Der Wiedehopf und der Kiebitz: Arten mit auffälliger "Frisur" im Fokus

In der Vogelwelt gibt es eine Vielzahl von Arten, die durch ihr Aussehen oder Verhalten auffallen. Zwei dieser Arten, der Wiedehopf und der Kiebitz, sind in den letzten Jahren besonders in den Fokus geraten. Beide Vögel zeichnen sich durch eine auffällige Federhaube oder "Frisur" aus und haben eine interessante Geschichte in Bezug auf ihren Bestand und ihre Gefährdung.

Wiedehopf mit seiner markanten Federhaube

Der Wiedehopf: Vogel des Jahres 2022

Der Wiedehopf (Upupa epops) wurde im Jahr 2022 zum "Vogel des Jahres" gekürt.

Vogel des Jahres 2022 - Der Wiedehopf | Vogelsteckbrief

Diese Wahl erfolgte durch eine öffentliche Online-Abstimmung, initiiert vom Naturschutzbund (NABU) und dem bayerischen Landesbund für Vogelschutz (LBV). Viele Menschen kennen den Wiedehopf wohl noch aus dem Lied "Die Vogelhochzeit".

Der Wiedehopf ist ein auffälliger Vogel mit einem unverwechselbaren Gesang und Federkleid. Er bevorzugt warme, trockene Flächen mit niedrigem Bewuchs. Die Brandenburger Heidelandschaften bieten ihm ideale Bedingungen. In dem Bundesland lebt rund die Hälfte aller Wiedehopfe Deutschlands.

Der Wiedehopf orientiert sich - wie alle Zugvögel - an Umweltfaktoren, wie zum Beispiel der Witterung und dem Nahrungsangebot, und gleicht diese mit seiner inneren Uhr ab. In seinen Verbreitungsgebieten sucht der Wiedehopf mit seinem langen gebogenen Schnabel am Boden nach Nahrung: Großinsekten, aber auch schon mal kleine Wirbeltiere. Zum Überleben braucht der Wiedehopf außerdem geeignete Nistplätze. Dazu dienen ihm Spechthöhlen, aber auch menschliche Strukturen wie Steinhaufen oder Bretterstapel.

Um sich heimisch zu fühlen und zu überleben, braucht der Vogel offene Landschaften und ältere, angefaulte Bäume, in die er seine Bruthöhlen bauen kann. Er bevorzugt warmes Klima und erbeutet vor allem größere Insekten, Engerlinge, Käfer, Raupen oder Schnecken.

Schutzmaßnahmen für den Wiedehopf

In der Döberitzer und der Kyritz-Ruppiner Heide sowie Wanninchen stellt die Heinz Sielmann Stiftung gezielt Brutkästen auf, um den Wiedehopf zu unterstützen. Vor Beginn der Brutsaison werden die Kästen von Mitarbeitenden kontrolliert und instandgesetzt.

Seit vier Jahren beringt der Experte außerdem gemeinsam mit einem Ehrenamtler die neu geschlüpften Wiedehopfe, um deren Zahl zu überwachen. Dabei zeigt sich der große Erfolg der Schutzmaßnahmen: Während etwa in der Döberitzer Heide vor drei Jahren noch 14 Jungvögel registriert wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits 56. Dank solcher Schutzprojekte hat sich der Gefährdungsgrad des Wiedehopfs in Deutschland von „Vom Aussterben bedroht“ (2002) hin zu „gefährdet“ (2021) abgeschwächt.

Der Kiebitz: Vogel des Jahres 2024

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) wurde zum "Vogel des Jahres 2024" gewählt. Der etwa taubengroße Regenpfeifer hat ein im Licht metallisch grün oder violett glänzendes Gefieder. Im Oktober wurde der auffällige Vogel mit der Federholle auf dem Kopf und den breiten gerundeten Flügel zum Vogel des Jahres 2024 gewählt. Bei der vierten öffentlichen Wahl vom NABU und seinem bayerischen Partner, dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), wurden knapp 120.000 Stimmen für die Kandidaten eingereicht - der Kiebitze erhielt davon allein 33.289 Stimmen.

Kiebitz mit seiner markanten Federholle

„In Thüringen ist der Vogel mit der steilen Frisur vom Aussterben bedroht. Jetzt steht er ein ganzes Jahr im Fokus der Öffentlichkeit und wir können auf seine Gefährdung aufmerksam machen“, sagt Klaus Lieder, Vogelexperte des NABU Thüringen. „Noch vor zweihundert Jahren war der Kiebitz in Thüringen eine häufige Brutvogelart. Noch Ende der 1970er lag der Bestand zwischen 1.100 und 1.350 Brutpaaren. Seitdem geht der Bestand jedoch kontinuierlich zurück und beträgt nur noch zwischen 100 bis 150 Brutpaaren.“ Laut Atlas der Brutvögel Thüringens liegen die Schwerpunktvorkommen von Kiebitzen derzeit im Grabfeld, in der Werraaue, in den Auen von Unstrut, Gera und Helme sowie im Altenburger Land.

Das Nest des Kiebitzes besteht aus einer Bodenmulde, meist legen sie vier Eier. Kiebitze sind Teilzieher: Einige überwintern bei milder Witterung in Deutschland und ein anderer Teil zieht in die Wintergebiete in Frankreich, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden. Beeindruckend sind vor allem ihre Flugmanöver zur Balzzeit. Die „Gaukler der Lüfte“ drehen Schleifen über ihrem Revier, stürzen sich in akrobatischen Flugmanövern gen Boden und singen dabei weit hörbar. Die Kiebitz-Männchen versuchen, ihre Auserwählte außerdem mit sogenanntem „Scheinnisten“ von ihren Nestbau-Qualitäten zu überzeugen: Sie scharren kleine Mulden in den Boden und rupfen Gräser.

Gefährdung und Schutz des Kiebitz

Kiebitze sind aus vielen Agrarlandschaften verschwunden. Vor allem die Entwässerung und der Verlust von Feuchtwiesen, machen der Art schwer zu schaffen. Durch frühe Mahd und schnell wachsende Kulturen sind Äcker und Wiesen weitgehend als Bruthabitat ungeeignet.

Kiebitze können durch die Erhaltung von naturnahen Lebensräumen geschützt werden. Die Renaturierung von Auen und Niederungen und die Wiedervernässung von Feuchtwiesen leisten hier einen wichtigen Beitrag. Bekannte Brut- und Rastplätze sollten zudem intensiv überwacht werden, um sie vor störenden menschlichen Eingriffen zu bewahren.

Folgenreiche Verschiebungen im Jahreslauf

Auf lange Sicht jedoch stellt der Klimawandel und dessen Einfluss auf die Jahreszeiten die Natur vor große Herausforderungen. „In der Fachwelt spricht man von Mismatches“, erklärt Petrischak. „Das bedeutet, dass Arten, die aufeinander angewiesen sind, in ihrem Jahreslauf auseinanderdriften.“ Obstbäume blühen dann mitunter, bevor Insekten aktiv und zur Bestäubung bereit sind. Und Insekten sind bereits aktiv und weiterentwickelt, wenn Zugvögel zurückkehren, die eigentlich deren Raupen als Futter brauchen. In diesem Frühjahr sei das Risiko für solche Mismatches besonders hoch, warnt Petrischak: „Die meisten Tiere und Pflanzen sind ihrem üblichen Jahreslauf um mindestens zwei bis drei Wochen voraus.“

Eine Studie, die in dieser Woche veröffentlicht wurde, zeigte, dass in der Europäischen Union binnen nur knapp vier Jahrzehnten rund 600 Millionen Brutvögel verschwunden sind. "Es handelt sich dabei aber kaum um imposante Großvögel, sondern um die vielen unscheinbaren Finken, Sperlinge und Lerchen, die unsere Wiesen und Felder lebendig machen", zitiert die dpa Nabu-Geschäftsführer Leif Miller. Zwar zeige sich, dass Artenprogramme und EU-Richtlinien inzwischen helfen, resümierten die Naturschützer. Sie sind jedoch alarmiert, dass inzwischen Vögel verschwinden, die wir eigentlich als selbstverständliche Gäste in unseren Gärten ansehen.

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