Plötzlicher Haarausfall: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Plötzlicher Haarausfall kann für Betroffene eine erhebliche Belastung darstellen. Es ist wichtig, die Ursachen zu verstehen, um geeignete Maßnahmen ergreifen zu können. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des plötzlichen Haarausfalls, von den Ursachen über die Diagnose bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Haarausfall?

Von krankhaftem Haarausfall (Alopezie) spricht man, wenn über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Haare pro Tag ausfallen. Ein leichter Haarausfall ist normal, da Haare verschiedene Phasen durchlaufen und am Ende ausfallen, damit neue Haare Platz zum Wachsen haben. Diese Phasen bezeichnen Fachleute als Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase.

Wie viel Haarausfall ist normal?

Es ist normal, täglich 50 bis 100 Haare zu verlieren. Von einem Haarausfall als Krankheit (Alopezie) spricht man erst, wenn sich mehr als 20 Prozent der Haare gleichzeitig in der Endphase befinden. Dies bedeutet, dass mehr als 100 Haare pro Tag ausfallen und weniger Haare nachwachsen als abgestoßen werden.

Wenn Sie feststellen, dass Sie deutlich mehr Haare verlieren als üblich oder sich kahle Stellen bilden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Haarausfall kann auf verschiedene gesundheitliche Probleme hinweisen, z. B. Hormonstörungen, Stress oder Mangelernährung.

Ursachen für plötzlichen Haarausfall

Plötzlicher Haarausfall tritt oft unerwartet ein und zeichnet sich durch einen schnellen und drastischen Ausfall des Kopfhaars aus. Bis zu zwei Prozent der Menschen sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Es gibt viele mögliche Ursachen für dieses Leiden:

  • Krankheiten: Vor allem Leiden, die das Immunsystem stark belasten.
  • Hormonelle Veränderungen: Hierbei spielt das männliche Hormon DHT (Dihydrotestosteron) eine zentrale Rolle.
  • Telogenes Effluvium: Es tritt auf, wenn man durch viel Stress ungewöhnlich viele Haare verliert.
  • Medikamente: Einige Arzneimittel können ebenfalls zu Haarausfall führen.

Alopecia Areata: Kreisartiger Haarausfall

„Bei kreisrundem Haarausfall, in der Fachsprache als Alopecia areata bezeichnet, handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung gegen die in der Haut liegenden Haarbestandteile. Die Ursache dafür ist noch nicht eindeutig geklärt“, sagt Prof. Dr. Michael Tronnier, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Helios Klinikum Hildesheim.

Die Alopecia areata (AA) tritt zu 80 Prozent der Fälle im Kopfbereich auf. Bei Männern kann zusätzlich der Bartwuchs betroffen sein. Der entzündliche Haarausfall beginnt häufig im Kindes- und jungen Erwachsenalter, kann aber prinzipiell in jedem Alter auftreten.

Es gibt verschiedene Formen der Alopecia areata:

  • Alopecia areata: Kreisartiger Haarausfall, wobei Wimpern, Augenbrauen und restliche Körperbehaarung meist normal vorhanden sind.
  • Alopecia ophiasis: Kranzartiges Fehlen der Haare im Ohren- und Nackenbereich, wobei Augenbrauen, Haare oben und seitlich am Kopf sowie die restliche Körperbehaarung nicht betroffen sind.
  • Alopecia totalis: Fehlen der gesamten Kopfbehaarung, inklusive Augenbrauen und Wimpern. Diese Form tritt eher selten auf.
  • Alopecia universalis: Komplette Körperbehaarung fällt aus, inklusive Augenbrauen, Wimpern und Nasenhaare.

Die AA ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die körpereigenen Immunzellen gegen die Strukturen der Haarwurzel richten und Antikörper bilden. Als Folge der fehlgesteuerten Immunreaktion entzünden sich die Haarwurzeln, wodurch die Haare nicht mehr richtig wachsen und es zum kreisrunden Haarausfall kommt.

Auch genetische Faktoren scheinen den kreisrunden Haarausfall zu begünstigen. So ist das Erkrankungsrisiko von Verwandten eines Betroffenen erhöht. Die genauen genetischen Hintergründe sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht.

Kreisrunder Haarausfall tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf. Dazu zählen etwa Autoimmunerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion und die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), aber auch atopische Erkrankungen, also mit Allergieneigung wie Neurodermitis und Heuschnupfen. Neben diesen können auch ein Vitamin D-Mangel sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen vorliegen.

Kreisrunder Haarausfall - Ist er heilbar? | Dr. med. Barbara Meyer-Lehmann

Diagnose von Haarausfall

Um den Haarausfall zu diagnostizieren und die möglichen Ursachen abzuklären, führt der Arzt verschiedene Untersuchungen durch:

  • Anamnese: Gespräch zur Erhebung der Krankengeschichte.
  • Körperliche Untersuchung: Untersuchung der Kopfhaut und des Verteilungsmusters der Haare.
  • Blutuntersuchung: Überprüfung von Eisen- und Zinkwerten, Schilddrüsenwerten und Entzündungswerten.
  • Epilationstest: Ausreißen kleiner Haarbüschel, um den Haarausfall zu bestätigen.
  • Trichogramm: Mikroskopische Untersuchung der Haarwurzeln.
  • Biopsie: Entnahme einer behaarten Kopfhautprobe zur genauen Untersuchung.

Körperliche Untersuchung

Je nachdem, unter welcher Art von Haarausfall Sie leiden, unterscheiden sich die Symptome bei Alopezie:

  • Erblich bedingter Haarausfall: Stirnglatze, kahle Stelle am Hinterkopf (Tonsur) und Geheimratsecken.
  • Kreisrunder Haarausfall: Rundliche, völlig kahle Stellen auf der Kopfhaut ohne Anzeichen einer Hautveränderung.

Trichogramm

Das Trichogramm ist ein mikroskopisches Untersuchungsverfahren, mit dem sich krankhafte Vorgänge an Haarwurzeln und Haarschaft erkennen lassen. Haare durchlaufen im Laufe ihres Lebens verschiedene Phasen (Haarzyklus):

  • Wachstums- oder Anagenphase: Die Phase des aktiven Haarwachstums dauert meist vier bis sechs Jahre, manchmal auch bis zu zehn.
  • Übergangs- oder Katagenphase: Sie dauert ein bis zwei Wochen, in denen es zum funktionellen Rückbau des Haarfollikels kommt und sich das Haar in Richtung Kopfhautoberfläche verschiebt.
  • Ruhe- oder Telogenphase: Sie umfasst drei bis vier Monate, in denen kein Stoffwechsel mehr stattfindet - das Haar "ruht". Am Ende wird es abgestoßen (= es fällt aus).

Anhand des Trichogramms lässt sich abschätzen, wie groß der Anteil der Haare in den einzelnen Stadien ist. Das hilft bei der Abklärung des Haarausfalls.

Behandlung von Haarausfall

Die Behandlung einer Alopecia areata ist nicht immer einfach und von verschiedenen Faktoren, wie der Ausprägung der Erkrankung sowie Begleitdiagnosen abhängig.

  • Kortison: Beobachtung einer Verbesserung unter Kortison.
  • JAK-Inhibitoren: Können als Entzündungshemmer entzündliche Prozesse unterdrücken, wodurch es wieder zum Haarwachstum kommen kann.
  • Baricitinib: Der Wirkstoff Baricitinib ist das erste zugelassene Medikament zur Behandlung der Alopecia areata bei Erwachsenen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Haartransplantation: Eine effektive und langfristige Methode, bei der eigene Haarfollikel in die kahlen Stellen verpflanzt werden.
  • Medikamente: In einigen Fällen ist es möglich, den Haarverlust mit Medikamenten zu behandeln.

Vorbeugung von Haarausfall

Am besten lässt sich Haarausfall vorbeugen, der mechanisch bedingt oder durch eine Mangelernährung verursacht ist.

  • Ausgewogene Ernährung: Viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, mageres Fleisch und Fisch.
  • Gesunde Lebensweise: Stress reduzieren, ausreichend schlafen, auf Alkohol und Zigaretten verzichten.
  • Schonende Haarpflege: Vermeidung von Hitzestyling und chemischen Behandlungen.

Nährstoffe für gesundes Haar

Für kräftiges und gesundes Haar benötigt der Körper:

  • Biotin
  • Zink
  • Selen
  • Kupfer
  • Eisen
  • Magnesium
  • L-Cystein
  • Vitamin A
  • Vitamin D

Vollkornprodukte und tierische Lebensmittel wie Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch liefern viel Zink. Auch Milchprodukte enthalten das Spurenelement. Selen steckt vor allem in Fleisch, Fisch, Nüssen und Pilzen. Kupfer nehmen Sie zu sich, wenn Innereien, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse auf dem Speiseplan stehen.

Tabelle: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Haarausfall

Ursache Behandlungsmöglichkeiten
Erblich bedingter Haarausfall Medikamente (Finasterid, Minoxidil), Haartransplantation
Kreisrunder Haarausfall Kortison, JAK-Inhibitoren, Baricitinib
Diffuser Haarausfall Behandlung der Grunderkrankung, ausgewogene Ernährung
Mechanisch bedingter Haarausfall Vermeidung schädigender Belastungen der Haarwurzeln

Psychische Gesundheit

Zwar hat der kreisrunde Haarausfall keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung, dennoch ist die psychische Gesundheit oft sehr erheblich beeinträchtigt. Viele Patienten ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück und erleben psychisches Leiden bis hin zu einer Depression, bevor sie sich in eine professionelle Behandlung trauen.

Wann zum Arzt?

Wenn der Haarausfall plötzlich verstärkt auftritt und über einen längeren Zeitraum nicht weggeht, sollte man zum Arzt gehen. Sinnvoll ist es, als erstes den Hausarzt aufzusuchen. Bei Bedarf überweist er Sie an einen Facharzt, z.B. einen Dermatologen oder einen Endokrinologen.

Prognose

Die Prognose bei erblich bedingtem Haarausfall ist sehr unterschiedlich. Generell gilt: Je früher im Leben der Haarausfall beginnt, desto schlechter die Prognose.

Der Verlauf von kreisrundem Haarausfall lässt sich nicht vorhersagen. In vielen Fällen kommt es zu einer Spontanheilung. Allerdings sind Rückfälle möglich. Bei vernarbender Alopezie ist der Haarverlust unumkehrbar.

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