unbekannter Ursache sollten folgende Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um mögliche Ursachen auszuschließen:
Obwohl Syphilis selten die Ursache ist, sollte der Test nicht unterlassen werden, um gravierende Folgen bei späterem Auftreten einer Neurosyphilis zu vermeiden.
Die androgenetische Alopezie ist die häufigste Form des Haarausfalls und betrifft bis zu 70 % der Männer und 40 % der Frauen. Sie ist durch eine fortschreitende Miniaturisierung von Terminalhaarfollikeln, Verkürzung der Wachstumsphasen und verminderte Haarschaftdicken gekennzeichnet.
Die androgenetische Alopezie zeigt typische Haarausfallsmuster: bei Männern Geheimratsecken und Lichtung im Bereich der Tonsur (Norwood-Hamilton-Klassifikation), bei Frauen eine Mittelscheitel-Lichtung (Ludwig-Klassifikation).
Die männliche androgenetische Alopezie wird durch genetische Varianten des Androgenrezeptors sowie Androgene beeinflusst, insbesondere durch Dihydrotestosteron (DHT). Es gibt jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen Glatzenbildung und Androgenspiegeln im Blut. Vielmehr wird die Ursache in einer genetisch festgelegten, individuellen Sensibilität der Haarfollikel gegenüber Androgenen gesehen.
Bei Frauen gibt es ebenfalls Hinweise auf genetische Einflüsse. Bei typischem klinischem Befund ist bei Männern keine weitere Labordiagnostik erforderlich. Bei Frauen hängt die Labordiagnostik von Anamnese und klinischer Untersuchung ab. Bei Hinweisen auf hormonelle Dysregulation (Akne, Hirsutismus) sollte eine gynäkologisch-endokrinologische Untersuchung erfolgen.
Eine Studie zeigte, dass Männer mit Alopecia androgenetica ein ähnliches Hormonmuster aufweisen wie Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom):
Hauptziel der Therapie ist, den Haarausfall zu stoppen und den Miniaturisierungsprozess der Haarfollikel umzukehren, um so Wiederwachstum anzuregen. Die Wirksamkeit der Therapie sollte durch standardisierte Übersichtsfotografien oder ein Phototrichogramm objektiviert werden.
Derzeit sind zwei pharmakologische Wirkstoffe für die Behandlung der androgenetischen Alopezie als effektiv anerkannt: topische Minoxidillösung (bei Frauen und Männern) und Finasterid-1-mg-Tablette (nur bei Männern).
Tabelle: Therapeutische Optionen zur Behandlung der androgenetischen Alopezie und ihre Evidenz
| Therapie | Evidenzlevel | Anwendung |
|---|---|---|
| Topische Minoxidillösung | 1 | Frauen und Männer |
| Finasterid-1-mg-Tablette | 1 | Nur Männer |
| Systemische Antiandrogene | 3 | Frauen mit hormoneller Dysregulation |
| Eigenhaartransplantation | 4 | Männer und Frauen |
Die Alopecia areata („kreisrunder Haarausfall“) ist eine oft plötzlich auftretende Alopezie, die zunächst meist kreisrund ist und sich dann zentrifugal oder multilokulär ausbreiten kann. Die Erkrankung hat eine genetische Komponente. Wenn das gesamte Kapillitium betroffen ist, spricht man von Alopecia areata totalis, bei komplett haarlosem Körper von Alopecia areata universalis.
Mit einer Lebenszeitinzidenz von etwa 1-2 % ist die Alopecia areata nach androgenetischer und diffuser Alopezie die dritthäufigste Form des Haarausfalls. Als Komorbiditäten sind andere entzündliche und autoimmune Erkrankungen wie atopisches Ekzem, Hashimoto Thyreoiditis, Morbus Basedow und Vitiligo bekannt.
Pathogenetisch wird eine Autoimmunreaktion vermutet, bei der Lymphozyten und andere Immunzellen die Haarfollikel schädigen. Der Verlauf und die Dynamik der Alopecia areata sind individuell sehr unterschiedlich. Bei einem Drittel der Patienten tritt nach der Erstmanifestion im Verlauf von sechs Monaten eine Spontanremission ein, und etwa 50-80 % der Patienten sind nach einem Jahr erscheinungsfrei und ohne Beschwerden.
Eine Studie zeigte, dass Patienten mit Alopecia areata verringerte Zink-Serumspiegel aufwiesen, die invers mit der Therapieresistenz korrelierten.
Die Therapie der Alopecia areata erfolgt stadiengerecht. Vor allem bei gering ausgeprägten Formen und geringem Leidensdruck ist das Abwarten einer möglichen Spontanremission sinnvoll. Die Anwendung von Zink als potenziellem Immunmodulator kann aufgrund des geringen Nebenwirkungsrisikos vor allem bei Kindern erwogen werden. Die Anwendung von topischen Kortikosteroiden für einige Wochen ist unbedenklich, aber in ihrer Wirksamkeit nicht etabliert. Eine mögliche Therapiealternative ist die intraläsionale Injektion von Triamcinolon-Kristallen. Eine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden kann im Einzelfall hilfreich sein.
Der „diffuse Haarausfall“ ist daran zu erkennen, dass die Haare auf dem gesamten Kopf dünner werden. Dies kann verschiedene Ursachen haben wie z.B.:
Je früher ein Nährstoffdefizit oder eine Hormonstörung aufgedeckt wird, desto besser kann Ihr Haarausfall behandelt werden. Da die notwendigen Analysen sehr individuell sind, empfehlen wir Ihnen eine ärztliche Beratung.
Zusätzliche Laboruntersuchungen bei Verdacht auf andere Ursachen:
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