Biotin bei Haarausfall: Wirkung und Anwendung

Biotin, auch bekannt als Vitamin B7 oder „Vitamin H“, geistert als Wundermittel gegen Haarausfall durchs Netz - gepusht von Influencern und Influencerinnen und den Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln. Doch was genau ist eigentlich Biotin? Wie häufig ist ein Biotinmangel und kann das Vitamin wirklich bei Haarausfall helfen? Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über Biotin und seine Wirkung bei Haarausfall.

Was ist Biotin und welche Wirkung hat es im Körper?

Biotin ist ein wasserlösliches Vitamin und Teil des Vitamin B-Komplexes. Die B-Vitamine werden insbesondere für die Funktion des Stoffwechsels, der Nerven, der Verdauung und für Herz/Kreislauf benötigt.

Die Idee, Biotin als Vitamin H - „H“ wie „Haare“ - zu bezeichnen, kommt nicht von ungefähr. Der Körper braucht das wasserlösliche Vitamin, um Keratin zu produzieren. Das ist ein Protein, aus dem Haare, Haut und Nägel bestehen. Biotin gilt daher auch als „Schönheitsvitamin“ - doch das wird diesem vielseitigen Vitamin nicht gerecht. Denn: Biotin ist in zahlreiche weitere Stoffwechselprozesse im Körper eingebunden, etwa in die Bereitstellung von Energie aus Kohlenhydraten und die Reparatur von DNA-Schäden. Darüber hinaus trägt Biotin auch zu einer normalen psychischen Funktion bei.

Die Effekte von Vitamin B7 im Überblick

  • Haar- und Nagelwachstum: Unterstützt die Bildung von Keratin, einem zentralen Strukturprotein für kräftiges, gesund wachsendes Haar. Unterstützt gesunde Nägel.
  • Energiegewinnung: Unterstützt Enzyme, die Fette, Zucker und Eiweiße verarbeiten, sodass daraus Energie gewonnen werden kann.
  • Genregulation: Kann beeinflussen, wie bestimmte Gene an- oder abgeschaltet werden.
  • Zellkommunikation: Hilft dabei, Signale zwischen Zellen weiterzugeben.

Biotin unterstützt den Körper dabei, Keratin herzustellen - das ist ein Strukturprotein, das für kräftiges und gesundes Haar wichtig ist. Wenn wir zu wenig Biotin zur Verfügung haben, kann unser Körper nicht genug Keratin produzieren, wodurch unsere Haare schwach und brüchig werden können. Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass Biotin auch die Struktur und Dicke deiner Haare verbessern kann, wodurch das Haar insgesamt voller und voluminöser aussieht.

In welchen Lebensmitteln ist Biotin enthalten?

40 Mikrogramm: So viel Biotin sollten Erwachsene laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich zu sich nehmen. Ernähren sich Personen ausgewogen, erfüllen sie dieses Soll problemlos, denn Biotin ist in sehr vielen verschiedenen Lebensmitteln enthalten. Zu den Lebensmitteln mit besonders hohem Biotingehalt gehören Innereien, Fisch, Fleisch, Samen, Nüsse, bestimmte Gemüsesorten (wie Spinat, grüne Bohnen, Erbsen, Pilze, Süßkartoffeln) und gegarte Eier (insbesondere das Eigelb). Getreide (etwa Reis und Hafer) sowie Milch und Milchprodukte tragen ebenfalls zu einer guten Versorgung mit Biotin bei.

Gut zu wissen: In rohem Eiklar (dem durchsichtigen, gallertartigen Teil des Eis) findet sich das Eiweiß Avidin, das Biotin bindet. Das führt dazu, dass das Vitamin nicht vom Körper aufgenommen werden kann. Aber keine Sorge. Beim Erhitzen eines Eis wird das Avidin unschädlich gemacht, dadurch kann der Körper das Biotin problemlos aufnehmen. Für einen gesunden Biotinspiegel kann der regelmäßige Verzehr von rohem Eiweiß hinderlich sein.

Vitamin D, B12, Zink? Das ist gesund für Haare, Nägel und Haut | Dr. Julia Fischer | ARD Gesund

Wann kommt es zu Biotinmangel und was sind die Symptome?

Ein Biotinmangel ist aus den obigen Gründen selten. Verschiedene Faktoren können aber dazu führen, dass unser Körper nicht ausreichend mit dem Vitamin versorgt wird. Dazu zählen:

  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Mangelernährung
  • Übermäßiger Verzehr von rohem Eiweiß
  • Schwangerschaft
  • Längere Antibiotikaeinnahme
  • Einnahme bestimmter Medikamente (etwa zur Therapie epileptischer Anfälle)
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
  • Seltene, genetisch bedingte Enzymdefekte

Fehlt es dem Körper an Biotin, zeigt sich das zunächst oft an der Haut. Schuppiger, roter Ausschlag an Augen, Nase und Mund, aber auch Hautinfektionen und Bindehautentzündungen sind möglich. Betroffene können zudem über körperliche Schwäche sowie Übelkeit klagen. Und: Besteht ein Mangel an Biotin, kann das tatsächlich auch die Haargesundheit beeinträchtigen oder Haarausfall begünstigen. Besteht der Verdacht auf einen Biotinmangel, können Ärztinnen und Ärzte ihm über Urin- und Blutuntersuchungen auf die Spur kommen.

Symptome von Biotinmangel

  • Haarausfall: Deine Haare werden immer dünner oder fallen aus.
  • Hautveränderungen: Um Mund, Augen und Nase tauchen rote, schuppige Stellen auf. Auch Hautinfektionen sind möglich.
  • Brüchige Nägel: Deine Nägel reißen schneller ein und wirken spröde.
  • Gerötete Augen: Die Bindehaut ist gereizt - die Augen können brennen.
  • Psychische Veränderungen: Du fühlst dich antriebslos, müde oder hast Stimmungsschwankungen - ohne ersichtlichen Grund.

