Kaum jemand kennt Pangoline. Dabei gehören die Schuppentiere nicht nur zu den bizarrsten, sondern auch zu den meistbedrohten Tieren der Welt: Kein Tier wird häufiger illegal gefangen, geschmuggelt und verkauft. Dennoch waren die Wildtiere vielen Menschen bis zuletzt kaum bekannt.
Erst als sie im Zuge der Corona-Pandemie im Verdacht standen, potenzielle Überträger des Coronavirus Sars-Cov-2 auf den Menschen gewesen zu sein, wuchs das öffentliche Interesse. Tatsächlich sind Schuppentiere bis heute weitgehend unerforscht. Das liegt auch daran, dass die Tiere sehr scheu, einzelgängerisch und vorwiegend nachtaktiv sind.
Pangoline sehen ein bisschen so aus wie riesige Tannenzapfen mit vier Beinen: Hornschuppen bedecken ihren ganzen Körper, deshalb heißen sie auch Schuppentiere. Je nach Art sind Pangoline zwischen 25 und 80 Zentimeter lang.
Es sind aber keine Reptilien, sondern Säugetiere, die an Stelle von Haaren Schuppen ausgebildet haben. Diese bestehen aus der gleichen Substanz wie Haare: Keratin. Der schwere Schuppenpanzer macht bis zu einem Drittel ihres Gewichts aus.
Im Deutschen sagen wir aus nachvollziehbaren Gründen Schuppentier. Pangolin wird aber auch immer öfter benutzt. Es kommt vom malaiischen Wort pengguling, was „einer, der sich zusammenrollt” bedeutet.
Gürteltiere aus den Familien Dasypodidae oder Chlamyphoridae und Schuppentiere aus der Familie Manidae werden des Öfteren verwechselt, sind aber nicht verwandt. Sie haben aber eigentlich nur ihre Panzerung und den Hunger auf Ameisen gemeinsam.
Gürteltiere haben allerdings einen knöchernen Außenpanzer und einen über Ameisen hinausgehenden abwechslungsreichen Speiseplan. Merken kann man sich aber leicht: Schuppentiere leben in Afrika und Asien, Gürteltiere in Amerika. Gürteltiere haben meist gut sichtbare Ohren, beim Schuppentier sind sie eher versteckt.
Es gibt acht Schuppentierarten, die sich zum Teil in Größe, Habitat und auch Verhalten voneinander unterscheiden. Vier der acht bisher bekannten Schuppentier-Arten sind in Afrika südlich der Sahara heimisch, vier weitere in Asien.
Hier ist eine Liste der acht Arten:
Wissenschaftler*innen in Indien haben im Januar 2025 basierend auf genetischen Analysen eine potenziell neue Schuppentierart namens Manis indoburmanica vorgeschlagen, die sich vor etwa 3,4 Millionen Jahren vom Chinesischen Schuppentier abgespalten haben soll.
Diese Schuppentierart weist Unterschiede in der Färbung der Schuppen, Größe und Schädelmerkmalen sowie genetische Besonderheiten auf. Schuppentier-Expert*innen der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) betonen jedoch die Notwendigkeit weiterer Beweise, bevor eine vollständige Anerkennung erfolgen kann.
Schuppentiere sind die einzigen schuppentragenden Säugetiere. Sie sind aber kein Treppenwitz der Evolution wie vielleicht das australische Schnabeltier, sondern flexibel, anpassungsfähig und erfolgreich bei der Besiedlung verschiedenster Lebensräume. Sie leben von Ostasien bis nach Westafrika.
Manche Schuppentierarten bleiben lieber auf dem Boden. Manche gehen gerne auf Bäume. Während das Langschwanzschuppentier sich im tropischen Regenwald Zentralafrikas von Baum zu Baum hangelt, zieht das Steppenschuppentier durch weite Savannenlandschaften.
Schuppentiere fühlen sich in den unterschiedlichsten Lebensräumen wohl. In Sümpfen, in dichten Wäldern oder offenen Buschländern. Eben dort, wo es ein reiches Vorkommen an Ameisen und Termiten gibt.
Schuppentiere sind Einzelkinder. Meist kommt nur ein einziges Junges auf die Welt. Die Schuppen sind noch weich und härten erst in den nächsten Tagen aus. Die ersten Tage oder Wochen verbringt das Junge im Bau der Mutter, dann darf es auf ihrem Schwanz oder Rücken reitend die Welt erkunden. Droht Gefahr, rutscht es auf den Bauch der Mutter und wird schützend mit ihrem kräftigen Schwanz bedeckt. Nach etwa fünf Monaten geht der kleine Pangolin schon auf eigene Wege.
Pangoline sind zweibeinig und gehen auf ihren Hinterbeinen, wobei die Vorderbeine und der Schwanz vom Boden abgehoben sind. Beim Laufen kräuseln sie die Krallen unter ihren Füßen und laufen sozusagen auf ihren Knöcheln. Der Schwanz wird dabei als Stütze benutzt.
Über das Paarungsverhalten wildlebender Schuppentiere ist grundsätzlich nicht sehr viel bekannt. Die einzelgängerischen Tiere gehen sich normalerweise aus dem Weg und kommen lediglich in der Paarungszeit zusammen. Aus Beobachtungen von nicht wildlebenden Tieren - z.B. in Schutzzentren oder Zoos - ist bisher bekannt, dass männliche Schuppentiere in der Paarungszeit oft um die Weibchen kämpfen.
In der Regel bringen Schuppentiere ein Junges zur Welt, dessen Schuppen in den ersten Tagen nach der Geburt noch weich sind und erst langsam aushärten. Die ersten vier bis fünf Monate werden die Jungtiere auf dem Schwanz der Mutter getragen. Bis das Jungtier mit drei Monaten erstmals feste Nahrung zu sich nimmt, wird es gesäugt.
Ameisen unzerkaut - Schuppen haben sie reichlich, aber Zähne haben Schuppentiere im Lauf der Evolution verloren. Weshalb die Ameisen und Termiten unzerkaut im Magen landen. Der Magen ist durch ein verhorntes Gewebe geschützt. Muskeln zerreiben die Leckerbissen schließlich mit Hilfe von ebenfalls aufgeschleckten Steinchen und Sand. Bevor es dann in den Darm geht, zermahlen verhornte Stacheln die hartnäckigen Bestandteile der Nahrung.
Der Speiseplan eines Schuppentiers ist ziemlich einseitig: Es gibt fast immer Termiten oder Ameisen. Oder aber wieder Termiten… Das schmälert den Appetit nicht: Auf ihren nächtlichen Touren fressen Schuppentiere 300 Gramm bis zu zwei Kilogramm kleiner Krabbler.
Auf der Pirsch nach Ameisen und Termiten brechen Schuppentiere mit den Krallen die Bauten auf. Riesenschuppentiere können mit ihren kräftigen Krallen drei Zentimeter starke Zementwände und Metallplatten zerstören! Dann kommt das Hauptwerkzeug zum Einsatz. Die lange, klebrige Zunge schleckt die leckeren Tierchen auf. Je nach Art ist die Zunge 15 bis 70 Zentimeter lang. Das Riesenschuppentier kann seine Zunge ganze 40 Zentimeter ausfahren!
Dank des Panzers braucht ein Pangolin große Fressfeinde wie Löwen oder Tiger nicht zu fürchten. Bei Gefahr rollen sich die Tiere einfach zu einer Kugel zusammen. Außerdem können die Tiere, wenn sie angegriffen werden, auch noch ein übel riechendes Sekret aus ihren Analdrüsen abgeben.
Wie eine Rüstung sieht es aus, das Schuppenkleid des Pangolins. Je nach Art besteht er aus mehreren hundert bis tausend einzelnen, dachziegelartig angeordneten Schuppen. Meist haben sie eine dreieckige Form und scharfe Kanten. Bis auf Gesicht, Bauch und die Innenseiten der Arme und Beine sind alle Körperteile des Pangolins damit geschützt.
Rollt sich der Pangolin zusammen stehen die scharfen Enden der Schuppen ab. Nun ähnelt das Schuppentier einem riesigen, halb geöffneten Tannenzapfen. Deswegen wurde es auch schon Tannenzapfentier genannt. Besonders praktisch: Die Schuppen wachsen, genau wie unsere Finger- und Fußnägel, ständig nach.
Seit Urzeiten können sich Schuppentiere auf ihre Verteidigungsstrategie verlassen. Sie rollen sich einfach zu einer Kugel zusammen, sollten sie sich vor einem Feind einmal nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Die harten Schuppen auf ihrem Kopf, dem Rücken und Schwanz bilden dann einen Panzer, dessen scharfe Kanten nach außen gerichtet sind. Das Tier ähnelt so einem überdimensionalen Tannenzapfen.
Verzahnen sich bei diesen „Tannenzapfen-Tieren“ dann auch noch die Schuppen auf dem Schwanz mit denen des Nackens, kann sie auch das stärkste und geschickteste Raubtier nicht mehr aufrollen. Selbst ein hungriger Löwe zieht dann mit knurrendem Magen unverrichteter Dinge weiter.
Die Schutz- und Verteidigungsmechanismen schützen Schuppentiere vor natürlichen Fressfeinden. Der Mensch kann die eingerollten Tiere allerdings besonders leicht einfangen. Wilderer, die die Tiere aufgrund ihres Fleisches und ihrer Schuppen jagen, stellen somit auch die größte Bedrohung für die Tiere dar.
Pangoline sind eine der am meisten bedrohten Arten weltweit Pangoline werden vor allem wegen ihrer Schuppen gejagt. Zu Pulver zerrieben sollen sie Magenschmerzen, Asthma, Rheuma, Entzündungen und sogar Leukämie heilen - außerdem bei Männern die Potenz steigern. "Das ist kompletter Unsinn", sagt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig.
Aber auch das Fleisch der Pangoline ist beliebt. In Afrika und in Asien gilt es als Delikatesse. Die größten Absatzmärkte sind China und Vietnam. Dort kostet ein Kilo Pangolinfleisch über 300 Euro. "Einen Pangolinbraten auf dem Tisch zu haben, gilt in bestimmten Kreisen der asiatischen Oberschicht als Luxus pur."
Alle Pangolinarten sind vom Aussterben bedroht und deshalb durch das Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt. Auch der Handel mit Pangolinen ist streng untersacht. Ein einziges Kilogramm Schuppen bringe auf dem Schwarzmarkt etwa 1000 Dollar.
Seit Asien aus diesen Gründen fast leergewildert wurde, werden zur Zeit immer mehr afrikanische Pangoline gejagt. Weil es aber immer weniger Tiere zu jagen gibt, hat sich der Preis für Schuppen in den vergangenen fünf Jahren verzehnfacht. "Für einen Wilderer entspricht ein einziges gefangenes Tier oft einem Jahreslohn."
Seit es aber Feinde gibt, die mit Schlingenfallen auf die Jagd gehen, haben die acht Arten der Schuppentiere schlechte Karten. „Menschen in den Städten Westafrikas zahlen hohe Preise für die als Delikatesse gehandelten Tiere“, erklärt Jörn Scharlemann von der University of Sussex in der Nähe der englischen Stadt Brighton.
Besonders hohe Summen legen Käufer für den Panzer aus Schuppen auf den Tisch, weil die harten Hornplatten in der asiatischen Medizin als Mittel gegen eine Reihe von Leiden gelten. Angeblich sollen sie Entzündungen, Rheuma und Asthma lindern - und die Manneskraft steigern.
Entsprechend gewaltig ist die Nachfrage: Im Februar entdeckten thailändische Zollbeamte eine Tonne Schuppen vom Pangolin, dem Weißbauchschuppentier, die aus der Republik Kongo eingeschmuggelt werden sollten. In Kamerun wurden ebenfalls Anfang des Jahres fünf Tonnen, in Tansania sechs Tonnen der Schuppen sichergestellt. Zehntausende der Tiere müssen dafür ihr Leben lassen.
