"Diamantenfieber" (DAF): Eine Trash-Version von James Bond?

Nachdem Bond sich an seinem Erzfeind Blofeld gerächt hat, wird er beauftragt, einen Schmuggelring zu infiltrieren, weil der britische Geheimdienst vermutet, dass jemand gestohlene Diamanten hortet. Es gilt herauszufinden, zu welchem Zweck dies geschieht und wer dahinter steckt. Zeitgleich sind zwei Auftragskiller bereits damit zugange, jeden Mitwisser diese Affäre betreffend zu liquidieren und schließlich auch Bond auf den Fersen. So weit, so gut.

Schließlich stellt sich heraus, dass Blofeld dahinter steckt, der von Doppelgängern umgeben völlig unbemerkt die Identität eines mitten in Las Vegas operierenden Milliardärs angenommen hat, um einen Laser aus den Diamanten zu basteln, mit Hilfe dessen er die Nuklearmächte zu erpressen gedenkt…?

Gäbe die, wenn auch über weite Strecken zweifelhaft absurde Story zu DAF aus der Distanz betrachtet durchaus den ein oder anderen nicht gänzlich uninteressanten Aspekt her, so wirkt diese in deren Inszenierung allerdings völlig unausgegoren. Sehen wir mal vom Drehbuch ab, so muss man in erster Linie feststellen, dass die Umsetzung der Geschichte jegliches Feingefühl vermissen lässt. Hier scheint nichts so recht zusammen zu passen.

Wir folgen einer lieblos aneinander gereihten Abfolge diverser Ereignisse, von jenen wir nie so recht wissen, wie wir sie auffassen sollen. Laufend stellt man sich Fragen wie: „Ist das nun ernst gemeint? Oder doch nur ein Spaß? Handelt es sich um eine zynische Auseinandersetzung mit dem Thema James Bond oder entstand die absurde Komik dahinter unfreiwillig?“...

DAF markiert quasi eine ob nun bewusst oder unfreiwillig entstandene Trash Version eines James Bond Films, ja gar eine Parodie eines solchen. Es dürfte kaum jemandem gelingen, wirklich ernst zu nehmen, was uns hier geboten wird, und wenn doch, so wäre ich sehr verwundert.

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Die Elemente des Trash: Eine Analyse

Welche Elemente des Films tragen maßgeblich dazu bei: Da wäre zunächst Sean Connery, der in seiner Darstellung selbst wie eine Parodie auf seine einstige Paraderolle wirkt. Ihm zur Seite steht eines der wohl lächerlichsten Bond Girls in der Geschichte der Serie. Der Charakter der Tiffany Case wirkt wie eine kindlich naive Kollage aller uns bekannten Klischees der 60er Jahre. Ein nicht minder unwürdiger Charakter wird von Country Sänger Jimmy Dean verkörpert.

Der dümmliche Milliardär Willard White wirkt in seiner lächerlich, billigen Schmierentheater Komik beinahe anmaßend und trägt als eines unter zahlreichen Elementen des Films dazu bei, diesen wie eben ein Schmierentheater auf uns wirken zu lassen. Bezeichnend dafür ist auch die Wahl des Darstellers, verkörpert dieser auf unfassbar abgedroschene Art jedes Klischee amerikanischer Trash Kultur.

Womit wir auch schon beim nächsten Punkt dahingehend wären: Las Vegas als Kulisse eines James Bond Films? Nicht ernsthaft sollte man meinen. Doch leider handelt es sich auch dabei nicht um einen bösen Scherz (oder doch?), zumal Bond den Großteil seines Abenteuers in Las Vegas und Umgebung zubringen darf.

Ist die Darstellung der Charaktere für sich schon eine einzig der Reihe unwürdige Geschmacklosigkeit, so setzt die Wahl der Drehorte dem Ganzen schließlich noch schamlos die Krone auf. Auch dies betreffend fällt mir nur ein bezeichnendes Wort ein: TRASH. Wie konnte man allen Ernstes exotisch anmutende Atmosphäre, diese ja bekanntlich mitunter als Markenzeichen der Reihe und damit für höchsten Anspruch galt, gegen das wenig extravagant angehauchte Spielhallen Flair einer amerikanischen Entertainment Scheinwelt tauschen?

Auch die Geschichte selbst ist mit zahlreich unbeabsichtigten Lachnummern versehen. Da hat Superschurke Blofeld, dessen Erscheinen übrigens seit Jahren ausgereizt und überstrapaziert war, einige Klone von sich angefertigt, bloß um Bond in die Irre zu führen. Das erinnert ein wenig an die Komödie „Vier lieben dich“ oder anderen 60er Jahre Klamauk dieser Art.

