Sie gehören zum Leben dazu: graue Haare. Während die einen bereits in ihren Zwanzigern die ersten silbernen Strähnen entdecken, bleiben andere bis in ihre Fünfziger von diesem natürlichen Alterungsprozess verschont. Doch haben Sie sich schon einmal gefragt, warum das so ist? Warum ergrauen manche Menschen früher als andere? Und was sind überhaupt die Ursachen für das Ergrauen unserer Haare?
Um das Phänomen grauer Haare ranken sich seit jeher zahlreiche Mythen und Aberglauben. In vielen Kulturen gelten graue Haare als Zeichen von Weisheit und Erfahrung, in anderen als Vorboten von Alter und körperlichem Verfall. Früher glaubte man zum Beispiel, dass ein plötzlicher Schock oder ein traumatisches Erlebnis jemanden über Nacht ergrauen lassen könnte. Dieser Glaube wurde durch Geschichten wie die von Marie Antoinette genährt, deren Haare angeblich in der Nacht vor ihrer Hinrichtung weiß wurden. Ein anderer weit verbreiteter Aberglaube war, dass das Ausreißen eines grauen Haares sieben neue graue Haare hervorbringen würde.
Mit der Zeit und dem Fortschritt der Wissenschaft wurde jedoch klar, dass viele dieser Mythen und Aberglauben keinen wissenschaftlichen Hintergrund hatten. Die moderne Forschung hat gezeigt, dass das Ergrauen der Haare ein komplexer biologischer Prozess ist, der von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird, darunter Genetik, Umweltfaktoren und sogar Stress.
Unsere Haarfarbe ist nicht nur ein ästhetisches Merkmal, sondern auch ein faszinierendes Ergebnis biologischer Prozesse und genetischer Faktoren. Die Farbe unseres Haares wird durch Pigmente bestimmt, die Melanine genannt werden. Diese Melanine werden von spezialisierten Zellen, den Melanozyten, produziert, die sich in den Haarfollikeln befinden. Es gibt zwei Haupttypen von Melanin: Eumelanin, das für schwarze und braune Haare verantwortlich ist, und Phäomelanin, das für rote und blonde Haare verantwortlich ist.
Mehrere Gene sind daran beteiligt, wie viel und welche Art von Melanin in unserem Haar produziert wird. Zum Beispiel führt eine höhere Konzentration von Eumelanin zu dunkleren Haarfarben, während eine höhere Konzentration von Phäomelanin zu roten oder blonden Haarfarben führt.
Wie bereits erwähnt, beginnt das Ergrauen, wenn die Melanozyten aufhören, Melanin zu produzieren. Mit der Zeit verlieren diese Zellen ihre Fähigkeit, effizient zu arbeiten, was zu einem Rückgang der Melaninproduktion führt.
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Ergrauen der Haare beeinflussen. Hier sind einige der wichtigsten:
Die meisten Menschen bekommen ihre ersten grauen Haare zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Wichtig ist, dass das Ergrauen nicht von heute auf morgen geschieht.
Es gibt Geschichten von Menschen, die buchstäblich "über Nacht" graue Haare bekommen haben. Während das tatsächliche Ergrauen der Haare nicht so schnell vor sich geht, kann ein Phänomen, das als kreisrunder Haarausfall bezeichnet wird, diesen Eindruck erwecken. Beim kreisrunden Haarausfall fallen die pigmentierten Haare aus, während die grauen Haare bestehen bleiben.
Den Haaren ihre Farbe zu schenken, ist eine Hochleistung des Zellstoffwechsels. Bestimmte Zellen in den Haarwurzeln, die sogenannten Melanozyten, bilden die farbgebenden Pigmente. Doch mit der Zeit nimmt die Leistungsfähigkeit dieser Zellen ab und die Haare werden in der Folge weiß. Richtig, die Haare werden weiß. Der Eindruck von Grau entsteht aus der Mischung von weißen und pigmentierten Haaren.
