Topische Behandlung von Haarausfall (Alopecia Areata)

Die Alopecia areata (AA) ist eine chronische, immunvermittelte Krankheit, die durch einen akut einsetzenden Haarausfall gekennzeichnet ist. Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben an einer AA zu erkranken, beträgt 2 % (Lebenszeitinzidenz). Der häufigste Typ ist die umschriebene Alopecia areata. Seltener auftretende Typen sind Ophiasis-Typ, Alopecia totalis und Alopecia universalis, mit Prävalenzen von 0,02%, 0,08% und 0,03%. Die AA betrifft die Geschlechter gleichermaßen und tritt in allen Altersgruppen und ethnischen Gruppen auf. Bei 40 % der Patienten tritt die AA das erste Mal vor dem 20. Lebensjahr auf - bei ca. 85% zeigt sich die AA bis zum 40.

Die Alopecia areata ist nach dem anlagenbedingten Haarausfall die zweithäufigste Ursache für Haarausfall.

Der Haarfollikel ist ein einzigartiges Mini-Organ, das einen kontinuierlichen, lebenslangen zyklischen Regenerationsprozess durchläuft. Der untere Teil des wachsenden (anagenen) Haarfollikels (Wulstregion und Haarzwiebel) genießt ein relatives Immunprivileg, das den Haarfollikel vor Entzündungsprozessen schützt und die Immuntoleranz fördert.

Wie entsteht die Alopecia Areata?

Die genaue Ursache der AA ist noch nicht vollständig geklärt, doch ist es allgemein anerkannt, dass der Kollaps des Immunprivilegs des Haarfollikels eine entscheidende Rolle in der Entstehung der Krankheit spielt. Der Entzündungsprozess der Erkrankung wird über das Einwandern von Immunzellen in und um den Haarfollikel vermittelt. Dadurch kommt es zu einem Bienenschwarm-ähnlichen Infiltrat. Daran sind Lymphozyten wie T-Zellen und NK-Zellen sowie Mastzellen und dendritische Zellen beteiligt. Die Entzündungsreaktion ist auch über Botenstoffe (Zytokine) vermittelt. Entscheidende Zytokine bei AA sind Interferon-γ-, Interleukin-2- und Interleukin-15. Das Aufflammen einer AA führt zu einer deutlich verkürzten Anagen (Wachstums)-Phase des Haarwachstumszyklus. Es wird vermutet, dass auch genetische Faktoren einen Einfluss haben.

Die Alopecia areata zeigt ein sehr breites klinisches Bild. Der Haarverlust kann alle behaarten Bereiche des Kopfes und Körpers betreffen.

Bei einer Alopecia areata zeigen sich hier in meisten Fällen die typischen kreisrunden haarlosen Areale an der Kopfhaut. Sie kann sich aber auch durch teilweisen oder kompletten Verlust der Augenbrauen, Wimpern oder Barthaare, oder auch an anderen behaarten Arealen zeigen (siehe auch klinische Varianten). Die Hautoberfläche ist unauffällig.

Die klinische Untersuchung gemeinsam mit der Dermatoskopie der Kopfhaut sind die wichtigsten Schritte und, in meisten Fällen, ausreichend um die Diagnose Alopecia areata zu stellen.

Sehr hilfreicher Test zur Einschätzung der Aktivität der Alopecia areata, aber auch zum Ausschluss anderer Haarerkrankungen, so wie der Trichotillomanie.

Der Test wird am Randbereich der haarlosen Areale sowie an klinisch unauffälligen Haaren durchgeführt. Hierbei wird ein dickes Haarbüschel (ca. 20-50 Haare) zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger am Haaransatz nahe der Kopfhaut fest gefasst, und dann fest, aber nicht gewaltsam von der Kopfhaut weggezogen. Wenn mehr als 10 % der erfassten Haare zwischen den Fingern am Ende verbleiben, gilt dies als positiver Zupftest und deutet auf aktiven Haarausfall hin. Für einen gültigen Test sollten die Haare mindestens einen Tag lang nicht gewaschen werden.

Das „Severity of Alopecia Tool’’ oder der sog. SALT Score ist ein sehr hilfreiches, visuelles Mittel zur Bestimmung des prozentualen Kopfhaarausfalls bei Alopecia areata.

Die AA kann zusammen mit verschiedenen anderen Erkrankungen und Zuständen auftreten. Autoimmunerkrankungen, z.B.

