Der morgendliche Blick in den Spiegel kann für Männer, die von Haarausfall betroffen sind, zu einem kleinen Stich werden. Doch während die einst vollen Haare sich lichten, gibt es auch positive Aspekte, die mit einer Glatze verbunden sein können.
Viele Männer, die im Begriff sind, kahl zu werden, fühlen sich im Schnitt weniger attraktiv, weniger liebenswert und weniger erfolgreich. Bis in die Neunzigerjahre hinein wiesen Studien darauf hin, dass glatzköpfige Männer auch genauso wahrgenommen werden (Clinical Dermatology: Moerman, 1988).
Inzwischen ist klar: Ganz so einfach ist es nicht. Nachgewiesen ist lediglich, dass Männer mit Glatze älter wirken. Zwei US-amerikanische Forscher wollen sogar belegt haben, dass Männer mit Glatze als weise, reif und sanft wahrgenommen werden (Ethology and Sociobiology: Muscarella und Cunningham, 1996). Die Halbglatze oder Glatze ist ein Zeichen von sozialer Reife und von Fürsorglichkeit.
Eindeutig sind diese Hinweise nicht. Denn manchmal werden kahle Männer auch anders wahrgenommen, etwa wenn sie sich bewusst die Haare abrasieren. Sie werden mächtiger, männlicher, stärker und größer eingeschätzt als ihre behaarten Kollegen.
Laut Albert Mannes, der die Studie durchgeführt hat, ist es wichtig, dass das soziale Umfeld die Glatze als eigene Entscheidung wahrnimmt. Ihr Träger grenzt sich von der sozialen Norm ab.
Haarausfall ist für die meisten Männer eigentlich der Albtraum schlechthin. 2013 widmeten sich Berliner Wissenschaftler dem psychologischen Effekt von Haarausfall und kamen zu dem Fazit, dass sogar ein mäßiger Haarverlust "eine große emotionale Bürde mit vermindertem Selbstbewusstsein, einer beschädigten Lebensqualität und sogar psychologischen Störungen" mit sich bringen kann.
Haarausfall lässt viele junge Männer an ihrer Attraktivität, ihrem Selbstbild und ihrer Wirkung auf andere zweifeln. Junge Männer mit Glatze werden mit dem Altern und der Endlichkeit ihres Seins konfrontiert. Viele leiden infolgedessen unter einem verminderten Selbstbewusstsein und den Auswirkungen auf ihr seelisches Wohlbefinden.
Dennoch wollen sich viele nicht kahl rasieren, sondern sehen, dass auf ihren Geheimratsecken endlich wieder Haare sprießen. Und dafür nehmen sie vieles in Kauf. Beispielsweise die vermeintlichen Wunderwässerchen aus dem Drogeriemarkt: mit schwarzem Pfeffer, Ginkgo, Aloe Vera, Sanddorn, Koffein und einer Vielzahl mehr angereichert. Die Wirkung des Haartunings ist aber mindestens umstritten. Studien, die den Erfolg bestätigen, werden meist von den Kosmetikherstellern selbst finanziert und auch durchgeführt.
Das Salben der betroffenen Stellen hat übrigens eine lange Tradition. Schon die alten Ägypter empfahlen für kahle Stellen eine Kur aus den gezupften Stacheln eines Igels, eingelegt in einer Mischung aus Honig, Alabaster und rotem Ocker. So beschreibt es Kerry Segrave in seinem Buch Baldness. A Social History.
Heute fließen jedes Jahr Millionen in den Wunsch nach vollem Haupthaar. Eines der meistverkauften Mittel ist Minoxidil, das für drei Monate 50 Euro kostet.
Eine US-amerikanische Studie der University of Pennsylvania belegt nun allerdings genau das, was wir durch prominente Glatzköpfe wie Bruce Willis, Vin Diesel oder Jason Statham bereits geahnt haben: Männer mit Glatze werden als dominanter und attraktiver wahrgenommen. In der Studie mussten drei Gruppen Fotos von Männern nach Attraktivität, Selbstvertrauen und Dominanz beurteilen. Der klare Sieger: Männer ohne Haupthaar.
Für den Autor der Studie, Albert E. Mannes, ein guter Grund, sich nicht mehr um den eigenen Haarausfall zu sorgen. "Die Entscheidung, sich von seinen Haaren zu trennen, ist eine Form von nonverbalem Verhalten, eine Art des Ausdrucks, die Information über das Selbst liefert, die andernfalls schwer zu beobachten ist", so Mannes. Anders formuliert: Männer mit Glatze sind mysteriöser.
