Haarausfall kann eine große Belastung darstellen und das Selbstwertgefühl erheblich beeinträchtigen. Es ist daher wichtig, die verschiedenen Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu kennen.
Haarausfall tritt in unterschiedlichen Formen auf:
Es ist wichtig, die genaue Ursache des Haarausfalls zu ermitteln, um die passende Behandlung einleiten zu können. Eine ärztliche Untersuchung ist hierbei unerlässlich.
Bei der Untersuchung fragt die Ärztin oder der Arzt ausführlich nach der Vorgeschichte der Patientin, bisherigen Untersuchungen und Therapien sowie Symptomen. Dann werden die Haare unter der Lupe betrachtet und geprüft, ob sie brüchig sind. Ein Zupftest zeigt, ob sich die Haare schnell lösen. Anschließend wird die Haarwurzel untersucht. Ein sogenanntes Trichogramm zeigt, in welcher Wachstumsphase die Haare ausfallen. Weitere Erkenntnisse kann eine computergestützte Haaranalyse liefern.
Eine adäquate ärztliche Untersuchung beim Symptom Haarausfall umfasst folgende Aspekte:
Es gibt verschiedene Medikamente, die bei Haarausfall eingesetzt werden können. Die Wahl des Medikaments hängt von der Ursache des Haarausfalls ab.
Minoxidil ist ein Wirkstoff, der sich vor allem in Lösungen, Sprays und Schäumen befindet, die direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Ursprünglich gedacht zur Behandlung von Bluthochdruck, hat sich der Wirkstoff auch zur Behandlung von Haarausfall etabliert. Der Wirkmechanismus von Minoxidil bei Haarausfall ist nicht genau bekannt. Möglicherweise wird die Haarwurzel besser durchblutet. Denkbar ist auch, dass die Neubildung von Blutgefäßen gefördert wird, wodurch diese durchlässiger werden und mehr Wachstums-Faktoren im Gewebe vorhanden sind. Beides kommt auch dem Wachstum der Haarwurzel zugute.
Frauen sprechen nach diesen Ergebnissen besser auf den Wirkstoff an, bei ihnen genügen schon geringere Mengen an Minoxidil. Minoxidil kann den Haarausfall verlangsamen, sodass sich eine Glatze nur verzögert ausbildet und regt zudem den Haarwuchs wieder an. Ein kosmetisch akzeptables Ergebnis findet sich allerdings nur bei etwa 10 bis 20 von 100 Behandelten. Wird das Mittel weggelassen, setzt der Haarausfall unvermindert wieder ein.
Bei etwa einem von hundert Behandelten kann die Haut an der Stelle, an der das Mittel aufgetragen wurde, jucken, schuppen, sich röten oder entzünden. Minoxidil kann sich eventuell nachteilig auf Herz und Kreislauf auswirken, was insbesondere bei einer Langzeitbehandlung bedeutsam ist. Wenn das Mittel den Blutdruck senkt und Brustschmerzen, Schwindel, Schwächegefühl auftreten oder sich der Herzschlag beschleunigt, sollte die Behandlung abgebrochen werden. Bei bis zu einem von 1000 Behandelten können sich auch an anderen Körperstellen vermehrt Haare bilden (zum Beispiel im Gesicht).
Minoxidil darf bei Männern nur im Alter zwischen 18 und 49 Jahren angewendet werden. Wenn Sie es dafür bereits angewendet und nicht vertragen haben, sollten Sie es auch als Haarwasser nicht einsetzen.
Bei androgenetischem Haarausfall empfehlen sich Präparate wie Ell-Cranell, die dafür sorgen, dass sich das gebildete Testosteron nicht in DHT (Dihydrotestosteron) umwandelt. Da das DHT in dieser Form den Haarausfall bewirkt, kann so einem Verlust entgegengewirkt werden. Eine Wirkung wird nach circa drei Monaten für Sie sichtbar.
Finasterid hemmt selektiv das Enzym 5a-Reduktase Typ II und senkt somit die Serumkonzentration von Dihydrotestosteron um 70 %. Die Wirksamkeit von Finasterid wurde in großen Multicenterstudien nachgewiesen. Eine weitere Studie belegte, dass Finasterid auch bei Männern zwischen 40 und 60 Jahren wirksam ist.
Für Ärzte und Patienten verwirrend und ärgerlich ist die zumeist im Internet von Laien geführte Diskussion um Finasterid-Nebenwirkungen. Hierbei sind zu nennen:
Keiner dieser Aspekte ist wissenschaftlich belegt, die Verunsicherung der Patienten aber leider Realität.
Gegen hormonbedingten Haarausfall verschreiben Dermatologinnen und Dermatologen Tabletten, die Anti-Androgene enthalten. Bei Alopezie mit Hyperandrogenämie sind systemisch gegebene Antiandrogene wie z. B. Cyproteronacetat, Chlormadinonacetat oder Dienogest hilfreich. Hierfür zugelassene Fertigpräparate sind z. B. Diane-35®, Neo-Eunomin® oder Valette®. Alle Präparate haben auch kontrazeptive Eigenschaften, da bei der Gabe von Antiandrogenen eine Schwangerschaft unbedingt vermieden werden muss.
17-alpha-Estradiol gehört zu den Östrogenen, wirkt aber nur sehr schwach hormonell. Es hemmt vielmehr das Enzym 5-alpha-Reduktase. Durch dieses entsteht aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron das wirksamere Dihydrotestosteron. Dieses ist bei Männern und Frauen gleichermaßen vorhanden und kann den Haarwuchs an den Haarwurzeln behindern und so Haarausfall fördern. Bisher ist die therapeutische Wirksamkeit von 17-alpha-Estradiol bei Haarausfall aber nicht ausreichend nachgewiesen. Die Mittel mit diesem Wirkstoff sind deshalb wenig geeignet.
Kortison wird als Salbe oder Creme direkt auf die kahlen Stellen am Kopf aufgetragen. In schweren Fällen verschreibt der Arzt sogar Kortisontabletten gegen Haarausfall bei Frauen, die auf den gesamten Organismus wirken. Wichtig bei der Anwendung von Kortison ist, dass Sie sich genau an die ärztliche Anweisung halten. Wird Kortison über einen längeren Zeitraum eingenommen, kann es zu Nebenwirkungen kommen. Während der Behandlung mit Kortison sprießen die Haare an den kahlen Stellen wieder. Doch sobald Sie das Mittel nicht mehr einnehmen, besteht das Risiko, dass die Haare wieder ausfallen.
Hilfe bei Haarausfall bei Frauen kann auch der Wirkstoff Dithranol leisten. Normalerweise verschreiben Ärzte es zur Behandlung einer Schuppenflechte. Das Medikament reizt die Haut und löst dadurch eine Dermatitis aus. Diese Reizung soll die Kopfhaut anregen, neue Haare sprießen zu lassen. Bei kreisrundem Haarausfall ist das Auslösen einer Hautreaktion an den kahlen Stellen eine Therapiemöglichkeit. Diese Behandlung ist allerdings nur dann ratsam, wenn die Kopfhaut länger als sechs Monate behandelt wurde und auf keine andere Behandlung angesprungen ist. Die Anwendung kann neben der Kopfhautreizung auch zu Hautrötung und einer Verfärbung der Haare führen.
Auf dieselbe Weise funktioniert die topische Immuntherapie mit Diphenylcyclopropenon (DCP) oder Quadratsäuredibutylester (SADBE; Squaric-Acid-Dibutylester). Es handelt sich um Kontaktallergene, die auf der Kopfhaut eine Reaktion des Immunsystems provozieren. Das regt die Kopfhaut an und fördert das Haarwachstum. Hat die Behandlung ein Ekzem ausgelöst, sprießen die Haare innerhalb von einem Monat bis zu einem halben Jahr wieder. Zwar konnte die topische, also die örtlich angewendete, Immuntherapie bei vielen Patienten in klinischen Studien gute Resultate erzielen. Doch es gilt als wahrscheinlich, dass die Erfolge nur während der Anwendung bestehen bleiben. Wenn Sie die Behandlung beenden, fallen die Haare wahrscheinlich wieder aus.
Wenn der genetische Haarausfall zu weit fortgeschritten ist und sich bereits eine Glatze gebildet hat oder wenn die Kopfhaut samt Haarfollikeln durch eine Form des Haarverlusts zerstört wurde (wie beim vernarbenden Haarausfall), kann leider auch kein Arzneimittel mehr helfen und neues Haarwachstum anregen. Als letzte Möglichkeit bleibt in diesem Fall die Haartransplantation als chirurgischer Eingriff. Dabei handelt es sich eigentlich vielmehr um eine Verpflanzung von Haarfollikeln : Bei einer Haartransplantation werden funktionierende Follikel auf die kahlen Stellen der Kopfhaut des Betroffenen gesetzt. Voraussetzung dafür ist jedoch eine ausreichende Menge an Spenderfollikeln. Diese werden meist dem Hinterkopf des Betroffenen entnommen, in kleine Elemente von etwa fünf Haaren aufgeteilt und an den entsprechenden kahlen Stellen präzise in die Haut gestanzt . Nach einigen Wochen wachsen aus diesen transplantierten Follikeln neue Haare.
Allerdings birgt diese Methode wie jeder operative Eingriff einige Risiken und auch eine Erfolgsgarantie ist nicht gewährleistet, da die neuen Follikel ebenfalls von einem neuerlichen Haarausfall betroffen sein können.
Sowohl in der Apotheke als auch in der Drogerie gibt es mittlerweile Shampoos, die gegen erblich bedingten Haarausfall entwickelt wurden. Die darin enthaltenden anregenden Inhaltsstoffe (z. B. Koffein) sollen die Haarfollikel stärken, die sich beim erblich bedingten Haarausfall fortlaufend verkleinern. Bei diffusem Haarausfall werden oft basische Shampoos empfohlen, die keine aggressiven Chemikalien enthalten, sondern das Haar sanft reinigen und es mit fehlenden Nährstoffen versorgen sollen, die nicht über die Ernährung aufgenommen werden.
Wunder sollte man von Shampoos gegen Haarverlust allerdings nicht erwarten: Sie können das vorhandene gesunde Haar zumindest optisch stärken , sind aber in der Regel nicht dazu geeignet, um krankheitsbedingtem Haarverlust auf Dauer Einhalt zu gebieten oder ihn langfristig zu bekämpfen.
Neben Shampoos zur äußerlichen Anwendung findet man auch Nahrungsergänzungsmittel z. B. Form von Kapseln zum Einnehmen, die den Haarverlust von innen heraus bekämpfen sollen. Hierbei handelt es sich um Nahrungsergänzungsmittel, die vorwiegend bei diffusem Haarausfall und bei einem ernährungsbedingten Haarverlust helfen können. Denn diese Arten des Haarverlusts gehen oft mit einer Mangelernährung des Körpers und der Haarwurzeln einher.
Besonders hoch gehandelt bei Haarverlust werden Nahrungsergänzungsmittel, die folgende Vitamine und Mineralstoffe enthalten:
Allerdings nimmt der Mensch mit einer ausgewogenen Ernährung in der Regel ausreichend Eisen, Zink und Biotin zu sich . Nahrungsergänzungsmittel können also nur zu einem normalen Haarwachstum beitragen und schaffen nur Abhilfe, wenn der Haarausfall auch auf Mangelerscheinungen zurückzuführen ist.
Daher empfiehlt es sich, Ihren Arzt zurate zu ziehen, falls Sie vorhaben, den Haarwuchs mit Nahrungsergänzungsmitteln anzuregen. Der Arzt kann Aussagen zu den Ursachen des Haarausfalls treffen und sagt Ihnen, ob Nahrungsergänzungsmittel in Ihrem Fall sinnvoll sind. Sie können natürlich auch im Rahmen ihrer Ernährung auf die Zufuhr dieser Vitamine und Mineralstoffe achten.
Viele fragen sich, was wirklich gegen Haarausfall hilft , und greifen auf die traditionellen Hausmittel zurück. Doch helfen diese tatsächlich? Die Tipps und Tricks unserer Großmütter sollen vor allem die Haarwurzeln stärken:
Bei krankhaften Formen des Haarverlusts sind die Hausmittel allerdings keine Hilfe . Dr. Kerstin Neumann erklärt, dass es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der klassischen Hausmittel gibt. Der anlagebedingte Haarausfall kann daher mit solchen Mitteln nicht gestoppt werden. Sie rät daher, sich diesbezüglich in der Apotheke zu informieren.
| Medikament | Wirkstoff | Anwendungsgebiet | Wirkung | Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|---|
| Regaine | Minoxidil | Erblich bedingter Haarausfall | Verbessert die Durchblutung der Haarfollikel, regt das Haarwachstum an | Hautreizungen, Juckreiz, vermehrter Haarwuchs an anderen Körperstellen |
| Ell-Cranell | Fluridil | Androgenetischer Haarausfall | Verhindert die Umwandlung von Testosteron in DHT | Keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt |
| Diane-35 | Cyproteronacetat, Ethinylestradiol | Haarausfall bei Frauen mit Hyperandrogenämie | Blockiert die Wirkung von Androgenen, wirkt kontrazeptiv | Thrombose, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen |
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Medikamenten individuell variieren kann. Eine ärztliche Beratung ist daher unerlässlich.
Gesunde Ernährung ist Pflicht für alle, die sich gesundes und kräftiges Haar wünschen. Auch wenn man annimmt, dass Mangelerscheinungen in Deutschland nicht vorkommen, gehören sie mit zu den häufigsten Gründen für diffusen Haarausfall. Besonders betroffen sind Personengruppen, die einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen haben, zu wenige Nährstoffe aufnehmen oder diese im Körper nicht richtig resorbieren können. Dazu gehören Vegetarier und Veganer, Schwangere, Sportler, Menschen mit Essstörungen oder bestimmten Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Man sollte deshalb auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten sowie ggf. nach ärztlicher Rücksprache bestimmte Vitamine und Spurenelemente zusätzlich substituieren.
Es gibt zudem einige Nahrungsmittel, in denen natürliche Stoffe vorkommen, die den DHT-Spiegel im Körper senken und damit erblich bedingtem Haarausfall entgegenwirken können. Sie sind zum Beispiel in Bananen, Mangos, Tomaten oder Kohl enthalten.
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