Die Alopecia areata ist eine Erkrankung mit einem stark variablen Verlauf. Einmaliges Auftreten, lange freie Intervalle und immer wieder neues Auftreten einzelner oder mehrerer Herde können sich abwechseln. Jahrelange keine neuen Herde und Remissionen über mehrere Jahre können ebenso auftreten. Faktoren, die mit einer schlechten Prognose assoziiert sind, sind ein Auftreten im jungen Alter ein ausgeprägter Haarverlust wie z.B.

Aufgrund der hohen Sichtbarkeit, des unvorhersehbaren klinischen Verlaufs der Erkrankung und des derzeitigen Mangels anhaltend erfolgreicher Therapien ist die AA für viele Betroffene eine große emotionale Belastung. Auch wenn die Krankheit in jedem Alter eine Herausforderung sein kann, sind Kinder und Jugendliche besonders anfällig für ein hohes Maß psychischer Belastung ebenso wie für Mobbing durch und soziale Isolation von Gleichaltrigen.

Typisches Bild von Alopecia Areata

Das therapeutische Vorgehen ist bei jedem Patienten unterschiedlich und abhängig von individuellen Faktoren wie der Ausprägung der Erkrankung und Nebenerkrankungen. Bitte beachten Sie, dass die Informationen auf dieser Seite keine Beratung bei einem Arzt ersetzen. Wir bitten Sie, sich an Ihren behandelnden Arzt oder Ärztin zu wenden, um die passende Therapie für Sie zu finden.

Die derzeitig eingesetzten Therapien zielen vor allem auf das Unterdrücken des Entzündungsprozesses ab und bekämpfen nicht die eigentliche Ursache der Krankheit.

Alopecia areata - Ursachen, Symptome und Behandlung | dermanostic Hautlexikon

Therapeutische Optionen

Topische Kortikosteroide

Hierbei wird ein stark bis sehr stark wirksames Kortikosteroid (Klasse III/IV) im Bereich der Haarausfallherde an der Kopfhaut angewendet.

Intraläsionale Kortikosteroid-Injektionen

Hier wird mit einer dünnen Nadel eine bestimmte Menge eines Kortisonpräparates (Triamcinolonacetonid Kristallsuspension) in die Kopfhaut eingespritzt. Die Unterspritzung erfolgt in der Hautebene (intrakutan), nicht ins Unterhautgewebe. Während jeder Sitzung erfolgen mehrere Injektionen an den Rand der Haarausfallsbereiche. Die Dauer der Behandlung wird abhängig von Wirksamkeit und Verträglichkeit vom behandelnden Arzt nach Rücksprache mit dem Patienten festgelegt. In der Regel erfolgen ca. 3-5 Unterspritzungen alle 4-8 Wochen. Bei gutem Ansprechen und Verträglichkeit können weitere Sitzungen erfolgen.

Systemische Therapie mit Kortison

Die systemische Therapie mit Kortison erfolgt meistens in Form einer oralen Prednisolon-Stoßtherapie, d.h. tägliche ca. einwöchige orale Einnahme von Kortikosteroiden jeweils unterbrochen durch einnahmefreie Intervalle. Die gesamte Dauer der Therapie beträgt mindestens 3 Monate, diese soll jedoch vom behandelnden Arzt entsprechend des Ansprechens und des Auftretens von den Nebenwirkungen angepasst werden. Es ist wichtig, dass der Patient über die bekannten, möglichen Nebenwirkungen einer systemischen Kortison-Therapie von dem behandelnden Arzt aufgeklärt und überwacht wird.

Dithranol

Diese Option ist aufgrund ihres günstigeren Risikoprofils eine Alternative zur Sensibilisierungstherapie, besonders bei Kindern. Der Wirkmechanismus ist derzeit unklar, es wird jedoch vermutet, dass die vom Dithranol verursachte leichte Reizung der Kopfhaut zu einer Umlenkung der Entzündungszellen führt und es damit zur Förderung des Nachwachsens der Haare kommt. Zu den Nebenwirkungen gehören starke Reizung an den Anwendungsstellen, sowie vorübergehende Verfärbungen der Haut und Haare.

JAK-Inhibitoren

Bislang sind zwei Januskinase (JAK) Inhibitoren für die Behandlung der schweren AA zugelassen. Aktuell laufen weitere Studien mit weiteren JAK-Inhibitoren (Ruxolitinib, Upadacitinib) bzw.

