Haare sind unser natürlicher Kopfschmuck und spielen eine wichtige Rolle für unser Aussehen. Sie symbolisieren Dynamik und Gesundheit. Der Zustand, die Farbe und die Beschaffenheit der Haare sind grundlegend genetisch bestimmt.
Haarausfall, auch Alopezie genannt, ist normal, solange nur rund 100 Haare pro Tag ausfallen. Die Ursachen für Haarausfall bei Frauen und Männern sind unterschiedlich.
Fast jeder hat sich schon einmal Sorgen wegen Haarausfalls gemacht - ob berechtigt oder nicht. Einige Anlässe dafür sind besonders verbreitet, und meist gibt es erprobte Behandlungen dagegen.
Wie vieles andere Lebendige auch besitzt das Haar einen Lebenszyklus: Es wächst, ruht, ist erschöpft und stirbt. Im Normalfall wird es dann durch ein neues Haar ersetzt. Bis zu 20 dieser Zyklen durchläuft das Haar einer einzigen Haarwurzel während eines Menschenlebens.
Der Wachstumszyklus der Kopfhaare besteht aus drei Phasen:
- Wachstumsphase (Anagenphase): Das Haar wächst aktiv. Diese Phase dauert typischerweise zwischen zwei bis sechs Jahren. Etwa 85 bis 90 % unserer Haare befinden sich gleichzeitig in der Wachstumsphase.
- Übergangsphase (Katagenphase): In der etwa zwei- bis dreiwöchigen Übergangsphase befinden sich dauerhaft nur 1 % unserer Haare. In dieser Phase hört das Haar auf zu wachsen, und der Haarfollikel schrumpft.
- Ruhephase (Telogenphase): In dieser rund dreimonatigen Phase befinden sich ca. 9 % unserer Haare. Das Haar ruht und fällt schließlich aus, um Platz für neues Haar zu machen. Anschließend beginnt der Zyklus von vorne, indem ein neues Haar im Follikel wächst.
Haarausfall wird sichtbar, wenn mehr Haare ausfallen als nachwachsen. Wer ist am häufigsten von Haarausfall betroffen? Besonders häufig trifft Haarausfall Männer im mittleren Alter. Frauen sind zumindest von der häufigsten Form des erblich bedingten Haarausfalls eher weniger betroffen.
Im Unterschied zum Haarausfall bei Frauen ist der erblich bedingte Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt, die mit Abstand häufigste Form des Haarverlusts bei Männern. Hierbei wird der Haarausfall von Generation zu Generation weitergegeben. Man sieht oft ähnliche Muster des Haarverlusts bei Vätern und Großvätern.
Androgenetische Alopezie bei Männern
Ursachen des erblich bedingten Haarausfalls
Die Ursache für androgenetische Alopezie liegt in einer Überempfindlichkeit der Haarwurzeln im vorderen Kopfbereich. Die Wachstumsphase der Haare (Papillarhaar-Phase) verkürzt sich dadurch.
Die Ursache für androgenetische Alopezie bedeutet sinngemäß „Haarausfall im Zusammenhang mit männlichen Hormonen (Androgene)“, die sowohl bei Männern als auch bei Frauen vorkommen. Verantwortlich für den erblich bedingten Haarausfall ist das körpereigene Hormon DHT (Dihydrotestosteron). Es ist ein Umwandlungsprodukt von Testosteron und bei dieser Art des Haarausfalls reagieren die Haarfollikel überempfindlich auf DHT. Die Veranlagung zu dieser Überempfindlichkeit des Haarfollikels kann von jeder Elternseite vererbt werden. Welche Gene im Erbmaterial den Haarausfall verursachen, ist bislang wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt.
Die Folgen des erblich bedingten Haarausfalls sind bekannt:
- Die Blutgefäße, die die Haarfollikel mit den für das Haarwachstum notwendigen Nährstoffen versorgen, bilden sich zurück.
- Durch diese verringerte Versorgung verkümmern die Follikel immer mehr.