Hilft Biotin bei Haarausfall?

Biotinmangel kann zu Haarausfall führen. Aber bedeutet eine Extradosis Biotin umgekehrt automatisch, dass lichter werdende Haare ein Ende haben? So einfach ist es leider nicht. Ein Blick auf die Studienlage zeigt: Bislang gibt es keine Hinweise dafür, dass Präparate mit Biotin das Haarwachstum fördern, wenn kein Biotinmangel vorliegt. Anders bei einem bestehenden Biotinmangel, etwa aufgrund von genetischen Besonderheiten oder der Einnahme bestimmter Medikamente: Dann kann eine zusätzliche Zufuhr von Biotin dem Haarverlust entgegenwirken.

Wichtig: Haarausfall kann zahlreiche Ursachen haben. Dazu zählen Faktoren wie Eisenmangel, Stress, schwere Infektionen und eine Schilddrüsenerkrankung. Sollten Sie übermäßigen Haarverlust bemerken, ist ein Arztbesuch ratsam, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Forschungsergebnisse zu Biotin bei Haarausfall

  1. Zusammenhang zwischen Haarausfall und Biotinmangel: Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass bei 38 % der Frauen, die unter Haarverlust litten, ein Biotinmangel vorlag.
  2. Hochdosiertes Biotin gegen diffusen Haarausfall: Eine Studie aus dem Jahr 2022 ergab, dass Biotin den Haarausfall bei den Teilnehmern messbar reduzieren konnte.
  3. Haarausfall in der Schwangerschaft: Bis zu 50 % der schwangeren Frauen können von einem Biotinmangel betroffen sein.
  4. Anlagebedingter Haarausfall: Eine Studie aus dem Jahr 2019 legte einen Zusammenhang zwischen niedrigen Biotinleveln und anlagebedingtem Haarausfall nahe.
  5. Ursachen für Biotinmangel: Die langfristige Einnahme von Antibiotika, Alkoholkonsum und das Rauchen können den Biotin-Abbau im Körper beschleunigen.

Sicher ist, dass die Einnahme von Biotin gegen Haarausfall sinnvoll ist, wenn ein Biotin-Mangel besteht. Auch für die möglichen positiven Effekte von Biotin bei anlagebedingtem und diffusem Haarausfall liefern die erwähnten Studien wertvolle erste Erkenntnisse.

Wie viel Biotin am Tag bei Haarausfall sollte man nehmen?

Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin gegen Haarausfall sind oft in Dosierungen von 5 bis 10 Milligramm erhältlich. Zur Behandlung von Biotin-Mangel werden in Studien Dosierungen von bis zu 20 Milligramm eingesetzt. Generell gilt eine hohe Dosierung als sicher und sinnvoll, insbesondere zur Behandlung von Biotin-Mangel-Symptomen. Biotin ist ein wasserlösliches Vitamin. Eine Überdosierung ist unwahrscheinlich, da unser Körper sich dem “Überfluss” über die Ausscheidungsorgane entledigt.

Hat Biotin Nebenwirkungen und was passiert bei einer Überdosierung?

Normalerweise ist es unproblematisch, größere Mengen Biotin durch Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Selten kommt es zu einer Magenverstimmung. Als wasserlösliches Vitamin wird überschüssiges Biotin vom Körper über den Urin ausgeschieden. Daher hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auch keine Höchstmenge für Biotin in Nahrungsergänzungsmitteln festgelegt. Anzeichen dafür, dass Biotin krebserregend sein könnte, gibt es keine.

Doch Vorsicht: Eine übermäßige Zufuhr von Biotin ist trotzdem nicht immer unproblematisch, da ein sehr hoher Biotinspiegel im Blut bestimmte Labortests beeinflussen kann. Besonders bei Untersuchungen der Schilddrüsen- und Sexualhormone könnten ungenaue Ergebnisse und womöglich falsche Diagnosen die Folge sein. Expertinnen und Experten raten daher von übermäßigen Tagesdosen ab. Nehmen Sie Biotinpräparate ein und steht eine Laboruntersuchung bevor? Dann sollten Sie Ihr Behandlungsteam vorab darüber informieren.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Biotin

  • Nebenwirkungen: Selten allergische Reaktionen oder gastrointestinale Beschwerden.
  • Wechselwirkungen:
    • Antikonvulsiva: Können den Biotinabbau erhöhen.
    • Antibiotika: Können die Biotinproduktion im Darm reduzieren.
    • Avidin in rohem Eiweiß: Hemmt die Biotinabsorption.
  • Verfälschung von Labortests: Hohe Biotindosen können immunologische Assays beeinflussen (z. B. Schilddrüsenhormon-Tests).

Es ist wichtig, dass das Labor über die Einnahme des Präparats informiert wird, um zum Beispiel den richtigen Zeitpunkt für die Blutentnahme zu bestimmen oder in Notfällen die Probe gesondert aufzuarbeiten.

Aspekt Details
Empfohlene Tagesdosis 30-50 µg für Erwachsene
Biotinreiche Lebensmittel Innereien, Fisch, Fleisch, Nüsse, Samen, Gemüse
Mögliche Symptome bei Mangel Haarausfall, Hautausschläge, neurologische Störungen
Wichtige Hinweise Hohe Dosen können Labortests verfälschen; bei Nierenproblemen ist Vorsicht geboten

Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen sollte immer ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.

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