Minoxidil

Dies ist eine Substanz, die die Durchblutung um den Haarfollikel verbessert und so das Haarwachstum anregt. Der Wirkstoff hat keinen Einfluss auf die Entzündung, fördert jedoch das Haarwachstum, nachdem die Entzündung von der für die AA angesetzten Therapie (z.B. topische Kortikosteroide) unterdrückt wurde. Es könnte unterstützend beim Nachwachsen der Haare in den umschriebenen AA Herden eingesetzt werden.

Zink und Vitamin D Supplementierung

Zink hilft die Immunantwort zu modulieren, und könnte bei Zink-Mangel hilfreich sein. Aber die verfügbaren Daten sind noch widersprüchlich, und kommen von kleinen Studien und Fallberichten. Die Einnahme bei entsprechendem Vitaminmangel könnte von Bedeutung sein.

Die ehrliche und ernüchternde Erkenntnis zu Alopecia Areata ist leider, dass es derzeit keine Heilung gibt. Und auch die vorhandenen Therapie-Ansätze sind allesamt entweder - wenn sie überhaupt anschlagen - nur solange wirksam, bis man sie wieder absetzt, oder sie sind eher fragwürdiger Natur… oder sogar beides.

Derzeit geht eine Welle neuer Presse­berichte zu möglichen Heilungschancen der Alopecia Areata durch sogenannte „JAK-Inhibitoren“ durch die Medien sowie das Internet.

Obwohl die Krankheit weltweit bekannt ist und enorme Anstrengungen unternommen werden, die Ursachen zu erforschen, wurde noch keine Therapie gefunden, die die Krankheit ursächlich heilen kann. Es gibt Symptomtherapien, unter denen es zu einer teilweisen oder sogar vollständigen Wiederbehaarung kommen kann. Sehr häufig kommt es nach Absetzen der Therapien jedoch erneut zum Haarausfall.

Viele Hautärzte raten daher ihren Patienten zunächst abzuwarten. Für viele Betroffene unverständlich und nur schwer durchführbar. Gerade bei betroffenen Kindern fällt es den Eltern schwer, abzuwarten und dem Haarverlust lediglich tatenlos zuzusehen. Hierbei kommen vielleicht jedoch Selbstheilungskräfte in Gang, die sonst unterdrückt werden würden. Immerhin liegt die Spontanheilungsrate (also, erneutes Haarwachstum ohne vorherige Therapie) bei 75-80% - und ist damit genauso hoch wie unter den bekannten Therapie-Ansätzen!

Autoimmunerkrankungen wie die Alopecia areata (AA), der kreisrunde Haarausfall, kann man bis heute nicht heilen. Aber es gibt in Deutschland zugelassene moderne Medikamente, mit denen Symptome gelindert werden können. Dazu gehören neben anderen die JAK-Inhibitoren (JAKi). In verschiedenen Studien zeigten die JAKi bei moderater bis schwerer AA, dass die Therapie erfolgreich zu einem Nachwachsen der Haare führt.

Für die Behandlung der schweren Alopecia areata stehen mit den Januskinase-Inhibitoren Baricitinib (für Erwachsene) sowie Ritlecitinib (ab dem Alter von zwölf Jahren) neue, zugelassene Therapieoptionen zur Verfügung. Allerdings muss die Behandlung als Dauermedikation stattfinden, sonst kommt es zu einem erneuten Haarausfall. Es ist nur ein vorübergehender Effekt. Wie bei nahezu allen Medikamenten zeigen die klinischen Studien und der Praxisalltag, dass es auch sogenannte Non-Responder gibt, also Menschen, bei denen es nicht zu der erwarteten positiven Wirkung kommt.

Kaum ein Mittel verkörpert den Einstieg in die medikamentöse Therapie der Alopecia Areata so sehr, wie Kortison. Vielfach werden bei kleinen Herden von kreisrundem Haarausfall, oftmals zu Beginn der Erkrankung, kortisonhaltige Medikamente in Form von Lösungen oder Cremes eingesetzt. Die Wirkung äußerlich aufgebrachter Glukokortikoid-Präparate ist bei der Alopecia Areata allerdings wegen eingeschränkter Eindringtiefe in die Haut sehr begrenzt. Zusätzlich gibt es auch noch die Kortison-Injektionen in die Kopfhaut, sowie intravenöse Infusion (Pulstherapie).

