Die Drogen- und Alkohol-Haaranalyse (EtG) dient als forensisch anerkannter Nachweis der Abstinenz gegenüber Alkohol und verschiedenen Drogen. Dieses Verfahren erlaubt eine rückwirkende Beurteilung beider Substanzgruppen über mehrere Monate hinweg. Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte der Haaranalyse erläutert.
Die Haaranalyse ist eine bewährte Methode, um den Konsum von Substanzen über einen längeren Zeitraum nachzuweisen. Sie basiert auf der Tatsache, dass Drogen- und Alkoholrückstände über das Blut in die Haarfollikel gelangen und dort eingelagert werden. Mit dem Haarwachstum bleiben diese Rückstände im Haar, was es ermöglicht, vergangene Konsummuster über Wochen oder Monate zu erkennen.
Durchschnittlich wächst das Haar etwa 1 cm pro Monat, was bedeutet, dass eine Haarprobe, die 3 cm lang ist, einen Konsum über die letzten drei Monate aufdecken kann.
Im Haar können je nach Fragestellung folgende Parameter überprüft werden:
Neben den klassischen Drogen werden zahlreiche zentralnervös wirksame Arzneistoffe in den Haaren bestimmt.
Die Untersuchung von Haaren ermöglicht eine grobe zeitliche Rekonstruktion des Substanzkonsums unter Zugrundelegung einer mittleren Wachstumsrate des Kopfhaares von etwa 1 cm pro Monat. I.d.R. wird ein 3- bzw. 6-monatiger Zeitraum untersucht. Durch Untersuchung kürzerer Haarabschnitte (sog. Segmentierung) ist eine genauere zeitliche Eingrenzung möglich.
Einschränkend wird darauf hingewiesen, dass die Haarwachstumsrate des Kopfhaares physiologisch eine Schwankungsbreite von 0,8 bis 1,4 cm pro Monat aufweist.
Die Wirkstoffkonzentration im Haar erlaubt Rückschlüsse auf Konsumhäufigkeit bzw. -intensität. Für viele Substanzen ist damit ein gelegentlicher von einem häufigeren bzw. regelmäßigen Konsum im betreffenden Zeitfenster differenzierbar. Rückrechnungen auf Tagesdosen sind aber nicht möglich, da die Konsumeinheiten variieren oder nicht objektivierbar und die Einspeicherungsraten unterschiedlich sind.
Diese Einschränkung ist jedoch nicht als gravierender Nachteil zu verstehen, da mit einer einzigen Untersuchung eine Aussage über durchschnittliche Konsumgewohnheiten für mehrere Monate getroffen werden kann.
Haarhygienische Maßnahmen und natürliche Umwelteinflüsse beeinträchtigen die Aussagekraft des Untersuchungsbefundes i.d.R. nicht nennenswert. Starkes Bleichen oder andere gravierende Veränderungen der Haarstruktur können zu einem Verlust oder Abbau eingelagerter Substanzen führen. Nach den CTU-Kriterien dürfen gebleichte Haare nicht für einen Abstinenzbeleg und colorierte Haare nicht für eine Untersuchung auf Ethylglucuronid herangezogen werden.
Prinzipiell ist eine Kontamination des Haares möglich. Im Zuge der Probenaufarbeitung wird die Haarprobe aber mehrmals mit organischen Lösungsmitteln gewaschen, um äußere Anhaftungen zu entfernen.
Körperhaare unterscheiden sich von Kopfhaaren bezüglich ihrer Wachstumsraten und -phasen. Dies erschwert die zeitliche Eingrenzung des Beobachtungszeitraums. Zudem ist bei Körperhaaren eine Segmentierung oft nicht möglich.
Als Alkoholkonsummarker in Haaren dient insbesondere Ethylglucuronid (EtG).
Neben Abstinenzkontrollen ist ein über Haaranalysen abschätzbares Konsumverhalten besonders wichtig in Strafverfahren (strafrechtliche Verantwortlichkeit, Unterbringung nach §64 StGB), Sorgerechtsfällen und auch bei K.o.-Mittel-Fällen. Letztere gelangen häufig mit zeitlicher Verzögerung zur Kenntnis, so dass ein positiver Nachweis in Körperflüssigkeiten nicht mehr gelingt. In diesen Fällen kann über eine Haaranalyse ggf. ein Konsumverhalten rekonstruiert werden.
Es gibt viele Gründe, warum eine Haaranalyse negativ ausfallen kann, auch wenn tatsächlich Substanzen konsumiert wurden. Ein wichtiger Faktor ist die physiologische Beschaffenheit des Haares. Unterschiedliche Haarstrukturen und -farben können die Speicherung von Substanzen beeinflussen.
Tipp: Wenn du planst, eine Haaranalyse durchzuführen und deine Haare chemisch behandelt hast, warte am besten einige Monate, bis genügend neues, unbehandeltes Haar nachgewachsen ist.
