Warum bekommen Männer eine Glatze und Frauen nicht? Ursachen und Unterschiede

Schönes, volles, kräftiges Haar ist ein Attraktivitätsfaktor, sowohl für Frauen als auch für Männer. Geheimratsecken, Glatzenbildung und ein Haarkranz sind Themen, die viele Männer verständlicherweise beunruhigen.

Nicht alle Männer bekommen eine Glatze, aber bis zu 80% im Laufe ihres Lebens. Die sogenannte „Alopecia androgenetica“ kann bereits ab dem 20. Lebensjahr beginnen. Etwa 80% der Männer sind früher oder später von Haarausfall betroffen. Dauerhafter Haarausfall betrifft 70 % der Männer und 40 % der Frauen im Laufe ihres Lebens.

Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Haarausfall bei Männern und Frauen und erklärt, warum Männer häufiger betroffen sind. Zudem werden verschiedene Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt.

Die Ursachen für Haarausfall

Um Haarausfall und seine Ursachen zu verstehen, muss man sich zunächst die Wachstumsphasen von normal gesundem Haar anschauen. Unseren Kopf bedecken etwa 100.000 bis 150.000 Haare, die sich ganz nach ihrem eigenen Zyklus - unabhängig vom Nachbarhaar - entwickeln. Denn das Haarwachstum befindet sich in einem stetigen Kreislauf, in dem jedes einzelne Haar einen Zyklus mit drei Phasen durchläuft:

  • Anagenphase (Wachstumsphase): Während dieser aktiven Wachstumsphase bildet sich das Haar im sogenannten Follikel, der sich in der Kopfhaut befindet. Die Dauer der Phase beträgt circa zwei bis sechs Jahre. In dieser Zeit wird das Haar nicht nur länger, sondern auch dicker. Bis zu 90 % unseres Haupthaars befindet sich in der Anagenphase. Dabei wächst das Haar relativ gleichmäßig um jeweils einen Zentimeter pro Monat.
  • Katagenphase (Übergangsphase): In dieser Übergangsphase durchläuft etwa 1 % der Haare einen Änderungsprozess. Zunächst wird die Zellteilung eingestellt. Die Versorgung der Haarwurzel mit Nährstoffen verringert sich und die Wurzel wird kleiner. Diese Phase dauert etwa zwei Wochen und endet mit der Verhornung der Haarwurzel.
  • Telogenphase (Ruhephase): In der Ruhephase findet im Haarfollikel keine Stoffwechselaktivität mehr statt und das Haar fällt schließlich aus. In dieser letzten Phase des Zyklus befinden sich etwa 9 % der Haare über einen Zeitraum von rund drei Monaten. Im Anschluss daran wächst ein neues Haar im Follikel und der Zyklus beginnt erneut mit der Wachstumsphase.

Haarausfall wird sichtbar, wenn mehr Haare ausfallen als nachwachsen. Wachstumszyklus der Kopfhaare. Kommt es bei Ihnen zu übermäßigem Haarverlust, kann der Wachstumszyklus an verschiedenen Stellen gestört sein.

Es gibt verschiedene Formen von Haarausfall:

  • Androgenetische Alopezie: Dies ist die häufigste Form des Haarausfalls, die durch genetische Faktoren und hormonelle Einflüsse verursacht wird.
  • Alopecia areata: Hierbei handelt es sich um kreisrunden Haarausfall, bei dem das Immunsystem die Haarfollikel angreift.
  • Diffuser Haarausfall: Bei dieser Form kommt es zu einem gleichmäßigen Haarverlust über den gesamten Kopf.

Warum Männer häufiger betroffen sind

Grundsätzlich sind Männer anfälliger für eine Erkrankung, die als androgenetische Alopezie (auch als androgene Alopezie bekannt) bezeichnet wird. Männer haben eine deutlich höhere Veranlagung für genetisch bedingten Haarausfall, die sogenannte androgenetische Alopzie, der auf eine übermäßige Reaktion auf Androgene zurückzuführen ist.

Der Grund für den Haarausfall liegt in einer Überempfindlichkeit der Haarfolikel gegenüber dem aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron gebildeten Dihydrotestosteron (DHT). In den meisten Fällen (mit 95 % Häufigkeit) ist die Haarwurzel überempfindlich gegen Testosteron bzw. die Enzyme, die der Körper daraus bildet. Das männliche Geschlechtshormon hat aber dennoch etwas mit den Haaren zu tun.

Die Erkrankung erhöht die Aktivität der Androgenrezeptoren in den Haarfollikeln. Diese Rezeptoren reagieren auf Androgene wie Dihydrotestosteron (DHT), ein Nebenprodukt des Testosterons, das die Haarfollikel schrumpfen lässt und ihnen das Leben schwer macht. Dadurch bilden sich die Blutgefäße zurück und die Follikel verkümmern. Auch die Wachstumsphase der Haare wird verkürzt.