Warum Haare grau werden, ist nicht immer ganz klar, möglich sind verschiedene Auslöser. Die biologische Ursache ist jedoch immer das Fehlen von Pigmenten, den sogenannten Melaninen. Tyrosin und Melanin heißen die Helfer, die den Haaren ihre Farbe geben. In den Haarzellen wird die Aminosäure Tyrosin zu den Melaninen für Schwarz-Braun-Töne und für Rot-Gold-Töne umgewandelt. Die Mischung dieser Pigmente sorgt für die natürliche Haarfarbe.
Gestört wird dieser Prozess allerdings von Wasserstoffperoxid. Können die Zellen das Wasserstoffperoxid nicht neutralisieren, spricht man von oxidativem Stress. Unter diesen Umständen findet keine Umwandlung von Tyrosin mehr statt.
Da der Körper bestimmte Stoffe, die sogenannten Aminosäuren, zu denen auch das Tyrosin gehört, nicht selbst herstellen kann, ist es entscheidend, genug davon über die Nahrung aufzunehmen. Sofern tatsächlich ein Tyrosin-Mangel dafür verantwortlich ist, dass Haare sich entfärben, kann es helfen, die Aminosäure in höherer Dosis einzunehmen - über die Nahrung, zum Beispiel mit Walnüssen oder Kürbiskernen, oder in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Manche Untersuchungen zeigen, dass die Haare sogar ihre Farbe zurückbekommen können.
Werden Haare allerdings altersbedingt grau, hilft Tyrosin nicht weiter. Die Möglichkeiten, den Alterungsprozess der Zellen zu verlangsamen oder gar auszuschalten, sind gering.
Hier sind einige der wichtigsten Aminosäuren, die für gesunde Haare relevant sind:
Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Proteinen und speziell an diesen Aminosäuren ist, kann die Haargesundheit unterstützen. Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Soja und andere Proteinquellen sind reich an Aminosäuren. Für Personen, die nicht ausreichend Aminosäuren durch ihre Ernährung aufnehmen, können Nahrungsergänzungsmittel eine wertvolle Unterstützung bieten.
Ein besonders faszinierender Aspekt des Ergrauens ist die Vorstellung, dass es in einigen Fällen reversibel sein könnte. Einige Studien zeigen, dass stressbedingte Vergrauung tatsächlich reversibel sein kann, wenn der Stress beseitigt wird.
Früher galt graues Haar als unumkehrbar. Doch heute wissen wir, dass es zumindest teilweise reversibel ist. Vielleicht kennen Sie das selbst: Manchmal taucht eine Haarsträhne auf, die an der Spitze gefärbt, in der Mitte grau und am Ansatz wieder gefärbt ist. Das zeigt, dass es eine zwischenzeitliche Phase des Ergrauens gab.
Inwieweit eine Umkehr der Ergrauung möglich wäre, scheint vor allem abhängig vom Auslöser zu sein: Ist das Ergrauen ein Zeichen des natürlichen Alterungsprozesses oder der Genetik, ist es höchstwahrscheinlich nicht reversibel. Ist aber der ungesunde oder stressige Lebensstil daran beteiligt, sieht das anders aus.
Die Ergebnisse einer Studie der Columbia University deuten auf einen reversiblen Zusammenhang zwischen chronischem Stress und grauen Haaren hin. Die Forscher:innen konnten anhand der Proband:innen zeigen, dass durch Reduktion von chronischem Stress einige zuvor ergraute Haare wieder in einen pigmentierten Zustand zurückgebracht werden konnten.
Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, den Alterungsprozess zu verlangsamen oder sogar umzukehren. Eine gesunde Lebensweise kann dazu beitragen, das Ergrauen der Haare hinauszuzögern. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist, insbesondere an B-Vitaminen, Zink und Kupfer, kann die Gesundheit der Haare fördern. Antioxidantien, die in Lebensmitteln wie Beeren, Nüssen und grünem Tee enthalten sind, können helfen, oxidativem Stress entgegenzuwirken, der das Ergrauen beschleunigen kann.
Hier sind einige Maßnahmen, die helfen können, den Prozess zu verlangsamen:
Bitte beachten Sie, dass die Wirksamkeit dieser Behandlungen variiert und von individuellen Faktoren abhängt. Nicht alle Menschen erzielen die gleichen Ergebnisse und einige Behandlungen können Nebenwirkungen haben. Vor Beginn einer Behandlung sollten Sie einen Dermatologen oder Haarspezialisten konsultieren.
