So schnell wie die Haare im Ausguss schwindet häufig auch das weibliche Selbstwertgefühl. Was bei Männern als „gottgegeben“ hingenommen wird, trifft uns Frauen viel härter.
Wer ab und zu mal eines der Klatsch-Magazine in die Hand nimmt, weiß sicherlich, dass Haarausfall auch vor Royals oder anderen Stars und Sternchen nicht Halt macht.
Grundsätzlich spricht man erst von Haarausfall, wenn mehr als ca. hundert Haare pro Tag ausfallen, und das über einen Zeitraum von mehreren Wochen.
Kreisrunder Haarausfall ist eine spezielle Form des Haarausfalls, bei dem die Haarfollikel durch eine übermäßige Immunreaktion geschädigt werden. Kennzeichnend sind deutlich abgegrenzte, runde bis ovale haarlose Stellen an Kopf und anderen Körperbereichen. Das Haarlichtungsmuster reicht von einer einzelnen kahlen Stelle bis hin zu vielen verteilten oder miteinander verwachsenen haarlosen Arealen.
Betroffen sind Menschen aller Altersstufen und ebenso viele Männer wie Frauen. Die Beschwerden lassen sich durch eine möglichst frühzeitige Behandlung deutlich lindern.
Haarausfall gibt es in verschiedenen Formen. Kreisrunder Haarausfall, medizinisch Alopecia areata (AA) genannt, ist nach dem erblich bedingten Haarausfall (Alopecia androgenetica) die zweithäufigste Form. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung haben sie. Dabei sind Frauen und Männer zu gleichen Anteilen betroffen. Es handelt sich um eine Erkrankung des Haarfollikels, dem Teil des Haares, der die Haarwurzel umgibt und in dem das Haar wächst. Sie tritt in der Regel plötzlich (akut) auf und verschwindet in vielen Fällen von allein wieder (Spontanremission). Kreisrunder Haarausfall findet sich bei Menschen jeden Alters, die Erstdiagnose wird oft aber schon im Kindes- und Jugendalter gestellt.
Alopecia areata (AA) stellt nach der androgenetischen Alopezie die zweit häufigste Form von Haarausfall dar und betrifft schätzungsweise 1-2% der Bevölkerung. AA tritt bei Männern und Frauen mit gleicher Häufigkeit auf. Der Haarverlust kann in jedem Lebensalter einsetzen mit einem Manifestationsgipfel in der zweiten und dritten Lebensdekade. AA ist durch zumeist spontan auftretende scharf begrenzte, kreisrunde haarlose Areale gekennzeichnet.
Der Verlauf und die Ausprägung der AA sind sehr variabel. Die mildeste Verlaufsform stellt die Alopecia reticularis, auch patchy AA genannt, dar. Hierbei kommt es zur Ausbildung von haarlosen Arealen, die zumeist an der Kopfbehaarung aber auch an der Körperbehaarung auftreten. AA ist in vielen Fällen reversibel, jedoch kann der Verlauf auch rezidivierend oder chronisch sein und zu bleibender, vollständiger Haarlosigkeit führen. In einigen Fällen bestehen zusätzlich Veränderungen der Fingernägel mit Grübchen, Rillen oder sandpapierartigen Aufrauhungen.
AA weist Komorbiditäten mit anderen Autoimmunerkrankungen oder chronisch inflammatorischen Erkrankungen wie Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis, autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen oder einer Vitiligo auf.
Kreisrunder Haarausfall ist durch fleckenartige, runde bis ovale kahle Stellen, sogenannte Herde, gekennzeichnet. Dabei ist ein einzelner Herd, mehrere verteilte Stellen oder größere zusammenlaufende Areale möglich. In diesen Bereichen findet sich zumeist kein einziges Haar, weshalb sie deutlich zu erkennen sind. Die kahlen Stellen entstehen am häufigsten am Kopf, betreffen also das Kopfhaar und bei Männern den Bart. Sie können aber auch an allen anderen Körperbereichen auftreten.
Der kreisrunde Haarausfall verläuft oft in Stadien, das bedeutet, dass am Anfang meist nur einzelne wenige kahle Bereiche vorzufinden sind, die sich mit der Zeit mehren. Er kann sich auch zu einem vollständigen Haarverlust ausdehnen.
Bei kreisrundem Haarausfall scheinen mehrere Faktoren zusammen zu kommen. Fachleute haben festgestellt, dass die häufigste Ursache eine Autoimmunreaktion ist, der eine Entzündungsreaktion folgt. Im Verlauf der Entzündung greifen bestimmte Immunzellen, die T-Lymphozyten, oder Substanzen des Immunsystem wie Zytokine die Haarfollikel an definierten, abgegrenzten Stellen an. Es kommt in der Folge zu einer Unterversorgung der Follikel (Follikeldystrophie), wodurch die Haare ausfallen.
Studien zeigten, dass es zudem eine genetische Veranlagung für AA zu geben scheint. Sie haben festgestellt, dass es eine Häufung unter Familienmitgliedern, insbesondere unter Verwandten ersten Grades, gibt.