War der Charakter des Schurken auch ohne derart absurde Einfälle bereits auf Grund seiner Comic Strip Klischee Anleihen ein wenig ernst zu nehmender Erzfeind, so verkommt auch dieser hier endgültig zu einer Parodie die besser in eine Folge der Avangers oder Inspektor Gadget gepasst hätte. Mitunter ist der Plot um die Entführung des Milliardärs wenig glaubhaft und reichlich aus der Luft gegriffen. Doch davon will ich mal absehen.

Auch ein mit Diamanten bestückter Laser Satellit schien nicht mehr so ganz in die Zeit zu passen, war man doch einen Film zuvor bereits einen Schritt in bodenständigere Gefilde voran getreten, um der Serie würdig Weiterentwicklung zu gönnen. Traurig und äußerst ärgerlich daran ist vor allem der Umstand, dass man die Tragödie um Bonds Verlust bezüglich Tracy weiterverfolgt hat, nur um sie dann in einer 4 minütigen Pre Titel Sequenz abzuhandeln und im Anschluss eine gänzlich andere Geschichte zu erzählen die jede zuvor angedeutete Weiterentwicklung des Charakters im Keim erstickt.

Klüger wäre es in Anbetracht der Handlung gewesen dieses Thema völlig zu verwerfen oder man hätte eben intensiver darauf eingehen sollen. Doch scheint nur Minuten später alles wieder vergessen zu sein. Bond turtelt bestens gelaunt mit Tiffany Case herum und auch zwischen ihm und Blofeld scheint die Kleinigkeit des kaltblütigen Mordes an seiner Frau schon wieder vom Tisch zu sein. Aus den Augen aus dem Sinn. Schade, dass man ein derart brisantes Thema, welches mitunter genügend Potential gehabt hätte dem Film einen deutlichen Spannungsbogen zu geben, derart einfältig verschleudert hat.

Und wo wir bei Spannungsbögen sind- Diese gibt es im Falle jener Erzählweise nicht! Wenn es im Falle von DAF eine Entwicklung im Verlauf des Films gibt, so ist diese bloß rückläufig.

Wie bspw. Aus der Story hätte man mehr machen können, hätte man den Film mit etwas mehr an Feingefühl inszeniert, das Drehbuch im Aufbau interessanter gestaltet, die Darsteller ausgetauscht und die Wahl der Drehorte abgeändert. Denn an und für sich könnte ich mir einen durchaus spannenden Aufbau dieser Story vorstellen.

Wie haben sich nicht alle das Maul über den zum Sündenbock erkorenen Lazenby zerrissen… Doch den Zusehern im direkten Anschluss einen derart widerwillig, zynischen Connery vor zu setzen, um die einstige Kultfigur James Bond wie auch dessen Darsteller letztendlich völlig zu entmystifizieren, kommt schon einer ziemlichen Peinlichkeit gleich. Im Grunde hätte man es sich da nicht all zu einfach machen sollen indem man sich auf den Erfolg dessen Rücker verlässt.

Natürlich ist Connery DAF betreffend recht unterhaltsam und vor allem witzig. Doch das war, s dann auch schon. Findet man sich damit ab nicht mehr zu kriegen als ein paar amüsante Gags, so möge man sich zurück lehnen und darüber freuen ein alt bekanntes Gesicht zurück zu haben. Ich persönlich gehöre hingegen trotz meiner Huldigung an Connery zu jenen Realisten die eher der Ansicht sind dass es manchmal klüger ist die alten Zeiten auch alte Zeiten bleiben zu lassen.

Charles Gray hingegen passt recht gut in diesen Film. Die Figur an sich hat zwar kaum noch Reiz und stellt auf Grund der erwähnten Tatsache dass man die einzig interessanten Ansätze ihn und Bond betreffend einfach verworfen hat keinen Anspruch in irgendeiner Weise dar, doch darf man sich zumindest einiger unterhaltsamer Dialoge erfreuen. Zu den bereits angesprochenen Schwächen des Charakters T. Case gibt es eigentlich nicht viel mehr zu sagen. Purer Unfug eben.

Die Lichtblicke im Trash?

Die beiden Auftragskiller Mr. Wint und Mr. Kidd dürften für die meisten der Lichtblick des Films sein. In gewisser Weise sehe ich das auch so. Doch wie auch im Falle anderer kleiner Highlights des Films ( sofern man die erträglichen Elemente als solche bezeichnen will) gelingt mir diese Sichtweise nur unter Berücksichtigung des Umstand, s dass es sich um Klamauk handelt und man davon ausgehen kann nichts ernst nehmen zu müssen. Wären die beiden in einem anderen Film der Connery Ära aufgetaucht hätte man sie mit ziemlicher Sicherheit ausgebuht bzw.

Doch passen diese Charaktere zumindest gut in das Konzept dieses Films, sofern ein solches je vorhanden war. In der dem finalen Schnitt des Films zum Opfer gefallenen Originalszene zu dem Mord an dem Zahnarzt steckt Mr. Die absurde Mischung aus schwarzem Humor, der Tatsache dass die beiden Homosexuell sind und jenem kaltblütigen Sadismus ergibt unbestritten einen äußerst makaber, bedrohlichen Cocktail der zu unterhalten weiß.

Die verbleibenden Charaktere bleiben im Hintergrund und sind mit Ausnahme des nervigen Milliardärs W.W eigentlich kaum erwähnenswert. Hier finden sich dann durchaus noch kleine Wermutstropfen.

Die Sets von Ken Adam muten streckenweise derart überzogen an, dass sie auch wieder köstlich unterhalten. Hierbei hat man ungeniert dick aufgetragen, was dem Film einen leicht skurril, surrealen Touch verleiht, der durchaus nicht gänzlich uninteressant ist. Das Hotelzimmer in welchem Bond und Ms.Case auf einem Bett liegen dieses zugleich ein Aquarium ist oder das Penthouse von welchem aus Blofeld dirigiert sind kleine Leckerbissen die den Film davor bewahren nicht völlig zu einem Fernsehspiel zu verkommen.

Der innovative Zweikampfmit Peter Franks im Aufzug ist dann das offensichtliche und einzig wirkliche Highlight von DAF. Großartig geschnitten und ungeheuer kompliziert zu filmen wirkt dieser sehr rasant, spannend und vor allen Dingen enorm glaubhaft. Schonungslos und äußerst gewalttätig strahlt jene Szene als einzige im Film unmittelbare Gefahr für Bond aus. Hier hat man tatsächlich gute Arbeit geleistet die einem Bond Film auch würdig ist.

Die obligatorische Autoverfolgungsjagt führt immer wieder um den gleichen Block herum und wirkt ebenso trashie wie die Umgebung in derer sie angesiedelt ist. Der drastische Sprung von beeindruckenden Sets aller YOLT, GF oder TB zu einer unspektakulären, bereits vorhandenen Ölplattform tut dem Fan der Connery Ära bloß weh. Auf derart engem, optisch gänzlich anspruchslosem Raum eine Explosion nach der anderen zu zünden erzeugt Null Spannung und lässt alles an Bond typischer Klasse völlig vermissen. Die Wahl der Drehorte habe ich ja bereits abgehandelt. Trash in Reinkultur und einem Film dieser Reihe gänzlich unwürdig.

Da ziehe ich sogar die optisch etwas zu grau, nebensächliche Wahl bezüglich FYEO einer derartigen Fehlplatzierung auf Kosten des Anspruchs vor. Die Musik ist solide, wobei zu erwähnen wäre, dass man auch hier auf Nummer Sicher ging, indem man erneut Shirley Basey mit der Umsetzung des Titelsongs beauftragte.

DAF repräsentierte einen etwas peinlichen Schritt zurück, welcher auf Grund des vorhergegangenen Versuchs eben einen solchen im Sinne der Weiterentwicklung nach vorne zu machen umso negativer auffällt. Schamlos reißt man alle zuvor mit viel Mut und Mühe konstruierten Neuerungen der Serie wieder ein, um eine abgeschwächte Form dessen zu liefern, was wir bereits kannten. Völlig unausgegoren und banal präsentiert sich vor allem der Aufbau der Geschichte.

Ein schwächelnder zur selbst Parodie verkommener Hauptdarsteller witzelt sich durch uninspiriert, anspruchslose Actionszenen mit Fernsehfilm Charakter, ein billig und lächerlich anmutendes Bond Girl sorgt für Schmierentheater Atmosphäre, die Drehorte vermitteln Trash Kultur anstelle extravaganter Exotik, über weite Strecken unfreiwilliger Humor lässt den Film gauklerhaft und dümmlich wirken und generell kann man sich des Gedankens nicht erwehren es handle sich bei DAF um die Parodie auf einen James Bond Film. Zumindest ich persönlich hätte mich zu Beginn der 70er Jahre und mit dem Wissen um den durchaus starken Vorgänger veräppelt gefühlt.

Da rettet auch eine gute Kampfszene, das ein oder andere skurrile Set oder der recht unterhaltsame Witz des Dialogs generell nicht über ein gänzlich negatives Urteil hinweg.

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