Vor ein paar Jahren kam eine andere Studie des US-Portals OnlineDoctor schon zu einem ähnlichen Ergebnis: Eine repräsentative Umfrage unter 1.700 Menschen ergab, dass 54 Prozent der befragten Frauen einen kahlen Kopf sexy finden. 97 Prozent der Frauen würden einen Mann mit Glatze sogar daten.
Die Teilnehmer sollten zudem aus dem Bauch heraus sagen, welche Begriffe sie mit einer Glatze verbinden. Am häufigsten wurden „männlich“, „Männer“ und „sexy“ genannt.
Weitere amerikanische Studien haben ergeben, dass Frauen einen Mann ohne Haupthaar als dominanter, selbstbewusster, größer und stärker wahrnehmen, als die Herren es tatsächlich waren. Frauen honorieren den Mut eines Mannes, der selbstsicher zu seinen fehlenden Haaren steht, und sind beeindruckt. Ohne von gestylten Frisuren abgelenkt zu werden, konzentrieren sie sich so verstärkt auf Nase, Mund und Augen.
Allerdings gilt es auch bei Glatze einige Dinge zu beachten: Als attraktiver und dominanter werden nur Männer empfunden, die sich das Haar ganz abrasiert haben. Wer nur kahle Stellen oder den berühmten Haarkranz trägt, wird als schwächer wahrgenommen als Männer mit einer kompletten Glatze. Wer auf seinem Kopf also kahle Stellen entdeckt und mit einer schwindenden Mähne kämpft, könnte durchaus überlegen, den Rasierer anzusetzen. Es könnte sich - glaubt man den Ergebnissen der Studie - lohnen.
Nicht unerwähnt bleiben sollte allerdings: Nicht jeder Mann ist als Glatzenträger geeignet. Von einem überhasteten Griff zum Rasierer ist abzuraten. Die Kopfform muss passen und die Haut gepflegt sein. Nicht jede Frisur ist für jeden Kopf geeignet.
Lange Zeit galt eine Glatze als Zeichen von Alter und nachlassender Attraktivität bei Männern. Allerdings scheint sich diese Meinung stark zu ändern.
Es gab schon einige Studien, die sich mit dieser Frage beschäftigten, manche wollten belegen, dass kahle Männer als weise gelten, andere, dass sie als besonders stark wahrgenommen werden. Sicher nachgewiesen werden konnte allerdings nur, dass sie als älter eingeschätzt werden.
Studiendesigns sind nicht einfach, es macht außerdem einen Unterschied, ob die bewertenden Probanden glauben, dass die Glatze selbst rasiert oder das Haar komplett ausgefallen ist.
Der Psychologe Ronald Henss forscht an verschiedenen Aspekten rund um die Glatze, und hat mit der Universität des Saarlands 2005 eine Untersuchung durchgeführt, die erheben sollte, wie eine Glatze in verschiedenen Aspekten auf das Gegenüber wirkt - also nicht nur in Sachen Attraktivität, sondern auch bezüglich charakterlicher Zuschreibungen.
Das Ergebnis auch hier: Alle Männer mit Toupet wurden jünger geschätzt, im Mittel etwas mehr als vier Jahre, außerdem hielt man sie für größer. Jedoch wurden die Männer mit Glatze als bessere Familienväter gesehen - wenn auch die Begründung wiederum etwas traurig klingt: man schätzte diese Männer als weniger attraktiv ein und schrieb ihnen somit weniger Erfolg bei den Frauen zu. Sie seien somit beständiger und fürsorglichere Ehemänner und Väter, die keine Affären haben.
Aber all das muss auch in Relation gesetzt werden: „Das Gesicht des Mannes spielt immer noch die größte Rolle. Der Mann belegt auf der Attraktivitätsskala ein bestimmtes Segment, etwa sehr attraktiv. Hat er eine Glatze, rückt er in der Skala ein wenig nach unten, aber er wird dadurch ja nicht hässlich“, erklärt Henss. Auch der soziale Status beeinflusse, wie die Glatze wahrgenommen werde.
Die Wissenschaft hat übrigens auch Trost für alle Träger von Glatzen: Haarausfall trifft nahezu jeden Mann. Wie ein Beitrag im Fachjournal "Expert Reviews in Molecular Medicine" erklärt, haben 30 Prozent der (weißen) Männer bereits mit 30 Jahren Haarausfall, mit 50 Jahren trifft es bereits die Hälfte.
