Die Wirkung von Vitaminen auf Haut und Haare

Vitamin- und Nährstoffmangel kommt nicht nur in Entwicklungsländern vor. Auch in Deutschland können eine unausgewogene Ernährung, hoher Nährstoffbedarf oder bestimmte Erkrankungen zu Vitaminmangel führen. Vitamine spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit des Haares. Ein Mangel an bestimmten Vitaminen kann das Haarwachstum beeinträchtigen, da die Haarfollikel ausreichend Nährstoffe benötigen.

Im Folgenden wird aufgeklärt, welche Vitamine für das Haarwachstum entscheidend sind, wie ein Mangel erkannt und behoben werden kann.

Biotin für schnelleres Haarwachstum und Haarausfallprävention - Biotin gegen haarausfall

Warum sind Vitamine wichtig für Haut und Haare?

Eine gute Nährstoffzufuhr ist nicht nur essenziell für die Gesundheit, sondern unterstützt auch ein schönes Erscheinungsbild von Haut, Haaren und Nägeln. Gesunde Haut, Haare und Nägel gehören für viele Menschen zu den herausragenden Schönheitsattributen. Die Gesundheit unserer Haut, Haare und Nägel geht einher mit einem gesunden Lebensstil, das heißt ausreichend Schlaf, Entspannung, Bewegung und frische Luft sowie eine ausgewogene Ernährung mit den wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.

Die Haut ist das größte Organ unseres Körpers. Wie auch Haare und Nägel, schützt die Haut den Körper vor schädlichen Einflüssen von außen und ist zugleich das größte Sinnesorgan. Daneben übernimmt die Haut wichtige Aufgaben im Stoffwechsel und als Teil des Immunsystems auch eine Rolle in der Körperabwehr und damit für die allgemeine Gesundheit des Körpers. Wenn einzelne Nährstoffe ganz oder teilweise fehlen, sieht man es Haut, Haare und Nägel schnell an. Daher ist eine ausgewogene Ernährung gerade auch für ein schönes Hautbild, eine gesunde Haarstruktur und feste Nägel wichtig.

Welche Vitamine und Nährstoffe sind besonders wichtig?

Für eine gesunde Haut sollten Verbraucher auf eine gute Versorgung mit Vitamin A oder dessen Vorstufe Betacarotin achten. Für die Struktur und Gesundheit der Haut spielt Vitamin A nämlich eine zentrale Rolle. Eine unzureichende Versorgung kann sich beispielsweise in Trockenheit der Haut äußern. Provitamin A beziehungsweise Betacarotin gehört darüber hinaus zu den Antioxidantien. Diese helfen, Zellen vor oxidativem Stress zu schützen und leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor einer möglichen Ursache der vorzeitigen Hautalterung.

Vitamin B2 beziehungsweise Riboflavin wird auch „Wachstumsvitamin“ genannt. Es ist wichtig für den Energiestoffwechsel und ist auch für die Hautgesundheit relevant. Für gesunde Haut, Haare und Nägel sollten Verbraucher/innen auf die ausreichende Versorgung mit Silizium achten, denn Silizium ist ein Bestandteil der Haut und des Bindegewebes. Omega-3-Fettsäuren sind Bestandteil der Zellmembranen (Zellwände), die jede Zelle umgeben und schützen. Sie sorgen für die notwendige Stabilität und einen gesunden Feuchtigkeitshaushalt.

Vitamin C ist eines der wichtigsten Vitamine, die täglich für die Haut benötigt werden. So ist Vitamin C u.a. ein Co-Faktor für die Kollagenproduktion. Es unterstützt damit die normale Kollagenbildung und hat somit Einfluss auf die Hautgesundheit und die Bildung von Falten. Natürlicherweise kommt Vitamin C vor allem in Sanddornbeeren, Paprika, schwarzen Johannisbeeren und Petersilie vor.

Selen trägt zur Erhaltung normaler Haare und Nägel bei und hilft, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. Selen kommt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Biotin leistet ebenfalls einen Beitrag zum Erhalt von Haut und Haare. Es ist an der Bildung von Keratin beteiligt. Keratin ist die Grundsubstanz der Haare, aber auch als Strukturprotein in Haut und Nägeln enthalten.

Zink ist eines der wichtigsten essenziellen Spurenelemente für den menschlichen Körper und muss täglich über die Nahrung aufgenommen werden. Zink trägt zur Erhaltung von Haaren, Nägeln und Haut bei, unter anderem dadurch, dass es für die Proteinsynthese, Kollagenbildung und Wundheilung benötigt wird und ein wichtiges Antioxidans ist. Zudem ist Zink am Vitamin-A-Stoffwechsel beteiligt und hilft beim Metabolismus von Omega-3-Fettsäuren. Der menschliche Körper besteht zu drei Vierteln aus Wasser. Deshalb ist die ausreichende Flüssigkeitsversorgung für die volle Funktion des Körpers unerlässlich. Von einer ausreichenden Versorgung profitieren auch Haut, Haare und Nägel. Verbraucher sollten mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich trinken.

B-Vitamine

Da sie vielfältige Wirkungen haben, sind sie die wichtigsten Vitamine für die Haare. Die Vitamine B3, B5 und B6 regulieren wichtige Stoffwechselvorgänge an der Haarwurzel. Die Vorstufe von Vitamin B5 heißt D-Panthenol und ist in vielen Shampoos enthalten, um die Haare kräftiger und leichter kämmbar zu machen. Vitamin B7 ist auch unter dem Namen Biotin bekannt und sorgt für glänzende Haare, verhindert Spliss und Entzündungen der Haarwurzel. Zusätzlich steigert es die Bioverfügbarkeit von Eisen. Im Winter kann das Sonnenvitamin meist nicht ausreichend gebildet werden. So wird das Haar vor Folgen der Sonneneinstrahlung bewahrt und wächst gesund und kräftig.

Proteine sind wichtig für die Haarentwicklung und Haarstruktur. Sie sorgen dafür, dass das Haar kräftig und weniger anfällig für mechanischen Stress wird. Talg hält die Haare geschmeidig und schützt sie vor äußeren Einflüssen. Auch verschiedene Spurenelemente spielen eine wichtige Rolle im Haarstoffwechsel. Als wichtiger Bestandteil von über 100 Enzymen ist auch Zink ein wichtiges Spurenelement. Ein Mangel kann die Haarstruktur verändern und für Haarausfall sorgen. Ein Mangel an Kupfer kann die Arbeit der Haarfollikel beeinflussen und einen Haarverlust begünstigen. Zusätzlich sind Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium wichtig für das Haarwachstum. Sie fördern Wachstum und Reifung der Haarzellen.

Nahrungsergänzungsmittel können - als Teil einer ausgewogenen Ernährung - zur optimalen Zufuhr dieser Mineralstoffe und Vitamine beitragen.

Wie äußert sich ein Vitaminmangel?

Vitaminmangel kann eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen, da Vitamine für viele Körperfunktionen unentbehrlich sind. Dazu gehören allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme oder Hautveränderungen. Bei einem Vitamin-A-Mangel zum Beispiel können Sehstörungen oder trockene Augen auftreten. Zu wenig B6 Appetitlosigkeit, Depressionen oder Akne.

Neben dem Haarausfall führt eine zu geringe Vitaminaufnahme in der Regel zu weiteren Mangelerscheinungen. Mehrere dieser Symptome zusammen können die Vermutung eines Vitaminmangels erhärten. Letztlich kann eine Blutuntersuchung beim Arzt den Verdacht endgültig bestätigen.

Diagnose eines Vitaminmangels

Um einen Vitaminmangel festzustellen, kann ein Arzt eine Blutprobe abnehmen. Je nach Symptomkomplex wird er vermutlich nicht alle Vitamine bestimmen, sondern die, die zu Ihren Beschwerden passen. Die Probe wird in einem Labor analysiert und es gibt in wenigen Tagen ein Ergebnis. Wer sich den Gang zum Arzt und die dortige Wartezeit sparen möchte oder selbst entscheiden möchte, auf welche Vitamine er sich testen möchte, kann auch einen Selbsttest für zuhause besorgen. Mit Hilfe einer kleinen Lanzette werden aus der Fingerkuppe wenige Tropfen Blut entnommen und in ein Röhrchen gefüllt. Dieses wird per Post an ein Labor verschickt. Das Ergebnis erhalten Sie innerhalb weniger Tage.

Möchten Sie das Testen einem Profi überlassen oder scheuen sich, sich selbst Blut abzunehmen, stellen Sie sich bei einem Arzt vor. Neben dem Hausarzt, Dermatologen oder Internisten können Sie sich bereits frühzeitig mit einem Spezialisten für Haarausfallbehandlungen in Verbindung setzen.

Was tun bei Haarausfall?

Ein Haar hat nur eine bestimmte Lebensdauer. Daher ist es normal, dass täglich Haare ausfallen. Wenn über einen längeren Zeitraum ein deutlich ausgeprägterer Haarverlust besteht oder einzelne kahle Stellen auf dem Kopf entstehen, spricht man von Haarausfall. Es gibt unterschiedliche Ursachen für Haarausfall, die man nach ihrem Muster grob unterteilt in einen erblich bedingten Haarausfall, kreisrunden Haarausfall und diffusen Haarausfall.

Das Haar wird insgesamt ausgedünnt, manchmal an einzelnen Stellen besonders betont. Ein ähnliches Muster können auch andere Krankheiten oder Mangelzustände auslösen. Weitere Ursachen für Haarausfall können der kreisrunde Haarausfall, eine Autoimmunerkrankung, oder die androgenetische Alopezie sein.

Allerdings ist nicht jeder Haarausfall auf einen Vitaminmangel zurückzuführen. Viele andere Faktoren wie hormonelle Veränderungen, genetische Veranlagung, Stress, bestimmte Medikamente oder Grunderkrankungen können Haarausfall verursachen.

Haarausfall kann durch Vitaminmangel verursacht werden. Es gibt jedoch kein bestimmtes Vitamin, das automatisch gegen Haarausfall hilft. Eine gründliche Untersuchung ist notwendig, um festzustellen, ob tatsächlich ein Vitaminmangel vorliegt.

Wenn Sie einen verstärkten Haarausfall durch Vitaminmangel bei sich selbst feststellen, ist die frühzeitige Kontaktaufnahme mit einem Experten wichtig. Am besten wenden Sie sich direkt an einen Experten für Haarausfallbehandlungen. Hier lassen sich nicht nur verschiedene Ursachen von Haarausfall abklären.

Wichtiger Hinweis zur Vitaminzufuhr

Nur wer aufgrund besonderer körperlichen Anforderung einen erhöhten Bedarf hat oder durch eine Erkrankung bestimmte Stoffe nicht richtig in den Körper aufnehmen kann, muss gelegentlich zu Substitutionspräparaten greifen. Zusätzlich gibt es einige Nahrungsmittel, die eine Vielzahl verschiedener Vitamine enthalten und damit mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Denn auch Vitamine können überdosiert werden. Das ist bei wasserlöslichen Vitaminen nicht problematisch, weil eine zu hohe Konzentration über den Urin wieder ausgeschieden werden kann. Fettlösliche Vitamine, zu denen auch die für die Haargesundheit wichtigen Vitamine A,D und E gehören, können sich aber im Körper ansammeln. Schon eine geringfügig zu hohe Tagesdosis wie zum Beispiel die fünffache Dosis Vitamin A oder eine akut 50- bis 100-fache Dosis kann zu einer "Vitaminvergiftung" führen.

Eine Selbstmedikation oder die unkontrollierte Einnahme von Vitaminpräparaten kann unwirksam sein und sogar schädliche Auswirkungen haben.

Natürliche Vitaminquellen

  • Sanddorn: Schon 50 Milliliter Sanddornsaft decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vitamin C.
  • Brokkoli: Die grünen Röschen liefern Vitamin C, Folsäure und Vitamin B5.
  • Grünkohl: Grünkohl gehört zu den nährstoffreichsten Kohlsorten.

Biotin: Das "Schönheitsvitamin" im Detail

Biotin, auch bekannt als Vitamin B7 oder „Vitamin H“, geistert als Wundermittel gegen Haarausfall durchs Netz - gepusht von Influencern und Influencerinnen und den Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln. Aber was genau ist eigentlich Biotin? Wie häufig ist ein Biotinmangel und kann das Vitamin wirklich bei Haarausfall helfen? Was ist Biotin und welche Wirkung hat es im Körper?

Die Idee, Biotin als Vitamin H - „H“ wie „Haare“ - zu bezeichnen, kommt nicht von ungefähr. Der Körper braucht das wasserlösliche Vitamin, um Keratin zu produzieren. Das ist ein Protein, aus dem Haare, Haut und Nägel bestehen. Biotin gilt daher auch als „Schönheitsvitamin“ - doch das wird diesem vielseitigen Vitamin nicht gerecht. Denn: Biotin ist in zahlreiche weitere Stoffwechselprozesse im Körper eingebunden, etwa in die Bereitstellung von Energie aus Kohlenhydraten und die Reparatur von DNA-Schäden. Darüber hinaus trägt Biotin auch zu einer normalen psychischen Funktion bei.

Wo ist Biotin enthalten?

40 Mikrogramm: So viel Biotin sollten Erwachsene laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) täglich zu sich nehmen. Ernähren sich Personen ausgewogen, erfüllen sie dieses Soll problemlos, denn Biotin ist in sehr vielen verschiedenen Lebensmitteln enthalten. Zu den Lebensmitteln mit besonders hohem Biotingehalt gehören Innereien, Fisch, Fleisch, Samen, Nüsse, bestimmte Gemüsesorten (wie Spinat, grüne Bohnen, Erbsen, Pilze, Süßkartoffeln) und gegarte Eier (insbesondere das Eigelb). Getreide (etwa Reis und Hafer) sowie Milch und Milchprodukte tragen ebenfalls zu einer guten Versorgung mit Biotin bei.

Gut zu wissen: In rohem Eiklar (dem durchsichtigen, gallertartigen Teil des Eis) findet sich das Eiweiß Avidin, das Biotin bindet. Das führt dazu, dass das Vitamin nicht vom Körper aufgenommen werden kann. Aber keine Sorge. Beim Erhitzen eines Eis wird das Avidin unschädlich gemacht, dadurch kann der Körper das Biotin problemlos aufnehmen. Für einen gesunden Biotinspiegel kann der regelmäßige Verzehr von rohem Eiweiß hinderlich sein.

Ursachen und Symptome eines Biotinmangels

Ein Biotinmangel ist aus den obigen Gründen selten. Verschiedene Faktoren können aber dazu führen, dass unser Körper nicht ausreichend mit dem Vitamin versorgt wird. Dazu zählen:

  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Mangelernährung
  • Übermäßiger Verzehr von rohem Eiweiß
  • Schwangerschaft
  • längere Antibiotikaeinnahme
  • Einnahme bestimmter Medikamente (etwa zur Therapie epileptischer Anfälle)
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
  • seltene, genetisch bedingte Enzymdefekte

Fehlt es dem Körper an Biotin, zeigt sich das zunächst oft an der Haut. Schuppiger, roter Ausschlag an Augen, Nase und Mund, aber auch Hautinfektionen und Bindehautentzündungen sind möglich. Betroffene können zudem über körperliche Schwäche sowie Übelkeit klagen. Und: Besteht ein Mangel an Biotin, kann das tatsächlich auch die Haargesundheit beeinträchtigen oder Haarausfall begünstigen. Besteht der Verdacht auf einen Biotinmangel, können Ärztinnen und Ärzte ihm über Urin- und Blutuntersuchungen auf die Spur kommen.

Hilft Biotin bei Haarausfall?

Biotinmangel kann zu Haarausfall führen. Aber bedeutet eine Extradosis Biotin umgekehrt automatisch, dass lichter werdende Haare ein Ende haben? So einfach ist es leider nicht. Ein Blick auf die Studienlage zeigt: Bislang gibt es keine Hinweise dafür, dass Präparate mit Biotin das Haarwachstum fördern, wenn kein Biotinmangel vorliegt. Anders bei einem bestehenden Biotinmangel, etwa aufgrund von genetischen Besonderheiten oder der Einnahme bestimmter Medikamente: Dann kann eine zusätzliche Zufuhr von Biotin dem Haarverlust entgegenwirken.

Wichtig: Haarausfall kann zahlreiche Ursachen haben. Dazu zählen Faktoren wie Eisenmangel, Stress, schwere Infektionen und eine Schilddrüsenerkrankung. Sollten Sie übermäßigen Haarverlust bemerken, ist ein Arztbesuch ratsam, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Hat Biotin Nebenwirkungen und was passiert bei einer Überdosierung?

Normalerweise ist es unproblematisch, größere Mengen Biotin durch Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Selten kommt es zu einer Magenverstimmung. Als wasserlösliches Vitamin wird überschüssiges Biotin vom Körper über den Urin ausgeschieden. Daher hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auch keine Höchstmenge für Biotin in Nahrungsergänzungsmitteln festgelegt. Anzeichen dafür, dass Biotin krebserregend sein könnte, gibt es keine.

Doch Vorsicht: Eine übermäßige Zufuhr von Biotin ist trotzdem nicht immer unproblematisch, da ein sehr hoher Biotinspiegel im Blut bestimmte Labortests beeinflussen kann. Besonders bei Untersuchungen der Schilddrüsen- und Sexualhormone könnten ungenaue Ergebnisse und womöglich falsche Diagnosen die Folge sein. Expertinnen und Experten raten daher von übermäßigen Tagesdosen ab. Nehmen Sie Biotinpräparate ein und steht eine Laboruntersuchung bevor? Dann sollten Sie Ihr Behandlungsteam vorab darüber informieren.

Biotin in Nahrungsergänzungsmitteln: Was steckt dahinter?

Zahlreiche Biotin-Produkte versprechen, zur Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln beizutragen. Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Studienlage zu Haut- und Haargesundheit ist schwach und die Bedingungen sind teils fragwürdig.
  • Biotin kann einen Beitrag zum Erhalt normaler Haut und Haare leisten.
  • Die festigende Eigenschaft bei Nägeln bleibt wissenschaftlich unbelegt.
  • Da Biotin in vielen Lebensmitteln steckt, tritt ein Biotin-Mangel in der Regel nur sehr selten auf.
  • Biotin kann Laborwerte verfälschen.

Werbeanzeigen nutzen Slogans, die ein gesundes Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln versprechen. Einige Herstellern bezeichnen Biotin als "Vitamin H" genannt, um seine Bedeutung für Haut und Haare zu betonen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat dazu auch zwei gesundheitsbezogene Werbeaussagen als bewiesen bewertet: "Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei" und "Biotin trägt zur Erhaltung normaler Haare bei". Diese Health Claims wurden von der EU mit der Verordnung (EU) 432/2012 zugelassen.

Dennoch gibt es "Schönheitspillen" für Haut, Haare und Nägel, die sich zwar auf diese Health Claims beziehen, jedoch in veränderter Form werben - etwa mit Slogans wie "Für schönes, gesundes und kräftiges Haar".

Eine Aussage zur Wirkung von Biotin auf die Nägel ist im Gegensatz zu Haut und Haaren nicht zugelassen. Frühere veterinärmedizinische Untersuchungen zeigten, dass Biotin zur Härtung der Hufe bei Nutztieren führte. Aufgrund dessen wurden versuchsweise Behandlungen von brüchigen Nägeln sowie sprödem und ausfallendem Haar bei Menschen durchgeführt. Durch sehr hohe Biotin-Gaben (2,5 mg /Tag) nahm die Nageldicke nachweislich zu und auch die Nageloberfläche verbesserte sich. Da es jedoch keine wissenschaftlichen Studien zur niedrigen Dosierung gibt, konnten entsprechende gesundheitsbezogene Werbeaussagen von der EFSA nicht bewertet und demzufolge auch von der EU nicht zugelassen werden.

Viele Biotin-Produkte, die ein gesundes Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln versprechen, werden mit Zink oder Selen und mit Kieselerde angeboten. Für Zink und Selen ist eine Aussage zum „Erhalt normaler Nägel" zulässig, wodurch auch die Werbung auf dem Produkt erlaubt ist - allerdings muss sie sich auch klar auf diese Nährstoffe beziehen. Durch diesen juristischen Trick dürfen Kombinationspräparate rechtmäßig beworben werden.

Die Genehmigung gesundheitsbezogener Aussagen zu Biotin bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Biotin-Produkte eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Die EFSA weist deutlich darauf hin, dass die Biotin-Aufnahme in der Bevölkerung ausreichend ist. Somit ist von einer zusätzlichen Aufnahme keine weitere Wirkung auf Haut oder Haare zu erwarten.

Anders sieht es aus, wenn Biotin als Arzneimittel verkauft wird. Für hochdosierte Arzneimittel muss eine Wirkung belegt sein. Bei einem klinisch nachgewiesenen Biotin-Mangel oder auch bei erblich bedingter Stoffwechselerkrankung (multipler Carboxylasemangel) ist der Biotinbedarf erhöht. Eine festgelegte Obergrenze für die Einnahme von Biotin gibt es deshalb nicht. Trotzdem sei laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) daraus nicht zu schlussfolgern, dass diese Stoffe kein Potential für unerwünschte Effekte haben.

Durch die Einnahme von Biotin werden Labortests verfälscht. Dadurch kann es sowohl zu falsch positiven als auch zu falsch negativen Ergebnissen kommen. Davon sind insbesondere Untersuchungen der Schilddrüsenhormone, der Sexualhormone und Herz-Kreislauf-Marker wie Troponin (bei Herzinfarkten) betroffen. Falls Sie ein biotinhaltiges Nahrungsergänzungsmittel einnehmen oder kürzlich eingenommen haben, sollten Sie dies bei der Blutabnahme unbedingt angeben.

Das BfR empfiehlt Herstellern, auf biotinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln einen Hinweis anzubringen, dass das Laborpersonal vor dem Labortest über die Biotineinnahme informiert werden muss. Da Biotin hauptsächlich über den Urin ausgeschieden wird, kann es bei Menschen mit Nierenproblemen zu höheren Biotin-Konzentrationen im Blut kommen. Dies erhöht das Risiko von Wechselwirkungen. Das BfR weist darauf hin, dass bei einer Hochdosis-Biotin-Therapie besondere Vorsicht bei Patienten mit Niereninsuffizienz, Neugeborenen, Kindern und Schwangeren geboten ist.

Nahrungsergänzungsmittel enthalten zurzeit Tagesdosen, die mitunter weit über 150 µg Biotin liegen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfahl 2019, die Produktinformationen von Arzneimitteln mit ≥ 150 µg Biotin um Hinweise zu Wechselwirkungen und Warnhinweise zu ergänzen.

Fazit

Biotin ist für unseren Körper unverzichtbar. Das Vitamin versorgt uns mit notwendiger Energie und ist ein wichtiger Baustein unserer Haare. Normalerweise nehmen wir über die Nahrung mehr als genug Biotin auf. Mitunter können aber Faktoren wie eine Schwangerschaft zu einem Biotinmangel und Symptomen wie Haarausfall führen. Dann kann eine Extradosis Biotin helfen. Liegt keine Mangel vor, haben Biotinpräparate keinen Effekt auf das Haarwachstum. Die Einnahme von zusätzlichem Biotin birgt zwar keine direkten gesundheitlichen Risiken, kann aber die Ergebnisse von Laboruntersuchungen verfälschen. Haarausfall kann ganz unterschiedliche Gründe haben.

In den meisten Fällen erholen sich die Haarwurzeln und nehmen ihre normale Funktion wieder auf, sobald der Mangelzustand behoben ist. In manchen Fällen ist es jedoch möglich, dass die Haarfollikel geschädigt sind und sich nicht mehr erholen können. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn der Mangelzustand über einen längeren Zeitraum bestanden hat oder andere Ursachen hinzukommen. Bitte beachten Sie, dass das Haarwachstum ein langsamer Prozess ist und es einige Zeit dauern kann, bis sich sichtbare Ergebnisse einstellen. Daher sind Geduld und eine konsequente Behandlung erforderlich.

Tabelle: Vitamine und ihre Wirkung auf Haut und Haare

Vitamin/Mineralstoff Wirkung
Vitamin A Wichtig für die Struktur und Gesundheit der Haut, unterstützt die Talgproduktion
Vitamin B2 (Riboflavin) Wichtig für den Energiestoffwechsel und die Hautgesundheit
Vitamin B7 (Biotin) Trägt zur Erhaltung normaler Haut und Haare bei, wichtig für die Keratinbildung
Vitamin C Co-Faktor für die Kollagenproduktion, unterstützt die normale Kollagenbildung
Selen Trägt zur Erhaltung normaler Haare und Nägel bei, schützt die Zellen vor oxidativem Stress
Zink Trägt zur Erhaltung von Haaren, Nägeln und Haut bei, wichtig für die Proteinsynthese und Kollagenbildung

Bei Verdacht auf Vitaminmangel sollten Sie einen Arzt aufsuchen, mithilfe einer Blutanalyse haben Sie rasch Klarheit.

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