Topische Immuntherapie

Die topische Immuntherapie besteht im wiederholten Auftragen eines speziellen Kontaktallergens am Kopf. Hierdurch wird ein allergisches Kontaktekzem erzeugt und unterhalten. In der so behandelten Kopfhaut wird neues Haarwachstum angeregt. Beide Substanzen stellen derzeit keine zugelassenen Medikamente dar und benötigen eine aufwendige Behandlung. Daher sollte diese Methode generell nur bei ausgedehnten und schwerwiegenden Formen der Alopecia Areata - aus formalen arzneimittelrechtlichen Gründen derzeit aber nicht bei Kindern - angewendet werden.

Die Zink-Therapie beruht auf der Erkenntnis, dass es sich bei der Alopecia Areata um eine Störung des Immunsystems handelt. Aufgrund einer „Fehlinformation“ des Immunsystems versucht der Organismus, die Haarwurzel mit einer Entzündung zu zerstören. Das dem Körper zugeführte Zink wirkt als Immunstimulator und sorgt über komplizierte biochemische Reaktionen für einen Ausgleich eines Zell-Missverhältnisses im Immunsystem, das mit dem Auftreten der „Fehlinformation“ in Zusammenhang zu stehen scheint.

Thymuspeptide, wie sie in Thymuskin® eingesetzt werden, regen die Zellen des Immunsystems zur Differenzierung und Vermehrung an. Diese Stimulation setzt an den Zellen Botenstoffe frei, die modulierend auf das gesamte Netzwerk des Immunsystems wirken. Aufgrund von Erfahrungen aus Anwendungsbeobachtungen an mehreren deutschen Haut- und Universitätskliniken wurde Thymuskin® auch bei Patienten mit Alopecia Totalis und Universalis eingesetzt. In 65% der Fälle setzte nach 9 bis 12 Monaten (bei täglicher Anwendung als Haarshampoo) ein sichtbares Haarwachstum am Kopf und / oder Körper ein. Die Effektivität dieses Therapie-Ansatzes übersteigt somit nicht die Spontan-Heilungsrate und ist daher leider ebenfalls nicht gesichert.

DCP-Behandlung

Die topische Immuntherapie mit DCP (Diphenylcyclopropenon) ist die effektivste Behandlung schwerer Formen der Alopecia areata (AA). Ein kosmetisch akzeptables Wiederwachstum von Haaren ist nach den Erfahrungen der Haarsprechstunde an der Universitäts-Hautklinik München unter der Leitung von Prof. Dr. H. Wolff bei etwa 30 bis 40% der Patienten möglich. Die Zeit bis zum Eintreten eines ersten positiven Therapieeffektes liegt bei 16 bis 43 Wochen.

Der Ablauf der DCP-Behandlung ist in 3 Phasen gegliedert. Zunächst wird in der Phase der Allergieerzeugung ein ca. 25 cm2 großer Herd an der Kopfhaut mit 2%iger DCP-Lösung behandelt und so eine Kontaktallergie erzeugt. Nach 2 Wochen beginnt dann die Phase der Konzentrationsermittlung. Hier wird in wöchentlichen Abständen die individuell notwendige Konzentration von DCP ermittelt, welche ein therapeutisch wirksames Ekzem (leichte Rötung, Juckreiz, Schuppung) auf der Kopfhaut erzeugt. In der dritten Phase wird die DCP-Lösung in der ermittelten Konzentration ebenfalls 1x pro Woche aufgetragen. Dabei wird die Substanz unter Schutz der Augen mit einem Wattestäbchen auf die Kopfhaut aufgetragen. Die DCP-Behandlung kann 1 bis 1,5 Jahre dauern, abhängig vom Ansprechen auf die Therapie. Falls nach 6-monatiger Behandlung kein Haarwachstum erzielt werden konnte, wird ggf. ein Abbruch der Behandlung in Erwägung gezogen. Unmittelbares Sonnenlicht ist während der Behandlung zu meiden, da es die Reaktion an der Kopfhaut unerwünscht verstärken kann. Die Kopfhaut darf erst 3 Tage nach der Behandlung wieder gewaschen werden. Für Kinder wird die DCP Behandlung frühestens ab einem Alter von 10 Jahren empfohlen.

Schwere Form der Alopecia areata vor (erstes Bild) und nach (zweites Bild) der Therapie mit DCP mit einem sehr guten Behandlungsergebnis, welches je nach Grad der Ausprägung der Erkrankung in ca. Aus "Hauptsache Haar" von Ralph M.

