Starker Haarwuchs im Intimbereich: Ursachen und Lösungen

Starke Körperbehaarung - egal ob beim Mann oder bei der Frau - wird von den Betroffenen oft als störend und manchmal sogar lebenseinschränkend empfunden. Gerade bei Frauen führt eine verstärkt männlich anmutende Gesichts- und Körperbehaarung oft zu einer Minderung des eigenen Wohlbefindens. In der Medizin wird starke Körperbehaarung als Hirsutismus und Hypertrichose bezeichnet.

Was ist Hirsutismus?

Unter Hirsutismus versteht man eine ungewöhnlich starke, androgenabhängige Körperbehaarung bei Frauen. Hirsutismus tritt ausschließlich bei Frauen auf. Hier folgt die verstärkte Körperbehaarung dem männlichen Behaarungsmuster. An Stellen wie Kinn, Oberlippe oder Brust finden sich vermehrt die kräftigen Terminalhaare.

Typisches Symptom von Hirsutismus: Bei der Frau sind Körperstellen stark behaart, an denen in der Regel nur bei Männern kräftige Haare zu sehen sind. Oftmals haben Betroffene nicht nur mit der verstärkten Behaarung zu kämpfen, sondern können auch weitere typisch männliche Merkmale, wie eine dunklere Stimme aufweisen.

Wenn die starke Behaarung andere Körperstellen oder den ganzen Körper betrifft, handelt es sich nicht um Hirsutismus, sondern um eine sogenannte Hypertrichose.

Ursachen von Hirsutismus

Die Ursache von Hirsutismus sind männliche Geschlechtshormone, sogenannte Androgene. Jede Frau besitzt auch männliche Geschlechtshormone. Bei manchen Frauen ist der verstärkte Haarwuchs schlicht Veranlagung. Ihre Haarfollikel reagieren vermutlich von Natur aus besonders empfindlich auf männliche Sexualhormone (Androgene). Seltener lässt sich ein bestimmter Auslöser feststellen, etwa eine hormonelle Störung. Bestimmte Hormone sind dann im Übermaß vorhanden.

In neun von zehn Fällen hat Hirsutismus keine erkennbaren krankhaften Ursachen. Ärzte sprechen dann von einem idiopathischen Hirsutismus. Meist werden die genauen Gründe für das Auftreten von Hirsutismus nicht gefunden.

Ein möglicher Hinweis auf eine hormonelle Ursache sind zusätzliche Symptome einer Vermännlichung. Zur Vermännlichung kommt es, wenn im Körper zu viele männliche Sexualhormone vorhanden sind.

Häufige Ursachen für Hirsutismus:

  • polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Dabei befinden sich an den Eierstöcken viele kleine Zysten.
  • androgenitales Syndrom: Die Nebennieren bilden durch einen Enzymdefekt zu wenig Kortisol und oft auch zu wenig Aldosteron.
  • Cushing-Syndrom: Bei dieser Erkrankung ist das Hormon Kortisol im Körper aus unterschiedlichen Gründen im Übermaß vorhanden. Zusätzlich kann ein Überschuss an männlichen Hormonen entstehen.
  • bestimmte Stoffwechselkrankheiten
  • die Einnahme Androgen haltiger Medikamente (z.B. Anabolika)

Hirsutismus entwickelt sich in der Regel während der Pubertät bzw. im frühen Erwachsenenalter. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen er sich erst ab dem mittleren Lebensalter zeigt.

Was ist Hypertrichose?

Die Hypertrichose kommt im Gegensatz zum Hirsutismus sowohl bei Frauen als auch bei Männern vor. Eine Hypertrichose, ist oftmals angeboren. Wenn untypisch viele Haare wachsen, nennt man das Hypertrichose. Der übermäßige Haarwuchs kann am ganzen Körper oder nur an bestimmten Stellen vorkommen, er kann vererbt oder erworben sein.

Hypertrichose ist eine androgenunabhängige Zunahme des Haarwuchses, bei der Alter oder Geschlecht keine Rolle spielen. Es gibt einen Unterschied zwischen angeborener und erworbener Hypertrichose. Bei der erworbenen übermäßigen Behaarung kann die Wachstumsphase des Haarzyklus beschleunigt sein.

Ursachen für Hypertrichose:

  • angeborene Hypertrichose
  • Medikamente (Antibiotika, entzündungshemmende Medikamente, etc.)
  • Krebserkrankungen
  • wiederholte Verletzungen

Diagnose von Hirsutismus

Die Diagnose Hirsutismus ergibt sich für den Arzt unmittelbar aus dem charakteristischen männlichen Behaarungstyp einer Patientin. Der Arzt oder die Ärztin wird im nächsten Schritt herausfinden wollen, ob bestimmte Erkrankungen oder Medikamente den Hirsutismus hervorgerufen haben. Verschiedene Blutwerte geben Aufschluss darüber, ob der Hirsutismus eine hormonelle Ursache hat und welche Erkrankung dahinterstecken könnte. Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen sinnvoll.

Erste Ansprechpartner für das Feststellen von Hirsutismus sind der Hausarzt oder der Frauenarzt. Zunächst wird der behandelnde Arzt eine körperliche Untersuchung durchführen und das Ausmaß der Körperbehaarung einschätzen. Zudem gehören zur typischen grundlegenden Diagnostik die Bestimmung des Sexualhormonspiegels und gegebenenfalls weiterer Werte, wie die der Schilddrüsenhormone oder des Zuckerstoffwechsels.

Behandlungsmöglichkeiten von Hirsutismus und Hypertrichose

Eine von Natur aus starke Körperbehaarung bedarf nicht zwingend einer speziellen Behandlung. Bei Hirsutismus, der durch eine bestimmte Erkrankung oder Medikamente ausgelöst wurde, richtet sich die Therapie vor allem nach der jeweiligen Ursache.

Medikamentöse Behandlung

Hat ein PCO-Syndrom den Hirsutismus begünstigt, kann bei übergewichtigen Frauen eine Gewichtsabnahme den Hormonhaushalt positiv beeinflussen. Da bei einem PCO-Syndrom häufig der Zuckerstoffwechsel gestört ist, kann auch eine Behandlung mit dem Antidiabetikum Metformin infrage kommen, welches als Tablette eingenommen wird.

Eine Alternative ist die Behandlung mit sogenannten Antiandrogenen oder der „Antibabypille“. Antiandrogene Wirkstoffe in Tablettenform, zum Beispiel das verschreibungspflichtige Cyproteronacetat, hemmen den Einfluss der männlichen Sexualhormone auf die Haarfollikel. In der Schwangerschaft und Stillzeit sind sie allerdings nicht geeignet. Zu häufigen Nebenwirkungen zählen Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen oder Zwischenblutungen.

Bei übermäßiger Gesichtsbehaarung steht der Wirkstoff Eflornithin als Creme zur Verfügung. Die Creme wird meist zweimal täglich auf die betroffenen Partien aufgetragen und vollständig einmassiert. Bis eine Wirkung sichtbar ist, können einige Wochen vergehen. Nach Absetzen der Behandlung kehrt die Behaarung nach und nach zurück, sodass häufig eine dauerhafte Anwendung nötig ist. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen lokale Reaktionen wie Kribbeln, Brennen, Juckreiz oder Rötungen.

Kosmetische Behandlungen

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten gegen die verstärkte Behaarung anzukämpfen:

  • Rasieren: Rasieren ist eine schnelle und einfache Methode, um unerwünschte Körperbehaarung zu entfernen. Das Rasieren beseitigt die Haare nur kurzfristig.
  • Enthaarungscreme/-schaum: Enthaarungsprodukte werden auf die Haut aufgetragen und nach einer Einwirkzeit von einigen Minuten wieder entfernt. Sie enthalten alkalische Chemikalien, welche an der Hautoberfläche befindliche Haarteile auflösen. Bis eine erneute Behandlung nötig ist, dauert es mehrere Tage. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautreizungen oder allergische Reaktionen. Daher sollte man das Produkt vor der ersten Anwendung auf einer kleinen Hautpartie testen.
  • Wachsen: Beim Wachsen wird das Haar an der Wurzel entfernt, was dazu führt, dass es bis zu vier Wochen dauert, bis es nachwächst. Es kann jedoch schmerzhaft sein und zu Hautirritationen führen.
  • Epilieren: Epilierer entfernen das Haar ebenfalls an der Wurzel, wodurch die Haut bis zu vier Wochen haarfrei bleibt.
  • Bleichen: Durch Bleichen können dunkle Haare gut kaschiert werden.
  • Dauerhafte Haarentfernung: Eine dauerhafte Methode die lästigen Haare loszuwerden ist die Laser-Haarentfernung oder IPL-Haarentfernung. Ganz schmerzfrei ist diese Methode der Haarentfernung jedoch nicht. Sollten sehr empfindliche Körperstellen durch eine Laserbehandlung enthaart werden, kann zusätzlich vor der Behandlung eine Betäubungscreme, die die Wirkstoffe Prilocain und Lidocain enthält, angewendet werden. Die besten Ergebnisse erzielt die Laser-Haarentfernung bei der Kombination aus dunklem Haar und heller Haut. So können die Absorption von Lichtenergie und eine dauerhafte Schädigung der Haarwurzeln am besten erreicht werden. Daher ist gebräunte Haut weniger für die Laserbehandlung geeignet. Darüber hinaus sollten Körperhaare vor der dauerhaften Entfernung nicht gezupft oder epiliert werden. Empfehlenswert ist es, den behandelten Bereich immer zwei Wochen lang vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen sowie einen Lichtschutzfaktor von mindestens 30 aufzutragen.
  • Einzelhaarentfernung: Die Einzelhaarentfernung ist gerade bei Hypertrichose, also vereinzelt auftretenden Haaren, eine tolle Möglichkeit, diese dauerhaft zu entfernen.

Hier eine Zusammenfassung der verschiedenen Haarentfernungsmethoden:

Methode Dauer Schmerz Nebenwirkungen Geeignet für
Rasieren Kurzfristig (1-2 Tage) Gering Hautreizungen, eingewachsene Haare Alle Körperbereiche
Enthaarungscreme Mehrere Tage Schmerzfrei Hautreizungen, allergische Reaktionen Viele Körperbereiche
Wachsen Bis zu 4 Wochen Schmerzhaft Hautirritationen Viele Körperbereiche
Epilieren Bis zu 4 Wochen Schmerzhaft Hautirritationen, eingewachsene Haare Viele Körperbereiche
Laser-Haarentfernung Dauerhaft (meist mehrere Sitzungen nötig) Leicht bis mäßig Hautrötungen, Schwellungen Dunkle Haare, helle Haut

Ursachen für Hirsutismus und Behandlungsmöglichkeiten

Schamhaare und ihre Funktion

Schamhaare erfüllen viele Funktionen im Körper:

  • Sie reduzieren die Reibung beim Laufen oder beim Sex.
  • Sie verhindern, dass Bakterien und andere Keime über die Geschlechtsteile in den Körper gelangen.
  • Sie halten die Temperatur der Geschlechtsorgane im optimalen Bereich.

Während ein einzelnes Haar auf dem Kopf etwa sieben Jahre lang wachsen kann, ist der Wachstumszyklus von Schamhaaren deutlich kürzer: Sie wachsen nur etwa sechs Monate, bis das Haarfollikel schließlich abstirbt.

Veränderungen der Schambehaarung im Alter

Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur das Kopfhaar - auch die Schambehaarung bleibt davon nicht unberührt. Mit zunehmendem Alter nimmt die Produktion von Testosteron und Östrogen ab. Diese Hormone steuern das Haarwachstum am gesamten Körper, einschließlich der Schambehaarung.

Ein schrittweiser Rückgang der Haardichte oder eine Aufhellung der Haarfarbe ist in den meisten Fällen kein Grund zur Besorgnis. Plötzlicher oder großflächiger Haarverlust im Intimbereich kann auf ein zugrunde liegendes gesundheitliches Problem hinweisen.

Psychische Belastung und Selbsthilfe

Hirsutismus ist für viele Betroffene nicht nur eine körperliche, sondern auch eine große psychische Belastung. Betroffene Frauen schämen sich oft für ihre starke Behaarung, fühlen sich unattraktiv und verwenden viel Zeit für die Entfernung ihrer Körperbehaarung. Dies kann in manchen Fällen sogar zu sozialem Rückzug und psychischen Erkrankungen führen.

Es gibt eine Reihe von Selbsthilfegruppen für Hirsutismus-Patientinnen. Auch für mögliche Grunderkrankungen existieren entsprechende Gruppen, beispielsweise die PCOS-Selbsthilfe.

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