- Zudem wird die Wachstumsphase der Haare verkürzt und die Ruhephase verlängert, wodurch der Haarzyklus von Mal zu Mal kürzer wird.
- Neue Haare wachsen als Resultat kürzer und weniger kräftig nach und fallen eher aus.
- Dieser Prozess wiederholt sich über viele Jahre. Von Zyklus zu Zyklus bilden sich immer dünnere Haare, bis keine Haare mehr sichtbar sind.
Symptome des erblich bedingten Haarausfalls
Androgenetischer Haarausfall beginnt bei Männern typischerweise mit Geheimratsecken an den Schläfen, kahlen Stellen oben und am Hinterkopf (Tonsur) und einer zurückweichenden Haarlinie. Bei Frauen lichtet sich das Haar zumeist in der Scheitelzone.
Der Verlauf des erblich bedingten Haarausfalls bei Männern lässt sich in verschiedene Typen einteilen:
- Typ II: Der Haarausfall macht sich vor allem frontal am Haaransatz bemerkbar, die so genannten Geheimratsecken werden bereits sichtbar.
- Typ III: Die Ausprägung der Geheimratsecken nimmt zu und reicht in dieser Phase bereits in Richtung Hinterkopf, also über die vor den Gehörgängen gedachte Verbindungslinie hinaus.
- Typ IV: Typisch für diese Phase ist der fortschreitende Haarverlust im Scheitelbereich sowie ein weiterer frontaler Haarverlust.
- Typ V: Der Haarverlust im Stirn- und Scheitelbereich nimmt zu. Die Haarbrücke, die das Scheitel- und Vertexareal trennt, reduziert sich zunehmend und besteht nur noch aus wenigen Haaren. Das Haar an Schläfe und Hinterkopf nimmt die typische „Hufeisenform“ an.
- Typ VI: Der Haarverlust an Stirn und Scheitel geht immer mehr ineinander über. Der Haarverlust breitet sich zudem auch über die Seite des Kopfes aus.
- Typ VII: In diesem letzten Stadium des Haarausfalls ist vom ursprünglichen Haarwuchs nur ein schmaler Haarkranz übrig.
Norwood-Skala zur Einteilung des Haarausfalls bei Männern
Bei Frauen ist der hormonell erblich bedingte Haarausfall auch als „androgenetische Alopezie vom weiblichen Typ“ bekannt. Kennzeichnend für den anlagebedingten Haarausfall ist, dass die Haare in bestimmten Bereichen kontinuierlich ausgehen und die Haardichte dort immer mehr zurückgeht. Betroffene Frauen erkennen einen hormonell erblich bedingten Haarausfall an folgenden Auffälligkeiten: stetig dünner werdendes Haar im Scheitelbereich, meist gleichmäßig ausgedünnte Haare im oberen Kopfbereich oder durchschimmernde Kopfhaut.
Behandlungsmöglichkeiten des erblich bedingten Haarausfalls
Das Angebot an Mitteln gegen Haarausfall ist fast unüberschaubar: Shampoos, Medikamente, Ernährung, Hausmittel, Haartransplantation. Dabei den Überblick zu behalten, kann schwierig werden. Ob ein Haarausfall-Mittel wirksam ist, liegt maßgeblich daran, ob es an der richtigen Ursache ansetzt.
Androgenetischen Haarausfall aufhalten kann zum Beispiel eine Haarwurzelbehandlung mit Eigenblut, eine Mesohair-Therapie, oder - bei männlichen Patienten - die Einnahme von Medikamenten gegen Haarausfall.
Welche Gegenmittel oder welche Therapien helfen können, hängt von der Ursache für den Haarausfall ab. In Frage kommt eine Stärkung der Nährstoffzufuhr durch eine Haarwurzelbehandlung oder eine Mesotherapie. Beide können auf Dauer volleres, gesundes Haar bringen.
Es gibt verschiedene Mittel und Optionen, um gegen den erblich bedingten Haarausfall vorzugehen. Die beste Therapie sollte immer durch einen Arzt individuell auf den Betroffenen abgestimmt werden.