Die Cut-Off-Werte spielen eine entscheidende Rolle bei der Interpretation einer Haaranalyse. Diese Grenzwerte bestimmen, ab welcher Menge eine Substanz als nachgewiesen gilt.
| Substanzklasse | Haare (pg/mg) | Urin (ng/ml) |
|---|---|---|
| THC-COOH (nach Hydrolyse) | 7.5 | 20 |
| Ethylglucuronid (EtG) | 5 | 100 |
| Kokain | 100 | - |
| Benzoylecgonin | - | 20 |
| Amphetamin, Methamphetamin | 100 | 30 |
| MDMA, MDEA, MDA | 100 | 50 |
| Diazepam | 50 | 50 |
| Opiate (Morphin, Codein) | 100 | 25 |
| Methadon | 100 | 30 |
Die Nachweisbarkeit hängt von der Länge der Haarprobe ab. Da Haare etwa 1 cm pro Monat wachsen, können Drogen über 6 Monate (bei einer 6 cm langen Probe) und Alkohol über 3 Monate (bei einer 3 cm langen Probe) nachgewiesen werden.
Chemische Behandlungen wie Färben oder Bleichen können die Nachweisbarkeit von Drogen und Alkohol erheblich beeinflussen. In einigen Fällen kann das Färben die Drogenrückstände teilweise oder sogar vollständig entfernen. Daher können Labore gefärbtes oder gebleichtes Haar für einen Abstinenznachweis ablehnen. Falls das Haar nicht geeignet ist, können stattdessen Urinproben als Alternative genutzt werden.
In seltenen Fällen kann eine positive Haaranalyse auch dann auftreten, wenn die Person keine Substanzen mehr konsumiert hat. Dies kann durch „ruhendes Haar“ erklärt werden, bei dem ältere Rückstände aus der Wachstumsphase des Haares noch vorhanden sind. Falsche positive Ergebnisse können auch durch den Gebrauch bestimmter Haarpflegeprodukte oder Umwelteinflüsse wie Passivrauchen verursacht werden.
Für eine Haaranalyse werden in der Regel zwei Haarsträhnen mit einer Länge von 3 cm (für Alkohol) bzw. 6 cm (für Drogen) vom Hinterkopf nahe der Kopfhaut entnommen. Falls nicht genügend Kopfhaar vorhanden ist, kann in Ausnahmefällen auch Körperhaar verwendet werden, allerdings sind die Ergebnisse möglicherweise weniger zuverlässig.
Dunkles Haar enthält mehr Melanin, welches Substanzen wie Drogen stärker bindet. Daher kann es bei Menschen mit dunklem Haar zu höheren Konzentrationen von Drogenrückständen kommen als bei hellhaarigen Personen, selbst wenn sie die gleiche Dosis konsumiert haben. Dies wird bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt.
Beide Methoden sind in ihrem jeweiligen Anwendungsbereich zuverlässig. Die Haaranalyse ist besonders geeignet, um langfristigen Konsum nachzuweisen, da sie über mehrere Monate Rückstände speichert. Ein Urintest hingegen erfasst den Konsum kurz vor der Probeentnahme. Beide Tests werden von der MPU akzeptiert, je nach dem erforderlichen Nachweiszeitraum.
Ja, in einigen Fällen ist es möglich, eine Haaranalyse durch einen Urintest zu ersetzen, insbesondere wenn das Haar durch chemische Behandlungen ungeeignet ist. Beide Tests werden in der MPU gleichermaßen akzeptiert, jedoch deckt ein Urintest nur kurzfristigen Konsum ab, während eine Haaranalyse über längere Zeiträume Aufschluss gibt.
Die Kosten für eine Haaranalyse können je nach Anbieter und Testverfahren variieren, liegen jedoch in der Regel zwischen 150 und 300 Euro. In den meisten Fällen müssen die Betroffenen diese Kosten selbst tragen, insbesondere wenn die Analyse im Rahmen der MPU erforderlich ist.
Ein negatives Ergebnis kann auftreten, wenn der Konsum unter den festgelegten Grenzwerten liegt oder das Haar nicht genügend Rückstände enthält. Dies kann durch geringe Konsummengen, unregelmäßigen Konsum oder chemische Behandlungen verursacht werden. Wenn du Bedenken hast, solltest du den Test erneut durchführen lassen oder eine andere Methode wie einen Urintest in Betracht ziehen.
Um sicherzustellen, dass deine Haaranalyse korrekt durchgeführt wird, solltest du chemische Behandlungen vermeiden und darauf achten, dass dein Haar gesund bleibt. Eine gründliche Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn du kürzlich deine Haare gefärbt hast, empfiehlt es sich, etwa drei Monate zu warten, bevor du eine Haarprobe abgibst.
Tipp: Überlege dir, ob eine Urinprobe eine bessere Option ist, wenn du kürzlich chemische Behandlungen an deinen Haaren vorgenommen hast.
Unsere Untersuchungen erfolgen nach den aktuell gültigen Richtlinien zur Begutachtung der Fahreignung. Darüber hinaus ist unser Labor seit vielen Jahren für forensische Zwecke akkreditiert.
Falls Sie Fragen bezüglich der Vorgehensweise oder zu den Kosten der Untersuchungen haben, können Sie sich gerne unter der Telefonnummer +49 (0) 40 7410 - 53617 zwischen 9:00 und 13:00 Uhr beraten und bei Interesse einen Vertrag zusenden lassen.
Hinweis: die Medizinisch-Psychologischen Untersuchungen selbst (gemäß § 13,2 FeV sowie § 14,2 FeV) werden derzeit im Hause nicht durchgeführt!
Wenn Sie eine Analyse bei uns durchführen lassen wollen, können Sie sich bezüglich der Kosten und des Ablaufes in unserem Sekretariat informieren. Hier können Sie auch gerne einen Termin vereinbaren.
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