Das Bild ist ikonisch: Ein Gerichtssaal in England, gefüllt mit Personen in formeller Kleidung, darunter die charakteristischen Perücken und langen Roben. Doch woher stammt diese Tradition, und warum tragen Vertreter der englischen Justiz solche besonderen Kleidungsstücke?
John Thomas, Baron Thomas of Cwmgiedd - mit Perücke aus Roßhaar
Perücken haben eine lange Geschichte und erfreuten sich bereits im Altertum großer Beliebtheit. Während sie im christlichen Mittelalter weitgehend aus der Mode kamen, erlebten sie in der Renaissance und besonders im Barock ein Comeback. Ihren festen Platz in England verdanken Perücken König Karl II., der sie nach seiner Rückkehr aus dem französischen Exil im Jahr 1660 populär machte.
Einer Überlieferung zufolge soll der englische König Karl II im Jahre 1660, als er aus dem französischen Exil nach England zurückkehrte, einige Bräuche des französischen Adels am englischen Hof eingeführt haben. Mit der Expansion Englands fanden Perücken auch in Kolonien wie Indien, Kanada und Ghana Verbreitung.
Das Wort „Perücke“ stammt aus dem französischen Wort „perruque“, das ursprünglich „Haarpracht“ oder „Haarwuchs“ bedeutete. Es ist wiederum vom lateinischen Wort „perrucus“ abgeleitet, was „Haar“ oder „Pracht“ bedeutet.
Im 17. Jahrhundert waren fließendes Wasser und regelmäßige Haarpflege ein Luxus. Anstatt die Haare zu waschen, entschieden sich viele Menschen, Perücken zu tragen, und gingen sogar dazu über, die eigenen Haare komplett zu rasieren. So konnte man sich vor Läusen und anderen Parasiten schützen. Perücken wurden zum modischen und hygienischen Accessoire gleichermaßen.
Auch heute noch tragen viele englische Richter und Anwälte Perücken, obwohl die Zahl derer wächst, die auf diese Tradition verzichten möchten. Diejenigen, die die Perücke befürworten, führen vor allem zwei Gründe an:
Die Perücken wurden anfänglich aus Ziegen- oder Menschenhaar hergestellt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich Rosshaar durchgesetzt.
Die klassischen Perücken der englischen Justiz werden auch heute noch traditionell aus weißem Rosshaar gefertigt. In der Vergangenheit verwendete man auch Echthaar oder Ziegenhaar, doch seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich Rosshaar durchgesetzt.
Das langlebige Stück aus gebleichtem Schweif- und Mähnenhaar englischer Pferde ist mit Britanniens Rechtssystem verbunden wie Old Bailey, Schauplatz schauriger Mord- und spektakulärer Hochverratsprozesse: die Perücke, mit der sich Anwälte und Richter der Krone bedecken müssen, wenn sie anklagen richten oder verteidigen.
Bevor die Perücken von Hand geknüpft werden, werden sie zuerst gebleicht.
Britischer Ankläger mit typischer Perücke
Das Wort „Perücke“ wird oft mit einer bestimmten Ästhetik assoziiert: Die pompösen Frisuren der Barockzeit, bunte Karnevals-Accessoires oder künstlich wirkende Haarteile, die sich deutlich von natürlichem Haar abheben. Diese Assoziationen passen nicht zu den modernen Möglichkeiten und der Qualität, die heutige Haarlösungen bieten. Deshalb greifen Fachleute und viele Betroffene lieber auf Begriffe wie Haartechnik oder Zweithaartechnik zurück.
Viele Menschen verbinden den Begriff „Perücke“ mit etwas „Unechtem“ oder gar mit Scham. Vor allem Menschen, die durch Krankheit (z. B. Krebs oder Alopezie) auf eine Haarlösung angewiesen sind, möchten sich nicht mit Klischees oder Vorurteilen konfrontiert sehen. Die Vorstellung, dass eine „Perücke“ auffällt oder unnatürlich aussieht, entspricht längst nicht mehr der Realität, wird aber dennoch oft mit dem Begriff assoziiert.
Heute geht es nicht mehr nur darum, Haarverlust zu kaschieren oder eine Verkleidung zu tragen. Zweithaar bietet Menschen Selbstbewusstsein, Natürlichkeit und eine individuelle Lösung. Der Begriff „Perücke“ greift hier zu kurz und wird den Ansprüchen vieler Betroffener nicht gerecht.
Im Bereich Zweithaar ist die Zeit wahrlich nicht stehen geblieben, ganz im Gegenteil - modernste Technik und immer besser werdende Fachkenntnis schaffen täuschend natürliche und schöne Ergebnisse.
Moderne Haarlösungen bestehen aus feinsten Materialien, darunter handgeknüpftes Echthaar oder innovative Kunsthaarprodukte, die von natürlichem Haar kaum zu unterscheiden sind. Die Begriffe Haartechnik oder Zweithaartechnik betonen den technologischen Fortschritt, der in die Herstellung solcher Produkte einfließt.
Im Gegensatz zur herkömmlichen Vorstellung von „Perücken“ sind moderne Zweithaarlösungen so individuell wie die Menschen, die sie tragen. Die Haartechnik ermöglicht personalisierte Schnitte, Farben und Stile, die perfekt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Träger:innen abgestimmt sind.
Die Verwendung von Begriffen wie „Haartechnik“ oder „Zweithaartechnik“ vermittelt ein Bild von Professionalität und Diskretion. Sie nehmen Betroffenen das Gefühl von „Verkleidung“ und schaffen Raum für einen offenen, positiven Umgang mit Haarlösungen.
Die modernen Begriffe reflektieren auch die breite Anwendung von Haarlösungen: Sie werden einerseits bei medizinischem Haarverlust verwendet, aber auch bei einem Bedürfnis nach ästhetischen Veränderungen. Und nicht nur Menschen, die auf den Bühnen der Welt stehen, können sich Langzeitlösungen wie Haarintegration oder Haarteile leisten.
Auch wenn wir das Wort „Perücke“ im Alltag ungern benutzen, spielt es eine wichtige Rolle bei der Online-Suche. Viele Menschen, die nach Haarlösungen suchen, verwenden Begriffe wie „Perücken kaufen“, „natürlich aussehende Perücke“ oder „Perücke Echthaar“. Deshalb ist es wichtig, dass dieser Begriff in Artikeln und Informationen auftaucht - eingebettet in eine moderne und positive Darstellung.
| Begriff | Konnotation | Anwendung |
|---|---|---|
| Perücke | Veraltet, künstlich, Verkleidung | Online-Suche, historische Kontexte |
| Haartechnik/Zweithaartechnik | Modern, natürlich, individuell, professionell | Beratung, medizinischer Haarersatz, ästhetische Veränderungen |
Seit einigen Jahren regt sich Widerstand gegen die Gerichtsperücke. Einige Richter verzichten bei Strafsachen vor dem Familien- oder Zivilgericht sogar ganz auf die Gerichtsperücke.
Im Gegensatz zu den Anwälten. Die englische Anwaltskammer, der sogenannte Bar Council, hat zwar schon erste Anstrengungen unternommen, ist aber noch zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen, ob die Gerichtsperücke nun getragen werden soll oder nicht.
Wie wir bereits gesehen haben, dienen die Perücken unter anderem dazu, beim Gegenüber mächtig Eindruck zu schinden. Klar, dass das mit einer nagelneuen Perücke nicht so gut gelingt, denn diese würde dem Gegenüber nur signalisieren, dass man noch ganz neu ist im Stand der Anwälte und Richter. Daher greifen einige Juristen zu ganz unorthodoxen Methoden: Die Perücke wird noch während des Studiums gekauft und dann entsprechend präpariert, dass sie pünktlich zum ersten Termin vor Gericht die gewünschte Patina besitzt. Manche angehende Anwälte und Richter benutzen ihre Perücke als Mopp oder hängen sie in den strömenden Regen.
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