Fast jeder Mann ist ab einem bestimmten Alter von Haarausfall betroffen. Trotz aller Haarwuchsmittel und medizinischer Präparate scheint bisher noch kein wirklich adäquates Mittel gefunden worden zu sein, das die Bildung einer Glatze stoppen könnte.
Die Dermatologin Natalie Garcia Bartels (Hautklinik der Charité in Berlin) berichtete, dass nahezu 80 Prozent aller Männer bis zum 80. Lebensjahr von Haarausfall betroffen sind. Meist handelt es sich hierbei um genetisch bedingten Haarausfall, die sogenannte Androgenetische Alopezie. Die Ursache liegt hierbei in der Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber der männlichen Geschlechtshormone.
Haarausfall nach Alter:
| Alter | Anteil der Männer mit Haarausfall |
|---|---|
| 30 Jahre | 30% |
| 50 Jahre | 50% |
| 80 Jahre | 80% |
Neben der Eigenhaarverpflanzung gibt es noch alternative Behandlungsmöglichkeiten, wie zB. die Haarpigmentierung oder eine PRP Behandlung. Bei einer Haarpigmentierung werden kleine Farbpartikel in die Haut implantiert. Sie erzeugen den Anschein eines dichten Haarbilds und eignen sich wunderbar für kurze, als auch für lange Frisuren.
Die PRP Behandlung sorgt dafür, dass Ihr Haar revitalisiert wird. Mittels körpereigenem Blutplasma, wird ein vitaminreiches Serum produziert, welches das Wachstum und die Gesundheit der Haarfollikel fördert.
Eine Haartransplantation bietet hierbei eine der besten und effektivsten Lösungen. Bei diesem Verfahren werden gesunde Haarfollikel aus dem Spenderbereich entnommen und in die kahlen Stellen verpflanzt. Neben der Haartransplantation gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten, die den Haarwuchs fördern und den Haarverlust reduzieren können. Methoden wie Minoxidil oder PRP-Behandlungen (Plättchenreiches Plasma) können das Haarwachstum anregen und die Haarwurzeln stärken.
Die Entscheidung, ob Sie Ihre Glatze behalten oder Maßnahmen gegen den Haarausfall ergreifen, sollte immer in Ihrem eigenen Interesse und Wohlbefinden getroffen werden.
Mannes: Ich habe meine Haare nicht aus Karrieregründen abrasiert, sondern weil sie mir mit Anfang 30 ausfielen. Ich vollendete mit dem Rasierer einfach das, was Mutter Natur begonnen hatte. Mir gefiel die Glatze, deshalb trage ich sie bis heute. Ich merkte aber auch, dass mein Umfeld anders auf mich reagierte als vorher.
Wenn man im Job besonders männlich und mächtig rüberkommen möchte, kann man es mit einer Glatze versuchen. Das ist keine Garantie aufzusteigen. Aber wenn eine Glatze jemanden selbstbewusster macht, wird sie ihm in jedem Fall weiterhelfen - sowohl im Arbeits- als auch im Privatleben. Und das Schöne am Kahlkopf ist ja: Er kostet nichts und er ist nicht unumkehrbar. Man kann es also einfach mal ausprobieren.
Ob Sie sich dafür entscheiden, eine Glatze zu tragen oder nicht, sollte immer darauf basieren, was Sie glücklich und selbstbewusst macht. Es ist wichtig, dass Sie sich in Ihrer Haut wohlfühlen.
Als ich mich dazu entschloss, mir eine Glatze schneiden zu lassen, dachte ich nicht an die Jason Statham und Jeff Bezos’ dieser Welt. Ich wollte weder besonders männlich, noch besonders smart aussehen. Ich wollte endlich frei sein. Indem ich meinen Kopf äußerlich von den verbliebenen Haaren befreite, befreite ich ihn innerlich von allem, was mich in den letzten Jahren ausgebremst hatte. Ich verabschiedete mich von einem veralteten und schlichtweg nicht mehr existenten Selbstbild.
Es ging mir nicht mehr um die Wirkung meiner Frisur auf mein Umfeld - das hatte mich schließlich lange genug beschäftigt. Es ging mir darum, die Relevanz dieser externen Wirkung zu reduzieren und mich auf die interne Wirkung zu konzentrieren. Als ich mich dazu entschied, meine eigene Meinung zu meinen Haaren zu priorisieren, ist ein großer Ballast von mir abgefallen. Ich konnte zu meinem (zugegebenermaßen ungewohnten) neuen Ich stehen und mich der Welt so präsentieren, wie ich bin.
Deine Glatze ist das, was du daraus machst.
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