Welche Tiere haben keine Wimpern? Ein detaillierter Überblick

Menschen und viele Tiere haben Wimpern um ihre Augen. Es spricht dafür, dass die Wimpern das Auge schützen, dass Menschen ohne Wimpern anfälliger für Augeninfektionen sind und dass umgekehrt allergische Reaktionen dazu führen können, dass Wimpern länger und dichter werden.

Die Wissenschaft teilt die Meinung der Kosmetikindustrie nicht, dass je länger die Wimpern, desto besser der Augenaufschlag ist. Guillermo Amador vom Georgia Institute of Technology in Atlanta hat sich die Wimpern von 22 Säugetieren genauer angesehen. Dabei zeigte sich etwas sehr Interessantes: Tiere mit großen Augen haben auch längere Wimpern, und zwar mit einem Verhältnis von etwa 0,3 - bei einer Augenbreite von 1 Zentimeter sind Wimpern also typischerweise etwa 3 Millimeter lang.

Funktion und Aerodynamik der Wimpern

Die Forscher vermuteten, dieses Verhältnis könnte in der Aerodynamik des Wimpernschlages begründet sein. In einem Windkanal sorgen sie für Strömungsbedingungen, ähnlich denen, die Säugetiere während der Fortbewegung erfahren. Darunter platzierten sie ein Modellauge, das aus einer mit Wasser gefüllten Schale bestand. An dieser Schale brachten die Wissenschaftler nach und nach falsche Wimpern unterschiedlicher Länge an.

Je länger die Wimpern werden, desto weiter ragen sie in den Luftstrom, wodurch die Strömung auf das Auge gelenkt wird. Das liegt daran, dass die Wimpern einen Widerstand für die Strömung darstellen. Bei kürzeren Wimpern sorgt dieser Widerstand nur dafür, dass die Luftströmung nicht in den Bereich gelangt, den die Wimpern umschließen. Wenn die Wimpern aber länger sind, ragen sie weiter in die Luft hinaus und die Strömungsgeschwindigkeit nimmt zu, je weiter man von der Augenoberfläche entfernt ist.

In den Versuchen zeigte sich, dass diese schnellere Luftströmung dafür sorgt, dass mehr Tränenflüssigkeit verdunstet und das Auge schneller austrocknet. Einen Zusammenhang konnten die Forscher außerdem zwischen der Länge der Wimpern und dem Schutz vor Dreckpartikeln feststellen. Sie ersetzten die Wasserschüssel mit einer Papierscheibe, die Feuchtigkeit absorbiert. In den Windkanal bauten sie einen Luftbefeuchter ein, in den sie wasserlöslicher Farbe tropften. Das Resultat des Wind-und-Wasser-Versuchs: je länger die Wimper, desto mehr Farbtupfer auf der Papieroberflache.

Guillermo Amador will mit seinen Experimenten aber nicht nur ein Verständnis für die Funktion von Wimpern gewinnen. Für ihn ist die Anatomie des Auges auch ein Vorbild dafür, wie sich in anderen Bereichen, Durchlässigkeit und Schutzfunktion bei synthetischen Materialien optimal kombinieren lassen.

Hier eine Tabelle, die das Verhältnis von Augengröße zu Wimpernlänge und dessen Auswirkungen auf die Augenfunktion veranschaulicht:

Augengröße Wimpernlänge (Verhältnis) Auswirkungen auf die Augenfunktion
Groß Länger (ca. 0,3 x Augenbreite) Optimaler Schutz, aber potenziell erhöhte Verdunstung von Tränenflüssigkeit
Klein Kürzer Weniger Schutz, aber geringere Verdunstung von Tränenflüssigkeit

Nun sind Simulationen ja schön und gut - aber noch schöner sind oft Experimente. Der Aufbau entspricht also genau dem Simulationsmodell - die Strömung kommt direkt von Vorn auf das Auge. Als Augenwimpern wurde entweder ein fester Ring aus Pappe genommen (der in der Arbeit mit der Sonnenblende einer Kamera verglichen wird) oder ein Netz als Wimpern-Ersatz oder eine Anordnung von Wimpern - da wurden künstliche Wimpern genommen.