Nach Angaben der Internationalen Naturschutzunion IUCN werden Manidae inzwischen häufiger als alle anderen Säugetiere gehandelt - einschließlich der Elefanten und ihres Elfenbeins und ungeachtet des Washingtoner Artenschutzabkommens CITES, das seit 2016 den internationalen Handel mit allen acht Arten der Schuppentiere oder Teilen von ihnen verbietet.
Die gravierendsten Auswirkungen hat das wohl auf die vier asiatischen Arten der Säugetiergruppe. Das Chinesische und das Malaiische Schuppentier stehen in den Roten Listen der IUCN als „vom Aussterben bedroht“, das Vorderindische und das Palawan-Schuppentier stuft die Organisation als „stark gefährdet“ ein. Die restlichen vier Schuppentier-Arten leben in Afrika und sind als „gefährdet“ gelistet.
Allerdings hat die IUCN bei dieser Einordnung erhebliche Schwierigkeiten, weil Zoologen und Naturschützer über diese Tiere sehr wenig wissen.
Auch für die Zukunft rechnet die IUCN mit einem Rückgang: Es gebe zunehmende chinesische Investitionen in West- und Zentralafrika, die offensichtlich den illegalen Handel erleichtern.
So gelten Schuppentiere als weltweit am stärksten illegal gehandelten Säugetiere. Ja, alle acht Arten werden in der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben gefährdete Tiere deklariert.
Seit 2016 sind auch alle acht Arten der Schuppentiere im Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet. Das bedeutet, dass sie global als akut bedroht und durch den Handel gefährdet eingestuft werden. Doch der illegale Wildtierhandel floriert weiter - weltweit.
Nachdem den deutschen Behörden im Sommer 2013 zahlreiche Konfiszierungen von Schuppentierprodukten gelang, die auf dem Weg von West- oder Zentralafrika nach Südostasien waren, änderten die Schmuggler seitdem offenbar ihre Routen. Anfang 2022 vermeldete zudem das Hauptzollamt Düsseldorf, dass am dortigen Flughafen eine Reisende kontrolliert wurde, die in ihrem Gepäck ein gehäutetes und bereits zubereitetes Schuppentier transportiere.
Wilderer, die die Tiere aufgrund ihres Fleisches und ihrer Schuppen jagen, stellen somit auch die größte Bedrohung für die Tiere dar.
Seit 2014 setzt sich der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) gemeinsam mit seinem Partner Save Vietnam’s Wildlife (SVW) in Vietnam für den Schutz der Tiere ein.
Die Tierklinik im Schutzzentrum unserer Partner im Cuc Phuong Nationalpark hat sich in den letzten Jahren als eine führende Einrichtung etabliert, was die Behandlung von Schuppentieren betrifft und maßgebliche Erfolge in der Versorgung verzeichnet: So ist die Überlebensrate selbst von Tieren mit schwersten Verletzungen auf 80 Prozent angehoben worden.
Durch Bildungsarbeit schaffen wir zudem die Basis, um das Tierschutzbewusstsein bei den Menschen und somit den Schutz der Tiere nachhaltig zu stärken. Unser Ziel ist es, dass die Menschen einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Wildtiere künftig nicht mehr als Delikatesse und für medizinische Zwecke konsumiert oder gewildert werden.
Staatliche Wildtierlabore könnten - wenn sie den Test nutzen - den Handel mit Schuppentieren nahezu in Echtzeit überwachen. „Vom Erhalt einer Schuppe bis zur DNA-Extraktion, der Durchführung des Tests und dem Erhalt eines Ergebnisses dauert es weniger als eine Woche“, sagte Tinsman. „Wir hoffen, dass unsere Arbeit in Zukunft zu einer kontinuierlichen Überwachung von Wilderei-Hotspots führen wird, damit die Maßnahmen zur Bekämpfung der Wilderei dort eingesetzt werden können, wo sie am dringendsten benötigt werden.“
Hier sind einige Möglichkeiten, wie Sie helfen können:
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