Typische DDR Frisuren: Ein Blick auf die Haarpracht der Vergangenheit

Die DDR-Zeit war auch in Sachen Frisuren von verschiedenen Einflüssen und Trends geprägt. Von den rebellischen Looks der Künstler bis zu den praktischen Alltagsfrisuren der Bevölkerung gab es eine Vielfalt an Stilen, die die Individualität und den Zeitgeist widerspiegelten. Auch Margot Honecker, konnte mit ihren lila Haaren einen Trend setzen.

Typische DDR Frisuren.

Frisuren der 20er Jahre: Einleitung einer neuen Ära

Welche Frisuren trugen Männer und Frauen in den 20er Jahren? Eine wichtige Wegbereiterin der neuen Mode war Coco Chanel, eine Modeschöpferin aus Paris. Sie zeigte sich schon 1916 mit Kurzhaarschnitt, wadenlangem Rock und weitem Oberteil.

Der Bubikopf

Diese Frisur hielt ab 1920 Einzug in deutsche Friseursalons und somit auf den Kopf der Damen. Kurz sollten die Haare nun sein. Man orientierte sich am Herrenschnitt, denn die Frauen wollten damit auch ihre Gleichberechtigung zum Ausdruck bringen. Schauspielerinnen wie Asta Nielsen machten es vor, die Frau auf der Straße machte es nach.

Beim Bubikopf gab es verschiedene Ausführungen. So konnte das Haar zum Beispiel hinten kürzer sein als vorne, das nannte man Etonschnitt. Beliebt war auch der Pagenschnitt, bei dem das Haar exakt auf eine Länge gekürzt wird. Meist war das Haar bei der Bubikopf-Frisur kürzer als kinnlang. Manche Frauen trugen einen Seitenscheitel, andere einen Pony. Manche Frauen legten sich auch auf beiden Seiten der Stirn eine Locke ins Gesicht. Außerdem konnte das Haar ganz glatt sein oder in Wellen am Kopf anliegen.

Die Wasserwelle

Um die Haare an den Seiten wellig zu bekommen, wandten die Frauen die Methode der Wasser- oder Fingerwelle an. Sie drückten die nassen, glatt gekämmten Haare mit den Fingern nach oben und verschoben sie dann seitlich. Immer im Wechsel wurde eine Reihe nach links und eine nach rechts verschoben. Mit Klammern wurde alles fixiert. Nach dem Trocknen hatte das Haar dann Wellen! Friseure verwendeten dafür ein Welleneisen, was die Arbeit enorm vereinfachte, aber natürlich auch Geld kostete.

Die Dauerwelle

Schon seit 1906 konnte man Dauerwellen herstellen, also künstliche Locken. Die waren nach dem Ersten Weltkrieg zunächst out, doch gegen Ende der 1920er Jahre wurde auch diese Frisur wieder getragen. Ein Jahr lang hielt die Dauerwelle, die auf diese Weise hergestellt wurde. Leisten konnten sich eine Dauerwelle nur wohlhabende Damen, denn sie war sehr teuer.

Ein Dauerwellen-Apparat im Jahr 1929.

Haarpflege

Schon im Jahr 1900 hatte die Firma AEG den ersten Haartrockner auf den Markt gebracht. Nachdem das erste Modell mit einem Gewicht von zwei Kilogramm noch nicht gut in der Hand zu halten war, gab es bald neue, leichtere Föne zu kaufen. Das Waschen der Haare erfolgte übrigens zunächst noch mit "Kopfwaschpulver". Erst 1927 kam das erste flüssige Haarwaschmittel auf den Markt. Shampoo in Pulverform war aber sogar noch bis in die 1960er Jahre erhältlich.

Männerfrisuren

Männer trugen ihr Haar nach wie vor kurz. Das ist eine fettige Substanz, mit der man die Haare ganz glatt anlegen konnte. Auch Frauen benutzten Pomade, denn füllige Frisuren waren absolut unmodern. Durch die Pomade glänzten die Haare außerdem. Bärte trugen nur wenige Männer, und wenn überhaupt, war das ein kleiner Schnauzbart.

Frisuren der 60er Jahre

In den 60er Jahren wurde bei den Damen die Kurzhaarfrisur modern - passend zum Twiggy-Look eben eine mehr jungenhafte Frisur. Das seitliche Haar fiel sanft ins Gesicht, gerne lief es hinten zu einer Spitze zusammen. Auf dem Oberkopf wurde das Haar leicht toupiert. Dafür wurde es mit einem Kamm zum Haaransatz hin geschoben.

Eine weitere beliebte Frisur der 60er Jahre war die Bienenstock-Frisur (englisch Beehive). Mit ihrer Form erinnert sie an einen Bienenstock. Dafür wird langes Haar auf dem Kopf toupiert und aufgetürmt. Der so entstehende Kegel zeigt dabei etwas nach hinten. Später erlebte die Frisur mit Amy Winehouse ein Revival. Auch Marge Simpson aus der Serie Die Simpsons trägt einen Beehive-Frisur.

Frisuren der 70er Jahre

Allgemein waren die Frisuren der 70er Jahre lang und wallend. Die Haare wurden gerne offen getragen. Dazu gehörte bei den Frauen ein langer Pony. Etwas "ordentlicher" wurde die Frisur mit einem Mittelscheitel und wenn man die Haarspitzen nach außen aufdrehte, mit Hilfe eines Lockenstabs. In den 70er Jahren wurden zudem Perücken modisch. Fast jede Frau besaß eine solche! Außerdem war die Dauerwelle modern. Je wilder und lockiger, umso besser!

Die wilden 80er: Schrille Trends und kreative Lösungen

Die Frisuren der 80er Jahre waren wild und schrill: Der Siegeszug des Vokuhilas begann, die Kreppfrisur war auf den Köpfen nicht mehr wegzudenken und nichts ging ohne die Föhnwelle! Popikonen wie Madonna, David Bowie, Modern Talking und Nena setzten Trends, Haarspray wurde zum Dauerbegleiter und Frisur-Eskapaden wie der Vokuhila und toupierte Haare hielten sich erstaunlich lange auf den Köpfen. Eines steht fest: Die Achtziger waren alles andere als langweilig! Heutzutage lieben wir den schrillen Style - egal, ob für eine Motto-Party oder für einen besonders expressiven Ausgeh-Look!

Rudi Völler mit Vokuhila.

Vokuhila

Die Frisur mit dem schwungvollen Namen "Vokuhila" leitet sich ab von "vorne kurz, hinten lang" und brachte einen Haartrend hervor, der den Beinamen Nackenspoiler oder Manta-Matte wahrlich verdient hat. Sowohl Rudi Völler, Patrick Swayze, David Hasselhoff und Nena waren bekannte Vertreter dieser doch etwas eigenwilligen Frisur. Für den Vokuhila ließ man sich einen fransigen Pony und eine kurze vordere Haarpartie schneiden, während die hinteren Haare lang über den Nacken fielen. Das Relikt der 80er Jahre wurde sowohl von Männern als auch von Frauen getragen. Heutzutage ist der Vokuhila (am besten mit einem Oberlippenbart bei den Herren der Schöpfung) zum Inbegriff des 80er-Kultes geworden und darf auf einer 80er-Party mit Sicherheit nicht fehlen.

Kreppfrisur

Das Kreppeisen scheint vielen Frauen der 80er Jahre in Sachen Styling nicht von der Seite gewichen zu sein. Der typische Look gekreppter Haare wurde dazu noch mit Haarspray aufgebauscht. Kämmt euer Haar gut durch, teilt es anschließend in einzelne, gleichgroße Strähnen ab und steckt die anderen Haare beiseite. Bringt ein Hitzeschutzsspray auf der Strähne auf und kreppt die Haarsträhne vom Ansatz bis zu den Spitzen. Öffnet dafür das Kreppeisen immer wieder und setzt es am nächsten Abschnitt an, bis ihr an den Haarspitzen angelangt seid. Achtung: Zieht das Kreppeisen nie im geschlossenen Zustand an den Haaren entlang, damit schädigt ihr das Haar!

Volumen und Dauerwelle

Volumen, Volumen und nochmals mehr Volumen - das waren die 80er! Die Haarpracht wurde um jeden Preis zur Schau gestellt und umso fülliger und aufgeplusterter sie wirkte, desto besser! Wer kennt sie nicht, die gute alte Dauerwelle der 80er-Frisuren, die rückblickend betrachtet manchmal doch etwas buschig wirkte?! Mittlerweile ist der Retro-Look wieder schwer im Kommen! Wer glattes Haar sein Eigen nennt, dem winkt dank Dauerwelle eine umwerfende Lockenpracht. Die wilde Mähne besteht dabei entweder aus vielen kleinen Locken oder schwungvollen Wellen, die à la 80er Jahre natürlich auch eine gute Portion Haarspray abbekommen müssen.

Pferdeschwanz und Side Flip

Aerobic wurde während der 80er großgeschrieben - dazu durften der stylische Body, das Stirnband und der hochsitzende Pferdeschwanz natürlich nicht fehlen. Der Pferdeschwanz wurde dazu sehr hochgetragen und am besten noch schräg angesetzt: Das verschafft euch direkt einen sportlich dynamischen Look. Selbst wenn ihr nur mittellanges Haar besitzt und anschließend eine Palme auf eurem Kopf wiederfindet, habt ihr frisurtechnisch für die 80er Jahre alles richtig gemacht! Ein asymmetrischer Hairstyle war in den 80ern Trumpf - das Indiz: der Side Flip! Das Markenzeichen dieser Trendfrisur ist ein tiefer Seitenscheitel und die zu einer Seite umgelegten Haare.