Um den Haarausfall aufzuhalten, müssen Sie Ihre Haare sehr sorgfältig behandeln:
- Früherkennung und Diagnose: Konsultieren Sie einen Dermatologen, um die genaue Ursache des Haarausfalls zu bestimmen und die passende Behandlung zu wählen.
- Sanfte Haarpflege: Vermeiden Sie aggressives Bürsten und zu straffe Frisuren, die an der Haarwurzel ziehen und das Haar schädigen können. Verwenden Sie milde Shampoos und Pflegemittel, um die Kopfhaut gesund zu halten und Haarbruch zu verhindern.
- Vermeidung von Haarschäden: Vermeiden Sie heiße Haarbehandlungen wie Föhnen oder chemische Behandlungen, die das Haar schwächen und Haarausfall verursachen können.
- Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen, Zink und B-Vitaminen ist, um die Gesundheit der Haarwurzeln zu unterstützen.
- Nahrungsergänzung: Bei Bedarf können Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, um Nährstoffdefizite auszugleichen.
- Stressreduktion: Reduzieren Sie Stress durch regelmäßige Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder autogenes Training, um den negativen Einfluss von Stress auf das Haarwachstum zu minimieren.
- Kopfhautmassage: Massieren Sie täglich Ihre Kopfhaut für etwa zwei Minuten, um die Durchblutung zu fördern und die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln zu verbessern.
Medikamente wie Finasterid und Minoxidil sind weit verbreitet und können Männern bei erblich bedingtem Haarausfall helfen, indem sie den Haarwachstumszyklus beeinflussen und die Haarausfallrate reduzieren.
Medikamentöse Behandlung
Der vielversprechendste Weg, um den erblich bedingten Haarausfall zu behandeln, ist eine medikamentöse Therapie. Hier stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die den androgenetischen Haarausfall stoppen oder verlangsamen können. Hier hat sich vor allem der Wirkstoff Alfatradiol (Pantostin® Kopfhautlösung) bewährt, aber auch Minoxidil und Finasterid sind mögliche Optionen.
- Minoxidil: Minoxidil ist einer der bekanntesten Wirkstoffe zur Behandlung von Haarausfall. In Form einer Lösung oder eines Schaums wird er direkt auf die Kopfhaut aufgetragen. Minoxidil verbessert die Durchblutung der Haarfollikel und verlängert die Wachstumsphase des Haares. Dies kann dazu beitragen, den Haarausfall zu verlangsamen und das Haarwachstum zu fördern.
- Finasterid: Das verschreibungspflichtige Medikament wird zur Behandlung von androgenetischer Alopezie, dem erblich bedingten Haarausfall, eingesetzt. Es wirkt, indem es das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) blockiert, welches die Haarfollikel schrumpfen lässt und so den Haarausfall verursacht. Durch die Reduktion von DHT im Körper kann Finasterid helfen, den Haarausfall zu stoppen und sogar neues Haarwachstum zu stimulieren.
- Alfatradiol: Alfatradiol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der 5-α-Reduktasehemmer, der zur äußerlichen Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls verwendet wird. Alfatradiol wird einmal täglich, vorzugsweise abends, mit einem Dosierapplikator, der die richtige Menge und die komfortable Anwendung unterstützt, auf die Kopfhaut aufgetragen. Alfatradiol, der Wirkstoff in Pantostin®, wirkt, indem es das Enzym 5-α-Reduktase auf der Kopfhaut hemmt und damit an der Ursache für den erblich bedingten Haarausfall ansetzt. Dadurch wird die Bildung von Dihydrotestosteron (DHT), einem Spaltprodukt des Hormons Testosteron, reduziert, welches die Haarwurzeln schädigt. Durch diese Wirkungsweise kann Pantostin® dem fortschreitenden Rückgang gesunder Haarwurzeln entgegenwirken und der Haarausfall kann dadurch deutlich verringert werden.
