Udo Proksch (* 29. Mai 1934 in Rostock; † 27. Juni 2001 in Graz) war ein österreichischer Unternehmer, Netzwerker und Designer, der als Drahtzieher des „Falls Lucona“ 1992 wegen sechsfachen Mordes verurteilt wurde.
Die Eltern Rudolf Proksch und Anna Elisabeth waren - auch nach dem Zweiten Weltkrieg - überzeugte Nationalsozialisten.
Proksch studierte 1954 bis 1958 einige Semester auf der Akademie für angewandte Kunst in der Meisterklasse für gewerblich-industrielle Entwürfe von Oswald Haerdtl.
Ab 1957 entwarf er als Designer und Art-Director der Firma Wilhelm ANGER OHG, in Traun bei Linz/OÖ bzw. Lützowgasse 12-14 1140 Wien, Atelier Kölnerhofgasse in Wien für die Firma Wilhelm Anger Brillen der Marken Serge Kirchhofer, Viennaline, Carrera und Porsche Design. Als Designer nannte er sich Serge Kirchhofer.
Ab 1972 trat er unter diesem Namen als Einzelprokurist bei der k.u.k. Hofzuckerbäckerei Demel in Wien auf.
1976 charterte er den Frachter Lucona, um eine auf 212 Millionen Schilling (15,4 Millionen Euro) versicherte angebliche Uranerzmühle zu verschiffen.
Die Lucona sank am 23. Jänner 1977 im Indischen Ozean nach einer Explosion, bei der sechs Menschen starben.
Die Bundesländer-Versicherung zahlte die Versicherungssumme nicht aus, da sie vermutete, die Lucona habe nur Schrott geladen gehabt.
Wegen Prokschs hervorragender Beziehungen in die höchsten Kreise der Politik unternahmen die Ermittlungsbehörden lange Zeit nichts, um den Vorwürfen auf den Grund zu gehen.
Durch die Aufdeckungsarbeit der Journalisten Gerald Freihofner und Hans Pretterebner, dessen Buch Der Fall Lucona im Dezember 1987 erschien, und Prokschs anschließende Flucht Anfang 1988 begann die Aufarbeitung des Lucona-Skandals, der in Österreich als „Jahrhundertskandal“ gilt.
Er führte unter anderem zum Rücktritt des Nationalratspräsidenten Leopold Gratz und des Innenministers Karl Blecha, weil sie Prokschs Freilassung aus der Untersuchungshaft bewirkt hatten.
Proksch wurde nach einer Flucht nach Asien (inkl. Gesichtsoperation in Manila) und durch halb Europa am 2. April 1989 in Wien festgenommen.
Ein Tiefseetauchteam mit Roboter entdeckte schließlich das Wrack auf dem Meeresgrund, die Aufnahmen der Explosionsstelle bestätigten die Vorwürfe der Anklage.
In diesen Ermittlungen stellte sich auch heraus, dass die angebliche Uranerzaufbereitungsanlage eine große Kunststoffextruderanlage zur Ummantelung von Fernwärmerohren war.
Diese erste und einzigartige Anlage konstruierte und baute die Firma Cincinnati Milacron, Wien-Penzing, um Fernwärme auch am österreichischen Markt zu platzieren. Sie wurde jedoch nie in Betrieb genommen.
Nach einem der längsten Prozesse der Zweiten Republik wurde er im Jahre 1992 wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Zu seinen „Ideen“ gehörte etwa der 1969/1970 gegründete „Verein der Senkrechtbegrabenen“, der Tote in Plastikröhren einschweißen und senkrecht in die Erde stellen wollte, mit dem Ziel, die Plastikindustrie anzukurbeln und den Platzmangel auf Friedhöfen zu lösen.
Mitglieder waren unter anderem Helmut Zilk, Prokschs erste Ehefrau Pluhar und Helmut Qualtinger.
Eine andere „Idee“ gegen die Langeweile sah ein Sperrgebiet vor, in dem Männer mit echten Waffen und scharfer Munition Krieg „spielen“ können sollten - quasi ein kontrolliertes „Ausleben“ des von Udo Proksch behaupteten unausrottbaren Tötungstriebes im Mann.
Durch seine guten Verbindungen zu Verteidigungsminister Karl Lütgendorf soll es ihm sogar einmal möglich gewesen sein, mit einem Kampfflugzeug über Wien zu fliegen.
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