DCP ist kein zugelassenes Medikament, die Behandlung kann also nur als individueller Heilversuch nach besonderer Aufklärung erfolgen. Zahlreiche Studien belegen die Effektivität der DCP-Therapie. Bislang hat jedoch kein Pharmaunternehmen die von den Gesundheitsbehörden geforderten und nötigen Daten erbracht, um eine Zulassung als Medikament zu bewirken. Für DCP existiert kein Patentschutz und somit könnte nach Zulassung als Arzneimittel jedes andere Pharmaunternehmen DCP zur Behandlung der Alopecia areata auf den Markt bringen. Bislang gilt DCP nur als Chemikale (orphan drug). Die Kosten der Behandlung müssen daher von den Patienten oft selbst getragen werden und betragen um die 230 EUR pro Vierteljahr.

Die Erstattung der DCP-Therapie durch die Krankenkassen läuft nach einem undurchsichtigen Schema ab. Ob erstattet wird oder nicht, hängt häufig weniger von der Krankenkasse selbst als vielmehr vom zuständigen Sachbearbeiter, der Geschäftsstelle oder dem zuständigen Gutachter des medizinischen Dienstes ab. Hilfreich ist es auf jeden Fall, sich nicht mit einer Ablehnung der Kostenübernahme zufrieden zu geben, sondern sich an übergeordnete Geschäftstellen und deren Leiter zu wenden (z.B. Hauptgeschäftsstelle Bayern). Ebenso hilfreich kann ein Besuch des zuständigen Sachbearbeiters sein.

Nach vollständigem Wiederwuchs der Haare nach einer DCP-Therapie ist es prinzipiell jederzeit möglich, dass die Haare nach Absetzen der Behandlung wieder ausfallen. Die Therapie wird daher nach vollständigem Wiederwachstum der Haare nicht abrupt, sondern ausschleichen beendet. Das bedeutet, dass die Therapieintervalle langsam vergrößert werden. Aber auch dann ist erneuter Haarverlust immer möglich. Spricht man einmal auf die Therapie mit DCP an, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, bei einem erneuten Schub der Alopecia areata wieder auf diese Behandlung mit Haarwuchs zu reagieren. Auch kann während einer DCP-Behandlung ein Schub der AA eintreten, so dass die zugewonnenen Haare erneut ausgefallen. Der Erfahrung nach ist ein akuter Schub einer AA durch die DCP-Therapie nicht zu beeinflussen. Gegebenenfalls kann die Behandlung dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut begonnen werden.

SADBE (Quadratsäuredibutylester)

Zur Durchführung der topischen Immuntherapie kann bei Erfolglosigkeit von DCP auch SADBE (Quadratsäuredibutylester) verwendet werden. Das Therapieprinzip ist das gleiche. Man löst an der von Alopecia areata betroffenen Kopfhaut ein allergisches Kontaktekzem aus, welches das Haarwachstum fördern soll.

Nebenwirkungen der Immuntherapie

Typische Nebenwirkungen der DCP-Therapie sind vor allem Rötung, Schuppung und Juckreiz in den Behandlungsarealen. Diese drei sind in geringem Maße sogar für den Therapieeffekt erforderlich. Treten jedoch Blasenbildung, Nässen und eine Ausdehnung der Ekzemherde auf den Körper auf, muss die Behandlung unterbrochen und dann in einer geringeren Konzentration fortgesetzt werden. Relativ häufig kommt es zu harmlosen Schwellungen der Lymphknoten im Nackenbereich, die sich von alleine wieder zurückbilden. Patientinnen dürfen während der Behandlung nicht schwanger werden, weil noch keine ausreichenden Erfahrungen über eventuelle Schäden am ungeborenen Kind vorliegen. Auch eine Behandlung in der Stillzeit ist nicht möglich. Bei Hauterkrankungen mit isomorphem Reizeffekt (z.B. Psoriasis, Lichen ruber) kann ein Ausbrechen der Erkrankung durch DCP provoziert werden.

Bei schwerem und refraktärem kreisförmigen Haarausfall (Alopecia areata) gilt die topische Immuntherapie mit Kontaktsensibilisatoren wie Diphenylcyclopropenon oder Quadratsäuredibutylester bezüglich ihrer Wirksamkeit als gut dokumentiert.