Es zeigte sich, dass diese Netzstruktur, die wir um die Wasserschüssel gespannt haben, denselben Zweck wie die Wimpern erfüllt. Welchen aerodynamischen Bedingungen die Wimpern beim Rennen ausgesetzt sind, lässt die Studie, die vom "Journal of the Royal Society Interface" akzeptiert wurde, leider offen.

Die meisten Säugetiere haben - wie wir auch - Wimpern. Vogel haben keine Wimpern, aber häufig kaum sichtbare kurze Borstenfedern an den Lidrändern. Augenbrauen sind ja quasi kleine Stopper, damit Wasser und Schweiß nicht in die Augen fließt, sondern herumgeleitet wird.

Aufbau des Augenlides mit Wimpern

Augenerkrankungen bei Tieren

Die Augen, die wichtige Ansprechpartner sind, wenn man mit einem Tier Kontakt aufnimmt, können uns viel über den emotionalen Status und das Wohlbefinden des Tieres verraten. Sie sollten offen, klar, glänzend und ausdrucksstark sein. Sind beide Augen mehr oder weniger geschlossen, deutet das darauf hin, dass es dem Tier insgesamt nicht gut geht. Die Ursachen dafür müssen jedoch nicht die Augen liegen. Sie können verstärkt tränen, schleimige oder sogar eitrige Sekrete bilden.

Distichiasis und Ektopische Zilien

Neben Verletzungen der Lider oder der Hornhaut, die durch Fremdkörper, Biss-, Kratzverletzungen oder andere Umstände entstehen, gibt es schmerzhafte Prozesse am Auge, die durch die eigenen Haare, bzw. eine Fehlstellung der Wimpern (Distichiasis) bewirken. Eine Fehlstellung der Wimpern (Distichiasis), die beim Hund sehr häufig vorkommt, ist bei anderen Tierarten eher selten. Es besteht sozusagen ein doppelter Wimpernkranz. Diese Wimpern haben ihren Ursprung in Drüsen am Lidrand, die embryologisch eng mit Haarfollikeln verwandt sind.

Sind die Härchen sehr fein, dann beeinträchtigen sie die Hornhaut nicht. Sind sie aber kräftig und steif, führt dies zu einer ständigen Irritation bis hin zu Löchern in der sehr sensiblen Hornhaut. Um diese Haare zu sehen, bedarf es einer mehrfachen Lupenvergrößerung.

Eine weitere schmerzhaft fehlgestellte Wimper ist die ektopische Zilie. Wie die Distichiasis-Wimper hat sie ihren Ursprung in der Drüse am Lid, aber sie sitzt nicht unten am Lidrand, sondern kommt aus der Bindehaut der Lidhinterfläche heraus und kratzt somit ständig über die Hornhaut. Das hat zur Folge, dass es immer wieder zur Verletzung der Hornhaut im selben Bereich kommt.

Diese Wimpern sind nicht so leicht zu erkennen. Da der Hund mit dieser Problematik sehr schmerzempfindlich am Auge ist, muss dieses erst mit einem lokalen Anästhetikum betäubt werden. Dann dreht man das Lid nach außen um, um auf die Innenfläche sehen zu können. Auch hier benötigt man eine Lupenvergrößerung, es empfiehlt sich eine „Spaltlampe“, die eine 10-16-fache Vergrößerung bietet.

Weitere Augenerkrankungen

Auch Katzen können ein Entropium bekommen. Das Horner- Syndrom ist eine Innervationsstörung des Auges, bei der es zu einem Herabhängen des Oberlides (Ptosis), einem Vorfall des dritten Augenlides, einer engen Pupille (Miose) und einem „Einsinken“ des Augapfels (Enophthalmus) kommt.

Als Ektropium bezeichnet man ein nach Außen gerolltes Augenlid. Liegt der Lidrand dem Augapfel nicht korrekt an, so kommt es häufig zu einer Störung des Tränenabflusse und damit einer gestörten Selbstreinigung des Auges. Ein Entropium ist ein nach innen eingerolltes Augenlid. Dies kann sowohl das Ober- als auch das Unterlid betreffen, wobei ein Unterlidentropium häufiger vorkommt.

Das Glaukom oder auch „grüner Star“ genannt, bezeichnet eine Gruppe von Erkrankungen des Auges, bei denen es durch einen erhöhten Augeninnendruck zur Schädigung der Netzhaut und des Sehnervs kommt. Wird dieser erhöhte Augeninnendruck nicht innerhalb eines gewissen (kurzen) Zeitfensters erfolgreich gesenkt, droht eine irreversible Erblindung.

Glaukom beim Hund

Besonderheiten bei Hunden

Hunde und Katzen haben im Gegensatz zum Menschen keine Wimpern. Haare nennt man Distichien und haben oft Kontakt zur Hornhautoberfläche. Sie können dort zu Verletzungen führen. Genau wie die Distichien sind auch die ektopischen Zilien fehlwachsende Haare am Lidrand. Anders als die Distichien wachsen die Zilien jedoch nicht aus den Ausführungsgängen der Meibom-Drüsen heraus, sondern direkt durch die Bindehaut hindurch.

Frauen sind nicht ohne Grund neidisch auf Hunde. Hauptsächlich liegt der Grund in den Wimpern von Hunden. Manche Hunde haben bis zu 14 cm lange Wimpern! Es gibt sogar einen Weltrekord. Ein Labradoodle namens Ranmar aus Japan, dessen Haare auf dem oberen Augenlid 16,7 cm erreichten. Unabhängig von der Länge der Wimpern ist ihr Zweck bei allen Hunden derselbe - sie sollen die Augen schützen. Hunde sind oft traumatischen Faktoren ausgesetzt: Sie graben auf dem Boden oder rennen wie die Verrückten herum. Und die Wimpern schützen die Sehorgane vor fliegendem Staub und kleinen Trümmern.

Schmutz und Drüsensekrete sammeln sich auf allen Wimpern. Wenn Sie keine regelmäßige Hygiene betreiben, können Ihre Wimpern zu einem Nährboden für Bakterien werden, die Entzündungen verursachen und der Grund für eine Bindehautentzündung sein können. Daher muss der Hundebesitzer mit Modellwimpern die Augen seines Tieres täglich mit einer speziellen Lotion abwischen. Wenn die Härchen auf den Augenlidern zu stark wachsen und dem geliebten Haustier Unbehagen bereiten, können sie mit einer Schere gekürzt werden.

Qualzucht bei Meerschweinchen

Meerschweinchen gehören neben Hamstern und Kaninchen zu den am häufigsten gehaltenen Heimtieren in Deutschland. Einige „Meerschweinchen-Rassen“ sind dabei besonders beliebt. Doch während das Thema Qualzucht bei Hunden und Katzen mittlerweile vielen Menschen geläufig ist, wissen nur wenige, dass dieses Problem auch bei Kleintieren wie Meerschweinchen besteht: Werden Zuchtziele verfolgt, führt dies oft zu Qualzuchten - so auch bei Meerschweinchen.

Eine außergewöhnliche Fellfärbung oder -struktur und sogar fehlendes Fell - viele Menschen präferieren ein außergewöhnliches Aussehen bei ihren tierischen Mitbewohnern. Dabei handelt es sich allerdings meist um Merkmale, die den Tieren bewusst angezüchtet wurden. Die Überzüchtung auf bestimmte Merkmale wie Fellstruktur oder -farbe führt häufig zu genetischen Defekten, darunter Zahn- und Augenprobleme sowie weitere gesundheitliche Komplikationen.

Zu den sogenannten Nacktmeerschweinchen gehören die „Rassen“ Skinny und Baldwin. Wie der Name sagt, sind diese Meerschweinchen meist komplett nackt. Baldwin-Meerschweinchen haben zudem weder Wimpern noch Tasthaare, was die Tiere im täglichen Leben stark einschränkt, denn der Tastsinn ist für Meerschweinchen überlebenswichtig.

Die Zucht dieser Tiere ist risikobehaftet, mit enormem Tierleid verbunden und damit unverantwortlich. Um bestimmte Merkmale beim Nachwuchs zu erhalten, werden oft verwandte Tiere verpaart. Die Inzucht führt häufig zu einer geringeren genetischen Vielfalt und erhöht die Anfälligkeit für genetische Defekte und Krankheiten.

tags: #welche #Tiere #haben #keine #Wimpern

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen