Die Rasur im Intimbereich ist für viele Menschen ein fester Bestandteil der Intimpflege. Ob und wie im Intimbereich rasiert wird, hat eine lange Geschichte. Kurz und gut, manchmal ist Intimrasur in, manchmal ist volles Charmhaar im Trend. Heute sollte die Intimrasur idealerweise eine ganz persönliche Entscheidung und Ausdruck individueller Präferenzen sein.
Die ersten Überlieferungen der Intimrasur reichen bis ins alte Ägypten zurück. Dort sind auf Hieroglyphen Frauen mit Rasiermesser und Schamhaar-Dreieck zu sehen. 4.000 bis 3.000 v. Chr. wurden dort geschliffene Steine und Muscheln in Kombination mit Harzen, Eselfett oder Fledermausblut benutzt, um die Haare im Intimbereich zu entfernen. Grabmalereien aus dieser Zeit zeigen Frauen, die außer viel Schmuck gar nichts trugen; auch keinen Busch. Auf ägyptischen Hieroglyphen sind Frauen mit Rasiermesser und kleinem Schamhaar-Dreieck zu sehen.
Auch bei den Römmerinnen war Haarentfernung üblich und im orientalischen Raum gingen Frauen in islamischen Hammams und entfernten sich dort ihre Intimbehaarung mit Halawa, einer warmen Creme aus Zucker und Zitronensaft, oder sie wurden mit dünnen Fäden aus der Haut gezwirbelt. Durch römische Eroberungen außerhalb des Schambereichs wucherte sich der Trend zum Trimmen auch nach Nordeuropa, -afrika und den Orient. Neben gängiger Rasurmethoden mit Bronzemesser, Zucker- oder Bienenwachs war es üblich, unerwünschte Haare mit groben Handschuhen oder schleifpapierähnlichen Scheiben abzureiben.
Intimrasur hatte damals vor allem hygienische Zwecke, um sich vor Parasiten (die sich grundsätzlich gerne in Haar einnisten) zu schützen. Damals wurde der Intimhaarschnitt noch überwiegend aus hygienischen Gründen praktiziert, damit sich keine Parasiten oder anderes Ungeziefer wie Läuse oder Milben festsetzen. Starke Behaarung galt als unzivilisiert.
Dann kommt das Mittelalter und damit ist Hygiene und somit Intimpflege, Intimhygiene und Intimrasur passé. Nach der Römerzeit bis zum frühen Mittelalter musste das Badewesen und die damit verbundene Schamhaarentfernung in Europa pausieren. Zumindest offiziell. Sämtliche Auseinandersetzungen mit dem eigenen Körper wurden von der Kirche nicht nur abgelehnt und tabuisiert, sondern auch verfolgt. Ob und wie sich Damen dieser Zeit tatsächlich untenrum behaarten, ist nicht hinreichend überliefert.
Ab dem 15. bis 16. Jahrhundert wirds ganz böse. Dann kommt das Thema Hexenvebrennung ins Spiel und in der Zeit wurden Frauen, auch um ihnen ihre “Magie” wegzunehmen, komplett enthaart. Das hat jetzt nicht viel mit der selbstbestimmten Intimpflege zu tun, sollte aber trotzdem mal gesagt sein. Dann kamen die Hexen. Ab dem 15. und 16. Jahrhundert galten Narben oder Leberflecke als böse Male, Luzifer höchstpersönlich hätte sie auf die Frauenkörper geteufelt. Frauen, die verdächtigt wurden, verwunschen zu sein, wurden bei Untersuchungen am ganzen Körper rasiert. Diese sogenannte Nadelprobe ging naturgemäß fast immer negativ aus, weil wohl niemand lupenreine Haut besitzt.
Erst durch den Aufstieg des Bürgertums im 12. und 13. Jahrhundert wurden die Badekultur in Europa und damit das Enthaaren im Intimbereich wieder trendy. Erst durch den Aufstieg des Bürgertums und die Rückkehr der Kreuzritter im 12. und 13. Jahrhundert wurden die Badekultur in Europa und somit eine haarlose Scham wieder trendy. Intimrasur ist mal angesagt, mal wieder nicht, je nach Zeitalter, Epoche und Kultur.
Im 18. Jahrhundert, insbesondere in Frankreich wurde ein kindlicher (und somit haarloser) Körper der Frau bevorzugt. Im Frankreich des 18. Jahrhunderts mussten Schamhaare weg, bevorzugt wurde jugendliches, gar kindliches Aussehen. In Zeiten des Nationalsozialismus wurde das “Natürliche” der deutschen Frau und damit auch volle Intimbehaarung zum Ideal erhoben. Zur Zeit des Nationalsozialismus' hatte die "deutsche Frau" dem Ideal entsprechend volle Schambehaarung zu tragen.