Accessoires

Scrunchie - hinter diesem niedlichen Namen verbirgt sich ein mit Stoff bezogener Zopfgummi, der meist wie ein kleines Krönchen auf dem Kopf der 80er-Frisuren prangte. Die Zopfgummis sind zusammen mit dem Haar- und Schweißband das Styling-Accessoire schlechthin, mit dem ihr euch direkt Jahrzehnte zurück katapultiert. Auch heute noch wird der große Zopfgummi aus Stoff zum peppigen Blickfang - egal ob für den seitlichen Pferdeschwanz oder den hochgebundenen Dutt.

Farben und Pony

Es gibt wohl kaum eine Haarfarbe, die dem Haar so sehr schadet wie Platinblond, aber zugegebenermaßen sieht die Farbe schon sehr stylisch aus und ist außerdem auch ein weiteres Relikt aus den 80ern. Ein gerader Pony kam in den 80er Jahren kaum infrage: Fransen hingen ins Gesicht und machten den Vokuhila-Schnitt komplett! Am besten wurde der Pony auch noch schräg übergekämmt und dazu hochtoupiert.

Die Haare mussten in den 80ern so einiges aushalten: Kreppeisen, ständiges Toupieren, permanentes Haarspray und natürlich auch Föhnen. Die Föhnfrisur wurde bereits in den 70ern mit Farrah Fawcett populär ("Drei Engel für Charlie") und hielt sich so einige Jahre konsequent unter den beliebtesten Frisuren.

Frisur mit Seidentuch.

Kreativität und Improvisation in der DDR

In der DDR waren Kreativität und Improvisation gefragt, um mit den begrenzten Ressourcen das Beste aus dem Styling herauszuholen. So erzählt Scheuer-Barthel, dass es immer ein Problem gewesen sei, Ware und Zubehör zu bekommen. Das Farbsortiment sei vor allem sehr klein gewesen. Man musste daher nehmen, was es gab. Es waren zum Beispiel oft keine Wasserstoffperoxydtabletten erhältlich, also wurde flüssiges Wasserstoffperoxyd in der Apotheke gekauft. Ein Klassiker war die fehlende Strähnchenhaube. Weil es die nicht gab, sei eine Badekappe genommen worden und die Strähnen wurden mit der Häckelnadel herausgezogen.

Wenn das Haarspray knapp war, wurde eben mit Zuckerwasser fixiert. Solche Tricks kennt auch Cornelia Scheuer-Barthel, ehemalige Landesinnungsmeisterin des sächsischen Friseurhandwerks und Obermeisterin der Friseurinnung in Zwickau. Sie erzält im Interview mit MDR ZEITREISE, dass Bier statt Festiger oder Spülungen aus Olivenöl und Eigelb in der DDR zum Alltag vieler Kundinnen gehört habe. Aber auch in den Friseurgeschäften musste der Mangel kreativ ausgeglichen werden. Das gelang den Mitarbeitern erstaunlich gut.

Ost gegen West? Frisuren im Vergleich

Nach der Wende gab es viel Spott über Ost-Frisuren. An den Frisuren erkenne man die Herkunft nicht mehr, meint die Leipziger Friseurinnungsobermeisterin Sylvia Reimann-Richter. Unterschiede im Haar-Look gebe es eher im deutschlandweiten Vergleich zwischen Großstädten und ländlichen Gegenden. Aber einen Ost-West-Unterschied gibt es ihrer Meinung nach: "Im Osten wird häufiger zum Friseur gegangen. Dafür geben die Kunden in den alten Bundesländern mehr für den einzelnen Friseurbesuch aus."

Monsieur Milan, in dessen Salon kostbare "La Prairie"-Kosmetik (mit Kaviar) in Vitrinen steht und immer die neuesten Ausgaben von "Vogue" und "Madame" ausliegen, eine seltsame Erzählung. Man redete über Kunst und Theater, Klatsch - ein Luxus. Bretter gab es in jedem Baumarkt - und einen Wartburg wollte eh keiner.

Reschenberg musste seine Kundinnen behutsam vor der Frisurverstümmelung bewahren, wie so viele Kollegen im Westen damals auch.

Merkmal DDR (Osten) BRD (Westen)
Friseurbesuche Häufiger Weniger häufig
Ausgaben pro Besuch Geringer Höher
Materialbeschaffung Kreative Lösungen, Improvisation Vielfältige Auswahl, Luxusprodukte

tags: #typische #DDR #frisuren

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