Um dennoch eine verlässliche Aussage treffen zu können, werteten Dr. Solam Lee und Kollegen von der Universität Wonju in Südkorea 45 Studien zur Wirksamkeit einer topischen Immuntherapie bei Alopecia areata aus und vereinheitlichten die unterschiedlichen Bewertungskriterien.

Bewertung mit einheitlichen Kriterien zum Haarwachstum

Ziel der Studie war es, die klinischen Resultate der Immuntherapie bei der Alopecia areata anhand standardisierter Kriterien zu messen. Dazu wurden 45 Studien mit 2.227 Patienten, die in einer Datenbanksuche gefunden wurden, selektiert und anhand mehrerer Kriterien aufgeschlüsselt. Das Neuwachstum der Haare wurde anhand einer 4-stufigen Skala eingeteilt.

Ergebnisse

Anhand dessen konnte festgestellt werden, dass unter den Immuntherapien bei 65,5% der Patienten mit Alopecia areata erneut Haare sprießten. Bei der fleckenförmigen Form betrug die Neuwachstumsrate 74,6%, in der Alopecia totalis/universalis-Gruppe hatten 54,5% wieder Haare.

Einen vollen Haarschopf konnten durchschnittlich 32,3% der Patienten verbuchen. Bei der klassischen areata-Form waren das 24,9%, bei der Totalis-Form sogar 32,3% der Patienten.

Chancen sinken mit Schwere des Haarausfalls

Des Weiteren konnten die Forscher bestimmen, welche Faktoren den Behandlungserfolg beeinträchtigen: Das waren Patienten, bei denen mehr als die Hälfte des Kopfes von Haarausfall betroffen war (Odds Ratio [OR] 3,05). Ebenso schlug die Immuntherapie bei Patienten mit Nagelbeteiligung (OR 2,06) oder Vorgeschichte als Atopiker (OR 1,61) schlechter an.

Die Neuerkrankungsrate betrug unter Erhaltungstherapie 38,3%, und ohne fortgesetzte Therapie 49,0%.

Ergebnisse helfen bei der Patientenberatung

Insgesamt belegt diese Übersichtsarbeit die guten Erfolgschancen mit dieser Therapie. Bei der Therapiewahl und der Beratung der Patienten, vor allem hinsichtlich ihrer Erwartungen, kann die Aufschlüsselung nach unterschiedlichen Alopezie-Formen hilfreich sein.

Therapie Erfolgsrate (Haarwachstum) Voller Haarschopf
Immuntherapie (gesamt) 65,5% 32,3%
Fleckenförmige Alopecia areata 74,6% 24,9%
Alopecia totalis/universalis 54,5% 32,3%

Hauptantragsteller: Prof. Dr. Frau Prof. Ziel dieses Vorhabens ist die Entwicklung eines neuen, auf dem löslichen CD83 Protein basierenden Produkts für die topische Behandlung hormonell- und autoimmun-bedingten Haarausfalls. Weltweit leiden ca. 70% aller Männer und 40% aller Frauen unter hormonell bedingtem Haarausfall (androgene Alopezie). Darüber hinaus leiden ca. 2% der Weltbevölkerung unter der autoimmun-bedingten Form des Haarausfalls (kreisrunder Haarausfall bzw. Alopecia areata). Für beide Formen des Haarausfalls stehen jedoch nur limitiert wirksame und darüber hinaus keine heilenden Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Deshalb besteht ein großer medizinischer Bedarf, neue Therapieformen für Patienten mit Haarausfall zu entwickeln. In präklinischen Studien konnten wir eindrucksvoll zeigen, dass dss lösliche CD83 Molekül (sCD83) neues Haarwachstum bei Mäusen induziert. Weitere Informationen finden Sie hier. Die genaue Ursache dieser Erkrankung ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass das Im­munsystem die Haarwurzel versehentlich als "fremd" einstuft und eine Entzündungsreaktion an der Haarwurzel hervorruft, in deren Folge die Haare abgestoßen werden.

Diese Behandlungsmethode ist wissenschaftlich anerkannt und gilt heute als die erfolgreichste Therapieform der Alopecia areata. Die Fachkompetenz auf diesem Gebiet wurde bereits während des Studiums und der prak­tischen Ausbildung in der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universi­tätsklinikum Gießen aufgebaut. Die topische Immuntherapie wurde von Prof. Dr. „Diese relativ aufwendige Therapie sollte Dermatologen mit ausreichender Erfahrung vorbehalten bleiben“ so Prof.

tags: #topische #behandlung #haarausfall

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