Weitere Behandlungsansätze
- PRP-Therapie (Eigenbluttherapie): Dem Patienten wird Blut entnommen und speziell aufbereitet, sodass ein Serum aus Blutplasma und Blutplättchen entsteht. Dieses wird dann in die Kopfhaut injiziert, um die Haarwurzeln zu stimulieren.
- Mesotherapie: Vitamine, Aminosäuren, Spurenelemente oder homöopathische Mittel werden in die Kopfhaut injiziert, um die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln zu verbessern.
- Haartransplantation: Bei fortgeschrittenem Haarausfall kann eine Haartransplantation eine dauerhafte Lösung bieten. Hierbei werden gesunde Haarfollikel in kahlen Bereiche verpflanzt.
Unterstützende Maßnahmen
- Shampoos und Tinkturen: Es gibt verschiedene Shampoos und Tinkturen gegen Haarausfall, die in der Apotheke oder im Supermarkt erhältlich sind. Beliebt sind Shampoos, die Koffein enthalten, zum Beispiel Alpecin oder Plantur 39. Koffein soll die Haarwurzeln stärken und die Wachstumsphase der Haare verlängern.
- Nahrungsergänzungsmittel: Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen ist nur dann sinnvoll, wenn auch ein nachgewiesener Mangel eines Nährstoffs besteht. Vor allem Eisenmangel ist ein sehr häufiger Grund für Haarausfall.
- Hausmittel: Beliebt sind hier insbesondere Apfelessig, Brennnesselextrakt, Kokosöl, Kaffee, Bier oder Arganöl. Ein wissenschaftlich erwiesener Nutzen gegen Haarausfall besteht nicht. Dennoch können Sie damit ihren Haaren etwas Gutes tun. Sie können das Haar kräftiger und geschmeidiger machen und das Auftreten von Haarbruch und Spliss verringern.
- Kopfhautmassage: Die Kopfhautmassage ist primär gut zur Entspannung und kann nützlich sein, wenn Stress eine der Ursachen für Haarausfall ist. Außerdem wird die Durchblutung der Kopfhaut angeregt, wodurch die Haarwurzeln besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können.
- Sport: Sport kann einen wichtigen Beitrag zur Haargesundheit leisten. Die stressreduzierende Wirkung des Sports senkt den Spiegel an Stresshormonen im Blut, die das Haar dünn und spröde machen können. Außerdem wird neben dem restlichen Körper auch die Kopfhaut besser durchblutet.
- Gesunde Ernährung: Durch die Ernährung nimmt der Körper Vitamine, Nährstoffe und Spurenelemente auf, die für ein gutes Haarwachstum wichtig sind. Fehlen diese Stoffe, wird das Haar schnell dünn, brüchig oder fällt aus.
Wichtig: Die Informationen in diesem Artikel dienen nur der allgemeinen Information und ersetzen keine professionelle Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.
Am wichtigsten ist es, die richtige Ursache für den Haarausfall zu finden und diese spezifisch zu therapieren. Dabei kann Ihnen der Hausarzt, Dermatologe oder Haarchirurg helfen.
Haarausfall – Ursachen und Behandlung | ZAVA Online-Arztpraxis
Hier eine Tabelle mit den wichtigsten Behandlungsmethoden und deren Wirkungsweise:
| Behandlungsmethode | Wirkungsweise |
| Minoxidil | Verbessert die Durchblutung der Haarfollikel, verlängert die Wachstumsphase des Haares |
| Finasterid | Blockiert das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), welches die Haarfollikel schrumpfen lässt |
| Alfatradiol | Hemmt das Enzym 5-α-Reduktase, reduziert die Bildung von Dihydrotestosteron (DHT) |
| PRP-Therapie | Injiziert Blutplasma und Blutplättchen in die Kopfhaut, um die Haarwurzeln zu stimulieren |
| Mesotherapie | Injiziert Vitamine, Aminosäuren und Spurenelemente in die Kopfhaut, um die Nährstoffversorgung zu verbessern |
| Haartransplantation | Verpflanzt gesunde Haarfollikel in kahle Bereiche |
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