Kreisrunder Haarausfall ist offenbar auch mit Allergien assoziiert. Eine Störung in den Genen oder des Immunsystems ist vermutlich nicht die alleinige Ursache. Fachleute sprechen von einem multifaktoriellen Geschehen, bei dem möglicherweise auch Umweltfaktoren und andere gesundheitliche Aspekte wie bestehende Grunderkrankungen eine Rolle spielen. Mangelernährung oder schädliche Umwelteinflüsse sollen jedoch kein Grund für den kreisrunden Haarausfall sein.
Bei der AA wird von einer genetisch komplexen Vererbung mit einer Vielzahl krankheitsbeitragender Gene ausgegangen. Das Erkrankungsrisiko für erstgradig Verwandte eines Betroffenen beträgt ca. 7% für Geschwister, für Eltern knapp 8% und für Kinder knapp 6%.
Alle bislang durchgeführten molekulargenetischen Untersuchungen, sowohl Kandidatengenstudien als auch genomweite Untersuchungen, untermauern die Hypothese einer autoimmunen Genese der AA. Bislang wurden insgesamt 10 verschiedene genomische Regionen/Gene mit genomweiter Signifikanz identifiziert. Besonders hervorzuheben ist hierbei die HLA-Region (Humane Leukozyten Antigen Region) auf dem kurzen Arm von Chromosom 6, die bei der überwiegenden Anzahl von Autoimmunerkrankungen eine Assoziation zeigt.
Bei der AA geht man von einer genetisch komplexen Vererbung mit einer größeren Zahl beitragender Gene aus. Die Krankheitsdisposition wird durch eine variable Anzahl genetischer Varianten vermittelt, deren Effekt auf die Krankheitsentstehung unterschiedlich stark sein dürfte.
Neben einer erblichen Komponente wird vermutet, dass auch Umweltfaktoren bei der Entstehung oder bei dem Verlauf der AA eine Rolle spielen. Über diese Umweltfaktoren ist allerdings bislang nur sehr wenig bekannt.
Nicht immer sind genetische Ursachen oder das Alter Schuld an Haarausfall. Es kann auch sein, dass den Haarwurzeln wichtige Nährstoffe fehlen. Werden diese dem Körper nicht in ausreichender Menge zugeführt, fallen die Haare aus.
"Haare brauchen ausreichend Kohlenhydrate als Energielieferant sowie essenzielle Fettsäuren, Eiweiße und Aminosäuren als Bausteine des Keratins. Hinzu kommen Mineralien wie Eisen und Zink sowie Vitamine wie Biotin und Niacin", erklärt Dr. Andreas M. Finner, Haarmediziner und Dermatologe aus Berlin. "Ein Mangel dieser Stoffe kann nicht nur zu Haarstrukturschäden und Haarbruch führen, sondern auch zu Haarausfall."
Fehlen dem Körper und den Haaren essenzielle Nährstoffe, unterbrechen die Haarwurzeln ihr Wachstum und gehen in eine dreimonatige Ruhephase über, bevor sie anschließend ausfallen. Dabei fallen die Haare nicht nur an bestimmten Stellen, sondern gleichmäßig auf der gesamten Kopfhaut aus. Diese Art von Haarverlust nennen Mediziner den diffusen Haarausfall.
Wird die Nährstoffversorgung der Haarfollikel wieder gewährleistet, nehmen die Haarwurzeln ihre Arbeit erneut auf und die Haare begeben sich wieder in die Wachstumsphase. "Allerdings kann viel Haarvolumen verloren gehen, da es dauert, bis die Haare ihre ursprüngliche Länge wieder erreicht haben", sagt Dr. Finner.
Häufige Ursache für einen diffusen Haarausfall ist ein kurz- oder langzeitiger Nährstoffmangel. Dieser wird zum Beispiel durch eine strenge Diät oder ungesunde Ernährung hervorgerufen. Bleiben die Symptome über längeren Zeitraum bestehen, sollten Sie der Ursache auf den Grund gehen und sich an einen Arzt wenden.
Eine ausgewogene Ernährung oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel sind bei Haarausfall empfehlenswert und können das Haarwachstum unterstützen. Vollkornprodukte sind reich an Zink, Eisen und B-Vitaminen, welche gut fürs Haar sind. Fleisch liefert neben Eisen und Zink hochwertige Aminosäuren und Eiweißbausteine. Auch Milchprodukte können zur Nährstoffversorgung beitragen.
In vielen Fällen kann auch der Darm Schuld sein, wenn die Haare ausgehen. Denn das Verdauungsorgan ist dafür zuständig, dass Vitamine, Mineralien und Spurenelemente aus der Nahrung gefiltert und dem Körper zugeführt werden. "Darmerkrankungen mit Durchfall sowie Darmentzündungen und Lebensmittelunverträglichkeiten greifen in diese Darmfunktion ein und können so zu Haarverlust führen", meint der Haarexperte.
Auch die Balance von gesunden zu ungesunden Darmbakterien ist wichtig für die Darmflora. Gerät diese durch etwa eine schlechte Ernährung aus dem Gleichgewicht, kann eine Darmsanierung bei der Behandlung der Symptome helfen. Eine gesunde Darmflora wirkt sich nicht nur positiv auf die Haare, sondern auch auf die Haut, Verdauung und auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Auch Stress oder dauerhafte körperliche oder psychische Belastung können dem Darm schaden.