Es gibt kosmetische Behandlungen, um graue Haare zu überdecken, von Haarfärbemitteln bis hin zu Henna. Für diejenigen, die dauerhaftere Lösungen suchen, gibt es medizinische Behandlungen, die das Ergrauen verlangsamen oder möglicherweise teilweise rückgängig machen können.
Früher oder später müssen wir uns jedoch alle mit grauen Haaren abfinden oder regelmäßig Maßnahmen ergreifen (z.B. Färben).
Die Wissenschaft entwickelt sich ständig weiter, und das Ergrauen der Haare ist keine Ausnahme. Wie bereits erwähnt, gibt es aktuelle Studien, die sich mit den Mechanismen des Ergrauens befassen, insbesondere mit der Rolle von Stress, Mitochondrien und Melanozyten.
Die laufende Forschung lässt auf neue Entdeckungen hoffen, die zu wirksameren Behandlungen gegen das Ergrauen führen könnten. Auch wenn es noch in weiter Ferne liegt, den Prozess des Ergrauens vollständig aufzuhalten, so besteht doch die Hoffnung, dass zukünftige Behandlungen den Prozess verlangsamen oder sogar umkehren können.
Ein interessanter Aspekt ist die Exosomentherapie, ebenso wie die Behandlung mit Polynukleotiden. Exosomen sind kleine Pakete mit Erbinformationen, die heutzutage in der Dermatologie vor allem zu Zwecken der Hautregeneration genutzt werden. Polynukleotide werden aus Lachs-DNA gewonnen, sind laut der Dermatologin immunologisch unbedenklich und werden in die Kopfhaut injiziert.
Wer graue Haare jedoch abdecken möchte, kann wie gehabt den altbewährten Gang zum Friseursalon des Vertrauens nutzen. Aber: Es muss nicht immer die einfache Ansatzfarbe sein. Laut Celebrity Colourist Andreas Kurkowitz gibt es feinere Möglichkeiten der Kaschierung:
Bei braunem Haar, das zwischendrin silbrig schimmert, sollte man "generell beachten, in welchem Bereich der Weißanteil am größten ist", so der Experte, "und nur in diesen Bereichen färben oder tönen und für ein perfektes Einblenden den Farbton wählen, der der Naturhaarfarbe zwischen den weißen Haaren entspricht".
Kurkowitz setzt dabei gern auf kühlere Töne. Blonde Haare hingegen können noch puristischer angegangen werden: "Da bei einem Weißanteil im naturblondem Haar der Kontrast weitaus geringer ist als im braunen Haar, kann hier allein durch eine leichte Veränderung der Naturhaarfarbe, ohne die weißen Haare abzudecken, ein Einblenden erzielt werden". Laut Kurkowitz sei eine mögliche Farbtechnik das "Base-Break / Smudge": Dabei wird eine kühle, mittlere oder helle Blondnuance für circa 10 bis 15 Minuten auf das nasse oder trockene Haar aufgetragen. Das Ergebnis: Der Naturton wird nur um ein bis zwei Töne transparent heller. "Das sorgt für weniger Kontrast zwischen Natur- und Weißanteil".
Rotes Haar hat bei der Entstehung von grauen Haaren einen Vorteil: "Tendenziell beginnt der Prozess der Grauhaarenstehung bei Menschen mit naturrotem Haar später. Dies liegt auch daran, dass rothaarige Menschen ein anderes Melanin haben, das für den Farbton der Haare verantwortlich ist: Phäomelanin", sagt er. Daher können die Haare im Alter oft als "ein hellerer Rotton oder blond" erscheinen, bevor sie wirklich grau werden. Die Lösung des Experten: Ein Gloss oder eine Tönung, "um den Rotton aufzufrischen, den Weißanteil leicht abzudecken und dem ausgeblichenen Rotton wieder mehr Wärme zuzuführen".
Sollen die grauen Haare nicht kaschiert, sondern optimal in Szene gesetzt und verblendet werden (was wiederum selteneres Färben bedeuten würde), empfiehlt der Colourist den Einsatz von Strähnen. Er sagt: "Dabei kann man seine Haare ungefärbt wirken lassen und die Zeit etwas zurückdrehen".
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