Wenn Friseursalons nach einem Lockdown wieder öffnen dürfen, müssen Frauen für den gleichen Haarschnitt oft tiefer in die Tasche greifen als Männer. Das zeigt eine Umfrage. Die Preislisten der Friseure sprechen eine deutliche Sprache: Frauen zahlen oft zehn Euro mehr, manchmal auch 20 - für einen ähnlichen Haarschnitt.
Mehr Beratung, mehr Schneiden, mehr Kaffee, mehr „Quatschen“: Frauen würden mehr Zeit im Salon verbringen. Das kostet. Männer dagegen würden öfters ihre Haare schneiden lassen, dementsprechend sei der Aufwand für Friseure nicht so hoch, sagt Mandy Weedermann vom Salon „bellissima“ in Oberhaching. „Dass Frauen mehr zahlen war schon immer so und wird auch so bleiben“, sagt Weedermann vom Salon „bellissima“ in Oberhaching.
Die Kalkulation entstehe aus Zeit- und Materialaufwand. „Der Friseur kann nicht für jeden Kunden ein eigenes Angebot machen“, sagt der Chef der Münchner Friseurinnung, Christian Kaiser. Für Männer werde eben pauschal weniger Zeit eingeplant. Das würde viel zu lange dauern und Haarschnitte letztlich teurer machen.
Viele Saloninhaber würden ihre Preise zudem über eine Mischkalkulation festlegen, in die auch Trockenhaarschnitte mit der Maschine fielen. Das senke andersherum den Preis für Männer.
„Und Frauen haben feineres Haar, was es nochmal aufwendiger macht.“ „Es gibt aber auch nichts Komplizierteres als einen Kurzhaarschnitt“, meint Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Friseurhandwerks.
Wie fast immer im Leben gibt es Ausnahmen - auch im Friseursalon. „Brauchen Männer länger als geplant, verlangen wir auch mehr Geld“, sagt Weedermann. Zudem müssten Frauen mit kurzen Haaren weniger zahlen als die mit langen Haaren. Gleicher Haarschnitt, gleicher Preis. Das ist das Credo von Friseurmeister Thomas Schweiger. Er betreibt das „Monaco Cut“ in Ismaning. Männer mit langen Haaren zahlen einen Aufpreis. Frauen, deren Haarschnitte weniger Aufwand brauchen, würde man hier preislich entgegenkommen. „Unsere Kunden schätzen das“, sagt er.
Sei eine Frau nicht bereit, mehr als ein Mann zu bezahlen, weil sie ohnehin einen Kurzhaarschnitt trage, sollte sie im Eingangsgespräch sagen, dass sie einen Herrenhaarschnitt möchte. Dann weise der Friseur sie zwar in der Regel darauf hin, dass der Ansatz möglicherweise anders aussehe und die Haare anders fielen. Stimme die Frau aber zu, dass es ein Herrenhaarschnitt sein dürfe, zahle sie auch nur den Herrenpreis.
Ulvi berichtet: „Wir passen den Preis je nach Haarschnitt an - Frauen mit Kurzhaarschnitt zahlen auch den Männerpreis. Sie nehmen weniger Zeit in Anspruch. Es geht immer nach Zeit und verbrauchtem Material - auch bei Strähnen und Coloration.“
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bezeichnet in einer Studie unterschiedliche Preise nach Geschlecht als „Gender Pricing“. Die Bundesbehörde empfiehlt Kundinnen „nach Unisex-Tarifen zu fragen oder auf andere Anbieter auszuweichen, die gleiche Tarife anbieten“.
So diskriminierten Dienstleistende regelmäßig im Alltag Menschen auf Basis des Geschlechts, argumentieren die Jungen Liberalen in dem Antrag. „Es ist auch fraglich, mit welchem Recht Dienstleistende das Geschlecht ihrer Kundschaft beurteilen, auf deren Basis der Preis für eine geschlechtsneutrale Leistung entschieden wird.“
Die Antidiskriminierungsstelle findet, die unterschiedlichen Preise können potenziell gegen das Verbot der Geschlechterdiskriminierung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes verstoßen. Der Preisunterschied müsse sachlich begründet sein und dürfe nicht auf Geschlechter-Stereotypen basieren.
„Gender Pricing“ kann gegen die Geschlechterdiskriminierung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes verstoßen. Die sogenannte Gender-Richtlinie der EU soll Frauen und Männer gleichstellen, wenn es um den Zugang zu Gütern und Dienstleistungen und die Versorgung damit geht. Diese Richtlinie gilt auch in Deutschland. Ungleichbehandlungen sind danach nur dann gerechtfertigt, wenn sie durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt sind. Ein solches könnte es sein, dass Friseur:innen einen größeren Arbeitsaufwand bei Frauen-Haarschnitten haben, als dies bei Männer-Frisuren der Fall ist.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Gender Pricing“ benachteilige einzelne Verbraucher:innen, heißt es, „wenn der höhere Preis nicht durch einen höheren Arbeitsaufwand begründet werden kann“.
Frauen zahlen für einen Haarschnitt einer Studie zufolge durchschnittlich 12,50 Euro mehr als Männer. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sind die Preise fürs Haareschneiden von 2015 bis 2018 um 6,6 Prozent gestiegen. Bei Friseurdienstleistungen für Frauen lag der Anstieg demnach sogar bei 7 Prozent, Preise für Männer verzeichneten ein Plus von 5,9 Prozent. Die jüngsten Zahlen zum Durchschnittspreis eines Nasshaarschnitts stammen nach Angaben des Zentralverbands aus dem Jahr 2017: Frauen mussten im Durchschnitt 27,20 Euro bezahlen, Männer 21,20 Euro.
| Dienstleistung | Durchschnittspreis für Frauen (2017) | Durchschnittspreis für Männer (2017) |
|---|---|---|
| Nasshaarschnitt | 27,20 Euro | 21,20 Euro |
Aus Sicht der Antidiskriminierungsstelle sollten sich Friseursalons und Reinigungen „bei der Gestaltung der Preise am tatsächlichen Aufwand der Leistungen und nicht am Geschlecht orientieren.“ Die Preise für die einzelnen Leistungen sollten transparent gelistet werden. Man rate Kundinnen und Kunden, „nach Unisex-Tarifen zu fragen oder auf andere Anbieter auszuweichen, die gleiche Tarife anbieten“, sagt ein Sprecher.
Einige Friseursalons haben ihre Preisgestaltung bereits geändert: Sie werben mit gender-neutralen Preisen und unterscheiden nicht mehr zwischen Haarschnitten für Frauen und Männer. Bevor Sie einen Termin in einem Salon buchen, kann es sich also lohnen, einen Blick auf die Preisliste zu werfen. Gut zu wissen: Nach der Preisangaben-Verordnung sind Friseursalons verpflichtet, ihre Preise durch einen Aushang transparent machen. Bei der Abrechnung müssen sie sich an diese Preise halten.
Auf seiner Preisliste gibt es keine Unterscheidung nach Männer- und Frauenhaarschnitt. „Wir berechnen unsere Preise grundsätzlich nach Arbeitsaufwand“, erzählt Volz. Somit kostet ein „typgerechter Haarschnitt“ bei kurzen Haaren ab 48 Euro und bei langen Haaren ab 73 Euro. Alle weiteren Specials wie Styling, Haarglättung oder Haarverlängerung werden ebenfalls nach Haarlängen unterschieden.
Laut dem Verband gebe es jedoch in den nächsten Jahren keine einheitliche Vorgabe für Unisexpreislisten. Die Kalkulation der Preise bleibe weiterhin jedem Friseursalon selbst überlassen, da der Verband laut Pressesprecherin Bele Graniger „aus kartell- und wettbewerbsrechtlichen Gründen keinerlei Preisempfehlungen“ gebe.
Obermeisterin Zdenka Schwabbauer wünscht sich bei der Preisgestaltung mehr Transparenz. Wichtig sei es, mit Themen wie der Preisgestaltung transparenter umzugehen als bisher. Und auch der Branchenbericht des Zentralverbands betont, dass es eine „anhaltend hohe Nachfrage nach individuellen und qualitativ hochwertigen Friseurdienstleistungen“ gebe. Auch diese beeinflusse das Preisniveau.
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