Da Haarausfall im Allgemeinen verschiedene Ursachen haben kann, erfolgt in der Regel zunächst ein ausführliches Patientengespräch, in dem der Arzt die Krankengeschichte erfasst (Anamnese). Anschließend erfolgen eine körperliche Untersuchung und eine genaue Inspektion der betroffenen Stellen. Dabei achtet der Arzt darauf, ob ein bestimmtes Haarlichtungsmuster vorliegt, das für einen kreisrunden Haarausfall spricht. Außerdem untersucht er auf Entzündungen und Schuppungen. Diese könnten beispielsweise auf eine Psoriasis oder Ekzeme anderer Ursachen hindeuten.
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Sind nur wenige kahle Stellen vorhanden und die psychische Belastung durch den Haarverlust gering, empfehlen Ärzte zumeist, den Verlauf zunächst zu beobachten. Bleibt der Haarausfall bestehen, verschlimmert er sich oder tritt er erneut auf, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden. Sie alle zielen darauf ab, die Beschwerden zu lindern, indem sie die Immunreaktion unterdrücken.
Kortison wird lokal unter die Haut gespritzt, ggf. B. Kortison), ggf. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Bestrahlung mit UV-Licht (PUVA-Therapie). Hier wird eine entzündliche Reaktion der Haut künstlich erzeugt und die Immunabwehr kann so von den Haarwurzeln abgelenkt werden und diese sich wieder erholen. Auch hier kann der Haarausfall nach der Behandlung jedoch wiederkehren.
Jakunkinase (JAK) Inhibitoren können als Entzündungshemmer entzündliche Prozesse unterdrücken, wodurch es wieder zum Haarwachstum kommen kann. Der Wirkstoff Baricitinib ist das erste zugelassene Medikament zur Behandlung der Alopecia areata.
Zunächst wurde der Wirkstoff 2020 als Mittel gegen rheumatoide Arthritis zugelassen. Im Juni 2022 erweitere die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung um die Behandlung der Alopecia areata bei Erwachsenen. Krankenkassen sind allerdings bisher nicht verpflichtet, die noch hohen Behandlungskosten zu übernehmen.
Reza P. Azar ist einer der Pioniere innovativer Haarausfallbehandlungen und der modernen Haarchirurgie. Seit 2008 leitet er das „Zentrum für moderne Haartransplantation", in dem er als Haarchirurg und Experte für Haarausfalldiagnosen, -therapien und -behandlungen tätig ist. Durch Forschungsarbeiten und ständige Weiterentwicklungen prägt er die Entwicklungen der modernen Haarchirurgie. Die Erfolgsraten bei Haarausfallbehandlungen liegen bei über 90%.
Vorbeugend lässt sich gegen kreisrunden Haarausfall im Grunde nichts tun. Seine Auslöser sind unbekannt und lassen sich somit nicht vermeiden. Um zu verhindern, dass die Erkrankung weiter fortschreitet, empfehlen Fachleute Betroffenen daher, bei den ersten Anzeichen den Haarverlust dermatologisch untersuchen zu lassen.
Einige Hersteller von Produkten mit Inhaltstoffen wie Zink oder Vitamin D werben damit, dass diese sich positiv auf das Immunsystem und Haarwachstum auswirken würden. Dafür gibt es bislang jedoch keine wissenschaftlichen Belege.
Neben dem Darm können auch andere Erkrankungen des Körpers einen Haarverlust bedingen. So führt eine Erkrankung der Schilddrüse oft zu Haarausfall. Weitere Auslöser sind Hormonschwankungen, welche bei Frauen oft Schwangerschafts- oder Wechseljahres bedingt auftreten, Fiebererkrankungen, Operationen sowie die Einnahme von Medikamenten wie Blutverdünnern oder Betablockern.
In einigen Fällen kann es jedoch auch vorkommen, dass keine genaue Ursache für den Haarausfall gefunden wird. Ignorieren sollten Sie Haarausfall auf keinen Fall, denn er ist immer ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt.
"Wenn die Ursache nicht klar ersichtlich und vorübergehend ist, wie zum Beispiel eine Grippe vor einigen Monaten, sollte eine Haarsprechstunde zur genauen Ursachenfindung aufgesucht werden", rät Finner.
Patienten und Patientinnen mit kreisrundem Haarausfall haben ein höheres Risiko, sowohl psychische Krankheiten als auch Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Eine aktuelle Studie zeigt, dass dieses Risiko insbesondere im ersten Jahr nach der Diagnose erhöht ist und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann.
Da sowohl der Haarausfall als auch viele assoziierte Erkrankungen ähnliche Entzündungsprozesse aufweisen, könnten gezielte Behandlungen, wie Januskinase-Inhibitoren, möglicherweise mehrere Beschwerden gleichzeitig lindern.
Patienten mit kreisrundem Haarausfall sollten regelmäßig und sorgfältig überwacht werden, um zusätzliche Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.
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