Aber, ob Trend oder nicht: Bis zum 19. Jahrhundert war die Intimrasur bei Frauen kein Zuckerschlecken. Entfernen von Haaren ging oft mit Schmerzen und sogar Risiken für die Gesundheit (hallo kleine Schnitte und Entzündungen) einher. Haare hin oder her. Bis ins 19. Jahrhundert war die Rasur keine angenehme Sache. Sie war lästig, schmerzhaft und manchmal auch gesundheitsgefährdend.
Und dann kommt die Elektrik und 1949 der erste Einwegrasierer. Dann wurde Elektrizität entdeckt und Rasur ein großes Stück einfacher und schmerzfreier. Was auch kommt, noch nicht ganz 1949 aber nicht weit danach, sind die Bikinis und Miniröcke. Die rasierte Scham wurde Mode. Jetzt geht es mit der Intimbehaarung so richtig los, je mehr vom Frauenkörper gezeigt wird, umso mehr wird rasiert. Zurechtgestutzte Härchen galten nach wie vor als reiner als gänzliche Glätte, die nicht regelmäßig gewaschen wurde. Der erste Rasierer mit Wegwerfklingen von Gillette speziell nur für Frauen aus dem Jahr 1915 und die Erfindung des Bikinis im Jahre 1946 taten ihr übriges.
Mit Elektrolyse, Heißwachs, Laser, Elektrorasierern sind der südlichen Frisur quasi keine Grenzen mehr gesetzt. Bikinis und Badeanzüge wurden kürzer, Bilder in den Medien nackter."Speziell für den Bereich der Intimrasuren bei Frauen lässt sich sagen, dass es die 'neue' Sichtbarkeit der äußeren weiblichen Genitalien ist, die dazu führt, dass sich auch hier Schönheitsnormen herausbilden: Erstmals entwickelt sich eine allgemeingültige - für weite Schichten der Bevölkerung - verbindliche Intimästhetik. Was untenrum alles möglich ist, zeigt uns Caroline Selmes in ihrem Buch Pussycuts. Vom Charlie Chaplin bis hin zum Blitz, mit ein wenig Geschick lassen sich richtig kreative Dinge mit der Naturfrise anstellen.
Ganz glatt, stoppelig oder eher naturbelassen? Die Welt der weiblichen Schamfrisuren ist mannigfaltig.
Verschiedene Intimfrisuren für Frauen
Mittlerweile haben die Medien, aber vor allem das Internet dazu geführt, dass die Gestaltung des Intimbereichs sich weltweit immer mehr vereinheitlicht. "Als der Brazilian Cut das erste Mal in einer dieser großen beliebten Fernsehserien auftauchte in den 1990er-Jahren, in 'Sex and the City', ging daraufhin die Nachfrage nach Brazilians durch die Decke. Auch in Deutschland, wo die Schamhaare in den 1980er-Jahren noch ungehindert wachsen durften. Die französische Frauenrechtlerin und Journalisten Florence Hervé kommentierte in einem ihrer Bücher, man könne die deutschen Frauen an ihrem "germanischen Urwald" erkennen.
Wer sich dem Mehrheitsgeschmack nicht beugt, muss mit einen Shitstorm rechnen. Immer wieder, so die Kulturwissenschaftlerin, gebe es "Bush-is-back"-Bewegungen. US-Stars wie die Sängerin Lady Gaga, Rapperin Doja Cat oder Schauspielerin Cameron Diaz bekannten sich öffentlich zum Wildwuchs. In ihrem "Body Book" schrieb letztere schon 2013: "Seien wir mal ehrlich: Wie jedes andere Teil Ihres Körpers sind Ihre Schamlippen nicht immun gegen die Schwerkraft.
Die Kulturwissenschafterin plädiert dafür, dass jeder Mensch selbstbestimmt entscheiden können muss, wie er oder sie Körperhaare tragen oder nicht tragen will. Ganz glatt, stoppelig oder eher naturbelassen?
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 4000-3000 v. Chr. | Erste Überlieferungen der Intimrasur im alten Ägypten |
| Mittelalter | Hygiene und Intimpflege geraten in Vergessenheit |
| 12. und 13. Jahrhundert | Badekultur und Enthaarung werden durch das Bürgertum wieder populär |
| 15. und 16. Jahrhundert | Hexenverfolgung führt zu Zwangsenthaarungen |
| 18. Jahrhundert | Kindlicher, haarloser Körper wird in Frankreich bevorzugt |
| 1949 | Erster Einwegrasierer wird erfunden |
| 1990er Jahre | Brazilian Cut wird durch "Sex and the City" populär |
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