Bei Männern kann diese Form des Haarausfalls bereits um das 20. Lebensjahr herum einsetzen und beginnt meist durch Ausprägung von Geheimratsecken und ein Zurückweichen der Haarlinie. Parallel oder mit leichter Zeitverzögerung tritt der Haarausfall auch am Hinterkopf in Form einer Tonsur auf. Genetisch bedingt bleibt selbst bei starkem Haarausfall ein Haarkranz am Hinterkopf bestehen.

Es ist ein Mythos, dass Männer mit Glatze übermäßig viel Testosteron in sich haben. Es hängt somit nicht damit zusammen, dass man viel Testosteron hat, sondern mit dem Haarfolikel, welches das Testosteron verträgt.

Haarausfall bei Frauen

Auch Frauen können an Haarausfall leiden. Haarausfall ist kein ausschließlich männliches Problem. Jedoch sind genetisch bedingt die Männer häufiger davon betroffen. Auch bei Frauen kann die androgenetische Alopezie auftreten, ist aber seltener als bei Männern.

Bei Frauen gibt es diese Form von Haarausfall übrigens auch, allerdings viel seltener. Zudem äußert sich der Ausfall hier anders. Bei Frauen werden die Haare vor allem im Stirnbereich dünner und die Stirnhaargrenze weicht zurück. Der Haarausfall verläuft gleichmäßig, so dass im Laufe der Zeit durch das immer dünner werdende Kopfhaar die Kopfhaut stärker durchschimmert.

Bei Frauen liegt der Grund für Haarausfall oder in den seltensten Fällen einer Glatze, an der Hormonumstellung während und nach der Menopause. Sinkt bei ihnen dann in den Wechseljahren die Konzentration des Geschlechtshormons Östrogen in der Kopfhaut, erhöht sich dadurch der Anteil des auch bei Frauen vorhandenen Testosterons in den Haarwurzeln.

Selbstverständlich gibt es auch Formen des Haarausfalls, die geschlechtsunabhängig sind und Männer wie Frauen gleichermaßen betreffen können. Dazu gehören:

  • Bestimmte gesundheitliche Beschwerden, z. B. Arthritis, Gicht oder Bluthochdruck
  • Erkrankungen der Kopfhaut, z. B. Psoriasis oder vernarbende Alopezie
  • Trichotillomanie (Haare ziehen)

Weitere Ursachen für Haarausfall

Neben den genetisch bedingten und hormonellen Ursachen gibt es weitere Faktoren, die Haarausfall begünstigen können:

  • Psychischer Stress: Hoher Leistungsdruck und Stress im Alltag können die Haarwurzeln schwächen und zu vorzeitigem Haarverlust führen.
  • Erkrankungen und Nährstoffmangel: Bestimmte Erkrankungen oder ein Mangel an wichtigen Nährstoffen können Haarausfall verursachen.
  • Falsche Haarpflege: Zu heißes Wasser, heiße Föhnluft, aggressive Shampoos und grobe Kämme können die Haare schädigen.
  • Medikamente: Medikamente können häufiger für Haarausfall sorgen, als man annimmt.
  • Schilddrüsenprobleme: Hormonelle Schwankungen, die von einer Störung der Schilddrüse ausgehen, können ebenfalls Haarausfall verursachen.
  • Jahreszeitenwechsel: Da im Frühjahr die Hormone aktiver sind, profitieren unsere Haare davon. Im Herbst wachsen sie langsamer und fallen manchmal sogar stärker aus.

Diese vielfältigen Ursachen zeigen, dass Haarausfall bei Männern durch eine Kombination aus genetischen, körperlichen und emotionalen Faktoren ausgelöst werden kann. Für die Behandlung von Haarausfall ist es wichtig, die genaue Ursache zu identifizieren, um geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Haarausfall bei Frauen: Welche Medikamente und Behandlungen helfen? | ARD GESUND

Behandlungsmöglichkeiten

Die schlechte Nachricht vorneweg: Erblich bedingter Haarausfall ist bei Männern weder heilbar noch umkehrbar. Die gute Nachricht ist aber: Männer, die frühzeitig mit einer Behandlung der restlichen Haare beginnen, können den Haarausfall stoppen oder zumindest verlangsamen und für mehr Volumen beim verbleibenden Haar sorgen.

Um den Haarausfall aufzuhalten, müssen Sie Ihre Haare sehr sorgfältig behandeln:

  • Früherkennung und Diagnose: Konsultieren Sie einen Dermatologen, um die genaue Ursache des Haarausfalls zu bestimmen und die passende Behandlung zu wählen.
  • Sanfte Haarpflege: Vermeiden Sie aggressives Bürsten und zu straffe Frisuren, die an der Haarwurzel ziehen und das Haar schädigen können. Verwenden Sie milde Shampoos und Pflegemittel, um die Kopfhaut gesund zu halten und Haarbruch zu verhindern.
  • Vermeidung von Haarschäden: Vermeiden Sie heiße Haarbehandlungen wie Föhnen oder chemische Behandlungen, die das Haar schwächen und Haarausfall verursachen können.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen, Zink und B-Vitaminen ist, um die Gesundheit der Haarwurzeln zu unterstützen.
  • Nahrungsergänzung: Bei Bedarf können Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, um Nährstoffdefizite auszugleichen.
  • Stressreduktion: Reduzieren Sie Stress durch regelmäßige Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder autogenes Training, um den negativen Einfluss von Stress auf das Haarwachstum zu minimieren.
  • Kopfhautmassage: Massieren Sie täglich Ihre Kopfhaut für etwa zwei Minuten, um die Durchblutung zu fördern und die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln zu verbessern.
  • Medikamentöse Behandlung: Wenn der Haarausfall trotz der genannten Gegenmaßnahmen weiter fortschreitet, besprechen Sie mit Ihrem Arzt rezeptfreie und verschreibungspflichtige Medikamente.
  • Ästhetische Optionen: Studien belegen, dass Microneedling die Wirksamkeit von haarwachstumsstimulierenden Mitteln erhöht. Die Ergebnisse unterstützen die Verwendung von Dermarollern zur Behandlung von Haarausfall. Platelet-Rich Plasma (PRP): Manche Therapeuten bieten diese, auch als Eigenbluttherapie bezeichnete, Behandlung zur Förderung des Haarwachstums an. Dabei wird Plasma aus Ihrem eigenen Blut in die Kopfhaut injiziert.
  • Haartransplantation: Bei fortgeschrittenem Haarausfall kann eine Haartransplantation für viele Männer eine dauerhafte Lösung bieten. Hierbei werden gesunde Haarfollikel in kahlen Bereiche verpflanzt.

Es gibt wenige wirksame Mittel, die Männer bei Haarausfall anwenden können. Die evidenzbasierte (S3)-Leitlinie zur Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Männern empfiehlt die Wirkstoffe Minoxidil und Finasterid.

Hier sind einige der bekanntesten Wirkstoffe, die Männern bei der Behandlung von Haarausfall helfen können:

  • Minoxidil: Minoxidil ist einer der bekanntesten Wirkstoffe zur Behandlung von Haarausfall.
  • Finasterid: Das verschreibungspflichtige Medikament wird zur Behandlung von androgenetischer Alopezie, dem erblich bedingten Haarausfall, eingesetzt.
  • L-Cystein: Als Aminosäure ein wichtiger Baustein von Proteinen.
  • Methionin: Diese Aminosäure fügt sich in die Keratinstruktur ein, die den Hauptbestandteil der Proteine in Haaren und Nägeln bildet, und kann so das Haarwachstum fördern.
  • Biotin (Vitamin B7): Biotin ist auch als Vitamin B7 bekannt.

Die Forschung bedient sich gern auch bei Heilkräutern und anderen natürlichen Inhaltsstoffen, die seit Jahrhunderten gegen den Haarausfall bei Männern eingesetzt werden:

  • Mariendistel-Extrakt: Dieser Extrakt stimuliert das Haarwachstum, indem er die Zellen an der Haarwurzel beeinflusst und Haarausfall durch seine Verankerungseigenschaften bekämpft.
  • L-Lysin: L-Lysin hat ebenfalls eine wichtige Funktion im Haarwachstum.
  • Buschklee: Ein natürlicher und patentierter Aktivstoff, der den Haarzyklus normalisiert und dadurch den Haarausfall verlangsamt.
  • Heidelbeer-Extrakt: Oft als „Superbeere“ bezeichnet, kann dieser Extrakt die Mikrozirkulation anregen, was zur Unterstützung des Haarwachstums beitragen kann.
  • Schachtelhalm-Extrakt: Eine der ältesten Heilpflanzen, die für ihre haarwuchsfördernde Wirkung bekannt ist.
  • Frauenhaarfarn: Ein Aktivstoff, der dazu beiträgt, Haare und Nägel gesund zu erhalten und Haarausfall vorzubeugen.

Es gibt kein universelles „bestes Mittel“ gegen Haarausfall, da die Effektivität stark von der Ursache des Haarausfalls abhängt. Allgemein haben sich einige Mittel und Methoden als wirksam erwiesen. Medikamente wie Finasterid und Minoxidil sind weit verbreitet und können Männern bei erblich bedingtem Haarausfall helfen, indem sie den Haarwachstumszyklus beeinflussen und die Haarausfallrate reduzieren. Eine ausgewogene Ernährung und spezielle Nahrungsergänzungsmittel, die Vitamine und Mineralstoffe enthalten, können ebenfalls zur Verbesserung der Haargesundheit beitragen.

tags: #warum #bekommen #männer #eine #glatze #und

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen